mini|hochkant|Annette von Droste-Hülshoff, Gemälde von Johann Sprick (1838)Droste-Hülshoffs Unterschrift: rahmenlos|zentriert|165px Annette von Droste-Hülshoff (* 12. Januar 1797,. Zur Problematik des Geburtsdatums der Droste.Zur Forschungsdiskussion bezüglich des Geburtsdatums vgl. zusammenfassend Walter Gödden: Annette von Droste-Hülshoff. Leben und Werk. Eine Dichterchronik. Verlag Peter Lang, Bern/Berlin u. a. 1994, ISBN 3-906750-40-X, S. 23.. nach anderen Quellen 10. Januar 1797,. Biographie bei: Burg-Huelshoff.de.Google widmet Annette von Droste-Hülshoff ein Doodle. auf Burg Hülshoff bei Münster als Anna Elisabeth Francisca Adolphina Wilhelmina Ludovica Freiin von Droste zu Hülshoff; † 24. Mai 1848 auf der Burg Meersburg in Meersburg) war eine deutsche Schriftstellerin und Komponistin. Unter den deutschsprachigen Dichterinnen und Dichtern des 19. Jahrhunderts ist sie eine der bedeutendsten.

Leben Herkunft mini|hochkant|Annette von Droste-Hülshoff, Daguerreotypie; eine von zwei 1845 entstandenen Fotografien der Dichterin mini|Burg Hülshoff, Darstellung von Alexander Duncker Annette von Droste-Hülshoff stammte aus dem Uradelsgeschlecht der Freiherren Droste zu Hülshoff, einem der ältesten Westfalens, und gehörte der 20. Generation ihrer Familie an.Wilderich von Droste zu Hülshoff: 900 Jahre Droste zu Hülshoff. 2., erweiterte Auflage. Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2022, ISBN 978-3-936509-19-9. Sie wurde als zweites von vier Kindern. Biografie beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe. von Clemens-August II. von Droste zu Hülshoff (1760–1826) und Therese von Haxthausen (1772–1853) am 12. Januar 1797Nach anderen Quellen 10. oder 14. Januar, beispielsweise in der Biographie , abgerufen am 24. Juni 2009.Für den 14. Januar spricht ein wissenschaftlicher Aufsatz von August Schröder in den Beiträgen zur Westfälischen Familienforschung, Band 33–35, 1975–1977. auf der westfälischen Wasserburg Hülshoff zwischen Havixbeck und Roxel bei Münster geboren. Ihren Eltern hat die Dichterin in ihrem Fragment Bei uns zulande auf dem Lande ein literarisches Denkmal gesetzt.Sie schrieb darüber: Dass ich „meine lieben Eltern so deutlich darin erkannte, daß man mit Fingern darauf zeigen konnte – das war eigentlich nicht meine Absicht, ich wollte nur einzelne Züge entlehnen […] nun fürchte ich, wird es jedermann gradezu für ein Portrait nehmen …“ (Brief vom 20. Juli 1841 an August von Haxthausen; vgl. nach100jahren). Ihre ältere Schwester Jenny war ihre engste Vertraute und malte mehrere Porträts der Dichterin. Ihr jüngerer Bruder Werner-Constantin wurde der Nachfolger des Vaters auf dem Gutsbesitz und sorgte für ihren Lebensunterhalt; und der jüngste Bruder Ferdinand, gerade Forstmeister geworden, starb jung, nachdem Annette ihn hingebungsvoll gepflegt hatte.

Die Dichterin und ihr Werk wurden durch ihre Herkunft geprägt. Die schon im 11. Jahrhundert als von Deckenbrock urkundlichen Droste zu Hülshoffszur Herkunft ihrer Familie siehe Wilderich von Droste zu Hülshoff: 900 Jahre Droste zu Hülshoff. 2., erweiterte Auflage. Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2022, ISBN 978-3-936509-19-9, S. 18 ff. waren als ursprünglich edelfreies Geschlecht im Mittelalter mit dem Hochadel verwandt. Schon der erste, 1147 urkundlich erwähnte Namensträger Everwinus hatte als Droste des Domkapitels das vornehmste Hofamt im späteren Hochstift Münster inne. Der erste 1209 urkundlich erwähnte direkte Vorfahr der Dichterin war Ritter und Vasall des Fürstbischofs von Münster. Als solcher ist auch der Vorfahr Heinrich I. von Droste zu Hülshoff, von der Dichterin alter Hans Heinrich genannt,Annette von Droste-Hülshoff: Bei uns zu Lande auf dem Lande. Romanfragment, HKA V, 1, S. 135 f.) an einem Burgturm ihres Elternhauses auf einem Reiterrelief abgebildet. Später mussten ihre Verwandten nur selten Militärdienst leisten; ihr Großonkel, General Heinrich-Johann von Droste zu Hülshoff, ist heute hauptsächlich durch seinen Umbau des Elternhauses der Dichterin bekannt. Stattdessen dominierte in der väterlichen Familie eine zivile, kirchliche und – trotz umfangreichen Gutsbesitzes – städtische Prägung: Als Erbmännerfamilie hatten viele Vorfahren schon im Mittelalter das erblich gewordene Drostenamt des Domkapitels von Münster sowie Ämter als Bürgermeister und Ratsherren der Stadt Münster bekleidet, einige hatten Westfalen auf den Hansetagen vertreten. Zugleich war die Familie – auch die Dichterin selbstDie Dichterin war Patin einer Tochter ihrer Amme Catharina Plettendorf, siehe Wilderich von Droste zu Hülshoff: Wo meine Lebenden wandeln und meine Toten ruhen – Annette von Droste-Hülshoff und St. Pantaleon in Münster-Roxel. In: 200 Jahre St. Pantaleon-Schützenbruderschaft zu Roxel. Laumann-Verlag, Dülmen 2021, ISBN 978-3-89960-488-7, S. 183. – durch Gutsbesitz und die Übernahme von Patenschaften für Bauernfamilien mit der Landbevölkerung verbunden und nutzte im Alltag Münsterländer Platt. Als Herren von Hülshoff und anderen Gütern hatte sie auch die niedere Gerichtsbarkeit und das Patronat über die Pfarrkirche von St. Pantaleon (Roxel) inne; in der Jugend der Dichterin übte ihr Vater zusätzlich – unter Napoleon – von Hülshoff aus sein Amt als maire (Bürgermeister) dieses nahegelegenen Dorfes und des Nachbardorfs Albachten aus, der u. a. für Polizeiaufgaben zuständig war. Zahlreiche Verwandte aus beiden elterlichen Familien waren katholische Dom- und Stiftsherren bzw.-damen; ihr Großonkel, Ernst Konstantin von Droste zu Hülshoff, war als Domdechant an der Regierung des Hochstifts Münster beteiligt, ihr Onkel Heinrich Johannes war der letzte adelige Dompropst im Bistum Münster und ihre Groß- und Patentante, Anna-Elisabeth Droste zu Hülshoff (1733–1805), die letzte Äbtissin des Damenstifts Metelen. Die Dichterin stammte über die Frau ihres Urgroßvaters Heinrich Wilhelm Droste zu Hülshoff auch vom Adelsgeschlecht Droste zu Vischering und über ihre Großmutter mütterlicherseits auch vom Adelsgeschlecht Westphalen ab.Johann Holsenbürger: Die Herren v. Deckenbrock (v. Droste-Hülshoff) und ihre Besitzungen. 2 Bände. Regensberg, Münster i. W. 1868/1869, S. 205 ff.Wilderich von Droste zu Hülshoff: 900 Jahre Droste zu Hülshoff. 2., erweiterte Auflage. Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2022, ISBN 978-3-936509-19-9, S. 187 ff. Musisch begabt waren vor allem ihr Urgroßvater Heinrich Wilhelm Droste zu Hülshoff und ihre Großmutter Maria Bernhardine von Droste zu Hülshoff, geborene von der Recke-Steinfurt.Johann Holsenbürger: Die Herren v. Deckenbrock (v. Droste-Hülshoff) und ihre Besitzungen. 2 Bände. Regensberg, Münster i. W. 1868/1869, S. 216 f.Wilderich von Droste zu Hülshoff: Annette von Droste-Hülshoff im Spannungsfeld ihrer Familie (= Aus dem deutschen Adelsarchiv. Band 11). C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1997, ISBN 3-7980-0683-0, S. 42.

Bildung

mini|Wappen derer von Droste zu Hülshoff auf dem Grabstein der Dichterin

Während die männlichen Familienmitglieder meist Universitätsbildung besaßen, erfuhr die weibliche Verwandtschaft ihre Bildung meist in Kanonissenstiften. So hatte auch Annette von Droste-Hülshoffs Vater an der alten, von Franz von Fürstenberg gegründeten Universität Münster u. a. bei Anton Matthias Sprickmann studiert. Ihre Mutter hatte ab ihrem dreizehnten Lebensjahr im Kanonissenstift St. Bonifatius (Freckenhorst) gelebt und unter der Äbtissin Francisca Lucia von Korff zu Harkotten und Störmede eine hervorragende Erziehung erfahren. Während ihre Schwester Jenny von Droste zu Hülshoff noch Stiftsdame im Kloster Hohenholte werden konnte, war diese Art der Erziehung und materiellen Absicherung wegen der Aufhebung dieser Einrichtungen infolge der Säkularisation für Annette von Droste-Hülshoff nicht mehr möglich.

Annette von Droste-Hülshoffs Eltern ragten aus dem Stiftsadel durch ihre literarische und musikalische Bildung heraus – sie hatten vor ihrer Geburt in der Stadt Münster gelebt, wo sie dem Münsterschen Kreis im Kontext der Katholischen Aufklärung angehört hatten. Zu diesem Kreis gehörte auch Bernhard Overberg; seiner – für die damalige Zeit „modernen“ – Pädagogik, die auch die Bildung von Frauen förderte, folgte die Erziehung der Geschwister Droste-Hülshoff. Die Verbindung ihrer Familie zur Literatur war bereits im 16./17. Jahrhundert durch den Humanisten Everwin Droste und das Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft, Everwin von Droste zu Möllenbeck, entstanden. Auch gab es in ihrer Familie bereits seit Generationen eine Musiktradition.

Annette von Droste-Hülshoff selbst hatte, wie sich aus dem Tagebuch ihrer Schwester ergibt, eine glückliche Kindheit.Dieter Potente: Jenny – alter Hans – Kindheit und Jugend des adligen „Stiftsfräuleins“ Jenny von Droste auf der Burg Hülshoff. In: 200 Jahre St. Pantaleon-Schützenbruderschaft zu Roxel. Laumann-Verlag, Dülmen 2021, ISBN 978-3-89960-488-7, S. 165 ff. Sie wurde – zusammen mit ihren Geschwistern – zunächst von ihren gebildeten Eltern, dann von einem Hauskaplan, der später Professor am Gymnasium Paulinum in Münster wurde, und von einer französischen Kinderfrau unterrichtet.Wilderich von Droste zu Hülshoff: 900 Jahre Droste zu Hülshoff. Verlag LpV Hortense von Gelmini, Horben 2018, ISBN 978-3-936509-16-8. Auf diese Weise erwarb das sehr wissbegierige Kind eine Bildung, welche für die damalige Mädchenerziehung außergewöhnlich war und z. B. Literatur in lateinischer, griechischer, französischer und englischer Sprache sowie geschichtliche, geografische und naturkundliche Kenntnisse umfasste. Jugendfreunde der Dichterin und ihrer Geschwister waren z. B. die Kinder des mit Goethe befreundeten Dichters und Staatsmannes Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg.Walter Gödden: Annette von Droste-Hülshoff – Leben und Werk, eine Dichterchronik. 1994.

Lebensstationen mini|hochkant|Jugendbildnis der Dichterin, vermutlich von ihrer Schwester Jenny

Die Lebensspanne von Annette von Droste-Hülshoff fiel in eine Zeit der politischen Umbrüche und wirtschaftlichen Einschränkungen, die als Biedermeier in die Geschichte eingingen. Auf die Säkularisation des Hochstifts Münster (1803) folgten in ihrer Heimat die politischen Herrschaftswechsel zu Preußen (1803–1806 und ab 1815) – unterbrochen durch das Intermezzo des napoleonischen Großherzogtums Berg (1806–1815). Ihr weiteres Leben verbrachte sie in den preußischen Provinzen Westfalen und Rheinland sowie dem Großherzogtum Baden, wo sie im Revolutionsjahr 1848 starb.

Hülshoff und Münster

Seit ihrer Kindheit und Jugend war Annette von Droste-Hülshoff kränklich, bedingt durch ihre verfrühte Geburt als kaum lebensfähiges Siebenmonatskind. Sie war angeblich nur ca. 1,50 m groß und zierlich gewachsen. Außerdem war sie extrem kurzsichtig, hatte auffällig wirkende Augen und litt oft unter rasenden Kopfschmerzen. Anders als ihre Schwester Jenny von Droste zu Hülshoff konnte sie daher nur mäßig zeichnen, förderte aber Maler, stickte gemeinsam mit ihrer Schwester die künstlerisch wertvolle Fahne der Schützenbruderschaft zu RoxelWilderich von Droste zu Hülshoff: Wo meine Lebenden wandeln und meine Toten ruhen – Annette von Droste-Hülshoff und St. Pantaleon in Münster-Roxel. In: 200 Jahre St. Pantaleon-Schützenbruderschaft zu Roxel. Laumann-Verlag, Dülmen 2021. und machte selbst Scherenschnitte in beachtlicher Qualität. Ihre Kurzsichtigkeit befähigte sie andererseits zu einer mikroskopisch-exakten Nahbetrachtung und -beschreibung der Natur, die sie oft auf eigene Faust mit dem Geologenhammer durchstreifte. Schon seit ihrer Kindheit standen die gesundheitlichen und auch gesellschaftlichen Einschränkungen und ihre geistigen Tätigkeiten in großer Spannung zu ihrer lebhaften Vorstellungskraft und Unternehmungslust, der „Sehnsucht in die Ferne“.

mini|Burg Hülshoff 1842