Die Städtischen Museen Heilbronn sind ein Verbund verschiedener Museen der Stadt Heilbronn. Der Sitz der Museen befindet sich im Deutschhof. Die Schwerpunkte des Museums im Deutschhof liegen auf den Bereichen Archäologie, Naturgeschichte, Kulturgeschichte und Kunst. Das Museum im Deutschhof ist seit 2012 baulich mit dem Haus der Stadtgeschichte des Heilbronner Stadtarchivs verbunden. Zu den städtischen Museen zählt auch die 2010 eröffnete Kunsthalle Vogelmann, die als Erweiterungsbau der städtischen Festhalle Harmonie an der Allee errichtet wurde und gemeinsam mit dem Kunstverein Heilbronn betrieben wird.

Geschichte Ursprünge der Heilbronner Museen mini|Das Fleischhaus war ab 1879 das erste Museumsgebäude in Heilbronn (Foto von Paul Kemmler vor 1929) mini|hochkant|Innenansicht des Historischen Museums im Fleischhaus (Foto von Paul Kemmler vor 1929) Das Heilbronner Museumswesen ist relativ jung, da es in der ehemaligen Reichsstadt keine herrschaftliche Kunstkammer oder Ähnliches gegeben hatte und sich die städtische Sammeltätigkeit bis ins 19. Jahrhundert auf Handschriften, Bücher und Noten beschränkte. Am 27. Februar 1876 wurde in Heilbronn der Historische Verein Heilbronn gegründet. Die Stadt Heilbronn stellte diesem Verein im Mai 1876 Räumlichkeiten im ersten Stock des Heilbronner Fleischhauses für ein künftiges Historisches Museum zur Verfügung. Im Dezember 1876 erging ein Sachspendenaufruf an die Bevölkerung. Eröffnet wurde das Historische Museum am 24. Juni 1879. Nachdem der Sammlungsbestand anfangs noch relativ klein war und das Museum auch nur über die Sommermonate jeweils nur jeden zweiten Sonntag von 11 bis 12 Uhr geöffnet hatte, erfuhr es durch den seit 1899 als Vorsitzenden des Historischen Vereins amtierenden Stadtarzt Alfred Schliz (1849–1915) bis zu dessen Tod im Jahr 1915 eine bedeutende Erweiterung mit vor allem vor- und frühgeschichtlichen Funden sowie aus weiteren Sachspenden aus der Bevölkerung. Im Mai 1905 wurde das Museum nach einer Umgestaltung neu eröffnet. 1906 umfasste der Bestand des Museums bereits rund 3000 Exponate, davon rund 1200 zur Vor- und Frühgeschichte. Im Jahr 1907 vereinbarten der Historische Verein und die Stadt Heilbronn längere Öffnungszeiten des Museums. 1910 wurde auf eine Initiative von Alfred Schliz hin das Robert-Mayer-Zimmer zum Gedenken an den in Heilbronn geborenen Physiker Robert Mayer (1814–1878) eingerichtet. Zu den Exponaten in diesem Zimmer zählten vor allem persönliche Hinterlassenschaften Mayers. Nach Schliz’ Tod übernahm Moriz von Rauch (1868–1928) die Leitung des Historischen Vereins und damit auch die des Museums. Ein spektakulärer Zwischenfall ereignete sich im September 1919, als nahezu die gesamte, 600 Exponate umfassende Münzsammlung des Museums gestohlen wurde. Die Besucherzahlen des Historischen Museums stiegen in den Jahren bis 1921 auf rund 4800 Besucher pro Sommerhalbjahr an. Nach 1921 waren die Besucherzahlen dann jedoch stark rückläufig. 1931 gab es nur noch 300 Besucher. Als Grund wird die totale Überfüllung der Räume genannt.

Der 1913 in Heilbronn gegründete Unterländer Zweigverein des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg strebte sofort nach seiner Gründung den Aufbau eines naturkundlichen Museums an. Zu diesem Zweck nahm 1914 ein Naturwissenschaftlicher Museumsverein seine Arbeit auf. Anlässlich des 100. Geburtstages von Robert Mayer erhielt der Verein Räumlichkeiten in der eigens für diesen Zweck aufgestockten ehemaligen Leichenhalle im Alten Friedhof. Dort wurde 1916 das Robert-Mayer-Museum für Naturkunde eröffnet. Im Erdgeschoss wurden erdgeschichtliche, im Obergeschoss zoologische Exponate gezeigt. Der Historische Verein stiftete dem neuen Museum die Mineralien- und Petrefaktensammlung des Heilbronner Spitalarztes Ernst Friedrich Theodor Roman (1828–1862).

Der Heilbronner Oberbürgermeister Emil Beutinger (1875–1957) besaß eine umfangreiche private Weinbausammlung. Aus seinen Beständen wurde schließlich 1921 ein Weinbau-Museum im Schülerheim des Karlsgymnasiums in der Karlstraße 44 eröffnet, das Beutinger bis 1933 auch selbst verwaltete. Beutinger regte außerdem die Errichtung eines Bienenmuseums an.

Bereits in den frühen 1920er Jahren zeichneten sich verschiedene Probleme in den Heilbronner Museen ab. Zu der bereits erwähnten rückläufigen Besucherzahl im Historischen Museum kam die Finanznot der Einrichtungen, die auf städtische Zuschüsse angewiesen waren, sowie die Raumnot in den vorhandenen Gebäuden. Das Robert-Mayer-Museum für Naturkunde hatte seit dem Erwerb der umfangreichen Fossilien- und Mineraliensammlung des Calwer Bergrats Schütz akuten Raummangel. Die Neckar-Zeitung berichtete wiederholt über Pläne zur Neuordnung der Heilbronner Museen. 1928 erwog man die Schaffung eines größeren Museums in den Gebäuden am Heilbronner Hafenmarkt, 1929 schlug man das Bläß’sche Palais als Zentralmuseum vor.

Neuordnung der Museen ab 1933 mini|hochkant|Im Wohnhaus von Robert Mayer befand sich ab 1938 kurzzeitig ein eigenes Robert-Mayer-Museum (Foto von 1901) Unter Alfred Schliz junior, der den Historischen Verein ab 1933 leitete, fand von 1933 bis 1936 eine Neuordnung der Heilbronner Museen statt. Das Schülerheim in der Karlstraße 44 wurde inzwischen nicht mehr als solches genutzt, so dass die Stadt 15 beleuchtete und beheizbare Räume darin für museale Zwecke zur Verfügung stellen konnte. Das Robert-Mayer-Museum für Naturkunde wechselte vom Alten Friedhof in die Räumlichkeiten in der Karlstraße und konnte dort schwerpunktmäßig seine geologische Sammlung präsentieren, außerdem zoologische Exponate, Objekte aus den Missions- und Kolonialgebieten sowie den im Aufbau begriffenen Bestand für das geplante Bienenzuchtmuseum und Exponate zum Weinbau. Die Neueinweihung des Robert-Mayer-Museums für Naturkunde in den neuen Räumlichkeiten fand am 13. Januar 1935 statt.

In den freigewordenen Räumlichkeiten im Alten Friedhof wurde am 21. Dezember 1935 das Alfred-Schliz-Museum für heimische Vor- und Frühgeschichte eröffnet, das nach Alfred Schliz senior benannt war und Grabungsfunde von der Steinzeit bis hin zur alemannisch-fränkischen Siedlungszeit präsentierte.

Am 6. Dezember 1936 öffnete schließlich auch das Historische Museum im Fleischhaus wieder seine Pforten. Dort konzentrierte man sich künftig vor allem auf stadtgeschichtliche und volkskundliche Exponate sowie das Robert-Mayer-Zimmer und wechselnde Sonderausstellungen. Insgesamt bestanden 1936 fünf Sammlungen in 24 Räumen.Wilhelm Mattes: Das Historische Museum im Wiederaufbau, in: Historischer Verein Heilbronn, 21. Veröffentlichung, Heilbronn 1954, S. 56. 1938 kamen die Exponate zu Robert Mayer vorübergehend in ein eigenes Robert-Mayer-Museum in Robert Mayers Wohnhaus am Kirchhöfle 13, das man jedoch bald wieder aufgab, wonach die Exponate ins Historische Museum zurückkehrten.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg Im Zweiten Weltkrieg wurden beim Luftangriff auf Heilbronn vom 4. Dezember 1944 alle Heilbronner Museen zerstört. Die örtliche NSDAP-Führung hatte sich zuvor nicht bereit gezeigt, Geld oder Logistik zur Auslagerung von Beständen zu bewilligen. Mit den Baulichkeiten waren daher auch etwa 90 % der Sammlungsbestände vernichtet worden. Zu den wenigen auf die Initiative des ehrenamtlichen Museumsleiters Hellmut Braun und des Archivangestellten Alexander Renz ausgelagerten und daher erhaltenen Objekten zählen die Handbücherei und Nachlassobjekte von Robert Mayer sowie verschiedene einzelne Gegenstände und Bilder des Historischen Museums, die im Kloster Schöntal, im Schloss Domeneck, im Unterschloss Bonfeld und im Gut Seehof die Zerstörung Heilbronns überdauerten. Das Gebäude in der Karlstraße 44 und die darin befindlichen Sammlungen waren ein Totalverlust, während sich unter den Trümmern des Fleischhauses und des Schliz-Museums ein kleiner Teil meist steinerner Exponate erhalten konnte.

Zum Wiederaufbau der Sammlungen ergingen bereits im November 1945 Aufrufe zu Sachspenden an die Bevölkerung. Die Stadt erklärte sich auch zum Ankauf von stadtgeschichtlich bedeutsamen Objekten bereit. Im Dezember 1945 meldete der seit 1933 mit dem Museum verbundene Lehrer und Heimatforscher Wilhelm Mattes (1884–1960) die Bergung von 300 Objekten aus dem zerstörten Schliz-Museum im Alten Friedhof. Eine weitere Bergungskampagne in der Ruine schloss sich im Mai/Juni 1946 an. Das Gebäude wurde später vollends abgetragen. Unterdessen hatte man auch in der Ruine des Fleischhauses die erhaltenen Bestände geborgen und neu aufgestellt. Einige steinerne Denkmale wurden in der Ruine mit improvisierten Schutzdächern versehen. Im März 1947 berichtete das Bürgermeisteramt dem Württembergischen Landesmuseum über die Zerstörung von Exponaten während des Krieges, aber auch über Diebstähle in der Zeit seit der Zerstörung.

Im November 1947 begann der zaghafte Wiederaufbau mit der Neugründung des Historischen Vereins und einer vom Stadtarchiv Heilbronn veranlassten Aufstellung der geretteten Kultur- und Museumsgüter. Das Stadtplanungsamt erwog unterdessen, die Ruine des Fleischhauses an private Investoren zur Errichtung eines Lebensmittelladens freizugeben. Auf die Intervention des damaligen Vorstandes des Historischen Vereins hin, des Bankdirektors Georg Rümelin, konnte die Umnutzung schließlich abgewendet werden, so dass das Fleischhaus für das Historische Museum wiederaufgebaut wurde. Am 5. April 1950 wurde das Richtfest begangen.

Neubeginn im Fleischhaus mini|hochkant|Das wiederaufgebaute Fleischhaus in den 1950er Jahren Im November 1951 kamen die Stadt und der Historische Verein überein, dass sämtliche erhaltenen und künftigen Objekte des Historischen Museums in den Besitz der Stadt übergehen und vom Historischen Verein treuhänderisch verwaltet werden. Die ehrenamtliche Aufgabe des Aufbaus der Sammlungen übernahm Wilhelm Mattes. Für seine Verdienste erhielt er 1959 den Ehrenring der Stadt Heilbronn.

Der Wiederaufbau des Fleischhauses zog sich bis 1953 hin. Neben dem Historischen Museum beherbergte das Gebäude in jener Zeit in zum Teil unausgebauten Räumen auch Ausstellungen des Heilbronner Künstlerbunds und des Heilbronner Kunstvereins. Auch das Stadtarchiv bezog im März 1952 im Obergeschoss des Gebäudes sein Quartier. 1953 wurde das Robert-Mayer-Archiv und -Museum im Nordwestraum des ersten Stockes eingeweiht. 1954 erhielt das städtische Fremdenverkehrsamt einen Raum im Erdgeschoss des Gebäudes. 1955 schließlich konnte das Historische Museum die von Wilhelm Mattes erarbeitete Ausstellung zur Vor- und Frühgeschichte im Erdgeschoss des Gebäudes eröffnen und seine Ausstellungsfläche 1957 nach dem Auszug des Fremdenverkehrsamtes vergrößern. In den hinzugekommenen Flächen im Erdgeschoss wurden stadtgeschichtliche Exponate gezeigt.

Mitte der 1950er Jahre gab es Überlegungen zur weiteren Wiederherstellung der Museen in Heilbronn. Im Bereich der Kunst boten sich mangels historischer Exponate vor allem eine Konzentration auf die Sammlung moderner Malerei und Plastik an oder aber die Eröffnung einer Kunsthalle für Wechselausstellungen von Leihwerken. Altbürgermeister Beutinger, der in den 1920er Jahren den Grundstock für das Weinbau- und Bienenmuseum gelegt hatte, trat für die Neugründung eines Weinbaumuseums ein. Baurat Willi Zimmermann brachte 1954 ein Neckarmuseum ins Gespräch. Wilhelm Mattes begrüßte die Vorschläge, mahnte aber auch zur Beachtung der bescheidenen Gegebenheiten und forderte die Beibehaltung des Schwerpunkts auf Vor- und Frühgeschichte. Nach seinem Tod 1960 wurde der Lehrer und Heimatforscher Werner Heim (1906–1978) nebenamtlicher Leiter des Museums. Heim verstärkte die Sammel- und Ausstellungstätigkeit vor allem im Bereich der Stadtgeschichte. Er erwarb ein 13 Quadratmeter großes Altstadtmodell von Heilbronn, Neckarschiff-Modelle, Porzellan, Zinnobjekte, Waagen und Gewichte und vieles mehr. Für Ausstellungen nutzte er auch Flächen im Heilbronner Rathaus, im Schießhaus oder im Konzert- und Kongresszentrum Harmonie.