Die Kommunistische Partei Griechenlands (, kurz K.K.E. oder KKE) ist eine 1918 entstandene griechische Partei. Sie vertritt einen marxistisch-leninistischen Standpunkt.

1918 als Sozialistische Arbeiterpartei Griechenlands (Σοσιαλιστικό Εργατικό Κόμμα Ελλάδας Sosialistikó Ergatikó Kómma Elládas, kurz: SEKE) gegründet, nahm sie 1924 ihren noch bis heute gültigen Namen an.

Theoretische Ausrichtung und Programm Anknüpfend an ihre Rolle in der Geschichte des modernen Griechenlands vertritt die Partei heute noch kommunistische Thesen in der Tradition des internationalen Marxismus und Leninismus. Entsprechend versteht sie sich nicht als reformistisch oder eurokommunistisch, sondern als revolutionär, strebt also den Sturz bzw. die völlige Abschaffung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung an. Die linke Partei lehnt sowohl die Politik der USA, die Europäische Union als auch die NATO ab, war entschiedener Gegner der Kriege gegen Jugoslawien, den Irak und Afghanistan und solidarisiert sich stattdessen mit Kuba. Nahziele der Partei im Inneren sind freie und öffentliche Bildung, ein hoher Mindestlohn von 1.300 Euro sowie eine hohe Mindestrente, der Kampf gegen die soziale Diskriminierung der zahlreichen, zumeist albanischen oder russisch-griechischen Immigranten, Sozialstaatlichkeit und ein entschiedenes Vorgehen gegen Drogen. Gleichzeitig vertritt die KKE jedoch öffentlich die These, dass eine endgültige positive Entwicklung zugunsten der arbeitenden Bevölkerung nur durch die (revolutionäre) Machtübernahme der großen Volksmehrheit und eine demokratisch gelenkte Wirtschaft in Staats- und Kollektivhand stattfinden kann.

Geschichte In der Zwischenkriegsperiode Die heutige KKE ist die älteste Partei in Griechenland.Marioulas, Julian: Die griechische Linke, in: Birgit Daiber, Cornelia Hildebrandt, Anna Striethorst (Hrsg.): Von Revolution bis Koalition. Linke Parteien in Europa, Dietz-Verlag Berlin 2010, abrufbar unter: . Sie wurde am 4. November 1918 zunächst unter dem Namen SEKE (Σοσιαλιστικό Εργατικό Κόμμα Ελλάδας, Sozialistische Arbeiterpartei Griechenlands) von Avraam Benaroya gegründet. Die erste politische Handlung von größerem Gewicht war das Engagement der Partei gegen den Griechisch-Türkischen Krieg, in welchem die griechische Monarchie in einer katastrophal scheiternden Militärexpedition versuchte, Kleinasien zu annektieren. SEKE rief die Soldaten auf, dem als imperialistisch verstandenen Krieg durch Fahnenflucht den Rücken zu kehren und stattdessen ihre Waffen gegen den eigenen König zu richten. 1920 entschied der 2. Parteikongress den Beitritt zur Dritten Internationale und erweiterte ihren Namen zu SEKE-K (Σοσιαλιστικό Εργατικό Κόμμα Ελλάδας-Κομμουνιστικό, Sozialistische Arbeiterpartei Griechenlands-Kommunistisch). Auf dem Dritten Parteikongress des Jahres 1924 nahm die Partei offiziell eine marxistisch-leninistische Linie, das Organisationsprinzip des Demokratischen Zentralismus und ihren endgültigen Namen KKE an. Zum Generalsekretär wurde Pandelis Pouliopoulos bestimmt, der später für Trotzki Partei ergreifen würde.

Von 1924 bis in die 1930er-Jahre hinein unterstützte die Partei zudem das Projekt der Kommunistischen Internationale zur Gründung eines vereinten sozialistischen Staates Makedonien, dem auch die griechischen Landschaften Makedonien und Thrakien zugehören sollten. Aus diesem Grund verstärkte sich nicht nur die staatliche Repression gegen die nun erst recht als landesverräterisch geltende KKE, sondern diese verlor auch zahlreiche Sympathien in der Bevölkerung. Offiziell wurde diese Linie erst 1945 durch Nikolaos Zachariadis widerrufen, war allerdings schon seit einigen Jahren faktisch nicht mehr der Parteikurs. Alles in allem war die KKE bis zum Beginn der deutschen Besatzung eine Partei ohne großen Einfluss, die hinter dem traditionell stattfindenden Kampf zwischen dem republikanisch und dem monarchistisch ausgerichteten Teil der Oligarchie Griechenlands in den Hintergrund trat. Die monarchofaschistische Diktatur des Generals Metaxas und König Georgs des Zweiten der Jahre 1936–1940 (das sogenannte „Regime des 4. August“, nach dem Datum der gewaltsamen Machtübernahme) leitete eine Periode massiver Repression ein, unter der die Anhänger und Mitglieder der Kommunistischen Partei verfolgt wurden und die Praxis der Lagerinseln (z. B. Akronafplia, Ikaria, Anafi und Kefallonia) eingeführt wurde, die Jahrzehnte später wieder zum Repertoire griechischer Militärregime gehören sollte. Die ohnehin zahlenmäßig kleine KKE wurde durch den Geheimdienst bis 1940 fast aufgerieben und viele ihrer Mitglieder befanden sich bis zur deutschen Besatzung in Haft, während der sie häufig im Rahmen von deutschen Vergeltungsaktionen exekutiert wurden. Gleichzeitig ließ der berüchtigte Geheimdienstchef Maniadakis regelmäßig gefälschte Ausgaben der Parteizeitung Rizospastis erscheinen, was die Koordinierung der Untergrundarbeit zusätzlich erschwerte und es für die Bevölkerung fast unmöglich machte, Fakten von Anti-KKE-Propaganda zu unterscheiden. Zusätzlich befand sich Generalsekretär Zachariadis im Gefängnis, während sich gleichzeitig selbstständig ein Führungsorgan namens „Altes Zentralkomitee“ gebildet hatte, sodass nicht einmal eine einheitliche und koordinierte Führung existierte.

Rolle der Kommunisten im Widerstand Als 1940 Mussolini nach einem abgelehnten Ultimatum Griechenland den Krieg erklärte und von Albanien aus angriff, stand KKE vor einem Dilemma: Da beide Kriegsteilnehmer faschistische Diktaturen waren, galt es nun, entweder unter dem Banner des nationalen Befreiungskampfes gemeinsam mit dem eigenen Regime die italienischen Invasoren abzuwehren oder sich weiterhin auf den Sturz der Regierung Metaxas zu konzentrieren. Generalsekretär Zachariadis schrieb am 2. November 1940 aus dem Gefängnis, möglicherweise im Unwissen über den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt, die Linie der nationalen Front gegen Italien vor. Oftmals wurde der Brief jedoch für eine Fälschung des Regimes gehalten, um die Front gegen Mussolini zu stärken. Andere Kommunisten verdächtigten Zachariadis, auf diese Weise seine Freilassung erwirken zu wollen. Die vorgegebene Linie wurde jedenfalls nur teilweise befolgt und die allgemeine Verwirrung dadurch verstärkt, dass kurz darauf ein weiterer Brief auftauchte, in dem Zachariadis den Krieg der griechischen Armee scharf kritisierte und an die Sowjetunion zur friedlichen Intervention appellierte. Am 7. Dezember veröffentlichte das „Alte Zentralkomitee“ ein Kommuniqué, in dem der Krieg als von den imperialistischen Mächten, allen voran Großbritannien inszeniert bezeichnet wurde. Diese offensichtlich unrichtige Behauptung wurde von der Mehrheit der Parteimitglieder und -funktionäre kritisiert. In der Folge erlitten die italienischen Streitkräfte eine vernichtende Niederlage durch die griechische Armee und wurden weit hinter die albanische Grenze zurückgeworfen. Eine funktionierende Parteistruktur entstand erst wieder mit dem Angriff der Wehrmacht und der bedingungslosen Kapitulation Griechenlands, die General Tsolakoglou unterzeichnete: Während des durch die deutsche Invasion verursachten Chaos gelang es zahlreichen inhaftierten Kommunisten, zu entkommen. Gleichzeitig tagte am 1.–3. Juli 1941 ein neues Zentralkomitee, das vom „Alten Zentralkomitee“ anerkannt wurde und die neue Linie vorgab: Widerstand, bewaffnet sowie unbewaffnet, gegen die deutsche, italienische und bulgarische Besatzungsmacht. Schon zuvor hatte es jedoch Aufrufe in diese Richtung gegeben. Am 27. September 1941 endlich wurde von der KKE und mehreren kleineren Gruppen wie etwa dem Αγροτικόν Κόμμα (Agrarpartei) die „Nationale Befreiungsfront“ (EAM) gegründet, die bis Kriegsende zur mächtigsten politischen Kraft Griechenlands aufsteigen und die KKE zur wichtigsten Partei machen sollte. In der Zwischenzeit wurde Zachariadis von der deutschen Besatzungsmacht ins KZ Dachau überführt, aus dem er erst 1945 zurückkehrte. Zwischenzeitlich wurde er von Andreas Tsipas und Georgios Siantos vertreten, was auch den Kurs der Partei erheblich beeinflusste: Zachariadis war immer um enge Beziehungen zur KPdSU und der Komintern bemüht gewesen und hatte deren Linie zum Teil auch zum Schaden seiner Partei durchzusetzen versucht. Siantos dagegen war eher ein Pragmatiker, der sich größeren „Spielraum“ erlaubte, was die Interpretation der Komintern-Weisungen angeht.

Am 16. Februar 1942 gründete man in Fthiotida die ELAS (Εθνικός Λαικός Απελευθερωτικός Στρατός – Nationale Volksbefreiungsarmee), den bewaffneten Arm der EAM. In der Folgezeit wurde die ELAS unter der Leitung des äußerst fähigen Kommunisten Aris Velouchiotis (eigentlich Thanassis Klaras) zu einer schlagkräftigen Volksarmee, die bei Kriegsende fast ganz Griechenland militärisch und politisch kontrollierte und verschiedenen Quellen zufolge bis zu 180.000 Männer und Frauen in Waffen und in Reserve hatte, wobei Letztere nie mobilisiert wurde. Die erste Hälfte des Jahres 1943 stand ganz im Zeichen der nationalen Einheit, sodass die ELAS mit der zweitgrößten Widerstandsgruppe EDES von General Nikolaos Plastiras und Napoleon Zervas kooperierte, etwa bei der Sprengung der wichtigen Eisenbahnbrücke bei Gorgopotamos, an der sich auch britische Spezialeinheiten beteiligten und durch die die Deutschen tagelang von ihrem Nachschub abgeschnitten wurden. Zahllose kleinere Überfälle auf Eisenbahnlinien, Konvois, Polizei- und Militärstationen sowie die Eliminierung von Kollaborateuren und deutschen Spitzeln prägten das Wesen des Partisanenkrieges. Später jedoch brachen die Beziehungen zwischen der EAM/ELAS und der monarchischen EDES sowie der dritten, eher unbedeutenden Partisanengruppe EKKA ab. Die ELAS griff Ende 1943 die EDES an und die EDES kollaborierte teils mit der deutschen Wehrmacht im Kampf gegen die ELAS.Deutsches Historisches Museum: 1939–45 Partisanenkrieg in Griechenland im LeMO

Noch während der Anwesenheit deutscher Truppen kam es zum Bürgerkrieg innerhalb des Widerstandes, der zwar von beiden Seiten nie mit äußerster Brutalität geführt wurde, aber die EDES zur informellen Auflösung Ende 1944 brachte. In den befreiten Gebieten wurde unter der Führung von Aris Velouchiotis währenddessen ein funktionierendes Staatswesen aufgebaut, das Selbstverwaltung, eine Volksjustiz und -polizei sowie den Schutz vor plündernd umherziehenden Banditen, den Deutschen und ihren Kollaborateuren einschloss. Die Bevölkerung, die eine solche Freiheit noch nie genossen hatte, wandte sich in enorm großer Zahl der EAM/ELAS und der Kommunistischen Partei zu, die zudem als einzige große politische Gruppe nie in Kollaborationsaffären verwickelt gewesen war. Die miserable Lebenssituation der griechischen Bauern und Arbeiter und die völkermörderische Vergeltungstaktik der Wehrmacht und SS trugen ihren Teil dazu bei. Trotz des großen Erfolgs im Partisanenkrieg fürchtete die KKE-Führung den radikalen Wandel, dem die ELAS unter Aris, Stefanos Sarafis und Andreas Tzimas das Land unterzog, da die wichtige Unterstützung durch Großbritannien verloren zu gehen drohte, falls die Perspektive eines linksregierten Nachkriegsgriechenlandes allzu real würde.

Der Bürgerkrieg bis 1949 Tatsächlich brachen nach dem Abzug der Deutschen, Italiener und Bulgaren in Athen offene Feindseligkeiten zwischen britischen Armeeeinheiten, königstreuen Milizen und ehemaligen Kollaborateuren einerseits und der ELAS andrerseits aus, nachdem britische Truppen auf eine Massendemonstration der EAM das Feuer eröffneten. Die sogenannte Schlacht um Athen führte nicht zur erhofften Eroberung Athens durch die ELAS und so kehrte die KKE-Führung zur Linie der Versöhnung zurück: Das Waffenstillstandsabkommen von Varkiza 1945 beinhaltete die Entwaffnung der ELAS, eine Generalamnestie für alle Partisanen und ein Referendum über die Rückkehr des Königs sowie über eine Verfassung. 1944 war die KKE kurzzeitig Mitglied in einer Regierung der nationalen Einheit unter Papandreou.