Bad Gleichenberg ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Gerichtsbezirk Feldbach und dem politischen Bezirk Südoststeiermark und ein Kurort im südöstlichen Hügelland der Steiermark.
Geografie Geografische Lage Bad Gleichenberg liegt etwa 42 km südöstlich der Landeshauptstadt Graz und 9 km südlich von Feldbach am Ostrand des Steirischen Hügellandes. Zwischen diesen fast parallelen Hügelketten der Riedel entwässern fast alle Bäche nach Süden zur Mur, die ihrerseits zum Flusssystem Drau/Donau gehört. Nur jenseits der Gleichenberger Kogeln fließt ein Bach nach Norden zur Raab.
Geologie Geologisch ist die Umgebung geprägt durch den Wechsel zwischen jungtertiärem Hügelland und quartären Sedimenten in den Paralleltälern. Einige Hügel sind durch den Vulkanismus im Steirischen Becken entstanden. Der Doppelgipfel der Gleichenberge () direkt nördlich des Ortes ist der oberirdisch sichtbare Teil eines großen, im Miozän entstandenen Vulkans, der sonst weitgehend von jüngeren tertiären Sedimenten bedeckt ist. Der Stradnerkogel () etwa 3 km im Süden gehört zu einem jüngeren Vulkanismus, er ist erst im Pleistozän entstanden. Zwischen beiden vulkanischen Episoden liegen also mehr als 10 Millionen Jahre.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet gliedert sich in elf Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl, Stand ): Bad Gleichenberg () mit Grünwald, Sulz und Wierberg Bairisch Kölldorf () mit Absetz, Galgegg, Graben, Hansa, Kohlleiten, Muhrn, Peckl, Schern, Schneeberg, Stein, Steinbergen, Sulzberg und Wierberg Gleichenberg Dorf () mit Bernreith, Steinriegl-Absetz, Vausulz und Wiesenthal Haag () mit Haagergreith Hofstätten () Klausen () Merkendorf (Steiermark) () mit Kogelfeld Steinbach () mit Holzbauern Trautmannsdorf in Oststeiermark () mit Aichelzeil, Blödenbach, Hochegg, Kirchenberg, Kühgraben, Liergl und Meißl Waldsberg () mit Frauenberg, Kaargebirge und Pauga Wilhelmsdorf () mit Stöckelgrund
Die Gemeinde besteht aus neun Katastralgemeinden (Fläche: Stand ):
Bad Gleichenberg () Bairisch Kölldorf () Gleichenberg Dorf () Haag () Hofstätten () Merkendorf () Trautmannsdorf () Waldsberg () Wilhelmsdorf ()
Die Gemeinde bildet gemeinsam mit der Gemeinde Kapfenstein den Tourismusverband „Region Bad Gleichenberg“, dessen Sitz ist in Bad Gleichenberg.Grazer Zeitung, Amtsblatt für die Steiermark 30. Dezember 2014, 210. Jahrgang, 52. Stück, Nr. 315, , S. 628.
Eingemeindungen mini|Schloss Gleichenberg, Lith. 1830 mini|Schloss Gleichenberg, 1844 mini|Ansicht des Kurorts Gleichenberg, 1844 mini|Kurhaus mit Hotel an der Therme sowie dem Klinikum Bad Gleichenberg Mit 1. Jänner 1968 wurden die früheren Gemeinden Bad Gleichenberg (Kurbad seit 1926) und Dorf Gleichenberg zusammengelegt. Mit 1. Jänner 2015 wurde Bad Gleichenberg im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark mit den Gemeinden Bairisch-Kölldorf, Merkendorf und Trautmannsdorf in Oststeiermark zusammengeschlossen. Die neue Gemeinde führt den Namen „Bad Gleichenberg“ weiter.Kundmachung der Steiermärkischen Landesregierung vom 19. Dezember 2013 über die Vereinigung der Gemeinden Bad Gleichenberg, Bairisch-Kölldorf, Merkendorf und Trautmannsdorf in Oststeiermark, alle politischer Bezirk Südoststeiermark. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 30. Dezember 2013, Nr. 186, 38. Stück, , S. 763.
Nachbargemeinden
Klima
Geschichte Erste Siedlungsspuren reichen in die Jungsteinzeit zurück und haben vermutlich mit der guten Wasserqualität zu tun. Vor etwa 5.000 Jahren entstand am Wickenberghügel beim heutigen Ortszentrum ein kleines Dorf, das älteste bisher entdeckte Dorf der Steiermark. Aus der Pfahlbauzeit wurden 1872 einige Tongefäße, Steinäxte und -Hämmer entdeckt.
Die Gleichenberger Heilquellen wurden zumindest seit der Römerzeit genützt. Vom sogenannten Römerbrunnen fand man 1845 in vier Meter Tiefe einen guterhaltenen Brunnenkranz, darunter 74 römische Münzen und 12 versteinerte Haselnüsse aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr.
Die Burg Gleichenberg (Burg Alt-Gleichenberg) wurde erstmals 1185 als Glichenberch unter einem Burgverwalter Hermann erwähnt. Sie stand seit etwa 1170 nördlich der Klausenschlucht. Die Niederschlagung der steirische Adelsverschwörung brachte 1268 die Zerstörung der Burg. Überreste der Burg sind heute als Meixnerstube erkennbar. Von 1292 mit Verpfändung bis 1312 ging die Herrschaft Gleichenberg von den Herren von Wildon in den Besitz der Herren von Walsee über.
Im 14. Jahrhundert errichteten die Walseer gegenüber der alten ehemaligen Burg südlich der Klause die Burg Neu-Gleichenberg. Sie kam 1581 in den Besitz der Familie Trauttmansdorff, wurde durch einige Hexenprozesse (crimen Magiae) bekannt und im 17. Jahrhundert zum Schloss ausgebaut. Durch Kriegshandlungen schwer beschädigt, wurde es nach 1945 von der Familie Stubenberg erworben, aber durch eine Feuersbrunst 1983 endgültig zerstört.
Entwicklung zum Kurort Von 1830 bis 1848 war Matthias Constantin Capello Reichsgraf von Wickenburg (1794–1880) Gouverneur der Steiermark. 1833 machte ihn der Grazer Arzt Werlè (ein Schwager Erzherzog Johanns) auf die Quellen und ihre Heilwirkung aufmerksam. Graf Wickenburg war von der landschaftlichen Schönheit und dem milden Klima des Ortes sofort angetan und beschloss, ihn als Kurort allgemein zugänglich zu machen.
Den Grundstein zum Curbad Gleichenberg legte Wickenburg, ein enger Freund des Fürsten Metternich, bereits am 10. Mai 1834. 1841 begann der Bau der Kirche (fertiggestellt 1845) und des Klosters Bad Gleichenberg, 1888 wurde beides den Franziskanern übergeben. Doch erst 1940 wurde Gleichenberg eine selbständige, von den Franziskanern betreute Pfarre.
Die Entstehungszeit von Bad Gleichenberg liegt im Biedermeier. Die Gründung fällt in die Regierungszeit von Kaiser Franz I., als sich der Ort entfaltete, regierte Kaiser Franz Joseph I. Im späten 19. Jahrhundert ordinierte Carl Höffinger als «Curarzt in Gleichenberg und Gries», indem er die Wintersaison in Südtirol und die Sommersaison in Gleichenberg zubrachte.
Am 22. Juni 1926 wurde dem Kurort das Beiwort Bad verliehen.
Am 1. Mai 2008 wurde das neue Heilbad mit Kurhaus und Hotel (Life Medicine Resort des Kurhaus Bad Gleichenberg) eröffnet. Nach wie vor steht die Behandlung von Erkrankungen der Luft- und Atemwege sowie der Haut (Neurodermitis und Schuppenflechte) im Mittelpunkt. Ein Novum stellt die Kältekammer zur Behandlung von Schmerzen des Bewegungsapparates und Migräne dar. Patienten halten sich bei dieser Therapie etwa drei Minuten bei minus 110 Grad auf, um ihre Schmerzen zu lindern.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bad Gleichenberg Katholische Pfarrkirche Bad Gleichenberg hl. Matthias Franziskaner-Hospiz Bad Gleichenberg Römerbrunnen Bad Gleichenberg Der Kurpark von Bad Gleichenberg () hat eine Größe von 20 ha, er wurde 2016 zum schönsten Landschaftsgarten Österreichs gekürt (Denkmalschutz als Parkanlage). Er wurde ab 1837 von Emma Gräfin von Wickenburg (geb. Gräfin Grimaud d’Orsay) nach Plänen des Feldmarschall Baron von Welden angelegt. In Park stehen das heutige Kurhaus, denkmalgeschützte Teile des alten Kurhotels, die Villa Wickenburg Brunnenhaus Bad Gleichenberg heute Curmuseum und ein alter Eiskeller. In Bad Gleichenberg befindet sich auch ein 9-Loch-Golfplatz, der 1998 umgebaut wurde. Die Golfsaison läuft von März bis November. Styrassic Park, ein Dinosaurierpark, und Gleichenberger Schlucht.
Trautmannsdorf Katholische Pfarrkirche Trautmannsdorf hl. Michael
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Sammeltaxi: In Bad Gleichenberg wurde ein Anruf-Taxi-System eingeführt. Von gekennzeichneten Haltestellen kann zum Fahrpreis von 3,50 Euro jeder beliebige Ort innerhalb des Gemeindegebietes angefahren werden (Stand 2021). Eisenbahn: Der Ort ist Endpunkt der Landesbahn Feldbach–Bad Gleichenberg.
Öffentliche Einrichtungen An der südlichen Ortsausfahrt befindet sich das gemeinsame Einsatzzentrum der Freiwilligen Feuerwehr Bad Gleichenberg und des Roten Kreuzes sowie der Stützpunkt der Hauskrankenpflege. Die Freiwillige Feuerwehr Bad Gleichenberg wurde im Jahr 1872 gegründet. Im Jahr 2008 wurde das neue Einsatzzentrum im südlichen Gemeindegebiet bezogen. Seit 2009 ist sie der Stützpunkt für gefährliche Stoffe der beiden Bereichsfeuerwehrverbände Feldbach und Radkersburg. Am 1. Juli 1999 wurde die Außenstelle Rotes Kreuz Bad Gleichenberg mit einem Fahrzeug in Betrieb genommen. Die Außenstelle zählte zur Ortsstelle Feldbach. Seit 1. Jänner 2007 ist sie eine selbstständige Ortsstelle für die Sanitätsgemeinden: Bad Gleichenberg, Bairisch Kölldorf, Merkendorf, Trautmannsdorf, Gossendorf und Stainz bei Straden. Bis zum 15. Juni 2008 war die Ortsstelle in den Räumlichkeiten der Gleichenberger AG untergebracht. Danach wurden die neuen Diensträume im Einsatzzentrum Bad Gleichenberg bezogen.
Bildung In Bad Gleichenberg befindet sich eine Außenstelle der Fachhochschule Joanneum, Tourismusschulen Bad Gleichenberg und eine Landesberufsschule. Ferner ist Bad Gleichenberg Standort einer Neuen Mittelschule. Volksschulen existieren in Bad Gleichenberg und Trautmannsdorf, Kindergärten in Bad Gleichenberg, Merkendorf, Trautmannsdorf und Bairisch Kölldorf.
Politik mini|Gemeindeamt Bürgermeister Bürgermeister der Gemeinde ist Michael Karl (ÖVP).
Dem Gemeindevorstand gehören weiters der erste Vizebürgermeister Michael Wagner (FPÖ), der zweite Vizebürgermeister Siegfried Wassertheurer (ÖVP), der Gemeindekassier Reinhard Wurzinger (ÖVP) und Robert Reitbauer (FPÖ) an.
Gemeinderat
Der Gemeinderat besteht aus 25 Mitgliedern und setzt sich nach der Gemeinderatswahl 2020 aus Mandaten der folgenden Parteien zusammen: 12 ÖVP 2 SPÖ 10 FPÖ und 1 Die Grünen Bad Gleichenberg
Die letzten Gemeinderatswahlen brachten die folgenden Ergebnisse: Partei 2020 2015 2010Großgemeinde Bad Gleichenberg B. Gleichenb. Bair. KölldorfMerkendorf Trautmannsd. Stimmen % Mandate St. % M. St. % M. St. % M. St. % M. St. % M. ÖVP 1383 49 13 1747 48 12 734 53 9 208 28 2 450 52 8 115 19 1 SPÖ 851 30 8 1214 33 9 396 29 4 540 72 7 318 37 6 492 81 8 FPÖ 395 14 3 480 13 3 128 9 1nicht kandidiert 93 11 1nicht kandidiert Die Grünen 200 7 1 186 5 1 130 9 1nicht kandidiert Wahlbeteiligung 64 % 81 % 77 % 88 % 88 % 87 %
Wappen Der im politischen Bezirk Südoststeiermark gelegenen Gemeinde Bad Gleichenberg wurde mit Wirkung vom 30. Juni 2022 das Recht zur Führung eines Gemeindewappens mit folgender Beschreibung verliehen: „In Gold über einem erniedrigten schwarzen, von drei silbernen Wellenfäden durchzogenen zweispitzigen Berg eine rote zweihenkelige römische Amphore, beseitet von je einem schwarzen, leicht geschwungenen und blau fruchtenden Schlehdornzweig.“Land Steiermark – Landesgesetzblatt: Verleihung des Rechtes zur Führung eines Gemeindewappens an die Gemeinde Bad Gleichenberg (politischer Bezirk Südoststeiermark)
Die römische Amphore wurde vom bis 2014 gültigen Wappen der damaligen Gemeinde Bad Gleichenberg übernommen und weist auf die römerzeitliche Nutzung der Heilquellen hin. Die beiden Schlehdornzweige stehen für das Naturschutzgebiet im Trockenbiotop Steinbruch Klausen. Zudem wird der Schlehdorn (Prunus spinosa) von jeher für die Heilkunde, als Nahrungsmittel und für Getränke verwendet. Die beiden Berge im Schildfuß stellen den Gleichenberger Kogel und den Bschaidkogel dar, die drei silbernen Wellenfäden die Heilquellen Bad Gleichenbergs.
Partnerstadt Die Gemeinde Bad Gleichenberg hat seit 4. Juli 1986 eine Partnerschaft mit der bayerischen Stadt Röthenbach an der Pegnitz.
Persönlichkeiten Ehrenbürger 1952: George C. Marshall (1880–1959), US-amerikanischer General und StaatsmannNeue Zeit am 11. Nov. 1952, S. 4. 1969: Franz Wegart (1918–2009), LandesratSüdost-Tagespost (16. September 1969), S. 6. 1973: Hermann Glückstein (1903–1987), Alt-Bürgermeister von Bad GleichenbergSüdost-Tagespost am 24. Juni 1973, S. 4.