mini|Stolpersteine für Familie Blum, 2024 Die Liste der Stolpersteine in Dresden enthält sämtliche Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunst-Projektes von Gunter Demnig in Dresden verlegt wurden.
Hintergrund mini|Gunter Demnig während der Verlegung der Stolperschwelle 2024 mini|Gedenkveranstaltung anlässlich der Stolperstein-Verlegung im Dresdner Zwinger am 2. Dezember 2019 In Dresden kam es 2009 zu ersten öffentlichen Diskussionen um Stolpersteine. Der im gleichen Jahr gegründete Verein Stolpersteine für Dresden setzte sich aktiv für eine Verlegung erster Steine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus vor den letzten freigewählten Wohnorten der Personen ein. Die Umsetzung der Pläne gestaltete sich für potenzielle Steinpaten als schwierig, da die Dresdner Stadtverwaltung nicht nur eine Verwaltungsgebühr für den Vorgang erheben wollte, sondern den Paten auch die Haftung für die Verkehrssicherheit übertragen wollte.Dresden soll sich Initiative Stolpersteine anschließen – Landeshauptstadt erwägt Gebühren. In: Ostthüringer Zeitung, 6. Februar 2009, S. OASM906. Während bis 2009 bereits 120 Stolpersteine in Leipzig verlegt worden waren, wurden die ersten fünf Steine in Dresden „nach langem Ringen“Gunnar Klehm: Stolpern über Deutsche Geschichte. In: Sächsische Zeitung, 4. November 2009, S. 11. im November 2009 verlegt. Zu dem Zeitpunkt gab es in 480 weiteren deutschen Städten Stolpersteine.
Gunter Demnig nahm im Rahmen der ersten Verlegung in Dresden an einer Gedenkveranstaltung in der Dresdner Synagoge teil.Landeshauptstadt erhält erste Stolpersteine – Fünf Gedenkplatten für NS-Opfer in Dresden. In: Ostthüringer Zeitung, 30. Oktober 2009, S. OASM930 Im Jahr 2012 wurde Demnig für das Projekt Stolpersteine mit dem Erich-Kästner-Preis des Presseclubs Dresden ausgezeichnet. Er nahm den mit 10.000 Euro dotierten Preis am 25. November 2012 entgegen.
Verlegungen Im Rahmen der Initiative Stolpersteine für Dresden e.V. wurden seit 2009 nahezu jährlich Aktionen zur Verlegung von Stolpersteinen durchgeführt. Die erste Verlegung fand im November 2009 statt, weitere 19 Steine wurden im Juni 2011 verlegt,Am Sonnabend werden 19 Stolpersteine verlegt. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 10. Juni 2011, S. 13. im Oktober 2012 folgten 12 Stolpersteine. Am 25. sowie 26. November 2012 wurden in Dresden 29 Stolpersteine verlegt;Stolpern über die Geschichte. In: Sächsische Zeitung, 14. Mai 2012, S. 14. 28 weitere Steine folgten am 24. September 2013.Julia Vollmer: Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus: 28 neue Stolpersteine werden am Dienstag in Dresden verlegt. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 24. September 2013. Seit der Verlegung von 18 Stolpersteinen am 5. Dezember 2013 besitzt Dresden mehr als 100 Stolpersteine. Zwei verschiedene Stolpersteine – einer vor dem Arbeitsplatz und einer vor dem Wohnort – erinnern dabei an Textilkaufmann Joseph Fränkel und den Kaufmann Robert Eger.
Am 15. März 2018 verlegte Gunter Demnig weitere 25 Stolpersteine,Kay Haufe: Sehnsucht nach Dresden – Die Großeltern von Monica Blumenkranz flohen 1938 vor den Nazis nach Argentinien. Ihre Heimat vergaßen sie nie. In: Sächsische Zeitung, 16. März 2018, S. 14 am 2. Dezember 2019 weitere 29 Steine an 13 Standorten und am 21./22. Juli 2021 34 weitere vor 18 Häusern in Dresden. Mit der Verlegung am 6./7. Mai 2026 (11) erhöhte sich die Gesamtzahl der Stolpersteine auf 408, zuzüglich einer ersten Stolperschwelle. Vor dem Deutschem Hygiene-Museum wurden am 29. September 2026 sieben Steine sowie ein erster Kopfstein verlegt. Eine nächste Verlegung ist für den 7. Oktober 2026 geplant.
Die Verlegungen erfolgen üblicherweise mit einem entsprechenden Rahmenprogramm, an denen Nachfahren und Stolperstein-Paten teilnahmen, sowie einer Feierstunde.
Initiiert vom Dresdner Stolpersteine-Verein wurde 2009 auch die Verlegung von zwei Stolpersteinen in Wilsdruff.
Liste der Stolperschwellen in Dresden Am 8. März 2024 verlegte Gunter Demnig eine erste Stolperschwelle in Dresden.
Schwelle 16px|verweis=d:Q125680314450px 250px Verlegedatum Inschrift Ort Eisenbahnstraße 1 / Stadtteil Leipziger Vorstadt Anmerkung/Link Deportationszüge von Dresden
Liste der Stolpersteine in Dresden Zusammengefasste Adressen zeigen an, dass mehrere Stolpersteine an einem Ort verlegt wurden. Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach der Adresse. Die Spalte Person, Inschrift wird nach dem Namen der Person alphabetisch sortiert.
Bild Adresse StadtteilVerlege-datumPerson, Inschrift Kurzvita 16px|verweis=d:Q63806762 Alaunstraße 11 Äußere Neustadt Hier wohnteMichael BlitzblauJg. 1892Polenaktion 1938Łodzermordet 17.3.1942 Michael Blitzblau kam am 16. Januar 1892 in Łódź zur Welt, seine Frau Rifka Blitzblau wurde am 7. September 1888 geboren. Der Ehe entstammten vier Kinder, darunter der jüngste Sohn Siegfried, geboren am 1. oder 10. März 1927. Die Familie kam 1914 nach Deutschland; Michael wurde Bergarbeiter in Senftenberg. Ab 1921 lebte die Familie in Dresden, wo Blitzblau unter anderem als Obsthändler arbeitete. Im Jahr 1933 wurde er wegen angeblichen Lebensmittelschmuggels verhaftet und 1938 nach Polen abgeschoben („Polenaktion“). Die Familie lebte im Ghetto Łódź, wo Michael 1942 starb.Familie Blitzblau, Michael. In: Buch der Erinnerung, S. 52–53. Rifka wurde 1942 deportiert und in einem Lager ermordet. Siegfried lebte noch 1943 im Ghetto Łódź und starb nach der Deportation in einem Lager. 16px|verweis=d:Q63807909 Hier wohnteRifka Blitzblaugeb. BrennerJg. 1888Polenaktion 1938Łodzermordet 16px|verweis=d:Q63807911 Hier wohnteSiegfriedBlitzblauJg. 1927Polenaktion 1938ŁodzSchicksal unbekannt 16px|verweis=d:Q63807771 Albertstraße 29 Innere Neustadt Hier wohnteBerthold WronkowJg. 1865Gedemütigt/entrechtettot 8.1.1937 Berthold Wronkow wurde am 10. September 1865 geboren. Er war mit Berta Wronkow verheiratet; der Ehe entstammte Sohn Hans.Informationen zur Familie Wronkow. stolpersteine-dresden.de Nach dem Tod ihres Mannes musste Berta mit Hans das Land verlassen. Beide flüchteten 1937 nach Australien. 16px|verweis=d:Q63807772 Hier wohnteElise BertaWronkowJg. 1881Flucht 1937Australienüberlebt 16px|verweis=d:Q63807774 Hier wohnteHans WronkowJg. 1907Flucht 1937Australienüberlebt 16px|verweis=d:Q63808883 Alte Moritzburger Straße 43100px Weixdorf Hier wohnteOtto DegenkolbJg. 1896Zeuge Jehovasverhaftet 1943Kriegsdienst verweigerthingerichtet 11.2.1944Halle/Saale Otto Degenkolb kam am 20. August 1896 in Weixdorf zur Welt. Er diente im Ersten Weltkrieg und war nach Kriegsende bei einer Spedition tätig. Wegen Fahnenflucht wurde er 1939 verhaftet und zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt; die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Er war Soldat an der Ostfront, wurde verwundet und verweigerte als Zeuge Jehovas aus Glaubensgründen schließlich den Weiterkampf, woraufhin er zum Tode verurteilt wurde. 16px|verweis=d:Q63808884 Hier wohnteKurt DegenkolbJg. 1924Zeuge Jehovasverhaftet 1943Kriegsdienst verweigerthingerichtet 20.7.1943Brandenburg-Görden Kurt Degenkolb war der Sohn von Otto Degenkolb. Am 15. April 1924 geboren, war auch er Zeuge Jehovas. Er wurde Elektromechaniker und verweigerte aus Glaubensgründen den Kriegsdienst, weswegen er hingerichtet wurde. 16px|verweis=d:Q66818267 Altenzeller Straße 26 Südvorstadt , 8. Februar 2024 (Austausch) Hier wohnteElisabeth Pickgeb. MarkusJg. 1871vor DeportationFlucht in den Tod27. Jan. 1942 Elisabeth Pick kam am 7. April 1871 in Mainz zur Welt. Ihr Mann Franz Pick († 1932) war Mitinhaber der Malzfabrik Niedersedlitz; der Ehe entstammten drei Kinder. Pick lebte ihre letzten Jahre im „Judenhaus“ Caspar-David-Friedrich-Straße 16b; nach Erhalt des Deportationsbefehls nach Theresienstadt nahm sie sich 1942 das Leben.Familie Pick, Franz. In: Buch der Erinnerung, S. 280–281. 150px16px|verweis=d:Q126690044Am Anger 10100px Prohlis Hier wohnteHelmut GansaugeJG. 1909Im Widerstand / KJVD'Schutzhaft' 1933Polizeipräsidium1933 HohnsteinEntlassen Nov. 1933Tot an Haftfolgen23. Juli 1934Zur ausführlichen Biografie siehe Helmut Gansauge (1909–1934)150px16px|verweis=d:Q126690083 Hier wohnteFrieda GansaugeGeb. HauboldJG. 1887Im Widerstand / KPD'Schutzhaft' 1933Unter PolizeiaufsichtVerhaftet Aug. 1944'Aktion Gitter'EntlassenZur ausführlichen Biografie siehe Frieda Gansauge (1887–1958) 150px16px|verweis=d:Q134572380 Am Wasserturm 2 Hellerau Hier wohnte Paul Adler Jg. 1878Flucht 1933 PragVersteckt 1939Überlebt 150px16px|verweis=d:Q63808960 Andreas-Schubert-Straße 42 Südvorstadt Hier wohnteErich MaxIsakowitzJg. 1891Flucht 1936England Erich Max Isakowitz wurde in Königsberg geboren und arbeitete nach einem Studium in Königsberg und München als Zahnarzt. Er nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und heiratete schließlich Sofie Berlowitz aus Eydtkuhnen. Mit der gemeinsamen Tochter Hannelore, die in Tilsit geboren wurde, zog die Familie 1924 nach Dresden. Die Familie gehörte hier zum Freundeskreis von Victor Klemperer und bewegte sich in Künstlerkreisen. Der Familie gelang es, 1936 nach England zu fliehen, wo Erich als Zahnarzt tätig war. Sofie verstarb 1951, Erich 1979 und Hannelore 1986. 150px16px|verweis=d:Q63808961 Hier wohnteHannelore „Lore“Isakowitzverh. PetzalJg. 1915Flucht 1936England 150px16px|verweis=d:Q63808962 Hier wohnteSofie Isakowitzgeb. BerlowitzJg. 1893Flucht 1936England 150px16px|verweis=d:Q63839999 Andreas-Schubert-Straße 44 Südvorstadt , 20. April 2016 (Neuverlegung wegen Vandalismus) Hier wohnteMartin JoachimReichenbachJg. 1879„Schutzhaft“ 1938Buchenwalddeportiert 1943Auschwitzermordet 3.3.1943 Martin Joachim Reichenbach kam am 8. März 1879 in Oederan zur Welt. Er war als Rechtsanwalt und Notar in Dresden tätig. Im Jahr 1933 wurde seine Zulassung als Anwalt entzogen. Für die jüdische Gemeinde Dresden arbeitete er als Auswanderungsberater. Er wurde 1938 nach Dachau deportiert, jedoch schwerverletzt entlassen. Mit seiner Frau Lotte musste er in das sog. Judenhaus auf der Strehlener Straße 52 ziehen, von wo aus die im November 1942 in das Lager Hellerberg deportiert wurden, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten. Im März 1943 wurden beide nach Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich kurz nach der Ankunft ermordet wurden.
Tochter Ursula Eva, am 24. Juli 1912 in Dresden geboren, und ihrem Bruder Claus Peter, am 20. April 1920 in Dresden geboren, gelang die Flucht nach England. Ursula verstarb 1992, ihr Bruder im Juni 2015; er initiierte noch die Verlegung der Stolpersteine.
Alle vier Stolpersteine wurden in der Nacht vom 15. zum 16. Oktober 2015 gestohlen und am 20. April 2016 neu verlegt. 150px16px|verweis=d:Q63808972 Hier wohnteLotteReichenbachgeb. ReichenbachJg. 1887interniert 1942Hellerbergedeportiert 1943Auschwitzermordet 3.3.1943 150px16px|verweis=d:Q63808965 Hier wohnteUrsula EvaReichenbachJg. 1912Flucht 1939England 150px16px|verweis=d:Q63808963 Hier wohnteClaus PeterReichenbachPeter C. RickenbackJg. 1920Flucht 1936Schweden, FrankreichHolland, England 150px16px|verweis=d:Q126708709 Andreas-Schubert-Straße/Ecke Strehlener Straße100px Südvorstadt Hier wohnteAbraham AdolfWermuthJg. 1878'Polenaktion' 1938MassenerschiessungBlutsonntag12.10.1941 Stanislau Abraham Adolf Wermuth wurde 1878 in Stanislau geboren und kam Anfang des 20. Jahrhunderts als Handlungsreisender nach Dresden. Er war mit Rosa Hillebrandt verheiratet, der Ehe entstammten fünf Kinder. Die Eltern und ihre Kinder Erika und Karl-Heinz wurden 1938 nach Polen abgeschoben und lebten im Ghetto Stanislaus, wo Abraham Adolf, Rosa und Erika Wermuth am sogenannten Blutsonntag 1941 ermordet wurden. Karl-Heinz gelangt 1939 die Flucht nach Palästina, wo er 1944 verstarb.Familie Wermuth. In: Buch der Erinnerung, 2024, S. 554–555.