Melnikowo (, , ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad im Rajon Selenogradsk. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Selenogradsk. Zu Melnikowo gehört auch die 1904 nach Rudau eingemeindete Ortsstelle Jaxen.

Geographische Lage Das Dorf liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 17 Kilometer nördlich der Stadt Kaliningrad (Königsberg) und neun Kilometer südlich der Stadt Selenogradsk (Cranz), am Flüsschen Slawnaja (Kintaubach).

Ortsname Der Name Rudau leitet sich vermutlich vom prußischen rūda für rotbraun ab und dürfte etwa „rostiger oder farbiger Pfuhl“ bedeuten.

Der Name Melnikowo leitet sich vom russischen melniza für Mühle ab und bezog sich auf die Rudauer Mühle und die Laptauer Mühle, die sich beide in dem 1947 eingerichteten Dorfsowjet Melnikowski befanden.

Geschichte mini|Rudau, nordwestlich von Königsberg und südlich des Kurischen Haffs, auf einer Landkarte von 1910. mini|Ansicht von Rudau um etwa 1842 Das alte Kirchdorf Rudau wurde 1258 gegründet und 1274 erstmals urkundlich erwähnt.Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: RudauGeschichte von Rudau und hiesige preußische Wallanlagen bei ostpreussen.net Die Gegend um Rudau war bereits im ersten Jahrtausend vor Christus bewohnt. Auf einer Opferstelle der von Prußen (in ihrer Sprache bedeutet der Ortsname Rudowe/Rudau so viel wie „rostiger bzw. farbiger Pfuhl“) besiedelten Region errichtete 1274 der Deutsche Orden eine Burg. 1291 wurde Rudau mit einem Krug und einer Mühle einem Ulmann verschrieben. Die verlustreiche Schlacht bei Rudau fand am 17. Februar 1370 während der Litauerkriege zwischen dem Orden und dem Großfürstentum Litauen in der nördlichen Gegend von Rudau statt. Ein 1670 erwähnter Amtskrug hieß 1791 „Blauer Krug“. Am 4. September 1797 zerstörte ein Feuer nahezu das gesamte Dorf, wobei innerhalb von wenigen Minuten 23 Gebäude, darunter die mit der Ernte gefüllten Scheunen, abbrannten.

Am 13. Juni 1874 wurde Rudau Sitz und namensgebender Ort eines neu errichteten Amtsbezirks,Rolf Jehke, Amtsbezirk Rudau der zum Landkreis Fischhausen (1939 bis 1945 Landkreis Samland) im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Im Jahre 1910 lebten in Rudau 577 Einwohner.

Bereits am 27. November 1896 wurde Rudau durch die Eingliederung der Besitzung Heybüchen (heute nicht mehr existent) vergrößert. Es folgte am 25. Juni 1904 die Eingemeindung des Gutes Jaxen, am 26. September 1905 die des Gutes Sandhof (nicht mehr existent) und am 30. September 1928 des Gutsbezirks Backeln (heute russisch: Kudrinka). Die Einwohnerzahl stieg bis 1933 auf 1010 und betrug 1939 bereits 1052.

Das frühere Gutsdorf JaxenOrtsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Jaxen bestand vor 1945 lediglich aus einem großen Hof. Hier lebten 1895 36 Menschen. Am 13. Juni 1874 kam das Dorf zum neu gebildeten Amtsbezirk LaptauRolf Jehke, Amtsbezirk Laptau (heute russisch: Muromskoje), der im Landkreis Fischhausen im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen lag. Am 2. Oktober 1903 wurde amtlich festgestellt, dass Jaxen ein Teil des Gutsbezirks Grünhoff (heute russisch: Roschtschino) sei. Nur wenige Monate später – am 25. Juni 1904 – wurde Jaxen in den Amtsbezirk Rudau (Melnikowo) um- und in die Landgemeinde Rudau eingegliedert.

Nach der Besetzung durch die Rote Armee im Januar 1945 gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Rudau zusammen mit der gesamten nördlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion besatzungsrechtlich in eigene Verwaltung genommen. Der Ort erhielt 1947 den Namen Melnikowo.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Primorsk. Nach Auflösung des Dorfsowjets im Jahr 1959 gelangte der Ort in den Dorfsowjet bzw. Dorfbezirk Muromski selski Sowet (okrug). Von 2005 bis 2015 gehörte der Ort zur Landgemeinde Kowrowskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Selenogradsk.

Amtsbezirk Rudau (1874–1945) Zum Amtsbezirk Rudau gehörten anfangs vier Ortschaften: Deutscher Name Russischer Name Bemerkungen Landgemeinde: Rudau Melnikowo Gutsbezirke: Heybüchen 1896 in die Landgemeinde Rudau eingegliedert Maldaiten Fjodorowo 1926 in die Landgemeinde Rudau eingegliedert Sandhof ab 1904: Jaxen Melnikowo bis 1904: Amtsbezirk Laptau, 1904 in die Landgemeinde Rudau eingegliedert ab 1928: Backeln Kudrinka bis 1928 Amtsbezirk Schugsten, 1928 in die Landgemeinde Rudau eingegliedert Bedingt durch die verschiedenen Umstrukturierungen gehörte am 1. Januar 1945 nur noch die Gemeinde Rudau zu dem nach ihr benannten Amtsbezirk.

Melnikowski selski Sowet 1947–1959 Der Dorfsowjet Melnikowski selski Sowet (ru. Мельниковский сельский Совет) wurde im Juni 1947 im Rajon Primorsk eingerichtet. Im Jahr 1959 wurde der Dorfsowjet aufgelöst und weitgehend in den neugebildeten Muromski selski Sowet eingegliedert (Nisowka und Wassilkowo gelangten in den Wischnjowski selski Sowet).Information auf http://www.klgd.ru/

Folgende 19 Orte gehörten zum Dorfsowjet: Ortsname Name bis 1947/50 Jahr der Umbenennung Fjodorowo (Фёдорово) Maldaiten 1950 Iskrowo (Искрово) Ringels 1950 Karassino (Карасино) Wittehnen 1947 Kaschtanowka (Каштановка) Mollehnen 1947 Kortschagino (Корчагино) Tiedtken 1950 Krasnoflotskoje (Краснофлотское) Korben 1947 Kudrinka (Кудринка) Backeln 1947 Melnikowo (Мельниково) Rudau 1947 Motewelowo (Мотевелово) Mogahnen 1947 Nadeschdino (Надеждино) Gersthenen 1950 Nisowka (Низовка) Nadrau 1947 Priosjornoje (Приозёрное) Gidauten 1947 Saschtschitnoje (Защитное) Georgshöhe 1950 Serjoschkino (Серёжкино) Sergitten 1950 Sirenewo (Сиренево) Eisselbitten 1950 Swjaginzewo (Звягинцево) Waschke 1950 Wassilkowo (Васильково) Kirschnehnen 1947 Werschinino (Вершинино) Pluttwinnen 1947 Wetrowo (Ветрово) Ekritten 1947

Verkehr Durch den Ort führt eine Nebenstraße, die Kaschtanowka (Mollehnen) an der russischen Fernstraße A 191 (ehemalige deutsche Reichsstraße 128) mit Nisowka (Nadrau) verbindet. Kaschtanowka ist auch die nächste Bahnstation und liegt an der Bahnstrecke Kaliningrad–Selenogradsk–Pionerski (Königsberg–Cranz–Neukuhren).

Burg Rudau Bei Rudau gab es eine Wallburg,Johannes Voigt: Geschichte Preußens, von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des Deutschen Ordens. Band 5: Die Zeit vom Hochmeister Ludolf König von Weizau 1342 bis zum Tode des Hochmeisters Konrad von Wallenrod 1393. Königsberg 1832, S. 506. zu der eine nahegelegene Opferstelle gehörte. Hier errichtete der Deutsche Orden um 1263Friedrich August Voßberg: Geschichte der Preußischen Münzen und Siegel von den ältesten Zeiten bis zum Ende der Herrschaft des Deutschen Ordens. Berlin 1843, S. 34. ein festes Haus, das zu einer Burganlage erweitert wurde. Es gibt so gut wie keine Nachrichten über diese Burg, auch nicht über ihren Verfall. Im Jahre 1723 fand man nur noch wenige Mauerstücke, die vielleicht auf Fundamentenreste im Erdreich hinweisen.

Kirche mini|Ruine der Rudaer Kirche Kirchengebäude Von Kaschtanowka (Moellehnen) kommend, stößt die Straße direkt auf die auf einer kleinen Anhöhe gelegene Ordenskirche aus dem 14. Jahrhundert, umgeben von dem früheren Friedhofsgelände. Bereits 1370 stand hier eine Kapelle. Bei der Kirche handelt es sich um einen verputzten Feldsteinbau. Im Innern befand sich die Rüstung des Ordensmarschalls Henning Schindekopf, der bei der Schlacht bei Rudau fiel. Teile dieser Rüstung sollen später in die Quednauer Kirche verbracht worden sein.

Bis in die 1980er Jahre fand die Rudauer Kirche, die im Zweiten Weltkrieg unzerstört blieb, Nutzung als Getreidelager und -trocknungshalle. Danach wurde das Gebäude aufgegeben. Heute sind nur noch die stark einsturzgefährdeten Außenmauern des Turms und des Kirchenschiffes ohne Überdachung erhalten.

Kirchengemeinde Rudau soll bereits vor 1321 unbestätigten Berichten zufolge ein Kirchdorf gewesen sein. Aus vorreformatorischer Zeit liegen keine Nachrichten vor. Die reformatorische Lehre hielt hier recht früh Einzug. Lange Jahre war die Pfarrei dann Teil der Inspektion Schaaken (heute russisch: Schemtschuschnoje). Bis 1945 war sie dann aber in den Kirchenkreis Königsberg-Land II (nördlich des Pregels) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.

Heute liegt Melnikowo im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Selenogradsk (Cranz), einer Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad (russisch/deutsch) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Rudau gehörten bis 1945 30 Orte: Deutscher Name Russischer Name Deutscher Name Russischer Name Adamsheide Michelau Kamenka Blaublum Mogahnen Motewelowo Dammwalde Nadrau Nisowka Dollkeim Kowrowo Nautzau Kowrowo Eisselbitten Sirenewo Pluttwinnen Werschinino Ekritten Wetrowo Perkuiken Friedrichswalde Kolzowo Ringels Iskrowo Georgshöhe Saschitnoje Rudau Melnikowo Gersthenen Nadeschdino Sandhof Grünhoff Roschtschino Saßlauken Heybüchen Sergitten Serjoschkino Jaxen Melnikowo Sporwitten Kirschnehnen Wassilkowo Tiedtken Kortschagino Kemsie Weischkitten Sokolniki Maldaiten Fjodorowo Wittehnen Karassino

Pfarrer (bis 1945) Von der Reformation bis 1945 amtierten in Rudau 27 evangelische GeistlicheFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 123: NN., 1525 Kilian Torner, 1533–1537 Peter Nimptsch, 1541–1542 Ambrosius Talau, 1552 Peter Sonn, 1563 Johann Zimmermann, 1571–1580 Johann Marckstein, 1580–1605 Paul Biber, 1605–1642 Friedrich Vetter, 1642–1660 Reinhold Röder, 1660–1674 Gerhard Groskopf, 1675–1679 Nelchior Günther, 1679–1701 Sigismund Pölcke, 1701–1729 Ernst Boguslaw Biland, 1729–1736 Johann Christian Stürtz, 1736–1742 Christian Theophil Geier, 1742–1752 Ludwig Christoph Eicke, 1752–1759 Friedrich Gerhard Paarmann, 1759–1806 Karl Ludwig Harnack, 1806–1827 Johann Brandt, ab 1827 Friedrich A. Brausewetter, ab 1845 Carl Samuel Heinrich Büttner, 1849–1858 Carl Eugen Weiß, 1859–1887 Hans Carl Willy Gerlich, 1888–1905 Cäsar Hugo E. Otto Korth, 1906–1923 Bruno Gohr, 1924–1938 Hans Tolkiehn, 1939–1945

Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern für das Kirchspiel Rudau haben sich die Dokumente über die Taufen zwischen den Jahren 1833 und 1876 erhalten. Sie werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt.Christa Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992³, Seite 103

Persönlichkeiten Söhne und Töchter des Ortes Karl Kollwitz (* 13. Juni 1863 in Rudau; † 1940), Berliner Armenarzt, Stadtverordneter (SPD) sowie Ehemann der Malerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz.

Mit dem Ort verbunden Albert Borowski (1876–1945), deutscher sozialdemokratischer Politiker, lebte nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten in Rudau und kam hier beim Einmarsch der Roten Armee im Januar 1945 ums Leben.

Literatur Rudau, Dorf, rechts der Beke, Kreis Fischhausen, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Rudau (meyersgaz.org). Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 1: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Samlandes. Königsberg 1898, S. 117–120 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 247–248 (Google Books).