Die Große Trigonometrische Vermessung (englisch Great Trigonometrical Survey) war das Projekt zur Grundlagenvermessung des Indischen Subkontinents durch trigonometrische Vermessungsnetze, das über den größten Teil des 19. Jahrhunderts dauerte. Es wurde von der Messung des Meridianbogens zwischen dem Kap Komorin, der Südspitze Indiens, und einem kleinen Berg bei Mussoori in Uttarakhand in den Ausläufern des Himalaya begleitet. Diese wurde als The Great Arc bekannt und war mehr als 2500 km (1500 Meilen) lang. The Great Arc war einer der längsten Meridianbögen der damaligen Erdvermessungen.
Der Initiator und jahrelange Leiter des Projekts war William Lambton (ab 1799); nach seinem Tod wurde es von George Everest und Andrew Scott Waugh fortgeführt und schließlich von James Thomas Walker abgeschlossen (Publikation ab 1871).
Vorgeschichte Im 18. Jahrhundert hatte die British East India Company zwar eine Reihe mehr oder weniger zusammenhängender Besitzungen in Indien, der Subkontinent war für Europäer im Prinzip aber immer noch unbekanntes Land. Zunächst wurden vor allem die Küsten von den Schiffen der East India Company aus mit Hilfe von Kompass-Peilungen und astronomischen Ortsbestimmungen vermessen – ein notwendigerweise ungenaues Verfahren.Clements R. Markham: A Memoir on the Indian Surveys. 2. Auflage. W.H. Allen & Co., London 1878; James Rennell, von 1767 bis 1777 Surveyor-General of Bengal,G.F. Heaney: Rennell and the Surveyors of India. Vortrag vor der Royal Geographical Society, 1967. Himalayan Journal published by The Himalaya Club. Abgerufen am 21. Juli 2012. National Oceanography Centre, Southampton, abgerufen am 21. Juli 2012.Das auch mit 1764 angegebene Anfangsjahr dürfte unzutreffend sein: der Survey of India nennt 1767 als sein Ursprungsjahr. hatte große Teile von Bengalen vermessenKarte von Bengalen und Bihar (16,88 MB!) sowie die Provinzen entlang des Ganges bis kurz vor Delhi kartographiertKarte der Provinzen Delhi, Agrah, Oude, and Ellahabad (10,56 MB!) und 1779 im Bengal Atlas veröffentlicht, dem 1783 die erste geographisch exakt erscheinende Karte Indiens folgte.vgl. eine etwas spätere Karte Südindiens (10,85 MB!) Eine Reihe weiterer Vermessungen waren von anderen Beauftragten der East India Company durchgeführt worden.Rama Deb Roy: In: Indian Journal of History of Science. 21(1), (1986), S. 22–32. Abgerufen am 23. Juli 2012. Die Karten beruhten aber weitgehend auf Längenmessungen und astronomischen Ortsbestimmungen und waren deshalb ungenau und nicht frei von Widersprüchen. Um die damalige Jahrhundertwende bildete sich daher die allgemeine Meinung, dass die erforderliche Genauigkeit nur mit einer dreidimensionalen, trigonometrischen Vermessung erzielt werden könne. Die durch den Vierten Mysore-Krieg und die siegreiche Belagerung von Seringapatam erworbenen Gebiete boten dazu einen Anlass.
William Lambtons Initiative Vorbereitungen William Lambton, ein Vermessungsoffizier, der an dem Mysore-Feldzug teilgenommen hatte, ergriff die Gelegenheit und schlug 1799 vor, das Gebiet zwischen der Koromandelküste im Osten und der Malabarküste im Südwesten Indiens durch eine genaue Triangulation aufzunehmen und einen Meridianbogen zu messen. Er erhielt zwar alsbald den Auftrag dazu und bestellte die notwendige Ausrüstung, unter anderem einen damals mit der notwendigen Präzision äußerst seltenen und mehr als eine halbe Tonne wiegenden Theodolit;R. Ramachandran: auf Frontline, 27. April 2002; abgerufen am 21. Juli 2012. aber es dauerte bis 1802, bis alle Instrumente in Madras ankamen.Der Theodolit wurde bei Jesse Ramsden bestellt, von der East India Company dann aber wegen Ramsdens Mehrforderungen nicht abgenommen. Ein Ersatz wurde bei William Cary bestellt und ausgeliefert. Das Schiff mit dem Theodolit war von einem französischen Kaperschiff nach Mauritius gebracht worden, dessen Befehlshaber das kostbare Instrument jedoch mit einem höflichen Begleitschreiben der Regierung in Madras zusenden ließ.
Die Messkette für die Messung der Basislinien sollte ursprünglich ein Geschenk an den Kaiser von China werden, was aber fehlschlug, so dass sie auf Umwegen Lambton zur Verfügung gestellt wurde. Sie war 100 Fuß (30,48 m) lang und bestand aus 40 miteinander verbundenen, jeweils 2½ Fuß (76,2 cm) langen Eisenstäben. Bei den Längenmessungen befand sich die Kette in fünf extra angefertigten 20 Fuß (6,096 m) langen Holzkisten, um sie vor der Sonneneinstrahlung zu schützen. Die Kisten waren auf justierbaren Stativen gelagert, so dass die Kette zu einer exakten Geraden ausgerichtet werden konnte. Bei jeder Messung wurde die Temperatur in den Kisten gemessen, um die Ausdehnung des Metalls berücksichtigen zu können. Eine weitere Kette wurde nicht im Feld benutzt, diente aber zur Kontrolle zu Beginn und am Ende jeder Messung einer Basislinie.
Beginn der Vermessung Die Große Trigonometrische Vermessung Indiens begann am 10. April 1802 mit der Messung einer Basislinie bei Madras. Major Lambton wählte die Ebene zwischen St. Thomas Mount an ihrem nördlichen Ende und Perumbauk Hill am südlichen Ende, auf der eine 7,5 Meilen (12,1 km) lange Linie eingerichtet werden konnte. Am 22. Mai 1802 wurden diese Messungen abgeschlossen. Lambton vermaß danach einen kurzen Meridianbogen in der Nähe von Madras sowie die Länge eines ihn im rechten Winkel schneidenden Breitengrades. Dabei verwandte er 16 Nächte allein auf die Beobachtung des Sternes Aldebaran.
Anschließend wurde eine Serie von Dreiecken bis zur Hochebene von Mysore vermessen. Bei Bangalore bestimmte ein Assistent Lambtons 1804 die Länge einer zweiten Basislinie zur Kontrolle der bisherigen Arbeiten und als Grundlage für die folgenden Vermessungen. Mit einer Serie von weiteren Triangulationen, unter anderem über den Gipfel des 1748 m hohen Tadiandamol, wurde die Malabarküste bei den Küstenorten Tellicherry und Cannanore erreicht. 1806 wurde diese Serie beendet. Dabei stellte sich heraus, dass die Entfernung von Küste zu Küste, die nach den bisherigen Karten 400 Meilen betragen hatte, tatsächlich nur 360 Meilen betrug. Diese Differenz von 40 Meilen (64 km) war auch gegenüber Zweiflern ein Beweis für die Notwendigkeit einer sorgfältigen trigonometrischen Grundlagenvermessung.
Vermessungen im Süden Indiens, Fortsetzung nach Norden Lambton wandte sich dann hauptsächlich dem Meridianbogen zu und erstellte Triangulationen von Bangalore zum Kap Komorin. Dabei benutzte man auch die Tortürme von Tempelanlagen, die mit einem Gerüst versehen wurden und als hoch gelegener Vermessungspunkt dienten. Als der schwere Theodolit in Thanjavur auf einen solchen Turm gezogen wurde, brach ein Seil und das Instrument schlug mit großer Wucht gegen die Wand, wobei wichtige Teile verbogen und beschädigt wurden. Anstatt den Schaden als irreparabel anzusehen, schloss sich Lambton in seiner Basis in Bangalore mit dem Theodolit in sein Zelt ein, um ihn in sechswöchiger Arbeit so vollständig zu reparieren, dass er noch bis 1830 verwendet werden konnte.
1811 war die Vermessungen des Meridianbogens zwischen Bangalore und Kap Kormorin beendet. Lambton wandte sich während der nächsten Jahre den weiter nördlich liegenden Gebieten zu, wo die Triangulationen entlang des Meridianbogens und zu verschiedenen Küstenorten fortgesetzt wurden. Lambton überquerte den Fluss Tungabhadra und gelangte damit in das Gebiet des Nizam, den Fürstenstaat Hyderabad. Nach weiteren Vermessungsarbeiten richtete er 1818 mehr als 200 km weiter nördlich bei Bidar eine Station ein, um eine weitere Basislinie zu messen und ihre genaue Lage durch Serien astronomischer Beobachtungen zu überprüfen. Wie vorher schon an anderen Orten wurden dabei außerdem Versuche mit dem Pendelgravimeter durchgeführt, um die Schwerebeschleunigung an diesem Ort zu messen.
Bei den Arbeiten hatte sich gezeigt, dass die zur Markierung der Vermessungspunkte verwendeten Stangen im staubigen Dunst der Trockenzeit nur schwer zu sehen, aber in der klareren Luft der Regenzeit wesentlich leichter und über weitere Strecken zu erkennen waren. Dies galt auch für die im Lauf der Zeit eingesetzten Sonnenspiegel. Die Folge war, dass Lambton und sein Vermessungstrupp überwiegend in der Regenzeit unterwegs waren, auch wenn die Fortbewegung dann erschwert war. Lambton hatte in dieser Zeit nicht nur mit den Schwierigkeiten des Klimas, des Geländes und den häufigen Feindseligkeiten der örtlichen Bevölkerung zu kämpfen, sondern musste sich auch immer wieder gegen Kürzungen seines Budgets durch die Regierung in Madras und Zweifel an dem Sinn der aufwendigen Tätigkeit wehren.
The Great Trigonometrical Survey of India wird dem Generalgouverneur unterstellt Der Generalgouverneur in Kalkutta erkannte schließlich die Bedeutung der Arbeiten Lambtons, unterstellte ihn zum 1. Januar 1818 seiner Zentralverwaltung und ordnete an, das Projekt zukünftig als The Great Trigonometrical Survey of India zu bezeichnen. Gleichzeitig wurde George Everest zu Lambtons Chief Assistant ernannt.
Entsprechend Lambtons Vorstellung, ein flächendeckendes Grundlagennetz schrittweise nach Norden auszudehnen, konzentrierte er sich längere Zeit auf das Land zwischen den Flüssen Krishna und Godavari. Everest wurde 1819 zu Vermessungen in Gebiete entsandt, die von Malaria verseucht waren und deren Bewohner gegen ihre örtliche Regierung rebellierten. Es gelang ihm zwar, diese Schwierigkeiten zu überwinden, aber seine Gesundheit wurde so angegriffen, dass er 1820 zur Erholung ans Kap der Guten Hoffnung musste. Lambton arbeitete währenddessen unermüdlich weiter und verlängerte die Messung des Meridianbogens noch bis über Bidar hinaus jenseits des 18. Breitengrades. Die Jahre hatten aber auch bei ihm ihre Spuren hinterlassen. Während er für die Fortsetzung der Arbeiten von Hyderabad nach Nagpur unterwegs war, starb er am 20. Januar 1823 in Hinganghat im heutigen Distrikt Wardha von Maharashtra.
Lambton hatte in den mehr als zwanzig Jahren seit dem Beginn in Madras einen Meridianbogen von mehr als 1.100 km Länge und eine Fläche von insgesamt 165.342 Quadratmeilen bzw. 428.070 km² vermessen.
George Everest wird Lambtons Nachfolger mini|150px|Karte aus 1847 mit den Vermessungen zwischen Sironj und Dehradun Fortführung bis Sironj George Everest, der zu dieser Zeit an der Triangulationsserie nach Bombay tätig war, wurde nach Lambtons Tod zu seinem Nachfolger und Leiter des Great Trigonometrical Survey ernannt. Zunächst hatte er Personalprobleme zu überwinden, da ein Kollege gestorben war, ein anderer seinen Abschied genommen hatte und die Mehrzahl von Lambtons Leuten, die aus der Gegend von Madras stammten, nicht gewillt waren, der weiter nach Norden ziehenden Vermessungstätigkeit zu folgen und sich damit weiter von ihrer Heimat zu entfernen. Dennoch gelang es ihm, die Vermessungen bis zu dem rund 680 km nördlich von Bidar gelegenen Sironj hinaus fortzuführen. Dort wurde ein weiteres vorläufiges Quartier eingerichtet und eine neue Basislinie vermessen. Everest selbst plagte sich in dieser Zeit mit schwerem Fieber, bis sich sein Zustand so verschlechterte, dass er 1825 zur Erholung nach England fahren musste.
Während seiner Abwesenheit erstellte einer seiner Mitarbeiter die mehr als 1.100 km lange Triangulationsserie von Sironj nach Kalkutta.
Aufenthalt in England