Stefan Mazrocis (* 18. April 1967) ist ein englisch-niederländischer Snookerspieler, der zwischen 1991 und 2009 mit einigen Unterbrechungen insgesamt 13 Spielzeiten lang auf der Profitour spielte. In dieser Zeit erreichte er unter anderem 1992 das Finale eines Strachan-Challenge-Events, das Viertelfinale des Asian Classics 1996 und das Achtelfinale der Snookerweltmeisterschaft 1997. Auf der Snookerweltrangliste wurde er zeitweise auf Rang 65 geführt. Daneben kann Mazrocis auch auf Amateurebene vorweisen, gewann er doch zum Beispiel die Europameisterschaft 1988 und vier Mal die niederländische Snooker-Meisterschaft.

Mazrocis wurde 1967 als Sohn einer englischen Mutter und eines lettischen Vaters geboren, je nach Angaben in oder bei der englischen Großstadt Leicester oder aber in den Niederlanden. In jedem Falle wuchs er in Leicester auf und trainierte dort im Willie Thorne Snooker Club, dessen Clubmanager Malcolm Thorne Mazrocis förderte. Ab Mitte der 1980er konnte er bei englischen Amateurturnieren und nach und nach auch auf internationaler Ebene Erfolge erzielen. 1987 wurde er U21-Vize-Weltmeister, 1988 gewann er die Europameisterschaft den Herren. Drei Jahre später wurde er Profispieler. Der zunächst für England antretende Mazrocis hatte zwar stets Probleme, die umfangreichen Qualifikationsrunden zu überstehen, aber Mitte der 1990er konnte er dennoch einige Erfolge erzielen. 1992 verlor er im Finale des ersten Events der Strachan Challenge gegen Joe Swail, 1995 erreichte er die Hauptrunde der Snookerweltmeisterschaft und 1996 das Viertelfinale des Asian Classics. Bekanntheit erlangte er in der Hauptrunde der Snookerweltmeisterschaft 1997, als ihm überraschend ein Sieg über den favorisierten Peter Ebdon gelang.

Mehr oder weniger durchgängig in den Top 100 und zeitweise sogar auf Platz 65 geführt, schaffte es Mazrocis, sich zehn Spielzeiten lang durchgängig auf der Profitour zu halten. Erst 2001 waren die frühen Niederlagen zu viel geworden und er verlor die Berechtigung zur Teilnahme an der Snooker Main Tour. Danach war er bemüht darin, sich wieder für die Main Tour zu qualifizieren. 2002, 2004 und 2008 gelang ihm über verschiedene Qualifikationsturniere tatsächlich die Rückkehr, er konnte sich jeweils aber nur eine Spielzeit lang auf der Profitour halten. Gleichzeitig feierte er als Amateur wieder mehrere Erfolge. Seit 1997 bereits in den Niederlanden wohnhaft, beschloss Mazrocis Ende 2003 oder Anfang 2004, fortan für die Niederlande anzutreten. Daraufhin gewann er vier Mal die niederländische Snooker-Meisterschaft und ein weiteres Mal die Ü40-Ausgabe, weitere gute Resultate erzielte er bei verschiedenen internationalen Meisterschaften. Erst nach 2009 wurde es um Mazrocis ruhiger. Danach arbeitete er unter als Snooker-Nationaltrainer Singapurs und als Trainer in einem Club nahe Leicester. Als Amateur trat er in den 2010ern unter anderem bei verschiedenen Ü40-Turnieren an, wobei er ab irgendwann nach 2009 wieder für England spielte. Mitunter als bester niederländischer Snookerspieler bezeichnet, galt Mazrocis’ Spiel als „sehenswert“, wenngleich ihm ab den 2000ern Probleme mit den Augen das Spielen erschwerten.

Karriere

Bis 1991: Anfänge Mazrocis’ genauer Geburtsort ist unbekannt. Die britische Boulevardzeitung The Mirror nannte 1997 die englische Großstadt Leicester, der Autor Elliott West nennt das nahe Leicester gelegene Dorf Blaby als Geburtsort. Der Irish Independent bezeichnete Mazrocis dagegen als in den Niederlanden geborenen Spieler, ebenso die englische Yorkshire Post. In jedem Falle ist Mazrocis der Sohn einer englischen Mutter und eines aus dem heutigen Lettland stammenden Vaters, der als Flüchtling nach Westeuropa emigriert war. Mazrocis selbst wuchs im englischen Leicester auf, einer Stadt mit vielen Snookerhallen und -spielern. Erste Erfahrungen sammelte er im Willie Thorne Snooker Club, dem Snookerclub des Profispielers Willie Thorne, dessen Bruder und Clubmanager Malcolm Thorne Mazrocis förderte. Dort trainierte er unter anderem zusammen mit späteren Spitzenspielern wie Mark Selby und Tom Ford und anderen Profispielern wie Eddie Manning und Brian Cakebread. Gegen Mark Selby erzielte er in einem Trainingsspiel im Modus Best of 3 Frames zwei Maximum Breaks. Allein bis Ende Oktober 1990 gelangen ihm 20 Maximum Breaks.

Mazrocis selbst trat ab Mitte der 1980er-Jahre regelmäßig und erfolgreich bei britischen Amateurturnieren in Erscheinung. 1986 erreichte er das Halbfinale der Nord-QualifikationDie English Amateur Championship wurde damals mit zwei Qualifikationen ausgetragen. Spieler aus dem Norden spielten in der nördlichen Hälfte, Spieler aus dem Süden in der südlichen Hälfte. Beide Hälften wurden zunächst als eigene Turniere ausgetragen, die jeweiligen Sieger spielten dann im allgemeinen Finale den Sieger der English Amateur Championship und damit den neuen englischen Meister aus. Eine Teilnahme am Halbfinale der Qualifikation bedeutete also bei der English Amateur Championship, damals unter den letzten acht Spielern im gesamten Turnier gewesen zu sein usw. der English Amateur Championship und der britischen U19-Meisterschaft, 1987 gewann er zunächst die Pontins Spring Open und verlor dann im Finale der U21-Amateurweltmeisterschaft gegen Jonathan Birch. Seinen endgültigen Durchbruch feierte er im nächsten Jahr, als er das Finale der Herren-Europameisterschaft mit 11:7 gegen Paul Mifsud gewann. 1990 verlor er dann noch das Finale der Süd-Qualifikation für das Endspiel der English Amateur Championship. Im November 1990 spielte er bei einem kleinen Amateurturnier die erste Total Clearance bei einem in Singapur ausgetragenen Turnier. Sein damaliger Manager war Dennis Stevenson. Wenig später nahm er als Favorit an der Amateurweltmeisterschaft 1990 teil, schied aber im Achtelfinale aus. Schließlich stand er 1991 noch einmal im Viertelfinale der Qualifikation für die English Amateur Championship. Parallele Teilnahme an der WPBSA Pro Ticket Series zur Qualifikation für die Profitour verliefen dagegen erfolglos. Auch ein eingereichter Antrag bei der WPBSA als professionellem Weltverband auf Mitgliedschaft und damit auf Teilnahme an der Profitour wurde abgelehnt. Trotzdem hatte er 1991 beim Herren-Einzel des World Masters erstmals Luft im Profisnooker schnuppern dürfen. Mit Siegen über Tony Knowles und Dave Harold gelangen ihm auch zwei Achtungserfolge. Nur wenig später öffnete sich die Profitour für alle interessierten Spieler. Mazrocis nutzte direkt diese Chance und wurde zur Saison 1991/92 Profispieler.

1991–2001: Durchgängige Profizeit Mazrocis war jedoch nicht der einzige Spieler, der von diesem Angebot Gebrauch machte. Fortan mussten für alle Profiturniere umfangreiche Qualifikationsturniere ausgespielt werden; neue Profispieler mussten also mitunter über zehn Spiele gewinnen, um die lukrativen Hauptrunden der Profiturniere zu erreichen. Daran scheiterten viele Spieler, auch Mazrocis verlor in seiner Debütsaison in fast allen Turnieren in der Qualifikation. Nur bei der UK Championship erreichte er die Hauptrunde, was ihm immerhin Platz 144 auf der Snookerweltrangliste einbrachte. Später führte er aus, dass die umfangreichen Qualifikationen „hart“ und ein „richtiger Kampf“ gewesen seien. Insgesamt konnte er als Profispieler nur schwer an seine Erfolge als Amateurspieler anknüpfen und hatte Probleme, auf der Profitour sein Potenzial abrufen zu können. Dieses Problem hatte er auch in den nächsten Spielzeiten, auch wenn er durch seine vergleichsweise hohe Weltranglistenposition bei allen Turnieren einige Qualifikationsrunden überspringen konnte. Nun erreichte er zumindest ab und zu die Hauptrunde der Profiturniere oder schied erst knapp davor aus, wie zum Beispiel bei der Snookerweltmeisterschaft 1994. Insbesondere bei kleineren Turnieren konnte er auch Erfolge erzielen. So erreichte er das Achtelfinale der Benson and Hedges Championship 1993, das Viertelfinale des ersten Strachan-Challenge-Events 1994 und das Finale des ersten Strachan-Challenge-Events 1992, das er mit 4:9 gegen Joe Swail verlor. Auf der Weltrangliste konnte er sich bis 1994 auf Rang 73 hocharbeiten.

In den nächsten drei Spielzeiten konnte Mazrocis bei vielen Turnieren erst kurz vor der Hauptrunde starten, nichtsdestotrotz reihten sich nur vereinzelte Erfolge in die Serie früher Niederlagen ein. Bei den meisten Turnieren überstand er nach wie vor nicht die Qualifikation oder schied wenn überhaupt in der ersten Runde der Hauptrunde aus. Nichtsdestotrotz konnte er im Sommer 1995 mit der Qualifikation für die Hauptrunde der Snookerweltmeisterschaft auch so einen Achtungserfolg verbuchen. Mit 3:10 verlor er dort aber deutlich direkt gegen Titelverteidiger und Favorit Stephen Hendry. Kurz zuvor hatte er das Halbfinale des dritten Events der WPBSA Minor Tour 1994/95 erreicht, wo er gleichzeitig auch ein Maximum Break gespielt hatte. Dieses wurde aber nie offiziell vom professionellen Weltverband anerkannt. Im Sommer 1996 stellte er mit einer Viertelfinalteilnahme beim Asian Classic einen persönlichen Rekord für das beste Ergebnis bei einem Ranglistenturnier aus, bevor er im Sommer 1997 erneut die Hauptrunde der Snookerweltmeisterschaft erreichte. Diesmal traf er zum Auftakt auf Peter Ebdon, der im Jahr zuvor noch im WM-Finale gestanden hatte. Vor dem Spiel in den Wettquoten noch als 1:250-Außenseiter gehandelt worden, besiegte Mazrocis Ebdon völlig überraschend mit 10:3. Der bekannte Snooker-Journalist Clive Everton, damals beim Guardian, kommentierte, Mazrocis habe „auf einem guten, aber nicht atemberaubenden Niveau“ gespielt, „aber Ebdon [...] hätte kaum schlechter spielen können“. Kurioserweise trank Mazrocis während des Spiels einige Pinten untergäriges Lagerbier, um seine Nerven zu beruhigen.

Der Irish Independent wertete das Spiel für Mazrocis als die „Partie seines Lebens“, er selbst sah den Sieg über Ebdon damals als „den größten Sieg meiner Karriere“. Phil Yates bezeichnete Mazrocis’ Sieg in der Times als „wohl die größte Überraschung, von der man während der 1990er im Crucible Theatre [dem Spielort der WM-Hauptrunde] Zeuge werden konnte“, der britische Independent sogar als die „größte Überraschung bei der Weltmeisterschaft seit 15 Jahren“ und zog damit Parallelen zum 10:1-Sieg des damals unbekannten Tony Knowles über Titelverteidiger Steve Davis in der ersten Runde der Snookerweltmeisterschaft 1982. Mazrocis traf danach im Achtelfinale auf den Kanadier Alain Robidoux, gegen den er mit 9:13 verlor. Auf der Weltrangliste stand er nun auf Platz 65. Gleichzeitig setzte der Weltverband eine strukturelle Änderung auf der Profitour durch: die eigentliche Profitour („Snooker Main Tour“) wurde auf knapp hundert Spieler begrenzt, alle anderen Spieler mussten auf eine zweitklassige Tour („UK Tour“ bzw. später „Challenge Tour“) ausweichen. Über die Weltrangliste qualifizierten sich sehr wahrscheinlich die Top 64, doch Mazrocis rutschte als 65. irgendwie durch, zumal Mark Flowerdew auf Rang 63 seine Karriere beendete. Mazrocis spielte so auch nach 1997 auf der Main Tour.