Stadl-Paura ist eine Stadtgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Wels-Land mit Einwohnern (Stand ). Die Gemeinde liegt historisch gesehen je etwa zur Hälfte im Hausruckviertel und im Traunviertel. Heute wird sie mit dem gesamten Bezirk Wels-Land zum Hausruckviertel gezählt.
Geografie Geografische Lage Stadl-Paura liegt auf 360 m Höhe im Hausruck- und Traunviertel an der Mündung der Ager in die Traun. Die Gemeinde gehörte bis 2012 zum Gerichtsbezirk Lambach und ist seit dem 1. Jänner 2013 Teil des Gerichtsbezirks Wels. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 6,5 Kilometer, von West nach Ost 5,2 Kilometer. Die Gesamtfläche beträgt 15,05 km². 67,3 Prozent der Fläche sind bewaldet, 16,7 Prozent landwirtschaftlich genutzt und die restlichen 16 Prozent entfallen auf sonstige Nutzung.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende drei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Stadl-Hausruck () Stadl-Traun () Stadl-Ufer ()
Die Gemeinde besteht aus den beiden Katastralgemeinden: Stadl-Paura – Hausruck Stadl-Paura – Traun.4370. Verordnung des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen vom 19. Dezember 2014 betreffend die Benennung der Katastralgemeinden Stadl-Hausruck und Stadl-Traun. Abgerufen am 26. Juni 2015.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden von Stadl-Paura sind Lambach im Norden, Edt bei Lambach im Nordosten, Bad Wimsbach-Neydharting im Südosten, Roitham am Traunfall im Süden, Rüstorf im Südwesten und Neukirchen bei Lambach im Nordwesten.
Geschichte mini|Alte Ansicht von Stadl-Paura ca. 1771
Stadl bis ins 13. Jahrhundert Als vermutlich schon in der Jungsteinzeit Salzvorkommen in Hallstatt gefunden wurden und begonnen wurde, Handel mit dem weißen Gold zu treiben, fand in Stadl auf dem Paurahügel die erste Besiedlung statt. Die dort lebenden Menschen waren wohl hauptsächlich wegen der Überwachung des Wasserweges auf dem Hügel sesshaft geworden. Für den Transport des Salzes wurden neue Transportwege benötigt, wofür sich die Traun hervorragend eignete. Nur bot sich nach der Überquerung des Traunsees ein für damalige Verhältnisse unüberwindbares Hindernis, der Traunfall. Das Salz musste an dieser Stelle umgeladen werden und per Pferdewagen oder Ähnlichem an einen Ort gebracht werden, ab dem die Traun wieder schiffbar und genügend Platz für die Lagerung und Verladung vorhanden war. Das Gebiet des heutigen Stadl erwies sich als optimal für diese Tätigkeiten. In Stadl befand sich also ein vorchristlicher Salzlagerplatz und eine Umladestelle. Ausgrabungen am Paurahügel zeigen nicht nur eine simple Bauernsiedlung, sondern einen befestigten Stützpunkt.
Da Stadl zu dieser Zeit einen natürlichen Hafen besaß, wurde eine regelrechte Industrie aufgebaut. Das Hauptmerkmal waren wohl die „Salzstadeln“ die dem Ort den ersten Teil seines Namens gaben, erst später kam mit dem Bau der Paurakirche der zweite Teil hinzu. Ursprünglich waren es 16 Stadeln, erstmals 1298 erwähnt, bis der große Brand im Jahre 1831 alle zerstörte. Da zu dieser Zeit die Salzschifffahrt bereits ihr langsames Ende fand, wurden nur mehr vier Stadeln aufgebaut. Bis 1916 standen an der Traun die alten Schiffsstadeln. An der Stelle des heutigen Pferdezentrums standen auch Stallungen für über 200 Pferde, die die Salzzillen flussaufwärts zogen. Stadl war auch Haltestelle der k. & k. privilegierten Pferdeeisenbahn.
Zahlreiche Funde lassen vermuten, dass es drei Wege vom Traunsee nach Stadl gab. Der erste führte westlich der Traun von Altmünster über Pinsdorf nach Ohlsdorf und schließlich über Aichlham. Der zweite Weg folgte in etwa dem Verlauf der heutigen Gmundener Straße B 144 von Gmunden über Laakirchen und Roitham am Traunfall nach Stadl. Der dritte Weg schließlich umging den Traunfall großräumig und führte über das Laudach- und das Almtal.
Am Beginn der Bronzezeit wurde im Süden des Paurahügels ein Palisadengraben angelegt, um den Schutz durch die wild umspülenden Flüsse Traun und Ager im Norden und Westen zu ergänzen. Auch in der Römerzeit blieben die Anlagen erhalten und durch die Römerstraße, die nach Lambach führte, gewann das Gebiet um Stadl noch einmal an Bedeutung als Salzumschlagplatz.
Während der Zeit der Völkerwanderung zogen viele fremde Völker entlang der Römerstraßen und raubten und plünderten, was zur Folge hatte, dass der Paurahügel vermutlich die Funktion einer Art Fliehburg erhielt. Im 13. Jahrhundert kam es zur Auflösung der Siedlung auf dem Paurahügel. Die Gründe dafür sind bis heute unklar.
Die Ära der Salzschifffahrt Im Jahr 1311 wurde der Hallstätter Salzbergbau von Königin Elisabeth neu geregelt, was einen Anstieg des Handelsverkehrs auf der Traun zur Folge hatte. Als eine Folge daraus wurden die großen Schifffahrtshindernisse beseitigt, so auch der Traunfall, der erstmals ausgebaut wurde. 1552 baute der Wasserbauer Thomas Seeauer den etwa 400 Meter langen Holzkanal am Traunfall.
Ein weiteres Problem für die Salzschiffer war, dass die Traun ab Stadl in einem breiten Bett floss und sich in viele Seitenarme teilte. Außerdem führte der lose Schotterboden der Welser Heide dazu, dass sich die Traun ständig veränderte. Dies sind weitere Gründe für die günstige Entwicklung von Stadl, denn daher konnten die Schiffe nicht mehr so tief eintauchen, was ein Umladen auf kleinere Schiffe nötig machte. So musste in Stadl die Menge Salz von 60 „Traunern“ (die Schiffe, die von Gmunden nach Stadl fuhren), auf 110 Salzzillen umgeladen werden.
Die Stadlinger Schiffer brachten die Salzzillen bis zur Mündung der Traun in die Donau bei St. Peter. St. Peter war damals ein Vorort von Linz und wurde von den Nationalsozialisten später eingeebnet, um darauf die Hermann-Göring-Werke (die heutige VOEST) zu bauen.
Der Niedergang der Salzschifffahrt begann mit der Eröffnung der ersten Pferdeeisenbahn und der darauf folgenden Dampfeisenbahn. Im 20. Jahrhundert endete die Ära der Salzschiffer, als am 4. November 1911 die letzte Salzzille die Traun befuhr.
Schiffsbautradition in Stadl Zur Blütezeit der Salzschifffahrt gab es an den Flüssen und Seen des Salzkammergutes 170 Schiffsbauplätze, die Schiffe für den Salztransport, aber auch für das kaiserliche Heer bauten. Von den zahlreich an der Traun liegenden Schiffsbauplätzen, auch Schopperplätze genannt, lagen vier in Stadl. Um ein Schiff zu bauen, brauchte man damals, wie heute, die nötige Erfahrung und viel Zeit. Zuerst musste man die nötigen Stämme aus dem Atterseegebiet nach Stadl bringen. Diese 30 bis 35 Meter langen Fichtenstämme wurden anschließend aufgewunden und mit einer „Dreimannsäge“ in der Mitte auseinander gesägt. Später wurden daraus die Bretter für den Schiffsboden und die Schiffswände gesägt. Die Wandbretter wurden dabei an der Seite abgeschrägt, damit sich beim zusammensetzten eine V-förmige Rille bildete. Diese Rille wurde mit Moos „geschoppt“, daher der Name Schopper, und mit einem Holzplättchen abgedeckt. Zum Schluss wurde das Ganze mit einer Klampfe verheftet. Diese Konstruktion musste einige Tage im Wasser sein, um sich zu festigen und abzudichten.
Um das Schiff zu stabilisieren, wurden als Schiffsrippe sogenannte Kipfen verwendet. Diese Kipfen bestanden aus dem Wurzelholz junger Bäume und mussten zudem im rechten Winkel gewachsen sein. Wegen der großen Nachfrage an Salzschiffen wurden damals ganze Wälder vernichtet. Um dem Einhalt zu gebieten, wurden ab dem Jahr 1511 die Gegenzüge auf der Traun eingeführt.
Von den Schiffsbauplätzen in Stadl-Paura ist heute nichts mehr erhalten, nur noch Straßennamen erinnern an das sehr wichtige Handwerk aus der Ära der Salzschifffahrt.
Die Pest in Stadl-Paura Das Jahr 1713 stellte den Höhepunkt der Pest in Oberösterreich dar. Zu jener Zeit war der gebürtige Stadlinger Maximilian Pagl Abt im Stift Lambach. Von der drohende Pestgefahr beunruhigt, legte er ein Gelübde ab, zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit eine Kirche zu bauen, wenn Lambach und Umgebung von der Pest verschont blieben. Der folgende Winter brachte die Seuche zum Erliegen. In Stadl steht noch heute ein kleines Denkmal zu diesem Anlass, die Pestsäule. Ein viel größeres Denkmal ließ Maximilian auf dem Paurahügel errichten, die Paurakirche. Bereits zu Beginn des Jahres 1714 suchte er um die Baubewilligung einer Dreifaltigkeitskirche auf dem Paurahügel an, welche er wenig später erhielt. Die Grundidee war, die Dreifaltigkeit Gottes darzustellen, daher ist die Ziffer „3“ bei der Gestaltung vorherrschend. Die Kirche besitzt drei Tore, drei Hauptfenster, drei Altäre, drei Orgeln und drei Ecktürme.
Für die architektonische Umsetzung wurde der Linzer Baumeister Johann Michael Prunner engagiert. Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut, um den neuen Prunkbau in voller Pracht erstrahlen zu lassen. Zeitgenössische Künstler wie Martino Altomonte, Carlo Carlone, Domenico Parodi und Francesco Messenta zeichneten für die Innengestaltung verantwortlich.
Nach zehnjähriger Bauzeit konnte die Paurakirche 1724 fertiggestellt werden. Am 29. Juli 1725 folgte die Einweihung durch den Passauer Fürstbischof Joseph Dominikus von Lamberg.
Franzosenkriege mini|hochkant|Andenken an die Franzosenkriege in Stadl-Paura
Im Zentrum von Paris erinnert noch heute eine Säule auf dem Place Vendôme an den Feldzug Napoleons I. im Jahr 1805. Darauf sind alle markanten Kriegsereignisse abgebildet, darunter auch eine Abbildung von Lambach, Stadl-Paura und der Traun.
In Stadl-Paura selbst erinnern heute eine in einem Haus eingemauerte Kanonenkugel und die sogenannte Franzosenkapelle an diese Zeit.
Zweiter Weltkrieg Ein 1911 in Stadl-Paura gegründetes Kinderheim, in dem Ordensschwestern des „Seraphischen Liebeswerks“ Waisenkinder und Kinder mit Beeinträchtigungen betreuten, wurde im September 1940 durch die Nationalsozialisten aufgelöst. Dutzende Kinder wurden in die Linzer Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart gebracht. Möglicherweise wurden sie später zu Opfern der NS-„Euthanasie“-Aktion „T4“ in Hartheim. Drei Buben starben nachweislich im Frühjahr 1941 in Niedernhart.Markus Rachbauer: Die Welser Opfer der NS-„Euthanasie“-Verbrechen. In: Stadt Wels (Hrsg.): Nationalsozialismus in Wels. Band 2, Wels 2012, S. 191–192.
Gegenwart Am 24. Oktober 2022 wurde Stadl-Paura von der Marktgemeinde zur Stadtgemeinde erhoben.
Bevölkerungsentwicklung
mini|links|450px|Bevölkerungsverteilung der Stadtgemeinde Stadl-Paura im Jahr 2001
+ Bevölkerungsentwicklung Jahr Einw. Änd. % 1869 2.625 --- 1880 2.421 −7,8 1890 2.601 +7,4 1900 2.672 +2,7 1910 2.840 +6,3 1923 2.905 +2,3 1934 3.155 +8,6 1939 2.976 −5,7 1951 6.093 +104,7 1961 4.691 −23,0 1971 4.841 +3,2 1981 4.744 −2,0 1991 4.838 +2,0 2001 4.866 +0,6 2011 4.931 +1,3 2014 4.903 −0,6
Staatsbürgerschaft 88,2 % der Stadlinger hatten die österreichische Staatsbürgerschaft, 0,9 % stammten aus der EU-15 und die restlichen 10,9 % entfallen auf Drittländer. Religion Mit 70 % bekannten sich der Großteil der Bürger zur römisch-katholischen Kirche, 6,9 % waren evangelisch, 4,1 % orthodox, 5,8 % islamisch und 11,0 % ohne Bekenntnis. Die restlichen 2,2 % entfielen auf sonstige bzw. unbekannte Bekenntnisse. Familienstand Beinahe die Hälfte war verheiratet (45,4 %) und etwa ein ebenso großer Anteil war ledig (40,8 %). Hinzu kamen noch 7,8 % Verwitwete und 6,0 % Geschiedene. Haushalte Das Gemeindegebiet umfasste 2.019 Haushalte, wobei der Durchschnittshaushalt 2,4 Personen beherbergte. Die 1.398 Familien von Stadl-Paura hatten statistisch gesehen jeweils ein Kind.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Wallfahrtskirche Stadl-Paura mini|Schiffleutmuseum und Geburtshaus von Abt Maximilian Pagl von Lambach