mini|Wappen der Büchel bei Anton Fahne Die Büchel, auch van dem Buchel, von Buchell, Buggele, Buchelius u. ä., waren eine Kölner Ritter- und Patrizierfamilie, die im Mittelalter und der Frühen Neuzeit Besitzungen im Köln-Bonner und Eifeler Raum innehatte. Ein Teil der Familie hat sich in das Gelderland verzweigt.
Herkunft Die Kölner Ritterfamilie Büchel – in den Kölner Schreinsbüchern auch lateinisch „de Monticulo“ oder „de Cumulo“ (= „vom Hügel“) – hat ihren Namen von einem Hof auf dem Büchel (noch heute in den Straßennamen „Krummer Büchel“ bzw. „Hochpfortenbüchel“ erhalten) in Köln am Großen Griechenmarkt VISpäter Hausnummer 6567, jetzt: Großer Griechenmarkt 2. (an der Ecke zu Aufm Kronen-Büchel II). Heute befindet sich dort (Ecke Großer Griechenmarkt/Krummer Büchel) eine Freifläche mit Spielplatz.
Die meisten und die ältesten Besitzungen der Familie lagen im Bonn-Godesberger Raum. In diesem Gebiet könnte ihr Ursprung liegen, noch bevor Anfang des 14. Jahrhunderts der Hof am Büchel in Köln erworben wurde.
Geschichte Die Familie „van dem Buchel“ ist im Köln-Bonner Raum seit dem 12. Jahrhundert belegt.Vgl. Hartmut Bickel: Beinamen und Familiennamen des 12. bis 16. Jahrhunderts im Bonner Raum (Rheinisches Archiv 106), Bonn: Röhrscheid 1978, S. 193.
Erzbischof Philipp I. von Heinsberg († 1191) beurkundete 1176, dass Werner de Monticulo, Bürger in Köln, und seine Gattin Gertrude ihre Lehen- und Zinsgüter dem Ursulastift gegen zwei Präbenden und mit dem Vorbehalt der Leibzucht resigniert habenHistorisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 266 St. Ursula, Urkunde U 12).. 1255 erscheinen Gottfried, Johannes und sein Sohn Johannes d. J. de Buchele in einer Urkunde des Klosters Dünnwald.Vgl. Leonhard Korth: Zur Geschichte des Klosters Dünwald im zwölften und dreizehnten Jahrhundert. In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 20 (1884), S. 51–83, bes. S. 71f.
1280 besaß Johann de Buggele zwei Häuser an der Achterstraße hinter der Severinstraße. 1301 erscheinen Johannes – genannt de Buggele – und sein Sohn Henricus als Zeugen in einem Erbteilungsvertrag der Begine Ditmodis, in dem Vereinbarungen über zwei Häuser gegenüber von den „Weißen Frauen“ – dem Kloster St. Maria Magdalena im Stiftsbezirk von St. Severin (Oversburg; heute: Blaubach, Ecke Perlengraben) – getroffen wurden; nach Ditmodis Tod sollten die Häuser an ihre Schwester Bliza, verheiratet mit Gobelinus,Wohl Gobelin Lanzmann, Kölner Bürger; vgl. Memorienbuch des Klosters Groß St. Martin (14. Jahrhundert), in: Johannes Hubert Kessel: Monumenta historica ecclesiae Coloniensis, Köln: J. M. Heberle (Lempertz) 1863, S. 52 und 99 (). und ihre Nichte Methildis bzw. deren Erben fallen.Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 214 St. Georg, Urkunde U 2/40).
1323 hinterlegte Sophia, Witwe des Johannes de Monticulo genannt de Wisenfrouwen – auch Johann de Cumulo oder de Albis dominabus (= Johann zu den „Weißen Frauen“), – ihr Testament und bestimmte u. a. ihre Tochter Katerina zur Vollstreckerin.Vgl. Gabriel M. Löhr: Beiträge zur Geschichte des Kölner Dominikanerklosters im Mittelalter (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens in Deutschland 16/17), Bd. II Quellen, Leipzig 1922, S. 111, 114, 144, 209 und 318. Katerina († wohl um 1355), Tochter des verstorbenen Johann de Cumulo, stiftete 1332 für 16 Solidi ein Jahresgedächtnis bei den Dominikanern.
1359 siegelte Johan de Monticulo mit dem Familienwappen, und 1385 siegelte Johann van den Buggel, Amtmann zu Oversburg.Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 214 St. Georg, Urkunde U 1/116). 1437 war Arnold vom Büchel kurkölnischer Rentmeister.
Besondere Beziehungen der Familie Büchel, die viele Kanoniker und Kanonissen stellte, bestanden zum Kloster Nonnenwerth (Rolandswerth) und zum Bonner Stift St. Cassius und Florentius. Die Büchel waren auch eine der Stifterfamilien der Kölner Minoritenkirche.
Die Familie Büchel ist im Köln-Bonner Raum im 17. Jahrhundert ausgestorben, der geldrische Zweig blühte länger.
Stammsitz in Köln
Haus zum Büchel am Krummen Büchel (Griechenmarkt) Urkundlich wird in den Schreinsbüchern von St. Peter am Großen Griechenmarkt VI („Kruygmart“ u. ä.)Vgl. Hermann Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter (Preis-Schriften der Mevissen-Stiftung 2), Bd. I und II, Bonn: Hanstein 1910 (Nachdruck Düsseldorf: Droste-Verlag 1986), Bd. I, S. 238–242 und 249; Bd. II, S. 35, 38, 52, 112 und 183. 1310 (ähnlich 1308 u. a.) als „Ansedil“ (1312; = Stammsitz) der Familie der Hof („cura“) von „Johannis de Cumulo, super Cumulum … versus portam Grecorum [= Johann von dem Büchel, auf dem Büchel … Richtung Griechenpforte]“ mit 6 Wohnungen erwähnt. Vorbesitzer war Gerhard Rinderdoye. Eine der Wohnungen, das Haus Cronenburg – später „Zo der Kronen“ bzw. Brauhaus „Zur Krone“ – hatte Tilman de Monticulo († vor 1364) inne.
1365 wird das Anwesen als Haus „ad Monticulum in Monticulo, que fuit olim mansio [= zum Büchel im Büchel, das war früher die Wohnung des] Henrici de Monticulo“ bezeichnet. Die lombardischen Kaufleute Johann (Giovanni) († 1388), Obertijn (Albert) († nach 1401) und Odinus (Ottin) de Montefia und Michael Barbarius in Roermond kauften das Haus „ad Monticulum“ am Großen Griechenmarkt in Köln in diesem Jahr 1365 und erwarben das Bürgerrecht. 1406 heißt es Haus „zome Buchel auf dem Buchel“; 1409 ließ Baldewin (Baudouin) de Montefia († nach 1422), der Sohn Obertins, das Haus „zum Büchel“ weiterverkaufenArchiefbewaarplaats Roermond (Regesten Nr. 1006 und 1561). an Graf Gerhard I. zu Sayn-Sayn (1372–1419) („Haus Seyne“).
Kaiser Sigismund von Luxemburg (1368–1437) übernachtete 1414 anlässlich seiner Krönungsfeierlichkeiten vor der Reise zum Konzil nach Konstanz mit seinem Gefolge im Haus zum Büchel.Vgl. Friedrich Everhard von Mering: Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien u. Klöster in den Rheinlanden und den Provinzen Jülich, Cleve, Berg und Westphalen, Bd. V, Köln 1840, S. 121. Der Hof gelangte später in den Besitz der Familien Raitz von Frentz bzw. von StommelVgl. Testamente des Adolf von Stommel († um 1601) zu Neuenhof vom 4. Juni 1600 und seiner Mutter Johanna Raitz von Frentz, Witwe des Wilhelm von Stommel, vom 26. Januar 1602; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1037 Raitz von Frentz (Familie), U 5/1, 5/3 und 14/1). und Staël von Holstein und hieß Frenzen oder Stommeler Hof. 1594/95 wurde er im Stil der Renaissance umgebaut und 1844 abgebrochen.Vgl. Anton Fahne von Roland: Geschichte der Kölnischen, Jülichschen und Bergischen Geschlechter. Band II. Johann Matthias Heberle / Heinrich Lempertz, Köln / Bonn 1853. Ein Kamin aus dem Erdgeschoßsaal des Stommeler Hofes – der größte erhaltene Kölner Sandsteinkamin – befindet sich im Kölnischen Stadtmuseum.Bildarchiv Foto Marburg (abgerufen am 6. Oktober 2012)
Schräg gegenüber vom Griechenmarkt VI lag auf der anderen Straßenseite zur „Alten Mauer“ bzw. zum Blaubach hin das Anwesen Großer Griechenmarkt I. Dort werden als Besitzer 1315 Johannis de Cumulo, 1344/45 Sophie de Cumulo, 1354 Johannis de Albis dominabus und 1402, 1431 Sophien (Fijen) von dem Buchell genannt. Es handelte sich um 4 oder 5 Wohnungen in zwei Häusern unter einem Dach. Am Großen Griechenmarkt 1 stand später das Geburtshaus von Jacques Offenbach (1819–1880).
Auch im Haus Großer Griechenmarkt III weiter zur Griechenpforte hin wird 1334 ein Familienmitglied Thelo de Cumulo erwähnt.
Weiterer Besitz in Köln Am Eigelstein wird 1147/48 bzw. 1176 Werner de Monticulo als Eigentümer genannt. Das Anwesen Kostgasse II im Niederich wurde 1172 von Adolf, Sohn des Adolf de Monticulo gekauft. 1180/85 erwarben es je zur Hälfte Rudolph de Monticulo und Methildis. 1297 verkaufte Hermann von Monticulo die Severinstraße I an die Karmeliter. Das Haus Waidmarkt IV war 1323 im Besitz der Erben de Cumulo. Die Karthäusergasse II gehörte 1308 Johannis de Cumulo und 1365 dem „Mädchen“ (puella) Katherine de Cumulo. Der Mühlenbach II war vor 1369 im Besitz des Johannis de Monticulo gewesen.
Beginenhaus „zum Büchel“ Ein Haus „zo dem Buchel“ neben dem Kloster St. Ursula „hinter der Küche der Äbtissin ‚Zu den Jungfrauen‘“ („retro coquinam abbatisse ad Virgines“) stammte aus einem Anteil der Sophia von Büchel; 1355 vermachte die Begine Katharina dicta de Monticulo (Katharina genannt vom Büchel), ein Haus, das sie im Gehöft („vicus“) hinter der Küche der Äbtissin bewohnt, den Dominikanern. 1399 beurkunden Prior Nikolaus Bucheler und der Konvent der Kölner Dominikaner, dass ihnen die Kölner Begine Katharina de Monticulo ihr Wohnhaus bei der Äbtissinnenküche für den Todesfall ihrer Schwester Sophia vermacht hat.Vgl. Leonhard Korth: Zur Geschichte des Klosters Dünwald. Regesten von 1304–1515. In. Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 22 (1886), S. 107–147, bes. S. 141.
Der bedeutendste Beginen-Konvent an dieser Stelle wurde als „Wijssen-Konvent“, „Wißen-Convent“ (1390) oder „des Wyssen convent“ bezeichnet und wahrscheinlich um 1250 von Gerardus Albus (= Weiß)Aus der Ministerialenfamilie aus der Villa Belle (Buschbell, heute Stadtteil von Frechen) westlich von Köln, deren Mitglieder häufig den Beinamen „Albus“ trugen; 1248-1276 als Vogt von Belle erwähnt, vgl. Wilhelm Pötter: Die Ministerialität der Erzbischöfe von Köln vom Ende des 11. bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts, Düsseldorf: Schwann 1967, S. 27. gegründet (erstmals erwähnt 1255, letzte Erwähnung 1853); weitere Konvente bestanden in unmittelbarer Nähe am Holzmarkt (1465 aufgegeben) und in der Ursulastraße (1422 bereits erloschen).Vgl. Johannes Asen: Die Beginen in Köln. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 113 (1928), S. 13–96, bes. S. 40–45.
Besitzungen um Rommerskirchen, Köln, Wesseling, Bonn, in der Eifel u. a. Die Familie Büchel war unter anderem im Erzstift und in der Stadt Köln, in Rommerskirchen, in Godorf („Locherhof“1466 von Johann und Agnes von dem Büchel für 935 Gulden an das Stift St. Severin verkauft, Erwerbstitel von 1402 und 1406.Vgl. Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 264 Severin, Urkunden U 3/394, U 2/395 und U 1/396)Vgl. Hermann Friedrich Wilhelm Schmidt-Bleibtreu: Das Stift St. Severin in Köln (Studien zur Kölner Kirchengeschichte 16), Siegburg: Schmitt 1982, S. 337.), Keldenich („Buchelerhof“, heute Schwingeler Hof),Vgl. Marinus Paulus Smissaert: Genealogie van Buchell naar een onuitgegeven Hs. met gekleurde Wapens versiert. In: De Navorscher 45 (1895), S. 524 und 526 Anm. 1. Dottendorf, Plittersdorf und Godesberg (später „Krummels-Lehn“), Schweinheim, Witterschlick („Buchels guet“), Muffendorf („Buchelslehen“ beim Siegburger Hof, vermutlich Lehen des Bonner Cassius-StiftesVgl. Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Bestand Bonn, St. Cassius, Urkunde 320) oder der Abtei St. Michael in Siegburg), Rüngsdorf, Königswinter, Berkum, Adendorf und in der Herrschaft Landskron begütert.Vgl. Dietrich Hörold (Bearb.): Die Urkunden des Archivs von Burg Rösberg (Inventare nichtstaatlicher Archive 26) Rheinland Verlag, Köln 1981, S. 39–41Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Reichskammergericht III, 1552 (E 351/1235)).