Die Liste ehemaliger Mennonitenkirchen gibt einen Überblick über früher von mennonitischen Gemeinden genutzten Kirchen und Gemeindehäuser. Die Liste umfasst zunächst vor allem Kirchengebäude im mittel- und osteuropäischen Raum. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Deutschland Name / Ort / GemeindeBaujahrTerritoriumBemerkungenBilderLiteraturhinweise / InternetlinksLehr,Bolanden-Weierhof 1770 Heiliges Römisches Reich dt. Nation / Nassau-Weilburg (bis 1806), Deutsches Reich (1871–1945), Französische Besatzungszone (1945–1949), Bundesrepublik Deutschland / Rheinland-Pfalz (ab 1949/46)Der Bau war zunächst ohne Genehmigung begonnen worden, nachdem eine entsprechend Bittschrift offensichtlich ohne Antwort geblieben war, und musste daraufhin wieder eingestellt werden. Erst auf Fürsprache durch einen Gönner (Geheimrat La Poitrie) kam die Genehmigung, die mit Kosten von 12 Gulden und 12 Kronen verbunden war. – Die Einweihung geschah unter Mitwirkung von Predigern benachbarter Gemeinden. – Die Einstellung eines hauptamtlichen Predigers hatte einen erhöhten Gottesdienstbesuch zur Folge, so dass ein größeres Bethaus gebaut wurde, das 1837 eingeweiht wurde.99pxChristian Neff, Christian Galle, Art. Weierhof, in: Mennonitisches Lexikon Bd. 4 (1967) S. 486.Niederländische Kirche,Glückstadt 1624 Heiliges Römisches Reich dt. Nation / Herzogtum Holstein (bis 1806), Herzogtum Holstein (1806–1864/66), Preussen / Provinz Schleswig-Holstein (1866–1871), Deutsches Reich / Preussen / Provinz Schleswig-Holstein (1871–1945), Britische Besatzungszone (1945–1949), Bundesrepublik Deutschland / Schleswig-Holstein (ab 1949/46)Die Mennoniten nutzten mit den beiden anderen niederländischen Religionsgruppen der Stadt (Reformierte und Remonstranten) das Haus Schlachterstraße 7 als Kirche und Schule. Zwischen 1655 und 1734 wurde ein eigenes kleineres Gebäude Am Hafen 34 als mennonitisches Bethaus/Versammlungshaus genutzt. Der niederländische Friedhof lag außerhalb des Stadtgrabens an der Itzehoer Straße.99pxGlobal Anabaptist Mennonite Encyclopedia OnlineMennonitenkirche (auf der Großen Freiheit)Hamburg 99px 99pxAuf der nebenstehenden Karte von Altona von 1770 ist die Lage der Mennonitenkirche mit „U“ gekennzeichnet, der nahegelegene mennonitische Friedhof mit „V“.Monsheim-Kriegsheim ? Heiliges Römisches Reich dt. Nation (bis 1806), Deutsches Reich (1871–1945), Französische Besatzungszone (1945–1949), Bundesrepublik Deutschland / Rheinland-Pfalz (ab 1949)Die alte Kirche wurde wegen Baufälligkeit und Überflutungsgefahr durch den benachbarten Fluss Pfrimm 1820 verkauft. Die eingenommenen Gelder flossen in den Neubau einer Kirche im benachbarten Monsheim.Art. Kriegsheim bei gameo.orgMennonitenkirche,Ludwigshafen1903Deutsches Reich (1871–1945), Französische Besatzungszone (1945–1949), Bundesrepublik Deutschland / Rheinland-Pfalz (ab 1949)Die Kirche befand sich Kurze Straße 12 (MennLex II S. 699; Stand 1937).99pxNeff, Art. Ludwigshafen, in: Mennonitisches Lexikon Band II, S. 699f.; Art. Ludwigshafen bei gameo.orgMennonitenkirche,Neustadtgödens 1751 Heiliges Römisches Reich dt. Nation / Grafschaft Ostfriesland (bis 1806), Königreich Holland (1806–1810), Kaiserreich Frankreich / Ems-Oriental (1810–1815), Königreich Hannover (1815–1866), Königreich Preußen / Provinz Hannover (1866–1918), Deutsches Reich (1871–1945), Britische Besatzungszone (1945–1949), Bundesrepublik Deutschland / Niedersachsen (ab 1949)Täufer aus den Niederlanden waren unter den ersten Bewohner der im 16. Jahrhundert gegründeten Stadt, seit 1709 bestand ein mennonitische Bethaus, 1751 wurde das jetzige Kirchengebäude (Vermaning) gebaut, nach 1800 sank die Zahl der Mennoniten am Ort, 1841 wurde die letzte Predigt gehalten, seit 1893 gilt die Gemeinde als erloschen, heute ist in der früheren Mennonitenkirche ein Café eingerichtet.99pxArt. Neustadtgödens bei gameo.orgMennonitenkirche,Neuwied 1768 Heiliges Römisches Reich dt. Nation (bis 1806), Herzogtum Nassau (1806–1815), Königreich Preußen (1815–1918), Deutsches Reich (1871–1945), Französische Besatzungszone (1945–1949), Bundesrepublik Deutschland / Rheinland-Pfalz (ab 1949)In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verkaufte die örtliche Mennonitengemeinde die Kirche, 1985 brannte die Kirche größtenteils ab, anschließend wurde sie wieder aufgebaut, heute Nutzung als städtische Galerie.99pxArt. Neuwied bei gameo.orgNorden Heiliges Römisches Reich dt. Nation (bis 1806), Königreich Preußen (seit 1744), Deutsches Reich (1871–1945), Britische Besatzungszone (1945–1949), Bundesrepublik Deutschland / Niedersachsen (ab 1949)Die Gemeinde „besass das Haus Nr. 602 an der Westseite des Marktes, das vom Prediger bewohnt wurde; und das Nachbarhaus Nr. 603 mit drei Kammern, in dem die Armen der Gemeinde Unterkommen und Unterhalt fanden. Hinter beiden Häusern, jenseits einer Lohne, stand in stiller Verborgenheit ein Gebäude, das einer Bauernscheune ähnlicher als eine Kirche war, in dem die Gemeinde ihre Gottesdienste abhielt. Um da hineinzukommen, musste man entweder durch einen schmalen Gang, der sich zwischen beiden vorerwähnten Häusern befand, oder durch das sog. Armenhaus, Nr. 603, oder aber von hinten durch eine Lohne gehen, welche heute noch MennonitenlohneEine Straße mit dem Namen Mennonitenlohne gibt es auch 2022 noch, vgl. https://www.openstreetmap.org/search?query=mennonitenlohne#map=19/53.59356/7.20344, abgerufen am 15. Juni 2022. genannt wird.

Der unansehnliche und baufällige Zustand dieser ‚Kirche‘ liess bei vielen Mitgliedern der damals noch grösseren Gemeinde, die sich durchgängig günstiger Verhältnisse erfreuen mochten, den billigen Wunsch entstehen, ein ansehnlicheres Gebäude für ihren Gottesdienst zu haben und zu stiften. ...

Der im Jahre 1796 begonnene Bau der neuen Kirche ward erst im Jahre 1797 im Frühling beendet, während welcher Zeit der Gottesdienst anfänglich noch in der alten Kirche ... wahrgenommen wurde. Als diese dann verkauft und geschleift war, ... wurde der Gottesdienst in einem grossen Saale des jetzt im Innern veränderten Hauses Nr. 381 abgehalten, das dem Herrn Reinhard Rahusen gehört (jetzt wohl das Vereinshaus), bis die nunmehr fertige Kirche am 2. April 1797 ... feierlichst eingeweiht wurde.“Zitat aus: Kurze Mitteilungen aus der Geschichte der Mennoniten-Gemeinden in Ostfriesland im allgemeinen und der Norder Gemeinde im besonderen bis zum Jahr 1797. Verfasst und den jetzigen Gemeindemitgliedern gewidmet von Jan ten Doornkat Koolman, Senator und Kommerzienrat. Norden. Druck von Diedr. Soltau. 1903 [= Aufbereitung eines Textes von 1843], Nachdruck, o. O., o. J., S. 53f.61.

West- und Ostpreußen Name / Ort / GemeindeBaujahrTerritoriumBemerkungenBilderLiteraturhinweise / InternetlinksMennonitenkirche,Danzig / Gdańsk 1819 Königreich Preußen / Provinz Westpreußen (bis 1918), Deutsches Reich (1871–1920), Freistaat Preußen (1918–1920), Freie Stadt Danzig (1920–1939), Deutsches Reich/NS-Staat (1933–1945), Volksrepublik Polen (1945–1989), Dritte Polnische Republik (ab 1989)

vor 1819: Königlich Preußen (vor 1793), Königreich Preußen (1793–1807 und ab 1814), Republik Danzig (1807–1814)Die ersten Täufer siedelten sich im 16. Jahrhundert in Danzig an, im 17. Jahrhundert entstanden erste mennonitische Kirchenbauten, die jetzige Kirche wurde 1819 erbaut, im Umfeld befanden sich weitere Einrichtungen der Gemeinde wie Armenhaus, Friedhof und Hospital, die Kirche wird heute von einer polnischen Pfingstgemeinde genutzt.99px Mennonitenkirche Danzig bei Wikimedia Commons Die Kirche und das Prediger=Wohnhaus der Danziger Mennoniten=Gemeinde., in: Christlicher Gemeindekalender auf das Jahr 1895, 4. Jahrgang, S. 49–51, mit Abbildung.Mennonitenkirche,Elbing / Elbląg 1590 (weitere Kirchenbauten 1783, 1852, 1900) Königreich Preußen / Provinz Westpreußen (bis 1918), Deutsches Reich (1871–1920), Freistaat Preußen (1918–1920), Ostpreußen (1920–1939), Danzig-Westpreußen (1939–1945), Volksrepublik Polen (1945–1989), Dritte Polnische Republik (ab 1989)Wie in Danzig siedelten sich auch in Elbing und Umgebung (Ellerwald) bereits im 16. Jahrhundert niederländische Täufer an, die erste Elbinger Mennonitenkirche stammt von 1590, eine zweite Kirche in Ellerwald I. / Władysławowo entstand 1783, eine separate Gemeinde richtete 1852 eine weitere Mennonitenkirche in der Reiferbahnstrasse ein, die vierte Mennonitenkirche Elbings wurde 1900 in der Berlinerstraße 20 errichtet. Die erste Kirche von 1590 ist das älteste noch bestehende mennonitische Kirchengebäude.99pxMennonitenkirche,Preußisch Rosengart / Rozgart,Gemeinde Thiensdorf-Pr.Rosengart 1890 Deutsches Reich/NS-Staat (1933–1945), Volksrepublik Polen (1945–1989), Dritte Polnische Republik (ab 1989)Die ersten Täufer siedelten sich Mitte des 16. Jahrhunderts im Marienburger Kleinen Werder (zwischen der Nogat und dem Drausensee / Druzno gelegen) an, die Gemeinde wurde entsprechend Kleinwerder Gemeinde genannt, zu Beginn des 17. Jahrhunderts bestanden Kontakte zu den Hutterern in Mähren, zeitweise bestand im Dorf Wengeln / Węgle-Żukowo ein hutterischer Bruderhof, nach dem Dreißigjährigen Krieg siedelten sich nochmal vertriebene Hutterer in der Region an und bildete wahrscheinlich zeitweise eine eigene hutterische Gemeinde, mennonitische Gemeindehäuser bestanden in Markushof / Markusy und Thiensdorf / Jezioro, zwischen 1791 und 1890 bildeten Markushof und Thiensdorf jeweils zwei selbstständige Gemeinden, nach einem Deichbruch mit nachfolgenden Überschwemmungen des Kleinen Werders vereinigten sich beide Gemeinden wieder zur Gemeinde Thiensdorf-Pr.Rosengart und bauten 1890 die Kirche in Preußisch Rosengart / Rozgart, die Kirche wurde im neugotischen Stil gebaut und verfügt – im Gegensatz zu vielen anderen Mennonitenkirchen – über einen Kirchturm sowie über eine Glocke. Die Gemeinde zählte im Jahr 1939 1.124 getaufte Mitglieder. Die Kirche wird heute von einer polnischen katholischen Gemeinde genutzt.

Zur Gemeinde gehörende Friedhöfe lagen in Schwansdorf / Żurawiec, Thiensdorf und Preußisch Rosengart.99px Private Internetseite (mit Bildern) Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia OnlineMennonitenkirche,Heubuden / Stogi bei Marienburg / Malbork,Gemeinde Heubuden-Marienburg 1768 Königreich Preußen / Provinz Westpreußen (bis 1918), Deutsches Reich (1871–1920), Freistaat Preußen (1918–1920), Freie Stadt Danzig (1920–1939), Deutsches Reich/NS-Staat (1933–1945), Volksrepublik Polen (1945–1989), Dritte Polnische Republik (ab 1989)Die ersten Täufer siedelten sich um 1565 im südlichen Marienburger Werder an, die Gemeinde war zeitlebens ländlich geprägt, nur ein kleiner Teil lebte direkt in der Stadt Marienburg, bis Mitte des 18. Jahrhunderts wurde noch am Niederländischen als Kirchensprache festgehalten, durch ein Privilegium des Bischofs von Culm vom 17. Juni 1768 konnte im gleichen Jahr in Heubuden eine Kirche aus Holz gebaut werden, 1853 wurde die Kirche um 14 Meter verlängert und ein gemauertes Fundament gelegt, zum Schluss umfasste die Kirche etwa 800 Sitzplätze, in den Jahren 1906–1907 wurde zudem ein Gemeindehaus in der Stadt Marienburg gebaut, dieses hatte eine Kapazität von 350 Plätzen, zuvor fanden Gemeindeaktivitäten auch in Czattkau / Czatkowy (bis 1897), in Wernersdorf / Pogorzała Wieś und Lesewitz (bis 1907) und in Klein-Lichtenau (bis 1911) statt. Die Gemeinde Heubuden-Marienburg hatte im Jahr 1929 1092 getaufte Mitglieder, die Kirche wurde nach 1945 von einer polnischen katholischen Gemeinde genutzt.

In Heubuden befindet sich ein circa 2,6 ha großer mennonitischer Friedhof.99px