Müschenbach ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Hachenburg an.
Geographische Lage Müschenbach liegt in einer Höhe von drei Kilometer von Hachenburg entfernt am „Eingang“ der Kroppacher Schweiz. Wanderwege führen in das nahe gelegenen Tal der Nister und zur Abtei Marienstatt. Nördlich des Ortes liegt Astert, im Osten bzw. im Südosten Nister und Hachenburg, im Süden Hattert und im Westen Marzhausen.
Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung Muskinbach geht auf das Jahr 1348 zurück. Der Ort ist jedoch als -bach-Ort wesentlich älter. 1359 erscheint der Ort als Mußenbach und 1362 als Muchenbach. Der Name ist vom lateinischen Muscus (Moos) und dem althochdeutschen musse abgeleitet und bedeutet so viel wie Ort am Moosbach gelegen. Der Ort lag ursprünglich 700 m westlich des alten Ortskerns „In der Altenmüschenbach“ (Wüstung).Walter Kwasnik und Dieter Trautmann: Landschaftsmuseum Westerwald, Hachenburg: Westerwälder Beiträge 1 – Naturkundliche und kulturhistorische Denkmäler im Westerwald: Kroppacher Schweiz und Hachenburg. Hachenburg 1981, S. 75 ff.
Müschenbach gehörte zum Kirchspiel Altstadt und bis Ende des 18. Jahrhunderts landesherrlich zur Grafschaft Sayn. Die Einwohner wurden nach der Einführung der Reformation in der Grafschaft Sayn erst lutherisch und später reformiert.Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 58 (2015), S. 74–80. Nach der Landesteilung der Grafschaft Sayn im 17. Jahrhundert gehörte Müschenbach zur Grafschaft Sayn-Hachenburg.
1799 kam die Grafschaft auf dem Erbweg an die Fürsten von Nassau-Weilburg. Im Zusammenhang mit der Bildung des Rheinbundes kam die Region und damit auch Müschenbach 1806 an das neu errichtete Herzogtum Nassau. Unter der nassauischen Verwaltung war Müschenbach dem Amt Hachenburg zugeordnet. Nach der Annexion des Herzogtums Nassau, kam der Ort 1866 an das Königreich Preußen und gehörte von 1868 an zur Provinz Hessen-Nassau und zum Oberwesterwaldkreis. Seit 1946 ist Müschenbach Teil des Landes Rheinland-Pfalz.
Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Müschenbach, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:
Jahr Einwohner 1815 171 1835 219 1871 259 1905 341 1939 629 1950 682 Jahr Einwohner 1961 760 1970 927 1987 983 2005 1.030 2011 999 2017 969
Kulturgeschichte / Sehenswürdigkeiten Abteiliches Hofgut Müschenbach Zu den historischen Gebäuden des Ortes zählt das ehemalige Abteiliche Hofgut Müschenbach (heute Haus Pritzer, Dorfstraße 14), das zur Abtei Marienstatt gehörte und 1359 erstmals erwähnt wurde. Der Hof war ständig verpachtet. Zum Wohnhaus, das 1790 neu erbaut wurde, gehörten auch eine Scheune, ein Stall und ein Backhaus. Nach der Aufhebung des Klosters wurde der Hof 1803 verkauft. Jakob Pritzer erwarb ihn 1816 für 700 Gulden.
Ehemaliges Jagdschloss Luisenlust Einen Kilometer westlich des Ortes an der B 414 stand ein in den Jahren 1747 bis 1750 erbautes Jagdschloss Luisenlust der in Hachenburg residierenden Burggrafen von Kirchberg, benannt nach der Ehefrau des Burggrafen Wilhelm Ludwig von Kirchberg, der Wild- und Rheingräfin Louise (1721–1791). Von dem Bau ist nichts mehr erhalten. Das Schloss war eine Miniaturausgabe anderer berühmter Jagdschlösser. Es bestand aus einem Haupthaus und zwei Pavillons und war von einem großen, gestalteten Garten umgeben, in dem von 1754 bis 1765 eine Fasanerie bestand. 1795 wurde die Pflege der Außenanlage eingestellt. Das Schloss diente von da an vor allem als Behausung für Forstbedienstete. Der Hauptbau wurde 1796 durch ein Feuer zerstört, das sich aus einem nicht gelöschten Wachfeuer durchziehender französischer Truppen entwickelt hatteZu den Rahmenbedingungen siehe Daniel Schneider: Die Schlacht von Altenkirchen 1796 in ihrem historischen Kontext, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 55 (2012), S. 183–194.. Im Jahr 1800 standen die Pavillons noch, waren aber bereits baufällig und von Anwohnern durch den Diebstahl von Baumaterial beschädigt worden.
Steinkreuz am „Kaiserlichen Friedhof“ mini|Kaiserlicher Friedhof 500 m nordwestlich von Marienstatt steht das Steinkreuz am „Kaiserlichen Friedhof“. Auf diesem Soldatenfriedhof liegen über 600 österreichische Soldaten begraben, die 1793–1797 während der Koalitionskriege im Kampf gegen die französischen Revolutionstruppen verwundet wurden und im Lazarett Kloster Marienstatt starben. 1856 ließ Erzherzog Stephan von Österreich dort ein Denkmal für die Gefallenen errichten. 1901 wurde es renoviert und ist heute ein Kulturdenkmal.
Burgruine „Froneck-Nister“ /„Felsenstübchen“ Auf dem Burgberg gegenüber Marienstatt befindet sich das sogenannte „Felsenstübchen“, die Burgruine „Froneck-Nister“. Es handelt sich um die Reste des im 14. Jahrhundert von den Grafen von Sayn angefangenen Burgbaus Froneck (Vroneck). Auf Anordnung des Erzbischofs von Köln wurde die Burg jedoch um 1343 wieder abgetragen. Das ehemalige Burgverlies ist unter dem Namen „Felsenstübchen“ bekannt. Vor der Gründung des Klosters Marienstatt befand sich an dieser Stelle die Burg Nister. Sie diente als Straßensicherung der Handelsstraße Köln-Leipzig, die vor dem Bau der Hachenburg die Nister hier bei Marienstatt überquerte und durch den Nauberg über Norken nach Herborn führte.
Alter Eisenweg Im Mittelalter führte vom Siegerland her der „Alte Eisenweg“ von Luckenbach an der Gemarkungsgrenze Streithausen/Nister entlang bis zur großen Furt an der Nistermühle, dann führte er aufwärts zum weit späteren Haltepunkt Marienstatt der Bahn, dann weiter nach Altstadt. Gen Süden setzte er sich dann über Limburg an der Lahn nach Frankfurt und Mainz fort. Als Hohlweg ist er zwischen der Nistermühle und der B 414 noch gut zu erkennen.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Müschenbach besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzender. Bis zur Wahl 2014 gehörten dem Gemeinderat wegen einer höheren Einwohnerzahl 16 Ratsmitglieder an, 2019 fand eine personalisierten Verhältniswahl statt, da drei Listen eingereicht wurden.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl WGF WGK WGN Gesamt 2024 per Mehrheitswahl 12 Sitze 2019 2 6 4 12 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: 2014 per Mehrheitswahl 12 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz:
Bürgermeister Birgitta Käckermann wurde im Sommer 2019 Ortsbürgermeisterin von Müschenbach. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 war sie mit einem Stimmenanteil von 68,59 % gewählt worden. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde sie als einzige Bewerberin mit 86,4 % für weitere fünf Jahre in ihrem Amt bestätigt.
Käckermanns Vorgänger Bernd Kolodziej war 2019 nicht erneut angetreten.
Wappen
Veranstaltungen Die jährlich stattfindende Kirmes, das Brunnenfest und der Karneval mit Umzug sind neben dem alle vier Jahre stattfindenden Meilerfest mit einem echten Kohlenmeiler und dazugehörigem Köhler die Veranstaltungshöhepunkte der Gemeinde.
Wirtschaft und Infrastruktur Kommunale Einrichtungen In der Gemeinde gibt es eine Grundschule und einen Kindergarten. Außerdem existieren in der Gemeinde ein Bürgerhaus mit Gemeindebücherei sowie ein Waldlehrpfad und ein Wanderwegenetz.
Verkehr Müschenbach wird über die B 414 an das überörtliche Verkehrsnetz angebunden. Zu den Autobahnanschlüssen der A 3 Ransbach-Baumbach und Dierdorf gelangt man über die B 8/B 413. Der Ort Müschenbach liegt unweit des Bahnhaltepunktes Hattert an der Bahnstrecke Limburg–Altenkirchen (Oberwesterwaldbahn), welche als Linie RB 90 (Westerwald-Sieg-Bahn) von der Hessischen Landesbahn (HLB) bedient wird. Der Bahnhof Au (Sieg) liegt etwa 17 km von Müschenbach entfernt. Hier besteht Anschluss in Richtung Köln und Siegen über den Rhein-Sieg-Express RSX, welcher von Aachen über Köln und Betzdorf (Sieg) nach Siegen verkehrt sowie an die S-Bahn Linie 12, welche von Düren über Köln nach Au pendelt.
Literatur Hellmuth Gensicke: Das Kirchspiel Kroppach. In: Nassauische Annalen 83. 1972, S. 209–231.
Weblinks
Ortsgemeinde Müschenbach auf den Seiten der Verbandsgemeinde Hachenburg
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Westerwaldkreis Kategorie:Ersterwähnung 1348