Bassersdorf (im einheimischen Dialekt: []Andres Kristol: Bassersdorf ZH (Bülach). In: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 126. oder kurz Basi []) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Bülach, im Unterland des Kantons Zürich in der Schweiz.
Geographie Der Ort befindet sich je 10 Kilometer (Luftlinie) entfernt zwischen den Städten Zürich im Südwesten und Winterthur im Nordosten. Er gelangte darum in der Zeit der Aufklärung als Transit-Dorf zwischen Zürich und Winterthur zu Wohlstand. Heute arbeitet ein Grossteil der Bevölkerung in der Stadt Zürich oder dem nahen Flughafen Zürich. Als Teil der «Glatttalstadt», unweit des Flughafens, der Stadt Zürich und der Stadt Winterthur, hat sich Bassersdorf zu einer mittelgrossen Agglomerationsgemeinde mit allen Vorteilen eines gut situierten Wirtschaftsstandortes entwickelt.
Nachbargemeinden sind im Nordosten beginnend im Uhrzeigersinn Nürensdorf, Lindau, Wangen-Brüttisellen, Dietlikon und Kloten.
Bevölkerung Bevölkerungsdichte: 1363,7 Einw./km² (Stand 2024) Anzahl Privathaushalte: 5142 (Stand 2023)Gemeindeporträts. Bassersdorf. Privathaushalte. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022. Konfessionszugehörigkeit: 22,8 % evangelisch-reformiert, 23,3 % römisch-katholisch, 53,9 % andere oder keine konfessionelle Zugehörigkeit (Stand: 2022).Gemeindeporträts. Bassersdorf. Konfession. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022. Anmerkung: Zahlen ab 1941 inkl. Ortsteil Balterswil (bis 1931 Teil der Gemeinde Nürensdorf)
Religionen – Konfessionen mini|Reformierte Kirche Bassersdorf Neben den zwei grossen Landeskirchen, der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Breite und der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Bassersdorf-Kloten-Nürensdorf, finden sich in Bassersdorf auch freikirchliche Gemeinden, wie die GvC Chile Basi (Gemeinde von Christen). Die Evangelisch-methodistische Kirchgemeinschaft Bassersdorf baute 1908 für ihre Gläubigen eine Kapelle hinter der Post in Bassersdorf.
Im Jahr 2000 waren von den 7515 Einwohnern 3498 (= 46,5 %) reformiert und 2292 (= 30,5 %) römisch-katholisch. 1725 (= 23,0 %) gehörten anderen Religionen an oder waren konfessionslos.
Politik Gemeindepräsident ist seit 2022 Christian Pfaller (SVP).
Bassersdorf gilt als eher konservativ wählende Stadt mit entsprechend bürgerlicher Mehrheit. Bei der Nationalratswahl 2019 erreichten die Parteien folgende Wähleranteile: SVP 32,92 %, SP 17,33 %, FDP 13,57 %, glp 12,29 %, Grüne 8,96 %, CVP 4,23 %, EVP 3,40 %, EDU 2,71 %, BDP 2,38 % und andere (8) 2,21 %.
Die Wähleranteile bei der Nationalratswahl 2023: SVP 33,70 % (+0,77 %), SP 18,38 % (+1,05 %), FDP 12,47 % (−1,10 %), glp 10,43 % (−1,86 %), Die Mitte 8,43 % (+1,82 %), Grüne 6,07 % (−2,89 %), EDU 3,86 % (+1,15 %), EVP 2,67 % (−0,73 %), Aufrecht Zürich 1,50 %, andere (11) 2,51 %.Nationalratswahl 2023. Kanton Zürich, 25. Oktober 2023.
Partnergemeinde Aigle VD
Wirtschaft mini|Bassersdorf und Umgebung in der Gygerkarte (1667) Die Wirtschaft von Bassersdorf ist auf den Flughafen Zürich und vom Flughafen abhängige Sektoren ausgerichtet. In Bassersdorf ist seit 1985 die auf Messtechnik spezialisierte Rotronic AG beheimatet; sie hatte 2015 dort 210 Mitarbeiter. (PDF; 2,4 MB)
Verkehr
Über das Strassennetz in Bassersdorf erreicht man in 10 Minuten den Flughafen Zürich und so hat man auch den Anschluss auf die A1. Über eine Schnellstrasse kommt man nach Wallisellen. 2013 wurden in Bassersdorf flächendeckend Tempo-30-Zonen eingeführt.
Schienenverkehr Von Bassersdorf, an der Bahnstrecke Zürich–Winterthur gelegen, können mit einer oder beiden der S-Bahn-Linien S7 und S24 der Flughafen Zürich, Zürich und Winterthur sehr gut erreicht werden. An Wochenenden verkehrt eine Nacht-S-Bahn nach Stäfa.
Busverkehr Bassersdorf ist am Tarifverbund ZVV angenetzt und wird durch die VBG und SBW betrieben. Bassersdorf, Bahnhof – Nürensdorf, Zentrum – Birchwil bei Nürensdorf – Oberwil bei Nürensdorf – Breite bei Nürensdorf, Grünenwaldstrasse – Brütten, Zentrum – Winterthur, Töss – Winterthur, Bahnhof (Betrieb durch Stadtbus Winterthur) Dietlikon, Schwimmbad – Dietlikon, Bahnhof Ost – Brüttisellen, Obere Wangenstrasse – Bassersdorf, Bahnhof – Kloten, Zum Wilden Mann – Zürich Flughafen, Bahnhof Bassersdorf, Bahnhof – Talgüetli – Kloten, Grubenstrasse – Kloten, Bahnhof (nur Montag bis Freitag in den Berufsverkehrszeiten) Bassersdorf, Bahnhof – Nürensdorf, Zentrum – Birchwil bei Nürensdorf – Oberwil bei Nürensdorf – Breite bei Nürensdorf, Winterthurerstrasse Linie 769 Weg A ab Nürensdorf, Berg ohne Halt bis Breite bei Nürensdorf, Sternen.Bassersdorf in Haltestellen- und Linienfahrpläne des Zürcher Verkehrsverbunds
Geschichte mini|links|Schenkungsurkunde Gerungs von 1155 mini|links|Das Dorf auf einem Ausschnitt aus dem Zehntenplan von 1658 mini|Ehemaliger Bahnhof (2012 abgerissen, 1980 wurde die Strecke an den südlichen Dorfrand verlegt) mini|Die funktionstüchtige historische Sägemühle im Wisental mini|Der «Adler» war ursprünglich ein Gasthof aus dem 17. Jahrhundert und wurde 1872 zum Wohnhaus umgebaut mini|Ehemaliges Schulhaus mini|Gasthaus «zum Löwen» mini|Obere Schmitte
Auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde sind Mauern zweier römischer Gutshöfe gefunden worden, deren Gründung aufgrund von Keramikresten ins 1. Jahrhundert n. Chr. datiert wird: der eine im Dorfkern anlässlich Renovationsarbeiten an der reformierten Kirche im Jahr 1963, der andere bereits im 19. Jahrhundert auf einem nördlich des Dorfs gelegenen Hügel.. Zürcher Denkmalpflege, S. 17 ff. (PDF; 5,5 MB).
Die ersten sicheren Belege des Namens datieren auf das mittlere 12. Jahrhundert, in den Formen Pascelstorf, Bascelstorf, Bazzelstorf. Letztere Form findet sich auch in einer Urkunde zur Schenkung des Edlen Gerung an das Kloster St. Martin auf dem Zürichberg, datiert auf den 18. Oktober 1155.Jacob Escher, Paul Schweizer et al.: Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich. Band I. Höhr (Fäsi & Beer), Zürich 1888–1890, S. 189 f. Ein älterer Beleg der Schreibung Basselstorff ist nur unsicher datierbar, möglicherweise aus dem frühen 11. Jahrhundert.Jacob Escher, Paul Schweizer et al.: Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich. Band XIII. Höhr (Fäsi & Beer), Zürich 1957, S. 8. Der Name wurde schon früh etymologisiert als «Dorf des Basilius» (daher vermutlich der Reichsapfel im Gemeindewappen, das im 18. und 19. Jahrhundert im Gebrauch war). Diese Deutung wurde auch noch von Kläui und Schobinger (1989) gutgeheissen, es wurde allerdings beanstandet, dass eine Herleitung von Basilius eine Form *Baselsdorf, mit einfachem -s-, erwarten liesse. Ebenfalls wäre ein griechisch-lateinischer Personenname in einem alemannischen Ortsnamen in -dorf ungewöhnlich. Alternativ wurde daher eine Herleitung aus einem alemannischen Personennamen wie Bazzo, PazzoErnst Wilhelm Förstemann schlägt in Althochdeutsches Namenbuch, Sp. 219, den Stamm baz- als Nebenform zum Stamm bad-, von germanisch *badw- «Schlacht», vor. (mit möglichem Hypokoristikon *Bazzilo) vorgeschlagen.Bassersdorf. In: Hans Kläui, Viktor Schobinger: Zürcher Ortsnamen. Entstehung und Bedeutung. Zürcher Kantonalbank, Zürich 1989.
1277 verkaufte das Kloster Rüti die Mühle in Bassersdorf an das Kloster St. Blasien. Die Habsburger, dann die Grafen von Toggenburg waren Inhaber der Herrschaft und des Blutgerichts. Diese gingen dann an Zürich über, das bis 1798 seine Herrschaftsrechte durch die Landvogtei Kyburg ausüben liess. Dann trat Bassersdorf, das sonst nicht eben viel von sich reden machte, einen Augenblick aus der Namenlosigkeit: 1798 wurde Bassersdorf Hauptort eines Distrikts, der aber bald im Bezirk Bülach aufging. Daran erinnert, dass Bassersdorf heute Sitz eines Notariates ist.
Bassersdorf, ziemlich genau in der geographischen Mitte des Kantons Zürich gelegen, wurde seit je von Westen nach Osten wie von Norden nach Süden stark vom Verkehr tangiert (Verbindungen Winterthur–Zürich und Zürcher Unterland–Zürcher Oberland). Nach dem Bau der neuen Landstrasse Zürich–Tagelswangen–Kemptthal–Winterthur, 1841 bis 1845, beklagten Handwerker und Wirtsleute grosse finanzielle Einbussen, da die Fuhrleute nun den alten Weg über Bassersdorf und die mühsame Steig, die meist nur mit Vorspann bewältigt werden konnte, kaum mehr benutzten. Die Einwohnerzahl stagnierte, doch die verlockende Aussicht auf eine Bahnlinie weckte neue Hoffnungen. Am 6. Oktober 1872 beschlossen die Stimmbürger von Bassersdorf «mit an Einmut grenzender Mehrheit», sich mit 100'000 Franken an der zukünftigen Nationalbahnstrecke Winterthur–Zofingen zu beteiligen «in der Meinung, dass eine Station in der nächsten Nähe des Dorfes angelegt werde». Seit 1877 stand also dieser Bahnhof im Herzen von Bassersdorf. Das Dorf wuchs um die Station, die zuerst von der Nationalbahn, später von den Bundesbahnen bedient wurde. Seit Frühjahr 1980 ist der Bahnhof stillgelegt, seit September 2012 abgerissen.Christian Wüthrich: . In: zuonline.ch. 27. Dezember 2013, abgerufen am 13. September 2012. Im Zusammenhang mit der neuen Flughafenlinie und dem Ausbau auf Doppelspur wurde am südlichen Dorfrand eine neue Station errichtet. Die Bahn «zerschneidet» die Stadt nicht mehr. Mit der neuen Bahnlinie richtet sich das Leben nun mehr und mehr nach Zürich und dem Flughafen aus.
Seit 1931 gehört auch Baltenswil zu Bassersdorf. Mundartname: Baltischwiil. Dieses Dörfchen hat seinen ländlichen Charakter bis heute behalten. 1932 wurde die Siedlung Schatzacker gegründet, die auf der Idee der Freiwirtschaft beruhte.
Crossair-Absturz 2001 Das erste Mal, dass Bassersdorf in den globalen Medien erwähnt wurde, war beim Absturz einer Crossair-Maschine auf dem Gebiet von Bassersdorf. Der Crossair-Flug 3597 war auf dem Weg vom Flughafen Berlin-Tegel zum Flughafen Zürich, als er am Abend des 24. November 2001 im Landeanflug auf dem Waldboden aufschlug und in Flammen aufging. Dabei starben insgesamt 24 Menschen. Hauptgrund für den Absturz war das Unterschreiten der Mindestsinkflughöhe für das gewählte Anflugverfahren wegen nicht ausreichender Sichtverhältnisse. Beim Absturz kamen ausschliesslich die Passagiere der vorderen Ränge ums Leben, so auch die US-amerikanische Pop-Sängerin Melanie Thornton und zwei der drei Mitglieder der Popgruppe Passion Fruit.
Wappen mini|links|100px|Wappen von Baltenswil. Stimmt mit dem Wappen von Gutenswil (Volketswil) überein Das Gemeindewappen mit der Blasonierung: Fünfmal von Silber und Blau schräggeteilt und ein roter Balken geht auf das Wappen einer Familie «von Bassersdorf» zurück, das erstmals bei Gerold Edlibach (um 1493) belegt ist. Im Wappenbuch von Johannes Stumpf (um 1540) ist der Schild siebenmal schräggeteilt, in der Gygerkarte von 1667 sechsmal. Im 18. Jahrhundert setzte sich ein anderes Wappen durch, erstmals belegt 1719 im Dekanatsbuch des Pfarrkapitels Regensberg: In Rot mit goldenem Schildrand ein blauer Reichsapfel mit goldenem Kreuz. Seit 1885 führte der Gemeinderat dieses Wappen in seinem Stempel. Bei der Bereinigung der Zürcher Gemeindewappen entschied der Gemeinderat am 5. Juni 1930, zum älteren Wappen in der bei Edlibach belegten Form zurückzukehren.Peter Ziegler: Bassersdorf. In: Die Gemeindewappen des Kantons Zürich (= Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Band 49). Berichthaus, Zürich 1977, ISBN 978-3-85572-022-4, S. 33 (archiviert in E-Periodica der ETH Zürich).
Kultur und Medien Fasnacht Bassersdorf hat die grösste und bedeutendste Fasnacht im Zürcher Unterland. Sie wird jedes Jahr von einer fünfstelligen Zahl Teilnehmern wie auch Gästen besucht und ist ein wichtiger Eckstein im kulturellen Stadtleben.
Bassersdorfer Sechseläuten