miniatur|rechts|Das Alphabet in escritura cortesana und in escritura procesal Die escritura cortesana [eskri'tura korte'sana, = span. für „höfische Schreibschrift“], auch letra cortesana ['letra korte'sana], ist eine Schreibschrift, die Ende des 15. sowie zu Beginn des 16. Jahrhunderts am kastilisch-leonesischen Hof verwendet worden ist. Daher leitet sich auch ihr Name ab (cortesa = span. für „höfisch“), der durch die Benutzer selbst geprägt worden istVgl. Casado Quintanilla, https://www.ucm.es/centros/cont/descargas/documento11330.pdf, S. 31.. Viele Dokumente der Katholischen Könige sind in escritura cortesana verfasst worden. Sie ist ein Untersuchungsgegenstand der spanischen Paläografie. Aus ihr entwickelte sich später die escritura procesal, die noch bis Ende des 16. Jahrhunderts verwendet worden istVgl. Muñoz y Rivero, 1889, S. 36..

Zeitliche und geografische Einordnung Die escritura cortesana entwickelte sich aus der escritura de albalaes, der bis weit ins 15. Jahrhundert vorherrschenden Schreibschrift in SpanienVgl. auch Casado Quintanilla,https://www.ucm.es/centros/cont/descargas/documento11330.pdf, S. 32; Vgl. Muñoz y Rivero, 1889, S. 35.. Sie basiert so wie alle anderen spanischen Schriftarten auf der romanischen Schrift, die durch griechische Elemente beeinflusst worden istVgl. Alverá Delgrás, 1857, S. 23.. Die Anfänge der escritura cortesana werden auf die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert, Jesús Muñoz y Rivero sieht ihre Anfänge sogar bereits im 14. Jahrhundert und verortet sie noch bis ins 17. Jahrhundert hineinVgl. Muñoz y Rivero, 1889, S. 35, 40.. Die Schreibschrift hat eine sehr kurze Lebensdauer, insgesamt weniger als ein JahrhundertVgl. Casado Quintanilla, https://www.ucm.es/centros/cont/descargas/documento11330.pdf, S. 31.. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts ist sie bereits vollständig durch die escritura procesal ersetzt, einer Weiterentwicklung der escritura cortesana selbst. Zu dieser Zeit entwickelten sich zwei weitere Schriftarten in Spanien: Die escritura redonda wurde hauptsächlich zum Verfassen von Büchern genutzt, während die escritura cancelleresca für den kurialen, alltäglichen und kommunikativen Gebrauch gedacht war. Beide trugen schließlich zur Verdrängung der cortesana beiVgl. Alverá Delgrás, 1857, S. 18.. Im Gegensatz zu ihrer kurzen Verwendungsdauer existiert in den Archiven eine verhältnismäßig große Anzahl an Dokumenten, die in escritura cortesana geschrieben worden sindVgl. Casado Quintanilla, https://www.ucm.es/centros/cont/descargas/documento11330.pdf, S. 31; Vgl. Muñoz y Rivero, 1889, S. 36..

Mit Anweisung vom 7. Juni 1503 wurde festgelegt, dass für jedes Blatt, das eng in escritura cortesana geschrieben worden war, zehn Maravedis gezahlt werden. Damit sollte dem entgegengewirkt werden, dass die Schreiber ihre Dokumente zunehmend in einer unleserlicheren escritura procesal abfassten und die Wörter auch immer größer und ausschweifender schrieben. Da damals nach Seiten bezahlt wurde, sollte mit dieser Methode eine höhere Seitenanzahl und somit auch ein höheres Honorar erreicht werden. Der Beschluss sollte dieser Entwicklung entgegenwirken, konnte aber letztlich nichts dagegen tun, dass sich die procesal gegen die cortesana durchsetzteVgl. Muñoz y Rivero, 1889, S. 39..

Gebrauch Verwendet worden ist die höfische Schreibschrift am kastilisch-leonesischen HofVgl. Cabrera Rodríguez, S. 1; vgl. auch Casado Quintanilla, https://www.ucm.es/centros/cont/descargas/documento11330.pdf, S. 31.. In ihr wurden von speziell dafür ausgebildeten Schreibern Dokumente, insbesondere Briefe und Beschlüsse, in den Sekretariaten der Könige, Räte und Kanzleien abgefasstVgl. Alverá Delgrás, 1857, S. 17f.; vgl. Muñoz y Rivero, 1889, S. 36..

Schriftbild Allgemein Die cortesana ist durch ein rundes, enges, dichtes, kleines, ungleichmäßiges, vernetztes und schwer lesbares Schriftbild gekennzeichnetVgl. Alverá Delgrás, 1857, S. 15, 17; vgl. auch Casado Quintanilla, https://www.ucm.es/centros/cont/descargas/documento11330.pdf, S. 35; vgl. Muñoz y Rivero, 1889, S. 35.. Sie wird den Kursivschriften zugeordnetRiesco Terreros, 2000, S. 121f.. Allgemein gilt sie als sehr schwer zu lesenVgl. Alverá Delgrás, 1857, S. 17f.; vgl. Cabrera Rodríguez, S. 1.. Zur Zeit der Katholischen Könige war sie aber besser lesbar, da sie bis dahin einige Elemente der leichter entzifferbaren escritura bastarda übernommen hatteVgl. Muñoz y Rivero, 1889, S. 40.. Das Schriftbild erinnert in weiten Teilen sehr an die escritura de albalaes, aus der sich die escritura cortesana entwickelt hatVgl. Casado Quintanilla, https://www.ucm.es/centros/cont/descargas/documento11330.pdf, S. 33.. Es unterscheidet sich von ihr aber insbesondere in der Rundlichkeit ihrer BuchstabenVgl. Muñoz y Rivero, 1889, S. 35.. Sie ist in der Hinsicht vom typischen lateinischen Schriftbild verschieden, als dass insbesondere die langen und kurzen Längen einiger Buchstaben zusätzlich erweitert worden sind. So kommt es bei Konsonanten häufig dazu, dass die Unterlängen über die linke Seite des Buchstabens von unten bis über den Buchstaben nach rechts verlängert und schließlich mit dem anschließenden Buchstaben verbunden werdenVgl. Casado Quintanilla, https://www.ucm.es/centros/cont/descargas/documento11330.pdf, S. 33; vgl. Muñoz y Rivero, 1889, S. 36.. Ähnlich verhält es sich beim At (@), allerdings in umgekehrter und spiegelverkehrter Richtung. Von dieser Besonderheit betroffen sind in der escritura cortesana die Buchstaben „h“, „i“, „m“, „n“, „q“, „s“, „y“ und „z“, teilweise auch „ҫ“, „g“, „p“ und „d“Vgl. Casado Quintanilla, https://www.ucm.es/centros/cont/descargas/documento11330.pdf, S. 33.. In dieser Schreibweise liegen auch noch die Gemeinsamkeiten mit der escritura de albalaesVgl. Casado Quintanilla, https://www.ucm.es/centros/cont/descargas/documento11330.pdf, S. 33..

Die escitura cortesana ist eine Minuskelschrift. Das bedeutet, dass sie in einem Vierlinienschema geschrieben wird. Die Buchstaben können somit Unter- und Oberlängen ausbilden.

Die Buchstaben im Einzelnen Das Alphabet hatte damals insgesamt 25 Buchstaben, davon waren fünf Vokale und 20 KonsonantenVgl. Casado Quintanilla, https://www.ucm.es/centros/cont/descargas/documento11330.pdf, S. 33.. Die Abbildungen der Buchstaben stammen aus den Anfängen der escritura cortesana. Später wurden teilweise noch andere Schreibformen ausgeprägt. Sie finden sich in der Alphabettabelle am Beginn des Artikels.

rahmenlos|links A: Dieser Buchstabe prägte in der escritura cortesana zwei Hauptformen aus: Einerseits existierte eine Form, die stark an unser geschriebenes, kleines „a“ erinnert. Andererseits schrieb man das „A“ auch auf eine Art und Weise, die einem Omega (Ω) ähnlich sieht.

rahmenlos|links B: Das große „B“ sah in der escritura cortesana genauso aus wie das heutige „B“. Auch das kleine „b“ ist seiner heutigen Ausprägung sehr ähnlich. Manchmal endete die Oberlänge jedoch in einem Bogen, wodurch der Buchstabe dann wie eine Mischung aus Druck- und Schreibschrift-„B“ aussah.

rahmenlos|links C: Das damalige „C“ erinnert stark an das heutige. Ab und an wurde dem Bogen des „C“s noch eine senkrechte Linie hinzugefügt, welche das Innere des Bogens kreuzte. Außerdem gab es noch eine weitere Form: Teilweise wurde das „C“ in einer eckigen Variante ähnlich einem „r“ geschrieben, wodurch es für Verwechslungen anfällig wurde.

Ҫ: Siehe Beschreibungen zu C. Das Cedilla wurde durch einen kleinen Bogen gekennzeichnet, der unter dem „C“ startete und es dann über links einkreiste.

rahmenlos|links D: Für das große und kleine „D“ existieren verschiedene Schreibformen. Die Gebräuchlichste unter ihnen sieht dem heutigen „d“ entfernt ähnlich, ist jedoch viel geschwungener.

rahmenlos|links E: Vier primäre Formen bildete das „E“ aus: Hauptsächlich trat der Buchstabe in seiner heutigen Ausprägung auf, er konnte aber auch nur als kleiner Strich am vorangehenden Buchstaben geschrieben werden. Außerdem gab es eine Variante, die dem oben beschriebenen „A“ ähnelte und nur durch einen kleinen, waagerechten Strich ergänzt wurde. Zuletzt trat es noch in einer eckigen Form auf, die einem „r“ gleicht. Somit war es leicht mit einem „R“ oder einem „C“ verwechselbar. Letzteres besaß zur damaligen Zeit eine ähnliche Schreibweise.

rahmenlos|links F: Das große „F“ erinnert an unser heutiges, allerdings ist es geschwungener in seiner Ausführung. Es gibt verschiedene Varianten, wobei jedoch die Grundfigur erhalten blieb. Das kleine „f“ weist in seiner Form keine Unterschied zu seinem heutigen Äquivalent auf.

rahmenlos|links G: Das große „G“ lehnte sich an ein „C“ an, jedoch weist der Bogen am oberen Ende mehr Schwung auf und am unteren Ende bildet er einen kleinen Halbkreis. Das kleine „g“ sah häufig dem heutigen „g“ sehr ähnlich. Es kam aber auch vor, dass es eher an ein „y“ erinnerte, dessen geöffneter Kopf durch einen waagerechten Strich geschlossen wird.

rahmenlos|links H: In der escritura cortesana kam das große „H“ einem heutigen kleinen „h“ gleich. Der einzige Unterschied bestand darin, dass es, im Gegensatz zum heutigen „h“, eine Unterlänge ausbildete. Darüber hinaus war es in seiner Schreibweise viel ausschweifender und schwungvoller.

rahmenlos|links I / J: Bis zum 15. Jahrhundert wird zwischen beiden Buchstaben keinerlei Unterschied gemacht. Beide wurden als einfache senkrechte Linie dargestellt, die oftmals auch eine Unterlänge besaß. Danach wurde das „I“ wie ein spiegelverkehrtes „S“, jedoch mit abgehakteren Bögen, und das „J“ wie ein „z“ in alter deutscher Schreibschrift geschrieben. Dadurch war es leicht mit dem richtigen „Z“ durcheinanderzubringen.

K: Dieser Buchstabe wurde so gut wie nie verwendet. Die Schreibweise stimmt mit der heutigen überein.

rahmenlos|links L: Zwei Ausprägungen dieses Buchstaben gab es: Die erste nahm sich sehr wenig zum damaligen „I/J“, weshalb Verwechslungsgefahr bestand. Die zweite Variante entsprach dem heutigen geschriebenen „l“. Im Laufe der Zeit neigte sich die Schlaufe immer weiter nach rechts, wodurch es für ein „e“ verkannt werden konnte.

rahmenlos|links M: Der Großbuchstabe weist große Ähnlichkeit zum heutigen auf. Auch das kleine „m“ entspricht vollkommen seinem jetzigen Äquivalent.

rahmenlos|links N: Hier gilt das Gleiche wie beim „M“. Eine Ausnahme gibt es aber: Später entwickelte sich noch eine zweite Schreibart dieses Buchstabens. Sie sah aus wie ein großes „H“, dessen rechte, senkrechte Linie in einer leicht geschwungenen Unterlänge endete.

rahmenlos|links O: Der Großbuchstabe unterscheidet sich nicht von seiner jetzigen Form. Beim kleinen „o“ kam es jedoch häufiger vor, dass das „o“ nach oben nicht geschlossen wurde.

rahmenlos|links P: Das große sowie das kleine „P“ waren sich sehr ähnlich. In der Anfangszeit der escritura cortesana wiesen sie noch große Gemeinsamkeiten zu ihren heutigen Entsprechungen auf. Später blieb der Kopf des „P“s nach oben hin geöffnet, wodurch es einem Gamma (γ) ähnelte.

rahmenlos|links Q: Das große „Q“ sah genauso aus wie das heutige, allerdings war der den Kreis kreuzende Strich etwas länger. Hohe Übereinstimmung mit der heutigen Variante wies ebenso das kleine „q“ auf. Es kam vor, dass die Unterlänge in einem Bogen nach links verlängert wurde.

rahmenlos|links R: Vier primäre Schreibarten bildete dieser Buchstabe aus: Stand ein „R“ am Beginn des Wortes, dann wurde es zu einem doppelten „R“ gemacht. Dafür verwendete man ein nicht mehr gebräuchliches Zeichen, das vage an eine Kreuzung aus V und R erinnert. Ansonsten konnte es als typisches „r“ oder ähnlich einem „z“ geschrieben werden. Die vierte Form wird auch als martillo (= span. für „Hammer“) bezeichnet. Der Name leitet sich von der an einen Hammer erinnernden Schreibweise ab.

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