Peter Staatsmann (* 1960 in Schaffhausen)Wilhelm Kosch: Deutsches Theater-Lexikon, Nachtragsband Teil 7: St-U ist ein deutscher Theaterregisseur, Autor, Dramaturg und Theaterintendant.
Leben Nach dem Studium der Literatur- und Religionswissenschaft (über viele Jahre studierte er bei dem Berliner Religionswissenschaftler Klaus Heinrich) und einer Promotion in Germanistik war Staatsmann Mitarbeiter und Regieassistent von B. K. Tragelehn, Frank Castorf und Wolfgang Engel. Seit 1990 ist er Regisseur u. a. an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin, am Landestheater Tübingen, am Deutschen Nationaltheater Weimar und am Deutschen Theater Berlin. Zwischen 1994 und 1996 war er Schauspieldirektor am Theater Nordhausen. beim Nationaltheater Weimar
Außerdem war Staatsmann Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FU Berlin, an der Bayerischen Theaterakademie, an der Universität der Künste Berlin und an der Universität Leipzig. Zudem arbeitet er als Übersetzer und veröffentlichte als Autor mehrere Theaterbücher.
Seit September 2013 ist er Intendant und Geschäftsführer des Zimmertheaters Rottweil.
Arbeitsweise In den letzten Jahren schreibt und entwickelt Staatsmann seine Stücke selbst zu brisanten Themen wie rechtspopulistische Strömungen „Wenn der Kahn nach links kippt, setze ich mich nach rechts“, über Europa, die Wahrnehmung von Gefühlen – für Erwachsene wie für Kinder. Seine nicht-theaterhafte Arbeitsweise stellt die Schauspieler in den Mittelpunkt, mixt Musiktheater und Schauspiel in Crossover-Produktionen, bringt Profis und Laien unterschiedlicher Nationalitäten zusammen und immer arbeitet er innere psychische Vorgänge plastisch heraus. Zwei Jahre nach der Premiere machte die AfD 2019 das Theaterstück „Wenn der Kahn nach links kippt, setze ich mich nach rechts“ zum Thema einer parlamentarischen Anfrage und einer kulturpolitischen Debatte im Landtag von Baden-Württemberg. Der Vorwurf an das Theater, das sich als eines der ersten vor der Bundestagswahl 2017 mit Rechtspopulismus beschäftigt hatte, war „Bruch der Neutralitätspflicht“.
Zitate
Inszenierungen (Auswahl) 2025 – Who the Fuck is Kafka von Lizzie Doron 2024 – Die Bremer Stadtmusikanten nach den Brüdern Grimm 2024 – Alte Sorten von Ewald Arenz 2024 – Was ihr wollt von William Shakespeare, Sommertheater im Bockshof 2024 – Baby, du hast den Fallschirm vergessen (UA) von P. Staatsmann 2023 – Pinocchio nach Carlo Collodi 2023 – Barbie or not to be (UA) von P. Staatsmann 2023 – Die Affaire Rue de Lourcine von Eugène Labiche, Sommertheater im Bockshof 2023 – Soul oder Die seltsamsten Menschen der Welt (UA) von P. Staatsmann, eingeladen zu den 2022 – Kiss me Kate von Cole Porter, Sommertheater im Bockshof und Monbijou Theater Berlin 2022 – Und plötzlich war ich noch ein anderer (UA) von P. Staatsmann und M. Kopetzky 2021 – Cyrano de Bergerac von Edmond Rostand 2021 – Ronja Räubertochter von Astrid Lindgren 2021 – Prinz Friedrich von Homburg von Heinrich von Kleist 2021 – Atmen von Duncan Macmillan 2021 – Der Menschenfeind von Jean Baptiste Molière 2020 – Fünf Frauen im Netz (UA) von P. Staatsmann 2020 – Malala von Malala Yousafzai 2020 – Das kunstseidene Mädchen von Irmgard Keun 2020 – Die bessere Hälfte...der Familie (UA) von P. Staatsmann 2019 – Emil und die Detektive von Erich Kästner 2019 – Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing, eingeladen zu den 2019 – Backfire For Max – Schuss nach hinten (UA) von P. Staatsmann, Sommertheater im Bockshof 2019 – Raub der Europa (UA) von P. Staatsmann, eingeladen zu den 24. Baden-Württembergischen Theatertagen in Baden-Baden 2018 – My Melody is stolen – Heidi trifft Odysseus im Zug von Frankfurt nach Scesaplana (UA) von P. Staatsmann 2018 – Germania Schlaf Traum Schrei von Heiner Müller 2018 – Cabaret von Kander, Ebb, Masteroff, Sommertheater im Bockshof 2018 – Macbeth von William Shakespeare 2017 – Robin Hood nach Howard Pyle 2017 – Wenn der Kahn nach links kippt, setze ich mich nach rechts (UA) von P. Staatsmann, eingeladen zum Festival der Privattheater Baden-Württemberg nach Tübingen 2017 – My Fair Lady von Loewe, Lerner, Sommertheater im Bockshof 2017 – Der Hofmeister von J. M. R. Lenz, eingeladen zu den 23. Baden-Württembergischen Theatertagen in Ulm 2016 – Peter Pan von J. M. Barrie 2016 – Der Kaufmann von Venedig von William Shakespeare, Sommertheater im Bockshof 2016 – Always crashing in the same car (UA) von P. Staatsmann 2015 – Die Zauberflöte 2.0. Ein Märchen mit Musik von Mozart bis zu den Beatles (UA) von P. Staatsmann 2015 – Woyzeck von G. Büchner 2015 – Der Glöckner von Notre Dame nach V. Hugo 2015 – Glückliche Tage von S. Beckett 2015 – Wer hat Angst vor Virginia Woolf? von E. Albee 2014 – Alice im Wunderland von L. Caroll 2014 – Kabale und Liebe von F. Schiller, eingeladen zu den 22. Baden-Württembergischen Theatertagen in Heidelberg 2014 – Der Sturm von W. Shakespeare, Sommertheater im Bockshof 2014 – Die Hochzeit des Figaro von W. A. Mozart, Nationaltheater Mannheim/MH Trossingen 2014 – Schwäne des Kapitalismus (UA) von Matthias Naumann 2014 – Traum eines lächerlichen Menschen von F. Dostojewski 2013 – Die wundersame Reise des Edward Tulane (UA) von C. DiCamillo 2013 – Faust 1 von J. W. von Goethe, Eröffnung der Intendanz des Zimmertheater Rottweils 2012 – Der Menschenfeind J. B. Molière, Deutsches Nationaltheater Weimar 2010 – Passion 13, Musik: Iris ter Schiphorst, Libretto und Dramaturgie für ein Melodram (UA), Gewandhaus Leipzig 2007 – Tartuffe von J. B. Molière, Landestheater Mecklenburg-Neustrelitz 2007 – Und über uns schließt sich ein Himmel aus Stahl von Thomas Brasch (UA), Deutsches Theater Berlin 2006 – Becketts Welt, Dramaturgie und Projektleitung, Staatsschauspiel Dresden 2006 – Erlaube Fremdling, dass ich dich berühre von Iris ter Schiphorst (UA), Kesselhaus Berlin 2005 – Iwanow von A. Tschechow, Dramaturgie (Regie: Dimiter Gotscheff), Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, eingeladen zum Berliner Theatertreffenhttps://www.berlinerfestspiele.de/de/chronicle/archiv/production/iwanow-2006 2002 – Orpheus Kristall von Manfred Stahnke (UA), Projektleitung und Dramaturgie, Musikbiennale München 1999 – Der Tausch von Paul Claudel, Podewil Berlin Festival reich&berühmt 1998 – The Lady Vanishes – Eine Dame verschwindet nach Motiven von A.Hitchcock und Dokumentartexten von Mördern ihrer Geliebten, Schloss Bröllin Festival Zivilisation-Antizivilisation 2 1997 – Deutschland..., von Volker Lüdecke nach Ingo Hasselbach Die Abrechnung (UA), Landestheater Mecklenburg-Neustrelitz 1996 – Doppelprojekt: Das Badener Lehrstück vom Einverständnis von B.Brecht und Die rasende Lokomotive von St. I. Witkiewicz, Landestheater Tübingen 1995 – Wezel von Einar Schleef (UA), Theater Nordhausen 1995 – Fegefeuer in Ingolstadt von Marieluise Fleißer, Theater Gera 1994 – Gravitys Rainbow nach Thomas Pynchon, Schloss Bröllin Festival Zivilisation-Antizivilisation 1 1993 – Der Mutterschoss ist keine Einbahnstrasse von St. I. Witkiewicz/Heiner Müller/W. Majakowski, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin
Werke (Auswahl) mit B.K. Tragelehn, R. Mangel und S. Schnabel als Hrsg.: DEUTSCH in einem anderen Land – die DDR 1949 bis 1990 in Gedichten. Ed. Hentrich, Berlin 1990, ISBN 3-926175-87-7. Peter Staatsmann: Keiner weiß mehr... Theater in der Nachmoderne. Einige Überlegungen zu den Bedingungen der darstellenden Künste heute, in: Sprache im technischen Zeitalter 37, Nr. 149, Köln 1999. Peter Staatsmann: Inszenierung des Realen. J.M.R. Lenz und die Bühne, in: text + kritik 146, München 2000, ISBN 978-3-88377-627-9. Eve Ensler: Die Vagina-Monologe. Aus dem Amerikanischen von Peter Staatsmann und Bettina Schültke. Ed. Nautilus, Hamburg 2000, ISBN 3-89401-345-1. mit Bettina Schültke (Hrsg.): Das Schweigen des Theaters – Der Regisseur Dimiter Gotscheff. Vorwerk 8, Berlin 2008, ISBN 978-3-940384-10-2. Peter Staatsmann: Geschichtsdrama und Selbstanalyse. Heiner Müllers psychodramatisches Theater am Beispiel der Inszenierung “Germania. Stücke”, in: Theatrographie. Heiner Müllers Theater der Schrift, hg. von G. Heeg und T. Girshausen, Berlin 2009, ISBN 978-3-930916-89-4. Peter Staatsmann: Theater des Unbewussten. Der selbstanalytische Prozess im Schreiben Heiner Müllers. nexus 101, Stroemfeld, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-86109-201-8. Peter Staatsmann: Versuch das Theater vom Phantasma der Identität zu befreien. Einige Bemerkungen zu "Fatzer" von Brecht und Müller - aus psychoanalytischer und theaterpraktischer Perspektive., in: Brecht und Klasse und Traum, hg. Falk Strehlow, Berlin 2022, ISBN 978-3-9573-2556-3. Peter Staatsmann: Faszination Selbstzerstörung. Heiner Müllers Theater des Unbewussten unterwegs zu einem Theater des Anthropozän, in: Heiner Müller Jahrbuch 2024, hg. von N. Ecke, J. Ludwig, F. Vaßen im Auftrag der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft, Bielefeld 2024, ISBN 978-3-8498-1981-1.
Einzelnachweise
Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Autor Kategorie:Dramaturg Kategorie:Geboren im 20. Jahrhundert Kategorie:Deutscher Kategorie:Mann