rechts|rahmenlos 32º Stormo “Armando Boetto” ist der Name des 32. GeschwadersStormo bedeutet wörtlich „Schwarm“ und bezog sich ursprünglich nur auf Vogelschwärme der italienischen Luftwaffe. Das Geschwader ist auf dem Militärflugplatz Amendola bei Foggia (Apulien) stationiert und mit Drohnen und mit Kampfflugzeugen vom Typ Lockheed Martin F-35 ausgerüstet.

Auftrag Das Geschwader übernimmt mit seinen Drohnen Aufgaben in den Bereichen Aufklärung und Luftnahunterstützung. Es ist auch Ausbildungs- und Einsatzzentrum für die Drohnen der italienischen Luftstreitkräfte. Die F-35 in den Versionen A und B werden derzeit eingeführt und dienen daher vorwiegend der Ausbildung und der Herstellung der Einsatzbereitschaft in einer Mehrzweckrolle. Das Geschwader untersteht dem Luftflottenkommando in Rom, die operative Führung erfolgt entweder durch das Comando delle Operazioni Aeree – COA in Poggio Renatico bei Ferrara oder, bei Auslandseinsätzen, durch Einsatzführungskommandos oder durch Kommandeure vor Ort.

Organisation mini|MQ-1 Predator des 32. Geschwaders Das 32. Geschwader verfügt über vier fliegende Gruppen in Staffelstärke.Italienische wie deutsche Geschwader untergliedern sich offiziell in Gruppen und Staffeln. In Italien sank im Lauf der Zeit der Flugzeugbestand einer Gruppe auf 18 bis 12 Maschinen, weswegen der italienische Terminus Gruppo heute mit Squadron oder Staffel gleichgesetzt wird. Die 13º Gruppo ist seit 2016 mit der F-35A ausgerüstet, in der 101º Gruppo wurden ab 2025 alle F-35B konzentriert. Die 28º Gruppo ist mit Drohnen vom Typ MQ-9 Reaper ausgerüstet. Bis 2017 hatte sie auf dem sizilianischen Militärflugplatz Sigonella einen vorgeschobenen Stützpunkt, wo dann im Juli 2017 als weitere fliegende Einheit die 61º Gruppo mit Predator-Drohnen gebildet wurde. Die seit 2004 betriebenen MQ-1 Predator wurden Ende 2022 außer Dienst gestellt.Daniele Trifance: 32º Stormo: dopo 18 anni e oltre 30 mila ore di volo, conclusa attività operativa del Predator A plus. aeronautica.difesa.it, 27. Dezember 2022

Zum Geschwader gehören darüber hinaus verschiedene technische und logistische Einheiten sowie ein Ausbildungszentrum. Es verfügt auch über einige kleine Hubschrauber und Verbindungsflugzeuge.

Geschichte Aufstellung Das 32. Geschwader wurde am 1. Dezember 1936 in Cagliari-Elmas auf Sardinien aufgestellt. Es bestand aus zwei Bombergruppen zu je zwei Staffeln: der 38º Gruppo (49ª, 50ª Squadriglia) in Aviano und der 89º Gruppo (228ª, 229ª Squadriglia) in Forlì. Am 24. Februar 1937 kamen die beiden Gruppen mit ihren Savoia-Marchetti SM.81 nach Cagliari-Elmas, wo sie für Einsätze über dem Mittelmeer ausgebildet wurden. Von 1938 bis 1939 flog die 89º Gruppo von dem im Norden Sardiniens gelegenen Flugplatz Alghero aus. 1939 erhielt das Geschwader neue Bomber vom Typ SM.79. Kurz vor dem Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg am 10. Juni 1940 wurde das Geschwader auf dem Militärflugplatz Decimomannu bei Cagliari stationiert. Zusammen mit den Bombergeschwadern 8 in Villacidro und 31 in Elmas bildete es auf Sardinien die 10. Fliegerbrigade Marte unter dem Befehl des 38-jährigen Brigadegenerals Stefano Cagna.

Zweiter Weltkrieg mini|Wappen des 32º Stormo im Zweiten Weltkrieg Am 12. Juni 1940 griffen 24 SM.79 des 32. Geschwaders den französischen Kriegshafen von Bizerta in Tunesien an, es folgten Angriffe auf Korsika und später Gibraltar. Von dort lief am 8. Juli 1940 der britische Flottenverband Force H mit dem Flugzeugträger Ark Royal und dem Schlachtkreuzer Hood aus, um italienische Ziele zu beschießen, geriet jedoch am folgenden Tag rund 30 Seemeilen südlich der Balearen in ein Bombardement des 8. und 32. Geschwaders. Italienischen Meldungen, man habe die Hood, die Ark Royal und drei Zerstörer schwer beschädigt, widersprachen die Briten, doch kehrte Admiral Sommerville mit seiner Force H umgehend nach Gibraltar zurück. Im folgenden August fiel bei den Balearen der General Stefano Cagna an der Spitze seiner Fliegerbrigade. Am 27. November 1940 griffen die beiden Geschwader der 10. Fliegerbrigade in der Seeschlacht bei Kap Teulada ein und verfehlten dabei die Ark Royal knapp. Es folgten etliche weitere Einsätze gegen britische Geleitzüge, die versuchten, die Insel Malta zu erreichen. Bei einem dieser Einsätze fiel am 8. Mai 1941 der Staffelkapitän der 49ª Squadriglia (38º Gruppo), Hauptmann Armando Boetto, nach dem das 32. Geschwader bis heute benannt ist.Boetto wurde von Flugzeugen der HMS Ark Royal abgeschossen, die zusammen mit der Force H das britische Geleit WS-8 (Operation Tiger) von Gibraltar nach Alexandria schützte. Boetto erhielt die höchste italienische Militärauszeichnung (Medaglia d’Oro al Valor Militare – MOVM). Im ersten Kriegsjahr war das 32. Geschwader nicht besonders effektiv, auch weil die relativ kleinen italienischen Fliegerbomben keine größeren Schäden verursachen konnten.

Im September 1941 verlegte das 32. Geschwader von Decimomannu nach Bologna-Borgo Panigale in Norditalien, wo es eine Pause einlegte und auf neue SM.84 umrüstete. Die 38º Gruppo setzte weiterhin Bomben ein, während die 89º Gruppo ein Torpedobomber-Verband wurde. Am 24. Mai 1942 erfolgte die Verlegung auf den süditalienischen Militärflugplatz Gioia del Colle, von wo aus man Einsätze über dem zentralen Mittelmeer flog. Im August 1942 nahm das 32. Geschwader an den Angriffen gegen den britischen Pedestal-Geleitzug teil. Im November 1942 kehrte das Geschwader nach Sardinien zurück (Villacidro), im Januar 1943 kam es dann nach Lecce-Galatina, wo es die 89º Gruppo abgab und dafür die 43º Gruppo mit ihren Caproni Ca.314 erhielt. Am 27. Januar 1943 wurde das 32. Geschwader aufgelöst, die beiden Gruppen operierten jedoch noch einige Monate selbständig.

Wiederaufstellung mit der G.91 mini|G.91Y des 32º Stormo in Brindisi mit Haifischmaul am Lufteinlass mini|G.91T des 32º Stormo in Amendola in Trainerbemalung 24 Jahre nach der Auflösung, am 10. September 1967, entstand das 32. Geschwader auf dem Militärflugplatz Brindisi wieder. Als einzige fliegende Einheit erhielt es vom 2. Geschwader aus Treviso dessen 13º Gruppo mit leichten Kampfflugzeugen vom Typ Fiat G.91R, ab 1973 dann die zweistrahlige G.91Y. Als Erinnerung an die maritime Rolle des Geschwaders im Zweiten Weltkrieg verzierte man die Flugzeuge mit einem Haifischmaul am Lufteinlass, was sie auch über Italien hinaus bekannt machte. 1993 verlegte das 32. Geschwader nach Foggia-Amendola und übernahm dort noch für zwei Jahre zwei Ausbildungsstaffeln mit der zweisitzigen G.91T. Somit war es das einzige Geschwader der italienischen Luftwaffe, das alle drei Hauptversionen der G.91 in seinem Bestand hatte.

Die Aeronautica Militare stellte ab 1959 insgesamt knapp 300 G.91 in Dienst. Von 27 Vorserienmaschinen ging ein Teil als G.91PANPAN ist die Abkürzung für Pattuglia Acrobatica Nazionale oder „Nationale Kunstflug-Patrouille“ und steht für die Kunstflugstaffel Frecce Tricolori. Die G.91PAN war eigentlich keine eigene Version. Man baute die Kameras am Bug und die Bordkanonen aus und Rauchgeneratoren ein. an die Kunstflugstaffel Frecce Tricolori in Rivolto, andere wurden zum Teil auf Serienstandard gebracht und gingen als G.91R an die Einsatzverbände. Für Italien folgten 23 G.91R/1, dann 25 leicht verbesserte G.91R/1A und 50 G.91R/1B. Von dem zweisitzigen Fortgeschrittenentrainer G.91T beschaffte man 99 Serienmaschinen für die Flugschule in Foggia-Amendola. Den Abschluss bildeten bis 1974 die 67 zweistrahligen G.91Y.

Folgende italienische Verbände und Einheiten waren mit der G.91 ausgerüstet:

MilitärflugplatzGeschwaderStaffelnVersionenAnmerkungen Pratica di Mare RSVReparto Sperimentale di Volo (RSV), dt. „Flugversuchseinheit“ 311 G.91R, G.91T, G.91Y Flugversuchszentrum Treviso 2º Stormo 14, 103 G.91R Indienststellung 14. März 1961 Cervia 8º Stormo 101 G.91R, G.91Y G.91Y ab 1970 Brindisi 32º Stormo 13 G.91R, G.91Y (G.91T) ab 1993 in Amendola, G.91T dort Amendola 60ª Brigata Aerea 201, 204, 205 G.91T 1993 von 32º Stormo übernommen Rivolto - 313 G.91PAN 1963 bis 1982

Das 2. Geschwader bestand aus den Staffeln 8,Die 8º Gruppo ging nach Pratica di Mare und übernahm dort Sonderaufgaben. Die Gruppi hatten nunmehr Staffel-Status. 13 und 14, das hier nicht genannte 5. Geschwader in Rimini-Miramare aus den Staffeln 101, 102 und 103, welche im Zweiten Weltkrieg unter anderem die Junkers Ju 87 geflogen hatten. Im Zug der Einführung der G.91 kam es bei den einzelnen Staffeln zu Unterstellungswechseln, die in obiger Tabelle ersichtlich sind. Das 8. und das 32. Geschwader, die im Zweiten Weltkrieg als Teil der 10. Fliegerbrigade von Sardinien aus operiert hatten, vereinte nunmehr die Gemeinsamkeit, dass sie beide an der Adria stationiert waren, jeweils eine relativ große Staffel auf G.91Y hatten und auch die Aufgaben teilten: Aufklärung über Land und See, Seezielbekämpfung (in eingeschränktem Maß) und Luftnahunterstützung. Der Schutz der Adriaküste vor feindlichen See-, Luftlande- oder Kommandounternehmungen sowie die Sicherung der Adriazugänge standen im Kalten Krieg im Vordergrund. Unterstützung hätten bei Bedarf die G.91-Trainer aus Amendola geleistet. Die G.91R in Treviso konzentrierten sich im Nordosten Italiens ganz auf Aufklärung und Luftnahunterstützung, die G.91 PAN der Frecce Tricolori spielten in diesem Bereich ebenfalls eine Rolle. In dieser Form ergänzten die G.91 lange Zeit die F-104 Starfighter.

Die G.91 des 32. Geschwaders übten Luft-Boden-Einsätze auf dem Schießplatz Punta della Contessa bei Brindisi, ansonsten von Decimomannu aus auf dem Schießplatz Capo Frasca auf Sardinien. Ein Höhepunkt in der Nachkriegsgeschichte war die Auffindung des im Mittelmeer gesuchten sowjetischen Flugdeckkreuzers Kiew durch eine G.91Y der 101º Gruppo, welche später vom 32. Geschwader übernommen wurde.

AMX und Drohnen mini|AMX des 32. Geschwader in Sonderbemalung (Retro-Design) mini|AMX-T-Doppelsitzer der 101º Gruppo/32º Stormo Ab 1993 setzte das 32. Geschwader von Amendola aus mit der 13º Gruppo auf G.91Y seine bisherigen Aufgaben fort, daneben übernahm man von dem aufgelösten Ausbildungsverband 60ª Brigata Aerea die 201º und die 204º Gruppo und bildete weiter Piloten aus. Die Fortgeschrittenenausbildung auf der G.91T gab man zwei Jahre später ganz auf, weil in Lecce eine neue Version des Jettrainers Aermacchi MB-339 eingeführt wurde. Gleichzeitig rüstete das 32. Geschwader auf neue Kampfflugzeuge vom Typ AMX um. Von dem aufgelösten 8. Geschwader aus Cervia erhielt man die 101º Gruppo, welche mit zweisitzigen AMX-Trainern ausgestattet wurde, während die 13º Gruppo die Einsitzer erhielt.

Von der AMX, die als leichter Jagdbomber die schwereren (und teureren) Tornados ergänzen sollte, wollte die italienische Luftwaffe ursprünglich insgesamt 238 Maschinen beschaffen, davon 51 zweisitzige Trainer für die Flugschule in Amendola. Dank der neuen MB-339CD Lead-in Fighter Trainer brauchte man einerseits für die Umschulung auf nur einen Flugzeugtyp weit weniger AMX/T, andererseits machte das Ende des Kalten Krieges etliche der geplanten 187 Einsitzer überflüssig. Beschafft wurden schließlich 110 AMX-Einsitzer und 26 Zweisitzer für folgende Verbände und Einheiten der italienischen Luftwaffe:

MilitärflugplatzGeschwaderStaffelnVersionenAnmerkungen Pratica di Mare RSV 311 AMX, AMX/T Flugversuchszentrum Rivolto 2º Stormo 14 AMX 1993 von Treviso nach Rivolto Verona-Villafranca 3º Stormo 28, 132 AMX 1999 aufgelöst, 132º Gruppo nach Istrana Foggia-Amendola 32º Stormo 13, 101 AMX. AMX/T 101 aus Cervia (8º Stormo) (1995) Istrana 51º Stormo 101, 103, 132 AMX, AMX/T 101 aus Amendola (2014), 103 aus Treviso, 132 aus Verona Treviso 3º RMV3º Reparto Manutenzione Velivoli, dt. „3. Flugzeugwartungseinheit“. Keine eigenen AMX, nur zu Grundüberholung dort. AMX, AMX/T Flugzeuginstandhaltung