mini|Historisches Logo des Aachener Geschichtsvereins (1879) Der Aachener Geschichtsverein e. V. (AGV) ist ein 1879 in Aachen gegründeter gemeinnütziger Verein, der sich mit der Erforschung, Auswertung, Archivierung und Publizierung der Geschichte der Stadt Aachen einschließlich der Euregionalen Territorialgeschichte und der Reichsgeschichte sowie mit den Bereichen der Kunst- und Baugeschichte befasst. Der AGV zählt derzeit etwa 750 Mitglieder und hat seinen Sitz in den Räumen des Aachener Stadtarchivs, Reichsweg 30, in Aachen. Er ist Mitglied im Gesamtverein der Deutschen Geschichts- und Altertumsvereine.

Die Organe des Vereins werden aus einem für fünf Jahre gewählten sechsköpfigen Vorstand sowie dem Beirat, dem wissenschaftlichen Ausschuss und der Mitgliederversammlung gebildet. Dem Beirat gehören der Vorstand und bis zu zwanzig weitere Mitglieder an, dem wissenschaftlichen Ausschuss der Vorstand und mindestens drei Mitglieder mit wissenschaftlicher Kompetenz.

Es ist das Ziel des AGVs, mittels einer breit aufgestellten Öffentlichkeitsarbeit und Publikationsvielfalt seine Forschungsergebnisse und Analysen den interessierten Bürgerinnen und Bürgern nahezubringen und dadurch auch neue Mitglieder anzuwerben. Dazu zählen sowohl regelmäßige jährliche Exkursionen zu historisch bedeutsamen Orten als auch spezielle Vortragsreihen.

Geschichte Die Anfänge Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs in der preußischen Rheinprovinz das Interesse, die deutsche Geschichte, aber auch die jeweilige Heimatgeschichte näher zu erforschen und aufzuarbeiten. So gründete sich beispielsweise 1841 in Bonn der Verein von Altertumsfreunden im Rheinlande und 1854 in Köln der Historische Verein für den Niederrhein. Auch in Aachen waren Historiker und historisch bewanderte Persönlichkeiten bestrebt, sich vereinsmäßig zu organisieren. So wurde 1865 der Archäologische Verein gegründet, welcher sich mit der Erforschung und Erhaltung der Kunstdenkmäler und mit der Heimatgeschichte befasste. Ihm gehörten unter anderem der Kanonikus und Kunsthistoriker Franz Bock, der Architekt Carl Rhoen, der Philologe Laurenz Lersch, der Archivar Josef Laurent, der Maler Friedrich Thomas sowie der Geheimrat und spätere Oberbürgermeister Ludwig Pelzer an.

Zuvor existierte in Aachen bereits von 1835 bis 1853 die Gesellschaft für nützliche Wissenschaften und ab 1847 der Karlsverein zur Restauration des Aachener Münsters, die sich beide nur bedingt mit historischen Themen beschäftigt hatten. Publikationen zu Themen der Aachener Geschichte konnten damals beispielsweise nur über den Bonner oder Kölner Verein bewerkstelligt werden.

Schließlich fanden sich überwiegend aus dem Mitgliederkreis des Archäologischen Vereins 22 Persönlichkeiten unter Führung des Philologen Martin Joseph Savelsberg zusammen, die im Winter 1878 mit Unterstützung des amtierenden Regierungspräsidenten Otto von Hoffmann und des Aachener Oberbürgermeisters Ludwig von Weise die Gründung eines allgemeinen Geschichtsvereins planten. Damit brachten sie zugleich den Archäologischen Verein zur Auflösung. Nach einem ersten Gründungsaufruf am 20. März 1879 an die Aachener Bürger konnte dann die konstituierende Sitzung bereits am 27. Mai d. J. zur Gründung des Aachener Geschichtsvereins stattfinden. Erster Präsident des Vereins wurde der Historiker Alfred von Reumont. Noch bis Jahresende wuchs die Zahl der Mitglieder auf über 700 an.

Verein für Kunde der Aachener Vorzeit Nur sechs Jahre später, nach der Wahl von Hugo Loersch zum neuen Präsidenten, kam es sowohl über Inhalt und Aufmachung der vereinseigenen Publikation Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins (ZAGV) als auch über die Art und Weise der wissenschaftlichen Vorträge zu erheblichen Differenzen, die dazu führten, dass sich der AGV spaltete. Etwa 40 Mitglieder traten aus und gründeten mit anderen Interessierten am 15. Oktober 1885 den Verein für Kunde der Aachener Vorzeit. Dieser wuchs rasch auf mehr als 100 und in späteren Jahren auf circa 500 Mitglieder an, zu denen neben einer großen Anzahl an Wissenschaftlern auch viele Fabrikanten, Handwerksmeister und Geistliche gehörten. Im Gegensatz zum AGV, der sich in jenen Jahren eher in Form eines exklusiven wissenschaftlichen Gelehrtenzirkels verstand, setzte sich der neue Verein im Besonderen für eine Öffnung gegenüber allen Bürgerschichten ein und seine Publikationen und Vortragsreihen richteten sich mit verständlichen Texten an alle Geschichtsinteressierten.

Erst nach dem Tod von Hugo Loersch im Jahr 1907 wurden unter seinem Nachfolger Ludwig Schmitz am 10. Dezember des gleichen Jahres die beiden Geschichtsvereine unter dem alten Namen wieder zusammengeführt und die meisten der bereits jeweils vorhandenen Vorstandsmitglieder in den neu zusammengeführten Vorstand des Aachener Geschichtsvereins integriert.

Zu den bekanntesten Mitgliedern des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit gehörten unter anderem: der Historiker und Genealoge Hermann Friedrich Macco, der Stadtarchivar Richard Pick, der Schulrat Franz Oppenhoff senior, Vater des späteren Oberbürgermeisters Franz Oppenhoff, der Buchhändler Ferdinand Kremer, der Arzt Bernhard Maximilian Lersch, der Dombaumeister Joseph Buchkremer, der Kirchenmusikdirektor Heinrich Böckeler, der Bildhauer Wilhelm Pohl, Franz Johann Joseph Bock, Carl Rhoen und viele andere. Nicht wenige Mitglieder, wie beispielsweise Macco, Rhoen, Oppenhoff oder Buchkremer, hatten beiden Vereinen angehört bzw. in den Zeitschriften beider Vereine publiziert.

Während des 22-jährigen Bestehens wurden folgende Vorsitzende gewählt: 1885–1885: Carl Eugen Zimmermann, Baumeister und Beigeordneter Bürgermeister, trat nach wenigen Wochen aus Gesundheitsgründen zurück. 1885–1886: H. J. Gross, Vikar aus Laurensberg, wurde bereits nach wenigen Monaten versetzt. 1886–1897: Karl Wacker, Gymnasiallehrer, wurde 1897 als Seminardirektor an das kgl. Lehrerinnen-Seminar nach Saarburg, dem heutigen Gymnasium Saarburg, versetzt 1897–1901: Fritz Joseph Kelleter, Direktor des Lehrerinnen-Seminars zu Aachen, dem heutigen St.-Leonhard-Gymnasium 1901–1907: Heinrich Savelsberg, Professor am Kaiser-Karls-Gymnasium

Als eigene Publikationsreihe gab der Verein für Kunde der Aachener Vorzeit 20 Bände der Zeitschrift Aus Aachens Vorzeit (AAV) heraus, deren Inhalt mittlerweile vollständig digitalisiert nachgelesen werden kann. Nach der Fusion wurde die Herausgabe der Zeitschrift eingestellt.

Nach der Fusion Zwischenzeitlich konnte der Aachener Geschichtsverein trotz der steigenden Konkurrenz des rasch anwachsenden Aachener Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit aufgrund des in der Bevölkerung herrschenden Geschichtsinteresses die Anzahl seiner Mitglieder konstant halten, welche durch den Zusammenschluss beider Vereine im Jahr 1907 auf über 1200 anstieg. Nach erfolgter Fusion setzte sich der AGV gemäß den Vereinbarungen schließlich in seiner Arbeitsweise, wie bereits oben erwähnt, für mehr Offenheit und Bürgernähe ein. Dadurch verliefen die nächsten Jahre trotz des Ersten Weltkrieges in sachlicher Routine und ohne besondere Vorkommnisse.

Erst mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 traten auch im AGV gewisse Änderungen ein, die viele Mitglieder nicht mittragen wollten und deshalb aus dem Verein austraten. So wurde beispielsweise der amtierende Präsident nunmehr als „Vereinsführer“ bezeichnet und mit Albert Huyskens hatte 1934 ein Mann dieses Amt angetreten, der auf der Grundlage der Geschichtsauffassung des Nationalsozialismus auch die nun verfügten Aufgaben des Geschichtsvereins proklamierte und sich dabei mit zahlreichen Zitaten ausdrücklich auf Hitlers „Mein Kampf“ bezog. Auch mit seinem Engagement auf dem Gebiet der Rassenforschung in der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde passte er sich dem neuen Zeitgeist an. Der Verein als Ganzes nahm aber nicht immer Rücksicht auf politische Opportunität, sondern beschäftigte sich durchaus auch öffentlich mit Themen, die den Nationalsozialisten nicht unbedingt genehm waren, woraufhin das Verhältnis zu den örtlichen Machthabern zunehmend distanzierter wurde. Auf Grund seiner Verstrickungen mit dem Machtapparat musste Huyskens nach dem Krieg den Vereinsvorsitz zunächst niederlegen, konnte aber nach einem entsprechenden Entnazifizierungsverfahren 1948 die Präsidentschaft wieder übernehmen.

Mittlerweile sah sich der AGV in der Verpflichtung, neben den Standardthemen zunehmend sowohl die neuere und neueste Geschichte zu analysieren als sich auch aufgrund der massiven kriegsbedingten Zerstörung verstärkt mit der Archäologie sowie der Kunst- und Baugeschichte zu beschäftigen. Im Jahr 1979 wurde die bis heute gültige Satzung aktualisiert und als Zweck des Vereins „die Erforschung der Aachener Stadtgeschichte, ihre Einbettung in die Territorialgeschichte und in die allgemeine Geschichte sowie die Pflege des Geschichtsbewusstseins“ eingetragen.

Vorsitzende 1879–1885: Alfred von Reumont, Historiker, preußischer Legationsrat und Wirklicher Geheimer Rat, Ehrenbürger der Städte Florenz und Aachen 1885–1907: Hugo Loersch, Geheimer Justizrat und Professor für preußisches und französisches Recht an der Universität Bonn, Mitglied des Preußischen Herrenhauses 1907–1910: Ludwig Schmitz, Geheimer Oberjustizrat und Präsident des Landgerichts Aachen, Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses 1910–1918: Martin Scheins, Direktor des Kaiser-Karls-Gymnasium 1918–1934: Heinrich Savelsberg, Professor am Kaiser-Karls-Gymnasium, ehemaliger und letzter Vorsitzender des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit 1934–1945: Albert Huyskens, Historiker und Bibliothekar sowie Archivar des Stadtarchivs Aachen 1945–1948: Heinrich Schiffers, kommissarischer Vorsitzender. Direktor des bischöflichen Diözesanarchivs Aachen. 1948–1955: Albert Huyskens 1955–1962: Felix Kuetgens, Kunsthistoriker und Direktor des Suermondt-Museums 1962–1972: Bernhard Poll, Direktor des Stadtarchivs Aachen 1972–1984: Erich Stephany, Prälat und Domkapitular sowie Kunsthistoriker 1984–1995: Herbert Lepper, Direktor des Stadtarchivs Aachen 1995–1996: Willy Frentz, Oberstudiendirektor des Leonhard-Gymnasiums 1996–2015: Thomas R. Kraus, Direktor des Stadtarchivs Aachen 2015–2024: Harald Müller, Professor am Historischen Institut der RWTH Aachen, in Aachener Zeitung vom 20. April 2015 Seit 2024: Werner Dahlhausen, Rechtsanwalt

Ehrenvorsitzende Alfred von Reumont Heinrich Savelsberg Erich Stephany Herbert Lepper

Ehrenmitglieder (Auswahl) Joseph Buchkremer Albert Heusch Emil Pauls Elisabeth Janssen, Bibliothekarin Klaus Pabst, Historiker, Kerpen

Publikationen Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Herausgabe zahlreicher Fachpublikationen, allem voran die seit 1879 verlegte „Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins“, sowie als sporadische Sonderdrucke die ergänzenden Beihefte und die Beiträge zur Baugeschichte und Heimatkunst.Publikationen des AGV

Um seine Schriften auch überregional verbreiten zu können und eventuell vorhandene Bestandslücken zu schließen, steht der AGV mit derzeit rund 140 Tauschpartnern in Kontakt, mit denen er einen regen Schriftentausch pflegt. Einen Großteil der dem Verein zur Verfügung gestellten Schriften gliedert er ebenso wie seine eigene Herausgaben in die Bestände des Aachener Stadtarchivs, der Stadtbibliothek Aachen, der Bibliothek des Historischen Instituts der RWTH Aachen, des Bibliotheksverbundes des Bistums Aachen sowie vieler weiterer Archive und wissenschaftlicher Bibliotheken ein, um sie so für die Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen.

Darüber hinaus wurden ältere Ausgaben der herausgegebenen Publikationen mittlerweile vollständig digitalisiert und sind ebenso wie ausgewählte aktuelle Beiträgechronologisches Archiv der online-Beiträge online abrufbar. Außerdem können die Schriften des Vereins über den niedergelassenen oder über den online-Buchhandel käuflich erworben werden.