The Church ist eine Rockband, die 1980 in Australien gegründet wurde und seitdem musikalisch aktiv ist. War sie in ihren Anfangsjahren vor allem von New Wave und Post-Punk inspiriert, machte sich später ein immer stärkerer Einfluss der 1960er-Psychedelia bemerkbar. Die Band lässt sich so in die „zweite Welle“ des Psychedelic Rock einordnen.
In ihren neueren Werken sind neben den Einflüssen von Psychedelic Rock auch Elemente aus Space Rock und Progressive Rock auszumachen. Ihr Markenzeichen ist die Verbindung aus der unverwechselbaren, tiefen Stimme des Sängers Steve Kilbey, dessen Liedtexten und dem Zusammenspiel der beiden Gitarristen Peter Koppes und Marty Willson-Piper, die die Gruppe allerdings nach jahrzehntelanger Zugehörigkeit mittlerweile verlassen haben.
Geschichte Die Gründungsphase bis zum ersten Album (1980–1981) Steve Kilbey und Peter Koppes spielten bereits seit den frühen 1970er Jahren gemeinsam in verschiedenen Glam-Rock-Bands in Sydney, Australien. Im April 1980 taten sie sich mit dem Schlagzeuger Nick Ward zusammen und hatten in dieser Trio-Besetzung einige kleine Auftritte. Ergänzt durch den aus Liverpool stammenden Gitarristen Marty Willson-Piper gründeten sie schließlich The Church (deutsch: Die Kirche). Der Bandname wurde damals eher zufällig gewählt, da es ein Gruppenname war, der ungewöhnlich war, und es keine andere gleichnamige Gruppe gab. Steve Kilbey sagte jedoch einmal, dass sie „alle auf irgendeine Art spirituell seien“, so dass die Namenswahl mutmaßlich nicht zufällig erfolgte. Zu diesem Zeitpunkt war lediglich Peter Koppes gelernter Gitarrist. Steve Kilbey war als Bassspieler „sehr fehleranfällig“ und Marty Willson-Piper „suchte noch seinen Stil und Platz in der Band“.
In dieser Besetzung erstellten sie ein Demoband mit vier Liedern. Aufgrund von Beziehungen aus Steve Kilbeys Zeit mit der Vorgängerband Baby Grande gelang es, das Demoband der australischen Plattenfirma ATV Northern zukommen zu lassen. Während dort in einem Büro das Lied Chrome Injury des Demobandes abgespielt wurde, saß der Chef des Labels, Chris Gilbey, im Büro nebenan und hörte den Song. Begeistert nahm er die Gruppe in Kooperation mit Parlophone/EMI unter Vertrag. Von diesem Demoband hat es nur Chrome Injury auf ein Album geschafft.
Die Studioaufnahmen für das erste Album Of Skins and Heart erfolgten spät im Jahre 1980. Chris Gilbey produzierte und Bob Clearmountain mischte die fertigen Bänder ab. Fast alle Stücke wurden von Steve Kilbey geschrieben. Die erste Singleauskopplung (und allererste Studioaufnahme der Band überhaupt) She Never Said kam im November 1980, noch bevor das Album veröffentlicht war, in Australien heraus, ging aber im Weihnachtsgeschäft unter. Im März 1981 erschienen dann, wiederum auch nur in Australien, das Album und die zweite Single The Unguarded Moment, die in den dortigen Charts bis auf Platz 22 stieg. Aufgrund dieses Erfolges ging die Band auf Australien-Tournee und brach dabei Hausrekorde.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Albums war Nick Ward auf Veranlassung des Managers der Band allerdings schon durch Richard Ploog ersetzt worden. Richard Ploog stammte aus Adelaide und hatte dort als Schlagzeuger gespielt. Diese Besetzung bildete die erste personell stabile Phase der Band.
Aufgrund des Erfolges in Australien wurden auch Plattenfirmen in Europa (Carrere) und in den USA (Capitol Records) auf die Band aufmerksam, so dass dieses Album etwas später auch dort erschien. Es wurde dafür allerdings mit einem anderen Cover versehen, schlicht in The Church umbenannt und enthielt eine leicht veränderte Titelreihenfolge. Fälschlicherweise wurde auf dieser Version Richard Ploog als Schlagzeuger angegeben, obwohl er tatsächlich nur bei einem Lied gespielt hatte. Von The Unguarded Moment erstellte Capitol in den USA eine um eine Minute kürzere Version, mit der die Band sehr unzufrieden war und die zu Spannungen zwischen der Band und dem Label führte.
The Blurred Crusade und Sing-Songs (1982) Die ersten Lieder, die in der Besetzung mit Steve Kilbey, Peter Koppes, Richard Ploog und Marty Willson-Piper aufgenommen wurden, erschienen zunächst nicht auf einem Album, sondern als sogenannte Doppel-Single mit fünf Liedern. Darunter Tear It All Away, mit dem die Band eine deutliche Entwicklung hin zu komplexeren Gitarrenstrukturen nahm und mit dem zum ersten Mal der typische The Church-Sound zu hören war. Steve Kilbey fasste diese Entwicklung in den Liner Notes zur Compilation Hindsight mit den Worten zusammen: „Mit diesem Lied begann sich der Sound von The Church zu bilden.“ Mit Sisters erschien die erste Gruppenkomposition.
Beim zweiten Album The Blurred Crusade, das Anfang 1982 veröffentlicht wurde, war Bob Clearmountain wieder der Mixer und er trat diesmal auch als Produzent auf. Es war dabei musikalisch und stilistisch von einer Konsistenz und Komplexität, auf die das Vorgängeralbum nicht annähernd hingedeutet hatte. Die Lieder waren sehr gut abgemischt, die Gitarrenarrangements anspruchsvoller und die Komposition ausgefeilter. Richard Ploogs „weiches“ Schlagzeugspiel, das mehr Betonung auf die Toms legte, passte wesentlich besser zum sich entwickelnden Bandstil als das seines Vorgängers. Mit Almost with You gab es zudem die zweite Hit-Single der Band, die in den australischen Charts bis auf Platz 21 kletterte – sicherlich eines der typischsten Lieder von The Church aus dieser Phase.
Aufgrund des erneuten Erfolges ging die Band auf eine zweite Australien-Tournee. Auch in Europa erschien das Album und verkaufte sich so gut, dass Ende 1982 die erste mehrmonatige Tour durch Europa startete. Die Band hatte 1982 außerdem fünf Demo-Stücke für ihr US-amerikanisches Label Capitol aufgenommen, das The Blurred Crusade nicht veröffentlicht hatte und weitere Aufnahmen der Band hören wollte. Dort konnte man mit diesen Demos jedoch nichts anfangen und ließ die Band fallen.
Steve Kilbey wollte die Lieder trotzdem veröffentlichen und so erschien Ende 1982 in Australien die EP Sing-Songs. Im Vergleich zu The Blurred Crusade war diese EP eher „spartanischer“ instrumentiert und abgemischt. Die EP ging mehr oder weniger unter, wurde später aber zu einer der meistgesuchten Platten der Band. Drei Stücke schafften es im Laufe der Jahre auf Compilations, aber erst 2001 waren mit der Veröffentlichung der CD Sing-Songs / Remote Luxury / Persia alle Stücke wieder auf einem Tonträger in der ursprünglichen Reihenfolge erwerbbar.
Seance und Remote Luxury (1983–1984) Im Mai 1983 wurde Seance veröffentlicht, das dritte Album der Band. The Church produzierte erstmals selbst, der Mix jedoch wurde von Nick Launay durchgeführt. Er mischte über das Schlagzeug, vor allem über die Snare, einen leicht verzerrten, stakkatoartigen Sound, mit dem die Band nicht zufrieden war. Sie forderten Launay auf, die Stücke neu abzumischen, der diese Effekte aber nur ein bisschen zurückdrehte. Man kann das besonders bei der Single Electric Lash sehr deutlich hören. Richard Ploog fand den Sound scheußlich und die Band soll dazu gesagt haben, „dass das Resultat nicht The Church wäre“. Es enthält aber zum Beispiel mit Now I Wonder Why und Fly trotzdem einige Lieder, die als absolut typisch für The Church gelten. Insgesamt kam das Album nicht so gut an wie die Vorgängeralben, weil es düsterer und kryptischer war. Es verkaufte sich schlechter und die Käufer fingen an, das Interesse an der Band zu verlieren. Die Musikpresse in Europa und den USA jedoch war begeistert und das Creem Magazine in den USA betitelte die Band als eine der besten der Welt.
Steve Kilbey schrieb für Seance den Hauptteil der Lieder und hatte dafür insgesamt zwanzig Stücke zu Hause auf seiner 4-Spur-Maschine aufgenommen. Er ermutigte die anderen Bandmitglieder jedoch, eigene Songs zu komponieren. Ihm war klar, dass es auf die Dauer nicht gut gehen kann, wenn die anderen Bandmitglieder immer gesagt bekommen, was sie spielen sollen. Am Ende gelangte aber trotzdem nur ein Stück auf das Album, das nicht nur von ihm geschrieben war: das sehr experimentelle Travel by Thought. Kilbey und Willson-Piper hatten für dieses Album auch das Stück 10,000 Miles gemeinsam komponiert, es wurde vom Plattenlabel jedoch als „unbrauchbar“ angesehen – was Kilbey sehr verärgerte, da er das Lied als essentiellen Bestandteil des Albums ansah. Später kam es dann aber doch noch auf dem Album Remote Luxury heraus.
1984 wurden die beiden EPs Remote Luxury und Persia in Australien veröffentlicht, waren jedoch kommerziell nicht sonderlich erfolgreich. Im Vergleich zu Seance waren die Lieder nicht so düster, sondern poppiger und wurden durch die Keyboards des Gastmusikers Craig Hooper ergänzt. Mit No Explanation gab es sogar so etwas wie einen fröhlichen, lockeren Sommersong. Maybe These Boys ist wiederum eines der atypischsten Stücke der Band und wird in Fankreisen und von der Band als misslungen angesehen. Wieder wurden fast alle Stücke nur von Kilbey geschrieben.
Außerhalb Australiens kamen diese beiden EPs zusammen als ein Album heraus, das den Titel Remote Luxury trug. In den USA war das die erste Veröffentlichung seit dem Debütalbum. Aufgrund des dort geweckten Interesses folgte die erste Tournee durch die USA im Oktober/November 1984. In New York und Los Angeles kamen jeweils 1000 Besucher pro Auftritt, an anderen Orten dagegen teilweise nur 50. Die Tour endete daher finanziell verlustreich.
Insgesamt war die Band 1984 auf ihrem ersten kleineren Tiefpunkt angelangt. Die Erfolge der ersten beiden Alben hatten sich nicht wiederholen lassen und die Kreativität der Band ließ nach. Steve Kilbey ist der Ansicht, Seance und Remote Luxury hätten bessere Alben werden können, als sie es tatsächlich waren. Sein Songwriting sei damals schlechter geworden, die Band habe schlechter gespielt und sie seien in einem Meer von Apathie und nachlassendem Enthusiasmus versunken.
1985 wurde es dann zunächst ruhig um die Band. Die einzelnen Bandmitglieder verbrachten ihre Zeit in Stockholm, Sydney und auf Jamaika. So war die einzige Veröffentlichung des Jahres das erste Solowerk von Steve Kilbey: die Single This Asphalt Eden.
Heyday (1986) 1986 erschien mit Heyday eine Platte, mit der eine „Vollendung des individuellen Stils“ angestrebt war. Übersetzt bedeutet der Titel etwa Blütezeit oder Hochgefühl und drückt damit treffend aus, dass die Band mit diesem Album ihre volle Kreativität wiedererlangt hatte. Zum ersten Mal wurden fast alle Lieder von der Band gemeinsam geschrieben. Produzent Peter Walsh hatte die Stilelemente geschickt zusammengemischt und einen sehr warmen, organischen Sound produziert. Unterstrichen wurde dies mit dem Ersatz der Keyboards durch echte Streicher und Bläser. Viele Feinheiten der Stücke erschlossen sich erst nach mehrmaligem Anhören. Aus künstlerischer Sicht war es das bis dahin ausgereifteste Album der Band und stilistisch ebnete es den Weg für die nachfolgenden Platten.
Nachdem das Album auch in Europa und den USA herausgekommen war, wurde es von der dortigen Musikpresse als Klassiker bezeichnet. Im April 1986 begann die Band eine mehrmonatige Tournee durch diese Gebiete. Dabei verließ Marty Willson-Piper für eine Woche die Band, so dass der Auftritt am 10. Juni 1986 in Hamburg ohne ihn stattfand. Die Gründe dafür waren Spannungen innerhalb der Band, die sich aufgrund vieler kleiner Frustrationen während der langen Europa-Tournee aufgebaut hatten.