mini|Ungefähre Ausdehnung der Grafschaft Wied im Jahr 1129
Das Fürstentum Wied (bis 1784 Grafschaft Wied), benannt nach dem rechtsrheinischen Nebenfluss Wied, war ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Bereich des Westerwaldes und des heutigen Landkreises Neuwied. Es bestand etwa von Anfang des 12. Jahrhunderts bis 1806 zunächst als kurpfälzisches Lehen, später als reichsunmittelbare Herrschaft und von 1815 bis 1848 als Standesherrschaft innerhalb des Königreichs Preußen.
Im Laufe seiner Geschichte wurde das Territorium zwischen den verschiedenen Zweigen des wiedischen Fürstenhauses mehrfach geteilt und wiedervereinigt. Die Obergrafschaft Wied-Runkel lag um die Zentren Dierdorf und Runkel an der Lahn, die Residenz der Niedergrafschaft Wied-Neuwied war ursprünglich die Burg Altwied, von 1653 bis 1848 die Stadt Neuwied. Als Nachkommen eines ehemals regierenden Hauses gehört die bis heute bestehende Familie zum deutschen Hochadel.
Geschichte Ursprünge und erstes Grafenhaus bis 1244 Die Anfänge der Grafschaft Wied liegen im Dunkeln. Ihr Territorium wie auch das der späteren Grafschaft Sayn, die rechts- und linksrheinischen Gebiete der Kölner und Trierer Kurfürsten sowie die dort gelegenen Besitzungen des späteren Herzogtums Jülich, des Hauses Nassau und der Pfalzgrafen bei Rhein waren Bruchstücke der ehemals salischen und staufischen großen Pfalzgrafschaft Lothringen („Palatia maior“), die ihrerseits aus dem fränkischen Lotharingien hervorgegangen war. Eine Grafschaft Wied als eigenständiges Territorium wird erst fassbar, als diese ursprüngliche Pfalzgrafschaft zerbrochen war. Sie galt aber stets als Lehen der Pfalzgrafen bei Rhein.
mini|Altwied, erste Residenzmini|Burg Runkel, Residenz der Oberen Grafschaft mini|Stammbaum des ersten und zweiten Grafenhauses Wied
Als Begründer des Hauses Wied gilt Metfried, der Gaugraf im Engersgau war. Die Familie war nördlich der Lahn, aber auch linksrheinisch begütert.„Grafschaft Wied“ bei genealogie-mittelalter.de Er und sein Bruder Richwin von Kempenich werden 1103 in einer Urkunde des Stiftes Münstermaifeld als Zeugen genannt. Im Jahr 1129 erscheint derselbe Metfried in einer Urkunde des Klosters St. Thomas in Andernach, diesmal unter der Bezeichnung „Meffridus de Widhe“. Dies ist der erste eindeutige Hinweis auf eine eigenständige Herrschaft dieses Namens. In ihr verband Metfried wahrscheinlich Eigenbesitz um die später Altwied genannte Burg, deren Bau in dieser Zeit begonnen worden sein dürfte, mit Herrschaftsrechten, mit denen ihn der Pfalzgraf belehnt hatte. Metfrieds Sohn Arnold (um 1098–1156) war Kanzler des staufischen Königs Konrad III. und Erzbischof von Köln, was die Bedeutung der Familie in dieser Zeit unterstreicht. Nachfolger Metfrieds wurde sein Sohn Siegfried von Wied.
Graf Dietrich von Wied (1158–1200), ein Enkel Metfrieds, tritt in einer am 26. April 1158 in Sinzig ausgestellten Urkunde neben dem Pfalzgrafen Konrad als Zeuge in Erscheinung. Es wird nicht überliefert, dass der Pfalzgraf Dietrich von Wied belehnt hätte. In einer wiedischen Urkunde vom 25. Dezember 1190 dagegen trägt ihm der kölnische Erzbischof ein Lehen zu Olbrück im heutigen Kreis Ahrweiler auf. Den Söhnen des Grafen wird darin das Erbrecht an dem Lehen zugestanden, aus der Sorge vor einer möglichen Entfremdung nicht aber seiner Tochter Theodora, die den Grafen Bruno von Isenburg geheiratet hatte. Neben Olbrück vergab Erzköln im 13. Jahrhundert noch weitere kleine Gebiete im Bereich Koblenz (Bassenheim) und Neuwied (Heddesdorf) an die Grafen von Wied zu Lehen.Lacomblet, Theodor Joseph: Archiv für die Geschichte des Niederrheins, In: Die Lehnhöfe am Niederrhein. IV. Band, 1863, Düsseldorf, S. 400. Onlinefassung
Wahrscheinlich beerbte Georg von Wied (1197–1219) seinen Vater Dietrich. Er nahm am Fünften Kreuzzug teil und trat urkundlich öfter an der Seite der Grafen von Sayn und der Pfalzgrafen auf. Da er offenbar keine Erben hinterließ, erlangte sein Bruder Lothar (1219–1243) die Herrschaft. Auch er hinterließ offenbar keinen erbberechtigten Nachkommen. Da die übrigen Söhne und Töchter Dietrichs in den geistlichen Stand getreten waren, blieben nur Nachkommen seiner Töchter Theodora und Isalda als Erben der Grafschaft Wied übrig.
Vollends deutlich wird das Lehensverhältnis der Grafschaft Wied am 5. März 1243: An diesem Tag übertrug Lothar sein Lehen an Theodoras Söhne Bruno (II.) und Dietrich. Bereits 1238 hatte der Pfalzgraf Otto bei Rhein bestätigt, dass er nach Lothars Tod Bruno und Dietrich mit der Grafschaft Wied belehnen wolle. Die Urkunde besagt, der wiedische Graf befinde sich nunmehr dank der Großzügigkeit des Pfalzgrafen in der Pflicht eines Vasallen (Ledigmann). Mit Lothar starb 1244 das erste Grafenhaus aus, so dass die Hälfte der Herrschaft an die beiden Isenburger überging. Als Erben der anderen Hälfte treten die Herren von Eppstein auf, deren Anteil bereits 1306 an die Grafen von Virneburg verkauft wurde.
Genealogie der Grafen des Ersten Grafenhauses Wied 1126–1244 Amtszeit Titel Name 1129–1145 Graf Metfried von Wied (Graf im Engersgau) 1145–1162 Graf Siegfried von Wied 1162–1197 Graf Dietrich I. von Wied 1197–1219 Graf Georg von Wied 1219–1243 Graf Lothar von Wied Da Lothar kinderlos blieb und nach dem Tod seiner Ehefrau um 1235 außer seinem Bruder Theoderich auch alle anderen Brüder ohne Nachkommen verstorben waren, blieben als Erben die Söhne seiner beiden Schwestern: Theodora von Wied (urkundlich erwähnt zwischen 1182 und 1192) war verheiratet mit Bruno I. von Isenburg († 1210), der sich später Herr zu Braunsberg nannte; deren Söhne waren Bruno, Dietrich und Arnold. Isalda von Wied († 1223) war verheiratet mit Gottfried I. von Eppstein (1189–1220); deren Söhne waren Gottfried, Gerhard und Siegfried.
Zweites Grafenhaus bis 1462
Als zweites Grafenhaus kann man somit die Nachkommen des Bruno (II.) von Isenburg bezeichnen, die Grafen von Wied-Isenburg, die von der Mitte des 13. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts die Geschicke der Grafschaft lenkten. Der rechtliche Zustand als Lehen der Pfälzer Kurfürsten blieb auch für die nächsten Jahrhunderte erhalten. Daher bekannte Philipp von Isenburg im Jahr 1352 (25. August), dass er die Freiheit des Gerichts zu Bendorf von dem Pfalzgrafen Ruprecht erhalten hätte.
Neben dem Lehen der Kurpfälzer hatten die Grafen von Wied-Isenburg auch noch die im 13. Jahrhundert erhaltenen Gebiete vom Erzbistum Köln inne. Bruno III., der Sohn von Bruno II., bat 1265 den Kölner Erzbischof um Erlaubnis, diese Lehen veräußern zu dürfen. Die Veräußerung erfolgte jedoch nicht, da der Sohn Johann I. 1276 seinerseits von Erzbischof Siegfried von Westerburg die Erlaubnis erhielt, das Lehen für seine Ehefrau Agnes als Leibzucht zu verwenden. Die letzten nachweisbaren Kölner Lehnbestätigungen erhielt der Enkel von Bruno II., Wilhelm I., von den Kölner Erzbischöfen Elekt Adolf II. 1363 und von Friedrich III. 1372.Lacomblet, Theodor Joseph: Archiv für die Geschichte des Niederrheins, In: Die Lehnhöfe am Niederrhein. IV. Band, 1863, Düsseldorf, S. 401. Onlinefassung
Da Wilhelm II. von Wied-Braunsberg-Isenburg 1462 ohne männlichen Erben starb, fiel die Grafschaft an Dietrich IV. von Runkel, der mit einer Nichte Wilhelms, Anastasia von Wied-Isenburg, verheiratet war. Schon 1460 jedenfalls belehnte Pfalzgraf Friedrich I. Friedrich von Runkel, den ältesten Sohn Dietrichs, „aus besonderer Gnade für seine geleisteten treuen Dienste“ mit der halben Grafschaft Wied. Dieser Graf erhielt dann 1473 aus der Hand des Pfalzgrafen als Lehen sogar die ganze wiedische Grafschaft. 1477, nachdem Pfalzgraf Philipp die Regierung übernommen hatte, wiederholte er diese Belehnung der ganzen Grafschaft Wied an Friedrich IV. von Wied-Runkel.
Genealogie der Grafen des Zweiten Grafenhauses Wied 1244–1462
Aufteilung der Grafschaft durch Isenburg und Braunsberg ausgehend von der Erbin Theodora von Wied, (* um 1160; † um 1218), Schwester des kinderlosen Grafen Lothar zu Wied (* um 1168; † 1. März 1244) + regierende Grafen Isenburg-Braunberg-Wied 1244–1383 Amtszeit Titel Name Anteil an der Grafschaft Wied 1244–1255 Herr Bruno II. von Isenburg-Braunsberg ⚭ 1174 Theodora von Wied – zu einem Viertel 1244–1254 Herr Dietrich I. der „Ältere“ von Nieder-Isenburg – zu einem Viertel 1255–1278 Herr Bruno III. von Isenburg-Braunsberg-Wied erbte die Anteile von Dietrich I. und Bruno II. – zur Hälfte 1278–1327 Herr Johann I. von Isenburg-Braunsberg-Wiederbte den Anteil von Bruno III. – zur Hälfte Bruno IV. von Wied, Braunsberg-Isenburg erbte den Anteil von Johann I. – zur Hälfte 1327–1383 Graf Wilhelm I. von Wied, Herr Braunsberg-Isenburg erbte den Anteil von Bruno IV. – zur Hälfte ⚭ 1329 Agnes von Virneburg – zur Hälfte
Aufteilung der Grafschaft durch Erbschaft in Eppstein, Virneburg, Isenburg und Braunsberg-Wied ausgehend von der Erbin Maria Isalda Theodora von Wied, (* ca. 1173; † 1223), Schwester des kinderlosen Grafen Lothar zu Wied (* um 1168; † 1. März 1244) + regierende Grafen Eppstein-Wied 1193–1306 Amtszeit Titel Name Anteil an der Grafschaft Wied 1193–1223 Graf Gottfried I. von Eppstein ⚭ 1193 Maria Isalda Theodora von Wied-Eppstein – je zur Hälfte 1244–1276 Graf Gottfried II. von Eppstein („der Ältere“) – zu einem Viertel 1276–1294 Graf Gottfried III. von Eppstein („der Jüngere“) – zu einem Viertel 1244–1249 Graf Gerhard II. von Eppstein (von Braubach) – zu einem Viertel 1294–1306 Graf Siegfried von Eppstein – zur Hälfte
+ regierende Grafen Virneburg-Wied 1306–1383 Amtszeit Titel Name Anteil an der Grafschaft Wied 1306–1355 Graf Ruprecht (Robert) III. von Virneburg – zur Hälfte 1327–1383 Graf Wilhelm I. von Isenburg-Braunsberg-Wied ⚭ 1329 Agnes von Virneburg - je zur Hälfte (damit ist die Grafschaft Wied wieder vereint)
+ regierende Grafen Isenburg-Braunsberg-Wied 1383–1411 Amtszeit Titel Name Anteil an der Grafschaft Wied 1380–1404 Graf Wilhelm II. von Wied, Herr zu Isenburg gemeinsam mit Gerlach I. 1404–1413 Graf Gerlach I. von Wied-Isenburg
+ regierende Grafen Isenburg-Braunsberg-Wied 1338–1464 und Wied-Runkel 1411–1454 (Erbteilung) Amtszeit Titel Name Anteil an der Grafschaft Wied 1413–1454 Graf Wilhelm III. von Wied-Isenburg-Braunsberg gemeinsam mit Johann II. – zur Hälfte 1411–1454 Graf Johann II. von Wied-Isenburg-Braunsberg gemeinsam mit Dietrich IV. – zur Hälfte, 1427–1462 Graf Dietrich IV. von Wied-Runkel ⚭ 1427 Anastasia von Wied-Isenburg; (damit ist die Grafschaft Wied wieder vereint) 1454–1487 Graf Friedrich IV. von Wied und Runkel gemeinsam mit Wilhelm II. 1454–1489 Graf Wilhelm II. von Runkel Wied und Isenburg gemeinsam mit Dietrich V. 1454–1484 Graf Dietrich V. von Runkel gemeinsam mit Johann I. 1460–1521 Graf Johann I. von Runkel und Braunsberg
Drittes Grafenhaus bis zum 19. Jahrhundert