Eichelberg ist ein Stadtteil von Östringen im Landkreis Karlsruhe in Baden-Württemberg. Die historisch bedeutsame Weinbaugemeinde feierte im Jahr 2015 ihre erste urkundliche Erwähnung 850 Jahre zuvor. Über lange Zeit bestand eine enge politische wie religiöse Verbundenheit zum Kloster Odenheim. Für Bahnhistoriker interessant ist das denkmalgeschützte Viadukt sowie die wechselvolle Geschichte der Katzbachbahn, die Eichelberg über 60 Jahre mit der Stadt Bruchsal verband. Sowohl landschaftlich als auch kulturell hat das kleine Kraichgaudorf viel zu bieten.
Geschichte mini|Markgrafschaft Baden und deren territoriale Zugewinne 1803 bis 1819 Eichelberg (einst: Aygelberg, Eichilberg) wird 1161 als Haufendorf erstmals im Besitz des Benediktinerklosters Odenheim (ab 1494 Ritterstift Odenheim, ab 1671 Stifterhof Odenheim) urkundlich erwähnt.leo.bw Eichelberg Altgemeinde leo.bw, abgerufen am 8. Oktober 2021. Wie spätere Ausgrabungen eines Römerkastells belegen, war die Ortslage schon sehr früh besiedelt. In Abstimmung mit Friedrich II. (HRR) erfolgt 1225 durch das Kloster sozusagen die Gründung des Weinorts Eichelberg mit der Verpachtung (Erbpacht) der dort bereits bestehenden Weinbergsflächen an zwölf unfreie Bauern. 1237 genehmigt der Kaiser noch weitere klösterliche Besitztümer in Waldangelloch (damals: Angelacha) und Zeutern (damals: Ciudrincheim).Historische Ortsnamen leo.bw Zeutern leo.bw 1338 erwirbt der Bischof von Speyer, Gerhard von Ehrenberg aus dem Kraichgauer Ritterstand stammend, die Schirmvogtei über das Kloster sowie die Einnahmen aus der Vogtei Odenheim für das Hochstift Speyer. So gelangte die Weinbaugemeinde Eichelberg für lange Zeit in den herrschaftlichen Besitz des Hochstifts Speyer und von dessen Bischöfen. Man kann davon ausgehen, dass in diesem Zeitraum zahlreiche Fuder Wein in Richtung Speyer transportiert wurden.
Im Jahr 1525 beteiligen sich Eichelberger gemeinsam mit Bauern aus Tiefenbach und Odenheim am Aufstand gegen die Obrigkeit. Die aufgebrachten Bauern setzen dabei das Ritterstift Odenheim teilweise in Brand, um die dort gelagerten Zins- und Abgabenbücher zu vernichten. Auch 1551 entstehen zwischen Eichelberg und dem Ritterstift Odenheim erhebliche Konflikte, dieses Mal um die Nutzungsrechte der herrschaftlichen Waldflächen. Die bis zur körperlichen Gewalt eskalierenden Auseinandersetzungen gelangen bis vor das Reichskammergericht zu Speyer.Ralf Fetzer: Untertanenkonflikte im Ritterstift Odenheim vom ausgehenden Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches. Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe B: Forschungen. Bd. 150. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2002. Zentrale Streitpunkte sind erhöhte Abgaben für Bau- und Brennholz sowie für die Schweinemast auf den Waldflächen der Gemarkung Eichelberg. Der Prozess endet nach etwa zehnjähriger Dauer zu Ungunsten Eichelbergs. Gerichtsprotokolle und Urteilsbücher aus damaliger Zeit befinden sich heute im Karlsruher Generallandesarchiv (GLA).
Nach insgesamt 463 Jahren ändern sich die Eigentumsverhältnisse des Hochstifts Speyer grundlegend. Mit dem Frieden von Lunéville 1801/02 werden die linksrheinischen Ländereien des Hochstifts, nach vorheriger Eroberung durch französischen Revolutionstruppen, an Frankreich abgetreten. Die rechtsrheinischen Liegenschaften fallen mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 an die Markgrafschaft Baden, aus der 1806 das Großherzogtum Baden als souveräner Staat hervorgeht. Da in Baden die Leibeigenschaft durch Markgraf Karl Friedrich bereits 1783 aufgehoben wurde, werden die Eichelberger freie Bürger. Trotz der gewonnenen Freiheitsrechte nehmen Mangel und Not in der Gemeinde zu. In der Folgezeit gelangt Eichelberg zunächst unter die Verwaltungshoheit von Gochsheim sowie ab 1810 an das Bezirksamt Eppingen. Am 30. Dezember 1884 verliert man die Selbstständigkeit und wird aufgrund der schlechten Finanzlage bis 1841 der Verwaltung von Tiefenbach unterstellt. Die badische Regierung versucht die Notlage durch unterstützende wirtschaftliche Maßnahmen zu überwinden, was nur in geringem Maße gelingt.
Ab 1924 übernimmt das Bezirksamt Bruchsal die Zuständigkeit für den Weinort. Mit der Badischen Kreisreform 1936/37 wechselt nochmals die Verwaltungshoheit an den Landkreis Sinsheim;Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe, Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 387–388. und am 1. Januar 1972 erfolgt letztlich die Eingemeindung nach Östringen, zu dem der Ort bis heute gehört. Vor der Eingemeindung hatte die Gemeinde eine Einwohnerzahl von 567.Bevölkerungsentwicklung in Eichelberg leograph-bw.de, abgerufen am 3. November 2021. Heute leben in Eichelberg 674 Einwohner (Stand: 30. September 2020)Stadt Östringen oestringen.de, abgerufen am 8. Oktober 2021. auf 673 ha. Nach wie vor wird auf der Gemarkung großflächig Weinbau betrieben, vor allem in den Steillagen, dort wächst der bekannte „Kapellenberg Riesling“.
Wappen mini|links|80px|Wappen Eichelbergs heutiges Wappen – eine Schöpfung des Generallandesarchiv (GLA) aus dem Jahr 1909 – ist ein in Silber geprägter, eine Eichel (Stieleiche) tragender grüner Eichenzweig.R. Thomann (1999): Schicksal einer Landschaft. Ein Lesebuch zur Geschichte des Kraichgaus und seiner Orte. Verlag regionalkutur,2. überarb. Auflage, Ubstadt-Weiher.
Geographie mini|Weinbauflächen am Kapellenberg, im Hintergrund die Michaelskapelle Etwa ein Drittel der hügeligen Gemarkungsfläche nehmen ausgedehnte Laubwälder ein. Als geologischer Untergrund steht hier vorwiegend Keupersandstein (Schilfsandstein) an. Darunter lagern Muschelkalk und Oberer Buntsandstein. Hanglagen sowie Täler der Landschaft sind mit eiszeitlichem, quartärem Löss bedeckt, ideale Bodenverhältnisse für den Weinbau. Wie prominent der Anbau von Reben auf der Gemarkung Eichelberg einst war, verdeutlicht die Topografische Karte für Flurneuordnung von 1878.Topografische Karte Eichelberg 1878 Gemarkung Eichelberg Topografische Karte 1878 leo-bw, abgerufen am 8. Oktober 2021. Diese belegt ebenso die Existenz zweier mittlerweile stillgelegter Schilfsandsteinbrüche (Zinkenbusch und Bettelmannsküch) westlich im Bereich der Gewanne Vorderer Steinäcker und Schafbuckel/Großer Wald; beide Abbaugebiete sind heute noch im Gelände gut erkennbar. Der Steinbruch „Bettelmannsküch“, unweit des Stifterhofs, ist seit 2018 Bestandteil der Geopfade im Östringer Kraichgau.Wolfgang Essig: Geopfade - eine Entdeckungsreise durch den Östringer Kraichgau oestringen.de, abgerufen am 6. November 2021.
mini|Ehemaliger Schilfsandsteinbruch „Bettelmannsküch“ am Stifterhof Odenheim, Abbruchkante mit Wollsackverwitterung
Tiefenbach, Odenheim sowie das an Eichelberg angrenzende Katzbachtal werden vom namengebenden Katzbach durchflossen, der bei Stettfeld in den Kraichbach mündet. In der Ortsmitte von Eichelberg, unterhalb des Rathausgebäudes entsprang früher der Kapellenbach.Wochenblatt wochenblatt-reporter.de, abgerufen am 8. Oktober 2021. Heute tritt das Gewässer aufgrund der Kanalisierung erst westlich am Ortsrand an der Burgholzstraße zu Tage und mündet am Stifterhof Odenheim in den Mönchsee. In den letzten Jahren führte der Bach nur noch wenig Wasser. Auch die versumpfte, artenreiche Bachaue südlich der Kreisstraße 3517 verlandet zusehends.
Höchste Erhebungen der Gemarkung sind der Greifenberg (271 m ü. NN), der Wormsberg (264 m ü. NN) sowie der Kapellenberg (302 m. ü. NN). Am Südhang des Greifenbergs findet sich ein lichter Eichen-Hainbuchenwald mit schützenswerten Tier- und Pflanzenarten, u. a. Kleinspecht (Dryobates minor), Elsbeere (Sorbus torminalis) und wenigen Exemplaren des Speierlings (Sorbus domestica). Forst- und Naturschutzbehörden haben den Bestand sowohl als Bannwald nach § 32 LWaldG als auch als Naturschutzgebiet (NSG Greifenberg, LUBW Schutzgebiets-Nr. 2.031) ausgewiesen.Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe (GBl. v. 06.02.1976, S. 84) Verordnung NSG Greifenberg RP Karlsruhe, abgerufen am 12. Oktober 2021.Verordnung vom 20.08.1999 (GBl. vom 17. Dezember 1999, S. 648) Steckbrief NSG Greifenberg 1975, abgerufen am 12. Oktober 2021. Der Schutz gilt dem durchgewachsenen Mittelwald mit – entsprechend dem Nährstoffangebot der verschiedenen Bodentypen – auffällig unterschiedlicher Artenzusammensetzung. Der Bannwald ist rund 13 ha groß. Er liegt im Staatswald Bruchsal und umfasst die Abteilung 14 des Distriktes III „Großer Wald“. Jegliche Bewirtschaftung ist hier untersagt, die Natur soll sich frei entfalten.
Auch das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg ist an den Flächen interessiert. So soll im Mittelalter auf dem Gipfelplateau des Greifenbergs eine Wallburg (Burg Wigoldesberg) gestanden haben,Leopold Feigenbutz (Hrsg.): Der Kraichgau und seine Orte. Buchdruckerei Fr. Leitz, Bretten 1878, von der heute aber nichts mehr zu sehen ist. Ihr künstlicher Hügel überragt noch heute das Terrain um bis zu 8 m. Ein 78 × 21 m großes Plateau bildete die Hauptburg, an deren östlichem Ende möglicherweise ein Wohnturm stand.Ludwig H. Hildebrandt, Nicolai Knauer: Grafenburgen des 10. bis 13. Jahrhunderts im Kraichgau. Badische Heimat Heft 2, 2019, S. 216–221 Sichelgräben mit Außenwällen umfassten die Motte im Osten und Westen. Eine sich anschließende, ca. 100 × 50 m große Fläche wird wohl die Vorburg getragen haben. Der Zugang zur Burg lag im Süden. Die Gesamtanlage hat eine Länge von etwa 200 Metern. Unterhalb des Gipfels sind noch Strukturen eines aufgeschütteten Ringwalls erkennbar, dessen Entstehung zeitlich schwer einschätzbar ist. Aufgrund der Topografie könnten der Wall und das Hochplateau auch keltischen Ursprungs sein. Der Greifenberg ist von Eichelberg gut zu Fuß erreichbar. Um das Schutzgebiet führt ein befestigter Weg, der aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht verlassen werden darf.
Sehenswürdigkeiten In Eichelberg finden sich eine Reihe von historischen Sehenswürdigkeiten. So fußt das örtliche Rathaus in der Oberen Klosterstraße auf alten Fundamenten aus dem Jahr 1604.Rathaus Obere Klosterstraße 16, Denkmale leo-bw, abgerufen am 13. Oktober 2021. Ursprünglich wurde es als Stiftsgebäude für das Ritterstift Odenheim erbaut. Sein heutiges Aussehen geht auf das Jahr 1896 zurück. Unter dem Rathaus befindet sich der sog. Herrschaftskeller. Hier lagerte früher qualitativ hochwertiger Wein speziell für die Stiftsherren von Odenheim.
Auch die benachbarte „Alte Kelter“ besteht schon seit 1556, ebenfalls erbaut durch das Stift Odenheim. Vor dem Bau wurden die geernteten Weintrauben aus der Region ausschließlich in der klostereigenen Kelterei in Odenheim verarbeitet. Aufgrund des großflächigen Anbaus von Wein befanden sich in der Eichelberger Kelter zeitweise bis zu drei große Spindelpressen, für deren Bedienung an die acht Männer erforderlich waren.Stadt Östringen Freizeit-Kultur oestringen.de, abgerufen am 14. Oktober 2021. 1841 erwarb die Gemeinde Eichelberg von der Großherzoglichen Domänenverwaltung Unteröwisheim sowohl die Kelter als auch das Rathaus für insgesamt 1.600 Gulden. 1978 installierte die Winzergenossenschaft Eichelberg e. G. mit einem Kostenaufwand von 160.000 DM eine vollautomatische pneumatische Weinpresse. Sie kann in ca. 3 Stunden bis zu 24.000 kg Traubenmaische verarbeiten. Nach der Pressung fahren Tanklastzüge den neuen Wein in die Zentralkellerei Wiesloch zur weiteren Aufbereitung und Vermarktung.Kurt Emmerich: Eichelberg. Geschichte eines Kraichgaudorfes. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2014, 160 S. Auf der heutigen Außenfassade der Alten Kelter findet sich noch eine eindrucksvolle Abbildung einer historischen hölzernen Spindelpresse. Das Gemälde geht auf den Kunstmaler Fuchs zurück, der 1986 im Rahmen von Renovierungsarbeiten das Gebäude verschönerte.