mini|Silberring von TrichtingenDer Silberring von Trichtingen wurde am 12. März 1928 bei Arbeiten an einem Drainage-Graben bei Trichtingen (Landkreis Rottweil) gefunden. Es handelt sich um einen keltischen Torques (Wendelring), wahrscheinlich aus der Latènezeit (2. Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr.).

Beschreibung Der Silberring von Trichtingen ist ein offener Halsring mit einem massiven Weicheisenkern, auf den als Überzug ein 2 mm dickes Silberblech gehämmert wurde. Seine Enden sind als naturalistische Stierköpfe gestaltet, die wiederum tordische Halsringe tragen. In seiner äußeren Form ähnelt der Halsring wegen seiner ovalen Form einem Armring.

Der maximale äußere Durchmesser des Rings beträgt 29,6 cm, sein maximaler innerer Durchmesser ist 21,6 cm. Sein minimaler innerer Durchmesser liegt bei 16 cm. Der Ring hat eine Öffnung, die an der engsten Stelle 1,2 cm misst. Der Silberring hat ein Gewicht von 6,7 kg. Der Silbermantel des Rings wurde zunächst durch Reliefleisten gegliedert. Der Ringkörper wurde dann mittels Schrot- und Perlpunzen mit Zopf- und Wellenornamenten verziert. An der Ringinnenseite wurden noch fein ziselierte Dreiecke hinzugefügt. Die Stierköpfe wurden mittels eines Gießverfahrens hergestellt. „Direkte Parallelen für die ornamentalen Details in Kombination mit den Jungstierköpfen und dem Werkstoff Silber sind nicht bekannt“.

Fünf Silberproben wurden von den beiden Kopfstücken, den beiden Halsringen sowie dem den Eisenkern umschließenden Mittelstück entnommen und analysiert. Alle Proben bestehen zu etwa 962 ‰ aus Silber und zu 4,05 ‰ aus Gold (Mittelwerte). Fast das gesamte restliche Material der Legierung ist Kupfer. Wegen des sehr konstanten Massenverhältnisses von Silber zu Gold stammt das Silber wahrscheinlich aus nur einer Lagerstätte.

Fundumstände, Herkunft und Datierung Der Silberring wurde am 12. März 1928 beim Ausheben von Entwässerungsgräben bei Epfendorf-Trichtingen gefunden. Der Ring lag in einer Tiefe von 60 cm schräg in der Erde. Die sofortige Untersuchung der Umgebung ergab keine weiteren Funde, sodass der Silberring von Trichtingen ein Einzelfund geblieben ist. In der Umgebung um den Fundplatz ist des Weiteren eine römische Straße bekannt, welche eine Verbindung zwischen den Kastellen Sulz und Rottweil herstellte.

Wegen der Fundlage als Einzelstück sind Herkunft und Datierung des Stückes umstritten. Bezüglich der Herkunft führt das Landesmuseum Württemberg aus: „Der Stil des Rings weist nach Osten, nach Thrakien oder gar nach Persien, Vergleichsfunde und Verzierungsdetails deuten auf eine Herstellung in Gallien hin“. Als Datierung wird meist die 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. angegeben.

Heute befindet sich der Ring im Landesmuseum Württemberg.

Besondere Merkmale Die Verzierung des Ringes ist nicht exakt symmetrisch angelegt. Durch seine Musterung wird ein Spiel zwischen Licht und Schatten erzeugt. Die verschiedenen gleichmäßigen Ornamente, welche sich in Streifen über den Ring ziehen, ähneln einem Flechtmuster, erinnern aber auch an eine Schlange, welche sich in einen Halbkreis gelegt hat. Auch die beiden Stierköpfe an den Ringenden tragen individuelle Züge. Es handelt sich bei beiden Darstellungen um Jungtiere, die aber unterschiedlich groß sind.

Deutungen Der Ring wurde wohl nicht als Schmuckstück getragen. Um einem Menschen als Schmuckstück zu dienen, ist sein Gewicht zu hoch ,und sein Innendurchmesser zu eng, um ihn über den Kopf zu ziehen. Abnutzungsspuren an der Ringinnenseite deuten darauf hin, dass der Ring einst wiederholt berührt und herumgereicht wurde. Er wurde wohl an seiner Mitte befestigt und aufgehängt.

Auf Grund der Fundlage des Silberrings war seine letzte Verwendung wahrscheinlich eine Opfergabe. Seine Lage in dem noch heute feuchten Wiesengebiet deutet auf ein Quell- oder Mooropfer hin. Möglicherweise handelt es sich dabei um ein Einzelstückdepot oder um den Schmuck eines Kultbildes aus heute vergangenem, organischen Material. Vielleicht schmückte er eine menschengestaltige Stele aus Holz.

Hinweise auf ein Heiligtum in der Umgebung gibt es allerdings nicht. Auch wurde nicht untersucht, ob der Ring etwa nur versteckt wurde. Dass er schräg in der Erde gefunden wurde, könnte auch darauf hindeuten, dass es sich um einen Verlustfund handelt.

Rezeption Briefmarkenmotiv (1976) Im Jahr 1976 gab die Deutsche Bundespost die vom Grafiker Heinz Schillinger gestaltete Briefmarkenserie Archäologisches Kulturgut heraus, darunter die 50-Pfennig-Briefmarke mit dem nachgezeichneten Motiv des Silberrings von Trichtingen.Siehe auch Briefmarken-Jahrgang 1976 der Deutschen Bundespost, s. v., 14. Juli.

„Keltenland Baden-Württemberg“ (2020) Im Jahr 2020 diente der Silberring von Trichtingen in vereinfachter grafischer Umsetzung als Logo in der Werbekampagne für die Schausammlungen im Alten Schloss, Stuttgart, unter dem Motto „Keltenland Baden-Württemberg“.Keltenland Baden-Württemberg im Alten Schloss. In: landesmuseum-stuttgart.de, abgerufen am 26. Mai 2021.

Literatur Peter Goessler: Der Silberring von Trichtingen. Festschrift des Archäologischen Gesellschaft zu Berlin zur Feier des hundertjährigen Bestehens des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches am 21. April 1929. de Gruyter, Berlin 1929, . Aufsatzsammlung in: Fundberichte aus Baden-Württemberg. Band 12 (1987), , S. 205–250: Franz Fischer: Studien zum Silberring von Trichtingen. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg. Band 12 (1987), S. 205, (PDF; 1,2 MB; in die Aufsatzsammlung einführend). Franz Fischer: Der Trichtinger Ring in der Forschung. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg. Band 12 (1987), S. 206–212, (PDF; 9,5 MB). Peter Eichhorn: Neue technische Untersuchungen am Ring von Trichtingen. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg. Band 12 (1987), S. 213–225, (PDF; 19,3 MB). Ulrich Zwicker, E. Grembler, K. Nigge: Untersuchung des Eisenkerns des Trichtinger Ringes. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg. Band 12 (1987), S. 226–232, (PDF; 7,2 MB). Ernst-Ludwig Richter: Analytische Untersuchung des Trichtinger Ringes. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg. Band 12 (1987), S. 233–234, (PDF; 1,9 MB). Christoph J. Raub: Analytisch-metallographische Untersuchung einer Probe der Silberschicht des Trichtinger Ringes. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg. Band 12 (1987), S. 235–240, (PDF; 6,5 MB). Christiane Eluère: Goldringe mit Eisenkern der jüngeren Latènezeit. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg. Band 12 (1987), S. 241–250, (PDF; 11,2 MB). Carola Metzner-Nebelsick: Der Silberring von Trichtingen. In: Harald Olbrich, Gerhard Strauß (Hrsg.): Lexikon der Kunst. Band 7. Seemann, Leipzig 1994, S. 406, (PDF; 573 kB).

Weblinks

Silberring von Trichtingen. Landesmuseum Württemberg Silberring von Trichtingen, Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg, Objekt des Monats September 2012

Einzelnachweise

Kategorie:Archäologischer Silberfund Kategorie:Eisenprodukt Kategorie:Opfer (Religion) Kategorie:Epfendorf Kategorie:Archäologischer Fund (Baden-Württemberg) Kategorie:Museumsbestand (Landesmuseum Württemberg) Kategorie:Archäologischer Fund (Latènezeit) Kategorie:Individueller Ring