Ried in der Riedmark ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Perg im Mühlviertel mit Einwohnern (Stand ). Die Gemeinde zählt zum Gerichtsbezirk Perg.
Geografie Der Ort Ried in der Riedmark liegt auf rund 300 Meter Seehöhe im unteren Mühlviertel, die höchsten Erhebungen der Gemeinde erreichen im Nordosten 450 Meter. Das wichtigste Gewässer ist der Rieder Bach, ein Nebenfluss der Gusen.
Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 8,5 und von West nach Ost 7,8 Kilometer. Die Gesamtfläche umfasst Quadratkilometer. Davon sind 20 Prozent bewaldet, 71 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Altaist, Marbach, Obenberg und Ried in der Riedmark.
Das Gemeindegebiet umfasst folgende Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Zählsprengel sind Ried in der Riedmark-Niederzirking für den südöstlichen Kernbereich und Ried-Umgebung für den Rest der Gemeinde.
Nachbargemeinden
Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung Rieds geht auf das Jahr 823 zurück, als der Ort gemeinsam mit Naarn, Saxen und Ardagger in der Urkunde Confirmatio Ludovici Pii an das Bistum Passau übergeben wird.
Ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern liegend, gehörte der Ort seit dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich. Ried wurde 1424 bei einem der Hussiteneinfälle ins Mühlviertel niedergebrannt. Seit 1490 wird der Ort dem Fürstentum Österreich ob der Enns zugerechnet.
Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt.
Seit 1918 gehört der Ort zum Bundesland Oberösterreich.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau.
mini|Gedenkstein der Mühlviertler Menschenjagd Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Ort bekannt durch die Mühlviertler Menschenjagd (euphemistisch Mühlviertler Hasenjagd), bei der NS-Verbände und etliche Einwohner des Ortes Jagd auf sowjetische Offiziere machten, die im Februar 1945 aus dem KZ Mauthausen geflohen waren.Mahnmal zur Mühlviertler Menschenjagd in Wartberg ob der Aist Es gab jedoch einige beherzte Bürger, die Fliehende unter Gefährdung des eigenen Lebens versteckten, so dass von den 500 wenigstens elf ihre Freiheit erlangten. Alle anderen wurden ermordet, wo man sie bei der dreiwöchigen Jagd aufspürte. Zum Gedenken an dieses Kriegsverbrechen und an die mutigen Helfer der Überlebenden wurde 2002 nahe der Kirche ein Gedenkstein errichtet.
Ebenfalls kurz vor Kriegsende plante die SS, gastechnische Einrichtungen und Verbrennungsöfen aus dem KZ Auschwitz-Birkenau, die vor der Sprengung der dortigen Gaskammern und Krematorien demontiert worden waren, nahe des KZ Mauthausen wieder aufzubauen. Dazu sollte bei Altaist-Hartl eine Großvergasungsanlage mit Gleisanschluss errichtet werden. Für das dortige Hauptgebäude waren Gaskammern mit zunächst zehn Dreimuffel-Einäscherungsöfen vorgesehen. Einen Hinweis auf diesen Plan und die dazu im Auftrag der SS von Häftlingen durchgeführten Vermessungen gab bereits in den 1950er Jahren der tschechische Filmregisseur Václav Berdych. Es ist nicht erwiesen, ob dieser Plan durch den der SS angehörigen Bauleiter selbst oder durch Häftlinge bis zum Kriegsende verzögert wurde.Umzug der Auschwitzer Krematorien nach Mauthausen. dieuniversitaet-online.at; abgerufen am 30. Januar 2013.
1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs.
Einwohnerentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Ried in der Riedmark
Schloss Grünau Grünauerkapelle (Wegekapelle) Schloss Marbach Katholische Pfarrkirche Ried in der Riedmark hl. Remigius Katholische Filialkirche Niederzirking Mariä Himmelfahrt
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftssektoren Von den 131 landwirtschaftlichen Betrieben des Jahres 2010 waren 50 Vollerwerbsbauern. Diese bewirtschafteten 60 Prozent der Flächen. Im Produktionssektor arbeiteten 94 Erwerbstätige im Bereich Herstellung von Waren, 18 in der Bauwirtschaft und 1 in der Wasserver- und Abfallentsorgung. Die wichtigsten Arbeitgeber des Dienstleistungssektors waren die Bereiche soziale und öffentliche Dienste (191) und Handel (56 Mitarbeiter). Wirtschaftssektor Anzahl Betriebe Erwerbstätige2011200120112001Land- und Forstwirtschaft 1)13116711593Produktion2313113126Dienstleistung12363346250 1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999
Arbeitsmarkt, Pendeln Im Jahr 2011 lebten 2101 Erwerbstätige in Ried in der Riedmark. Davon arbeiteten 356 in der Gemeinde, 83 Prozent pendelten aus.
Einsatzkräfte Über das Ortgebiet verteilt gibt es fünf Freiwillige Feuerwehren und keine Polizei- oder Rettungsdienststellen.
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat hat 25 Mitglieder. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2003 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 15 SPÖ, und 10 ÖVP. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2009 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 SPÖ, 9 ÖVP, 2 GRÜNE, und 1 BZÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 SPÖ, 8 ÖVP, 3 FPÖ, und 3 GRÜNE. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2021 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 ÖVP, 10 SPÖ, 3 GRÜNE und 1 FPÖ.
Bürgermeister Bürgermeister seit 1850 waren:
Altaist 1850–1861 Georg Mayer 1861–1879 Mathias Aichinger 1879–1882 Johann Sulzbacher 1882–1903 Franz Schöfl 1903–1935 Sebastian Aichinger 1935 Franz Wöckinger Marbach (bis zur Eingemeindung 1877) 1850–1866 Josef Rammer 1866–1873 Josef Rainer 1873–1876 Johann Schönbeck 1876–1877 Ferdinand Bodingbauer Obenberg (bis zur Eingemeindung 1877) 1850–1858 Mathias Wall 1858–1861 Anton Trauner 1861–1870 Sebastian Stanger 1870–1873 Franz Derntl 1873–1877 Sebastian Stanger
Ried in der Riedmark
Wappen 60px|links mini|Brunnen in der Ortsmitte mit dem Wappen-Symbol
Offizielle Beschreibung des 1932 verliehenen Gemeindewappens: Gespalten; rechts dreimal gespalten von Silber und Rot; links in Gold ein naturfarbener (brauner), aus dem Schildfuß wachsender Baumstumpf, in dem eine schräglinks gestellte Barte mit silberner Klinge und braunem Stiel steckt, dahinter grünes, gewelltes Erdreich mit drei grünen Waldbäumen.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde Mathias Wahl (1815–1885), PolitikerWahl, Mathias, auf parlament.gv.at, abgerufen am 4. Oktober 2020. Rudolf Lenk (1886–1966), Politiker (NSDAP) und Autor Josef Mayrhofer (1887–1939), Politiker (CSP) Johann Diwold (1911–1978), Politiker (ÖVP) Josef Czerwenka (1918–1987), Politiker (SPÖ) Alfred Aichinger (1934–2009), Politiker (SPÖ) Oswald Miedl (* 1940), Maler und Kunstpädagoge Ernestine Tahedl (* 1940), Malerin, Graphikerin und Glaskünstlerin Hans Wöckinger (* 1943), Politiker (ÖVP) Kunigunde Fürst (* 1944), Ordensschwester Erich Haider (* 1957), Politiker (SPÖ) Doris Margreiter (* 1968), Politikerin (SPÖ) Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten Eva Reichl (* 1970), Autorin und Künstlerin Sabine Schatz (* 1978), Politikerin (SPÖ)
Literatur Alfred Aichinger: Festschrift 50 Jahre Marktgemeinde Ried. 1932–1982. Herausgegeben von der Marktgemeinde, Ried in der Riedmark 1982. Engelbert Leitner: Ried einst und jetzt. Eigenverlag Pfarramt Ried. Naturraumkartierung Oberösterreich. Landschaftserhebung Gemeinde Ried in der Riedmark. Endbericht. Gutachten Naturschutzabteilung Oberösterreich. Kirchdorf an der Krems 2009, S. 1–117 ().
Weblinks
Website der Gemeinde
Einzelnachweise
Kategorie:Zentralmühlviertler Hochland Kategorie:Aist-Naarn-Kuppenland Kategorie:Machland