Das Weißeritztal ist ein sächsischer Landesteil zwischen Osterzgebirgskamm und Elbe, den die Täler der Wilden Weißeritz, der Roten Weißeritz und der Vereinigten Weißeritz bilden. Es ist durch die Romantik und die frühe Industrialisierung bekannt geworden.

Wilde Weißeritz

Die Wilde Weißeritz ist 53 km lang und fällt von Nové Město auf dem Erzgebirgskamm bis Freital-Hainsberg um 650 Höhenmeter ab.Naturführer Ost-Erzgebirge. Band 2: Natur des Ost-Erzgebirges im Überblick. Grüne Liga Osterzgebirge e. V. (Hrsg.), Dresden 2007, S. 210. Dort vereinigt sie sich mit der Roten Weißeritz.

Rote Weißeritz mini|Blick auf Altenberg (Osterzgebirge)

Das natürliche Quellgebiet der 35 km langen Roten Weißeritz sind die Galgenteiche westlich von Altenberg. Über den im 16. Jahrhundert angelegten Neugraben wurde das Georgenfelder Hochmoor angezapft und so das Quellgebiet der Roten Weißeritz vergrößert.Naturführer Ost-Erzgebirge. Band 2: Natur des Ost-Erzgebirges im Überblick. Grüne Liga Osterzgebirge e. V. (Hrsg.), Dresden 2007, S 366, 399. Das Wasser der Galgenteiche wurde teilweise nach Altenberg abgeleitet und dort im Zinnbergbau verwendet.

Vereinigte Weißeritz

mini|Industrie im Weißeritztal auf Höhe des Gewerbegebiets Felsenkeller in Dresden Zwischen Hainsberg und der Mündung der 13,7 km langen vereinigten Weißeritz in die Elbe entstand die Vor- und Frühindustrie im Döhlener Becken und im westlichen Stadtgebiet des heutigen Dresden.

Die Entstehung des Osterzgebirges und des Döhlener Beckens Das Erzgebirge erhielt während der cadomischen Gebirgsbildung vor 540 Millionen Jahren seine ersten frühen Formen.Naturführer Ost-Erzgebirge. Band 2: Natur des Ost-Erzgebirges im Überblick. Grüne Liga Osterzgebirge e. V. (Hrsg.), Dresden 2007, S. 71. Die Ausgangsgesteine des Nossen-Wilsdruffer Schiefergebirges und Elbtalschiefergebirges lagerten sich seit dem Kambrium bis in das Devon als Sedimentschichten ab und kamen während des Variszikums unter Metamorphose. Aus aufdringenden Magmen entstanden Diabase bei Tharandt und Granite im Osterzgebirge.Naturführer Ost-Erzgebirge. Band 2: Natur des Ost-Erzgebirges im Überblick. Grüne Liga Osterzgebirge e. V. (Hrsg.), Dresden 2007, S. 72.

Vor 308 bis 285 Mio. Jahren schufen Ablagerungen und Vulkane das Rotliegende im Döhlener Becken. Eine ausgedehnte Zone von Gesteinseinheiten mit rhyolithoidischer Zusammensetzung entstand unter dem späteren Tharandter Wald. Dort und in Schmiedeberg-Buschmühle bildete sich aus der Vulkanasche Porphyrtuff.Naturführer Ost-Erzgebirge. Band 2: Natur des Ost-Erzgebirges im Überblick. Grüne Liga Osterzgebirge e. V. (Hrsg.), Dresden 2007, S. 81. mini|Der Porphyrfächer bei Mohorn

Eine besondere Ausprägung des spätvariszischen Vulkanismus innerhalb der Tharandt-Caldera ist das Kugelpechsteinvorkommen zwischen Mohorn-Grund und dem Landberg. Die Vulkanaktivitäten hinterließen hier auch eine Decke von Schmelztuffen, die mit dem Porphyrfächer bei Mohorn-Grund aufgeschlossen sind.

Bei der Abkühlung von Gesteinsschmelzen gelangten Metalle, wie Wolfram, Silber, Eisen und weitere Schwermetalle durch verschiedene geochemische und Abläufe in die langsam erstarrenden Gesteinskörper oder wurden später durch Konvektionsströme und hydrothermale-pneumatolytische Prozesse in Klüften abgelagert.

Hämatit gab der Roten Weißeritz den Namen und Magnetit wurde als „Pirnisches Eisen“ abgebaut.Naturführer Ost-Erzgebirge. Band 2: Natur des Ost-Erzgebirges im Überblick. Grüne Liga Osterzgebirge e. V. (Hrsg.), Dresden 2007, S. 83 f. Zwischen Wilsdruff und Kreischa bildete sich ein Graben, in dem sich Brekzien und Konglomerate ablagerten.Naturführer Ost-Erzgebirge. Band 2: Natur des Ost-Erzgebirges im Überblick. Grüne Liga Osterzgebirge e. V. (Hrsg.), Dresden 2007, S. 86. Große Sümpfe mit Schachtelhalmgewächsen und Baumfarnen wurden von Schlamm oder von Vulkanaschen luftdicht abgedeckt. Daraus entstanden unter Luftabschluss die bis zu neun Meter mächtigen Steinkohlenflöze im Döhlener Becken, die von 1540 bis 1959 abgebaut wurden.

Vor 285 bis vor 235 Millionen Jahren oxidierten die in verwitternden Böden befindlichen Eisenverbindungen und färbten sie intensiv rot. Rotliegend-Konglomerate sind am Backofenfelsen zwischen Hainsberg und dem Pastritzgrund sichtbar.Naturführer Ost-Erzgebirge. Band 2: Natur des Ost-Erzgebirges im Überblick. Grüne Liga Osterzgebirge e. V. (Hrsg.), Dresden 2007, S. 87.

In den Küstenzonen eines ehemaligen Meeres vor 100 bis vor 85 Mio. Jahren lagerte sich Sand ab, aus dem sich Sandstein bildete. Im Tharandter Wald kommt Dünensandstein vor; die östlich davon liegende Dippoldiswalder Heide ist eine Sandsteinheide.Naturführer Ost-Erzgebirge. Band 2: Natur des Ost-Erzgebirges im Überblick. Grüne Liga Osterzgebirge e. V. (Hrsg.), Dresden 2007, S. 90.

Eine Verschiebung von Kontinentalplatten übte Druck auf vorhandene Gesteinsplatten aus. Eine von diesen, die Erzgebirgsscholle, brach vor 25 bis 20 Millionen Jahren und wurde im Süden angehoben. Die von Süden nach Norden abfallende Pultscholle gibt den Weißeritztälern bis heute ihr Gepräge.Naturführer Ost-Erzgebirge. Band 2: Natur des Ost-Erzgebirges im Überblick. Grüne Liga Osterzgebirge e. V. (Hrsg.), Dresden 2007, S. 94. Die Rote und die Wilde Weißeritz konnten nur in ihren Unterläufen so viel Wasser ansammeln, um die tiefen, schluchtartigen Täler in die Erzgebirgsscholle einzugraben.Naturführer Ost-Erzgebirge. Band 2: Natur des Ost-Erzgebirges im Überblick. Grüne Liga Osterzgebirge e. V. (Hrsg.), Dresden 2007, S. 101. Während des Pleistozäns vor 1,8 Millionen Jahren schoben von Norden nach Süden vordringende Gletscher Schuttberge vor sich her. Das zu Staub verkleinerte Gestein wurde von kalten, abfallenden Nordwinden auf die Pultscholle aufgeweht. Es festigte sich zu einer Lößdecke, die vom Elbtal bis nach Dippoldiswalde und Klingenberg reicht.Naturführer Ost-Erzgebirge. Band 2: Natur des Ost-Erzgebirges im Überblick. Grüne Liga Osterzgebirge e. V. (Hrsg.), Dresden 2007, S. 103.

Siedlungsgeschichte mini|Heidenschanze Dresden Die Heidenschanze östlich der Weißeritz war seit der mittleren Bronzezeit und während der Eisenzeit von 1400 bis 500 v. Chr. ununterbrochen besiedelt.Georg Bierbaum: Die Vorgeschichte des Plauenschen Grundes, in Rudolf Schumann (Hrsg.) Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Mitteilungen, Heft 3–6, Dresden 1927, S. 127–144 (134)

Der Kienberg in Tharandt westlich der Wilden Weißeritz war während der Eisenzeit von 1300 bis 1100 v. Chr. besiedelt. Heute ist dort der älteste Teil des Forstbotanischen Gartens. Die Elbgermanen wanderten ab 400 v. Chr. ein. Die Burgunden, die ab 200 n. Chr. von Osten her eindrangen, hinterließen an der Weißeritz keine Spuren. Während der Völkerwanderungszeit von 400 bis 600 n. Chr. war die Umgebung der Weißeritz nicht besiedelt.Georg Bierbaum: Die Vorgeschichte des Plauenschen Grundes, in Rudolf Schumann (Hrsg.) Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Mitteilungen, Heft 3–6, Dresden 1927, S. 127–144 (140). Von 600 bis 1000 n. Chr. besiedelten Slawen die Weißeritz, aber fast nur den Plauenschen Grund. Die Besiedlung erfolgte größtenteils von Norden aus der Ebene, und nur zum kleineren Teil von Süden über den Erzgebirgskamm, so dass die Weißeritztäler zwischen Wendischcarsdorf und Colmnitz und dem Erzgebirgskamm unbewohnt blieben.Georg Bierbaum: Die Vorgeschichte des Plauenschen Grundes, in Rudolf Schumann (Hrsg.) Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Mitteilungen, Heft 3–6, Dresden 1927, S. 127–144 (140). Slawische Ortsnamen sind: Döhlen – (důl/Tal); Leisnitz – (lesni/Wald); Burgk – (boriku/Kieferngehölz); Zauckerode – (zuchewidre/trockenfallender Otternbach) und Coschütz. Auch Deuben – (dubi/Eichendorf) ist ein slawischer Ortsname, der den größten zusammenhängenden Traubeneichenwald Europas östlich von Deuben auf dem Windberg bezeichnet. Slawisch besiedelt war auch Wendischcarsdorf, heute Karsdorf.Georg Bierbaum: Die Vorgeschichte des Plauenschen Grundes, in Rudolf Schumann (Hrsg.): Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Mitteilungen, Heft 3–6, Dresden 1927, S. 127–144 (140). Die deutsche Besiedlung ab 1000 n. Chr. beendete die Slawenzeit. Die Slawen wurden aber nicht ausgerottet wie später die Litauer bei den Litauerfahrten des Deutschen Ritterordens im 14. Jahrhundert.Henri Pirenne: Geschichte Europas. Von der Völkerwanderung bis zur Reformation. Übersetzt aus dem Französischen von Wolfgang Hirsch, Frankfurt am Main 1982, Nachdruck Köln 2009, S. 475. Die deutsche Besiedlung geht für den nördlicheren Plauenschen Grund von der Burg Meißen, und für die südlichere Rote Weißeritz vom Burggrafen zu Dohna aus. Dippoldiswalde wurde erstmals 1160 erwähnt. Ersterwähnungen der deutschen Besiedlung für die Höhenzüge über dem Plauenschen Grund sind: Burgwart Buistrici (Pesterwitz) 1068; Deltsan (Dölzschen) 1144; Naundorf (Kleinnaundorf) 1144; Plauen, Potschappel, Döhlen, Wurgwitz und Gompitz 1206; Wizoch (Weißig) 1235; Zauckerode und Burgk 1350; Coschütz, Gittersee, Birkigt, Schurfenberg (Zschiedge) und Niederhäslich 1445, und Hainsberg 1420.Georg Bierbaum: Die Vorgeschichte des Plauenschen Grundes, in Rudolf Schumann (Hrsg.) Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Mitteilungen, Heft 3–6, Dresden 1927, S. 143 f. Eine feste Grenze zwischen slawischem und deutschem Siedlungsgebiet gab es nicht. Erst im Vertrag von Eger wurde 1459 eine feste Grenze zwischen der Mark Meißen und Böhmen vereinbart.Reiner Groß: Geschichte Sachsens, Berlin 2001, S. 28.

Die Landesherrschaft über das Weißeritztal hatte immer der Markgraf von Meißen inne. 1423 bis 1485 war er zusätzlich Herzog von Sachsen und Kurfürst. Die Kurwürde ging 1485 im Rahmen der Leipziger Teilung an das westlich gelegene ernestinische Herzogtum Sachsen; der albertinische Landesherr war nur noch Herzog. 1547 übertrug der Habsburger Kaiser Karl V. die Kurwürde auf den albertinischen Herzog Moritz. Von 1697 bis 1765 stellte der Landesherr die Bezeichnung König von Polen voran; dieses Amt übte er in Personalunion mit seinen sächsischen Ämtern aus. Nach dem Verzicht auf die Krone Polens blieb nur noch die Bezeichnung Kurfürst. 1807 erhob Napoleon Sachsen zum Königreich, so dass der Landesherr bis 1918 König von Sachsen war. Die Landesherrschaft über die Markgrafschaft Meißen, zu dem das Weißeritztal gehörte, war von diesen Ämtern rechtlich unabhängig und wurde bis 1831 getrennt ausgeübt.Reiner Groß: Geschichte Sachsens, Berlin 2001, S. 204.

Silberbergbau in Dippoldiswalde (1183 bis nach 1470) mini|Luftbild von Dippoldiswalde