Vor der Islamischen Eroberung Ägyptens war Ägypten eine Provinz des Oströmischen Reichs, dessen Hauptstadt Konstantinopel war. Allerdings war Ägypten bereits eine Dekade zuvor vom persischen Sassanidenreich unter dessen König Chosrau II. (616 bis 629 n. Chr.) erobert worden. Kaiser Herakleios konnte Ägypten nach einem langen, siegreichen Feldzug gegen die Sassaniden für Ostrom zurückgewinnen. Nur zehn Jahre später verlor er die wichtige Provinz aber an das islamische Kalifat. Bevor sich die arabische Eroberung Ägyptens im Rahmen der islamischen Expansion vollzog, hatten die Oströmer bereits die Levante an die Muslime verloren. Danach war das Oströmische Reich zu effektivem Widerstand in seinen orientalischen Provinzen faktisch nicht mehr in der Lage.Al Farooq, Umar By Muhammad Husayn Haykal. Kapitel 18 S. 453.

Oströmisches Ägypten Seit 30 v. Chr. war Ägypten Teil des Imperium Romanum. Zu Beginn des 7. Jahrhunderts war es, gegliedert in die sechs Provinzen Aegyptus, Augustamnica I + II, Thebais I + II sowie Arcadia, Bestandteil des Oströmischen Reichs und wurde von einer kaiserlichen Verwaltung administriert, die von einer Griechisch-sprechenden Oberschicht geführt wurde. Diese griechisch-römische Elite herrschte über eine mehrheitlich koptisch-sprachige ägyptische Bevölkerung. Die Hauptstädte des oströmischen Ägypten war Alexandria sowie das antike Memphis, das durch die wichtige Festung Babylon am Ostufer des Nils geschützt war. Durch eine Reihe von Festungen, die sich besonders in Oberägypten konzentrierten, kontrollierten und besteuerten die Oströmer das Land.Alfred Butler: The Arab Conquest of Egypt. Oxford 1902, S. 42–43.

mini|250px|Das spätantike Ägypten mit der oströmischen Provinzeinteilung um 400. Die Zahl der Provinzen wurde später von vier auf sechs erhöht. Die geographische Entfernung war nicht der einzige isolierende Faktor zwischen dem Oströmischen Reich und Ägypten. Das offizielle Chalkedonische Christentum des Oströmischen Staates besagte, Jesus Christus habe zwei Naturen, eine menschliche und eine göttliche. Die ägyptischen Christen hingen hingegen mehrheitlich dem Monophysitismus an, den auch die orientalischen Kirchen anhingen. Obwohl das Konzil von Chalkedon 451 im Sinne des oströmischen Staates entschieden hatte, blieb Ägypten eine Basis des Monophysitismus.. Obgleich die Chalkedonier im Besitz der wichtigen Kirchen z. B. in Alexandria waren, konnten die Ägypter in eigenen Kirchen wie St. Michael und St. Kosmas und Damian ihre Form des Christentums leben.Alfred Butler: The Arab Conquest of Egypt. S. 47.

Wegen dieser religiösen Spannungen setzte Kaiser Herakleios alles daran, die beiden Kirchen in der Kirche von Alexandria wiederzuvereinen. Die Monophysiten besaßen unterdessen ihre eigenen Patriarchen, die ungehindert in Alexandria residieren konnten.Alfred Butler: The Arab Conquest of Egypt. S. 51–53.

Islamische Eroberung Ägyptens

Einfall der Muslime in Ägypten 240px|mini|Pyramiden von Gizeh Im Dezember 639 brach 'Amr ibn al-'As mit 4000 Mann nach Ägypten auf. Die meisten seiner Soldaten gehörten dem arabischen Stamm der 'Ak an, ein Drittel zu dem der Ghafik. Neben den Arabern marschierten noch einige griechische und persische Konvertiten zum Islam mit. Wenig später überdachte Kalif Umar ibn al-Chattab seine Befehle an 'Amr, da er es bei näherer Betrachtung für tollkühn hielt, eine große Provinz wie Ägypten mit nur 4000 Soldaten anzugreifen.

Die Nachricht erreichte 'Amr bei Rafah, kurz vor der ägyptischen Grenze. Da er den Inhalt des Briefes erriet, befahl 'Amr seiner Armee das Tempo zu erhöhen. 'Amr ließ den Boten wissen, er würde den Brief am Ende des Tagesmarsches entgegennehmen. Der Bote akzeptierte in Unkenntnis des Inhalts des Briefs. Die Armee kampierte für die Nacht in Schajratein, einem kleinen Tal in der Nähe von al-ʿArisch, von dem 'Amr wusste, dass es bereits auf ägyptischem Territorium lag.Al-Maqrizi: Mawaiz wa al-'i'tibar bi dhikr al-khitat wa al-'athar. 'Amr öffnete dann den Brief und beriet mit seinem Kriegsrat das weitere Vorgehen. Einstimmig beschloss man, der Brief sei auf ägyptischem Boden obsolet.

Als Umar diese Antwort erhielt, entschied er sich den weiteren Verlauf der Expedition abzuwarten und zog außerdem Verstärkungen bei Medina zusammen. Am Tag des Opferfests marschierte die muslimische Armee von Schajratein nach al-ʿArisch, einer kleinen Stadt ohne eigene Garnison. Dort feierten die Soldaten das Opferfest.

Fall von Pelusium und Bilbeis Im späten Dezember 639 oder frühen Januar 640 erreichte die muslimische Armee Pelusium, das eine oströmische Garnison besaß und als Tor nach Ägypten galt. Die Muslime belagerten die Stadt monatelang. Im Februar 640 konnte ein Sturmtrupp unter dem Kommando von Huzaifah ibn Wala das Fort und die Stadt schließlich stürmen.Al-Kamil, S. 451–452.Al-Gawzi, Al-Montazim, S. 532–534.at-Tabarī: Geschichte der Könige. S. 862.Abū l-Makārim: The churches and monasteries of Egypt and some neighbouring countries. Übersetzung: B.T.A.Evetts. S. 168.Alfred Butler: The Arab Conquest of Egypt. S. 234.Kamil Salih: Pope Benjamin the First and the Arab invasion of Egypt. S. 65.

Die Verluste, die die Muslime während der Belagerung erlitten hatten, wurden durch einige Beduinen vom Sinai wieder aufgewogen, die sich den Muslimen zur Plünderung Ägyptens angeschlossen hatten.Alfred Butler: The Arab Conquest of Egypt. S. 213. Die Leichtigkeit, mit der die Muslime die Stadt einnehmen konnten und das Ausbleiben oströmischer Verstärkungen wird oft auf den Verrat von Kyros, dem melkitischen (d. h. chalkedonischen) Patriarchen von Alexandrien zurückgeführt. Er ist einer der Urheber des Monotheletismus.

Nach dem Fall Pelusiums marschierten die Muslime auf Wüstenpfaden nach Bilbeis, etwa 65 km von Memphis entfernt, und belagerten es. Bilbeis war die erste oströmische Stadt, die den Arabern ernsthaften Widerstand entgegenbrachte. Zwei christliche Mönche, Kyros von Alexandria und ein berühmter General namens Aretion, kamen vor die Tore, um mit 'Amr ibn al-'As zu verhandeln. Aretion war vormals der Statthalter Jerusalems gewesen und war nach Ägypten geflohen als die Stadt an die Muslime fiel. 'Amr gab ihnen drei Möglichkeiten: zum Islam zu konvertieren, oder die Dschizya zu bezahlen oder einen Kampf zu wagen. Die Verteidiger erbaten sich drei Tage zur Beratung, danach – wie at-Tabari berichtet – verlangten sie zwei weitere Tage. Nach Ablauf dieser fünf Tage entschlossen sich die Mönche und Aretion zum Kampf, womit sie Kyros von Alexandria ungehorsam waren, der die Kapitulation beschlossen hatte. Kyros machte sich infolgedessen vor dem Kampf zur Festung Babylon auf. Während der anschließenden Belagerung wurde Aretion getötet. 'Amr ibn al-'As versuchte nun die Ägypter zur Rebellion gegen die Oströmer anzustacheln und verwies auf die Verwandtschaft zwischen den beiden Völkern durch Hagar.Alfred Butler, The Arab Conquest of Egypt, S. 216. Als die Ägypter ablehnten wurde die Belagerung fortgesetzt bis Bilbeis nach einem Monat am Rande des Falls stand. Ende März 640 ergab sich die Stadt. Mit dem Fall der Stadt waren die Muslime nur noch einen Tagesmarsch vom Nildelta entfernt.

Belagerung von Babylon mini|250px|Muslimische Invasionsroute in Unterägypten 'Amr war ursprünglich von einer leichten und schnellen Eroberung Ägyptens ausgegangen. Doch bereits die oströmischen Vorposten Pelusium und Bilbeis hatten den Muslimen Verluste beschert. Die Belagerung von Pelusium hatte zwei Monate, die von Bilbeis einen zusätzlichen gedauert. Beide Belagerungen konnten aber nur ein Auftakt zur Belagerung der wichtigsten Festung von Ägypten, Babylon, darstellen. Hier war mit mehr Widerstand zu rechnen.Al Farooq, Umar By Muhammad Husayn Haykal, Kapitel 19. Die Muslime marschierten nach dem Fall von Bilbeis geradewegs nach Babylon, das etwa an der Stelle des heutigen Kairo lag. Sie erreichten die Stadt etwa im Mai 640.Alfred Butler: The Arab Conquest of Egypt and the Last Thirty years of Roman Dominion. Babylon war eine befestigte Stadt und auf eine Belagerung vorbereitet. Vor der Stadt war ein Graben angelegt worden, zwischen Graben und Festungsmauern stand eine starke Streitmacht. Die Festungsmauern waren etwa 20 m hoch und etwa drei Meter dick, sie wurden von zahlreichen Türmen und Bastionen gekrönt. Die anfänglichen Attacken der Muslime scheiterten. Frühislamische Quellen gehen von einer sechsfach überlegenen oströmischen Streitmacht aus. Zwei Monate lang zog sich die Belagerung hin, die Oströmer waren dabei in der vorteilhafteren Position.Alfred Butler: The Arab Conquest of Egypt and the Last Thirty years of Roman Dominion.

Schließlich schickte 'Amr eine Abteilung aus, um die nahe Stadt Fayyum zu plündern. Die Oströmer hatten diesen Zug vorhergesehen und ließen Truppen die Straße dorthin bewachen. Sie hatten außerdem den nahen Ort al-Lahun befestigt. Als die Araber bemerkten, dass Fayyum zu schwer bewacht war, wichen sie in die Libysche Wüste aus. Sie wandten sich dann nach Oxyrhynchus (Per-Medjed), das erobert wurde. Die Araber kehrten dann entlang des Nils nach Unterägypten zurück.Alfred Butler: The Arab Conquest of Egypt. S. 254–255.

Verstärkungen aus Medina Im Juli 640 schrieb 'Amr Umar mit der Bitte um Verstärkungen; der Kalif hatte aber bereits vor Erhalten des Briefs mit dem Entsenden von Nachschub begonnen, weiteren 4000 Männern. Diese Truppe setzte sich aus Veteranen der Syrienfeldzüge zusammen. Aber auch mit diesen Verstärkungen blieb 'Amr erfolglos. Im August 640 war die Versammlung von Umars Elitekorps, weiteren 4000 Mann, abgeschlossen, die von Zubair ibn al-Awam, einem Veteranen der Schlacht am Jarmuk, angeführt wurde. Umar hatte Zubair eigentlich auch den Oberbefehl über die Streitkräfte in Ägypten angeboten, aber Zubair hatte das Angebot abgelehnt. Diese Verstärkungen erreichten Babylon etwa im September 640. Die Gesamtzahl der muslimischen Streitkräfte war auf 12.000 gestiegen.

Schlacht von Heliopolis

Fünfzehn Kilometer von Babylon entfernt lag Heliopolis.Alfred Butler: The Arab Conquest of Egypt and the Last Thirty years of Roman Dominion. In der Stadt befand sich der Sonnentempel der Pharaonen, außerdem war sie für ihre imposanten Bauwerke und Schulen bekannt.Alfred Butler: The Arab Conquest of Egypt. S. 258. Für die Muslime bestand die Gefahr, dass ihnen oströmische Truppen aus Heliopolis in den Rücken fallen könnten, während sie Babylon angriffen. Also marschierten 'Amr und Zubair mit einem Teil des Heeres im Juli 640 nach Heliopolis. Es kam zu einem Reitergefecht in der Nähe des heutigen Vororts Abbaseya. Infolge der Kämpfe konnten sich die Araber einer Festung zwischen den heutigen Orten Abdyn und Azbakeya bemächtigen. Die besiegten oströmischen Soldaten flohen entweder nach Babylon oder Nikiû.Alfred Butler: The Arab Conquest of Egypt. S. 263. An einem unbewachten Mauerabschnitt von Heliopolis erklommen Zubair und einige verlesene Soldaten die Stadtmauer und öffnete den wartenden Muslimen die Stadttore. Heliopolis wurde von den Muslimen erobert. 'Amr und Zubair kehrten danach wieder nach Babylon zurück.

Eroberung von Fayyum und Babylon Als die Nachricht vom arabischen Sieg bei Heliopolis den oströmischen Befehlshaber von Fayyum Domentianus erreichte, floh dieser des Nachts nach Abuit. Von Abuit floh die Garnison nilabwärts nach Nikiu ohne die Bevölkerung von Fayyum und Abuit zu informieren, dass sie nun auf sich gestellt waren. Als diese Nachricht 'Amr erreichte, befahl er einigen Truppen den Nil zu überqueren und Fayyum und Abuit zu besetzen. Die Muslime konnten die gesamte Provinz Fayyum ohne Gegenwehr erobern.Alfred Butler: The Arab Conquest of Egypt. S. 264.