Democraten 66 (abgekürzt D66, bis 1985 D'66; ausgesprochen bzw. ) ist eine sozialliberale progressive Partei in den Niederlanden. Sie wurde 1966 gegründet, um das etablierte Parteiensystem aufzubrechen, und ist seit 1967 in wechselnder Stärke im Parlament vertreten. Sie ist seit Februar 2026 an der niederländischen Regierung beteiligt und war dies zuvor schon in den Jahren 1973–1977, 1981–1982, 1994–2002, 2003–2006 und 2017–2024. Bei der Parlamentswahl 2025 wurde sie mit 16,9 % erstmals in ihrer Geschichte stärkste Partei. Seit Februar 2026 stellt sie mit Rob Jetten erstmals den niederländischen Ministerpräsidenten.

Bekannte politische Anführer der frühen Jahre waren der Journalist Hans van Mierlo und der Kinderbuchautor Jan Terlouw. Von 2006 bis 2018 übernahm der Kunsthistoriker Alexander Pechtold den Fraktionsvorsitz; er wurde von Rob Jetten und dieser 2021 von Sigrid Kaag abgelöst. Nach Kaags Rückzug aus der nationalen Politik 2023 ist wiederum Jetten der Frontmann der Partei. Die Jugendorganisation trägt den Namen Jonge Democraten (JD).

Geschichte Gründung und Zielsetzung in den 1960er-Jahren mini|Februar 1967: die erste Fraktion von D66 im niederländischen Parlament. In der ersten Reihe (v. l. n. r.) Minne Dijkstra, Sef Imkamp und Anneke Goudsmit. Hans van Mierlo in der zweiten Reihe rechts. D66 wurde am 14. Oktober 1966 von einer Gruppe Intellektueller gegründet, als deren wichtigste Person sich bald der Journalist Hans van Mierlo herauskristallisierte, der zweimal als Parteiführer fungierte und auch verschiedene Staatsämter innehatte.

Obwohl die Partei heute weitgehend als sozialliberal eingeordnet wird, entspricht dies nicht ihrem ursprünglichen Selbstbild. D66 war zunächst angetreten, um eine vernünftige Alternative (redelijk alternatief) zu den etablierten politischen Strukturen der Niederlande anzubieten, mehr Transparenz in die öffentliche Diskussion zu bringen und ein höheres Maß an direkter Demokratie zu verwirklichen. Dazu gehörte unter anderem die Forderung nach der Direktwahl von Bürgermeistern und des Ministerpräsidenten sowie die später aufgegebene Idee, das Parteiensystem zu sprengen und eine neue, große „progressive“ Volkspartei zustande zu bringen.

Zunächst wurde also nicht die Gründung einer gewöhnlichen Partei angestrebt. In einer offenen Diskussion sollten unter möglichst breiter Beteiligung der Öffentlichkeit Programm und Organisationsform entwickelt werden. Vorgezogene Neuwahlen verkürzten 1967 diesen Prozess und führten dazu, dass sich D66 früher als geplant an den herkömmlichen politischen Spielregeln orientierte.

Trotz einer Vorlaufzeit von nur wenigen Monaten erzielte D66 bei der Parlamentswahl 1967 auf Anhieb 4,5 Prozent der Stimmen und konnte sieben Abgeordnete in die Zweite Kammer entsenden. Seit diesem Anfangserfolg sind die Democraten kontinuierlich – wenn auch in sehr unterschiedlicher Stärke – im niederländischen Parlament vertreten.

Linke Regierungsbeteiligung in den 1970er-Jahren mini|D66-Minister für Wohnungsbau, Hans Gruijters, auf dem Parteitag im März 1974 in Tiel Die Democraten schlossen sich im Vorfeld der Wahl 1971 dem Progressief Akkoord an, einem Bündnis mit der sozialdemokratischen PvdA und der kurz zuvor gegründeten (christlich-linken) PPR. Dieses Bündnis ging mit der erklärten Absicht in den Wahlkampf, die bis dahin dominierende Rolle der traditionellen drei christlichen Parteien zurückzudrängen. D66 konnte ihren Stimmanteil zwar auf 6,8 Prozent ausbauen und elf Mandate erringen; ihr Wahlbündnis blieb aber weit von der Mehrheit entfernt. Aber auch das nach der Wahl gebildete, christlich geführte Minderheitskabinett scheiterte bald.

Bereits im Jahr 1972 kam es daher erneut zum Urnengang, der schließlich 1973 zur Bildung des Kabinetts den Uyl (PvdA) führte. An dieser ersten mehrheitlich links orientierten Regierung beteiligten sich auch die D66, die bei den Wahlen allerdings mit einem Ergebnis von 4,2 Prozent und sechs Sitzen wieder einen Rückschlag erlitten hatten. Die Regierungsbeteiligung schien der Partei nicht gut zu bekommen: die Umfragewerte sanken und in den eigenen Reihen (die sich lichteten) wurde die Forderung nach Selbstauflösung laut, weil viele D66 an einem Punkt angekommen sahen, der den Ausgangszielen widersprach.

Auf und ab unter wechselnder Führung hochkant|mini|Spitzenkandidat Jan Terlouw 1982 Van Mierlo gab die Parteiführung 1974 ab; unter seinem Nachfolger Jan Terlouw kam es zu einer Neuorientierung, die unter anderem zu einer stärkeren Distanzierung von der PvdA führte. Es gelang D66 in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre vergleichsweise gut, Forderungen der Neuen Sozialen Bewegungen (wie der Umwelt- und Friedensbewegung) aufzunehmen. Das zahlte sich in den nächsten Wahlen aus: 1977 konnte D66 ihr Resultat mit 5,4 Prozent der Stimmen und acht Mandaten wieder leicht verbessern. Bei der ersten Direktwahl des Europäischen Parlaments erhielten die Democraten 9 Prozent der Stimmen und stellten zwei der 25 niederländischen Abgeordneten. Die Parlamentswahl des Jahres 1981 bescherte ihnen das damalige Rekordergebnis von 11,1 Prozent, wodurch sie die Zahl ihrer Abgeordneten auf 17 steigern konnten. Aufgrund des guten Ergebnisses wurde D66 in die Bildung einer großen Koalition aus PvdA und CDA einbezogen und stellte drei der 15 Minister; Jan Terlouw wurde einer der beiden stellvertretenden Ministerpräsidenten.

Als diese Koalition bereits nach einem Jahr wieder auseinanderbrach, bildete der CDA mit den Democraten eine Minderheitsregierung bis zu den Neuwahlen im Herbst 1982. Dies wurde von ihren Wählern nicht honoriert: D66 fiel auf einen Stimmanteil von 4,3 Prozent zurück und verfügte nur noch über sechs Abgeordnete. Obwohl sie nun wieder Oppositionsarbeit leistete, sanken ihre Werte in den folgenden Jahren weiter ab. Bei der Europawahl des Jahres 1984 schied sie aus dem Parlament aus.

mini|hochkant|Hans van Mierlo bei einer Parteitagsrede 1985 In dieser kritischen Situation übernahm noch einmal ihr Mitbegründer Hans van Mierlo die Spitzenkandidatur für den Wahlkampf des Jahres 1986. Mit einem Ergebnis von 6,1 Prozent (neun Sitze) wurde der Abwärtstrend gestoppt. Erneut in der Opposition arbeitend konnten die Democraten bei den Wahlen des Jahres 1989 ihre Position weiter ausbauen: 7,9 Prozent der Stimmen bescherten ihnen nun wieder ein Dutzend Abgeordnete.

„Lila“ Koalition 1994–2002 Die 1990er-Jahre brachten den zunächst weiterhin oppositionellen Democraten ihre bisher besten Wahlergebnisse und ihre längste Beteiligung an einer Regierung. Bei der Parlamentswahl 1994 erhielt die Partei 15,5 Prozent der Stimmen und 24 Sitze. Zum ersten Mal in der Geschichte der Niederlande kam es zur Bildung eines Kabinetts ohne konfessionelle Partei. Die „lila“ Koalition (Mischfarbe aus dem Rot der Sozialdemokraten und dem Blau der Liberalen) bestand aus der PvdA und den beiden liberalen Parteien D66 und VVD unter Ministerpräsident Wim Kok. Im Kabinett stellte D66 vier Minister, van Mierlo wurde Außenminister und stellvertretender Ministerpräsident.

Bei der Wahl 1998 wurde die Koalition gestärkt, was aber nur den beiden anderen Partnern zugutekam: Die Democraten fielen auf neun Prozent der Stimmen zurück und verloren zehn Sitze. Rechnerisch wurden sie nicht mehr für die Mehrheitsbildung benötigt, sie bildeten jedoch weiterhin das Scharnier zwischen Sozialdemokraten und Rechtsliberalen. Sie konnten nur noch drei Ministerposten besetzen; die Spitzenkandidatin Els Borst-Eilers fungierte nun als stellvertretende Ministerpräsidentin und behielt das Ressort Sport und Gesundheit.

Im Mai 1999 kam es zu einer Koalitionskrise, als eine vor allem von D66 angestrebte Verfassungsänderung zur Einführung eines „korrektiven“ Referendums in der Ersten Kammer scheiterte. Einen Teil der mit dem Parteiensystem unzufriedenen Wähler verloren die Democraten bereits in dieser Phase an das erstarkende Bündnis Groen Links, in dem sich linke Christen (EVP und PPR), pazifistische Sozialisten und Altkommunisten wiederfanden.

Schwere Verluste 2003–2006 In der Wahl 2002 büßten alle drei Regierungsparteien massiv Stimmen ein. D66 fiel auf 5,1 Prozent und sieben Mandate zurück, während die rechtspopulistische Protestpartei Lijst Pim Fortuyn (LPF) aus dem Stand heraus sensationelle 17 Prozent erhielt (sie wurde mit 26 Mandaten zweitstärkste Fraktion). Die Christdemokraten erholten sich wieder und wurden stärkste Kraft. Ihr politischer Führer Jan Peter Balkenende bildete eine Koalition mit rechtsliberaler VVD und der LPF. Bereits ein Jahr später, 2003, wurden Neuwahlen erforderlich, weil Balkenende die LPF nicht länger als regierungsfähig ansah.

Während die LPF etwa zwei Drittel ihrer Wähler verlor, konnte die PvdA die deutlichsten Zugewinne verzeichnen. Stärkste Kraft blieb jedoch der CDA, somit konnte auch Balkenende im Amt bleiben. Er stützte sich nun im Parlament auf eine knappe Mehrheit aus CDA, VVD und D66. Ein Bruch dieser Koalition drohte im Frühjahr 2005, als die besonders auf Betreiben von D66 ins Auge gefasste Direktwahl der Bürgermeister an einer sozialdemokratischen Sperrminorität in der Ersten Kammer scheiterte. Thom de Graaf, D66-Minister für bestuurlijke vernieuwing (etwa: „Staatserneuerung“ oder „Reform der Exekutive“), legte sein Amt nieder und plädierte für einen Austritt seiner Partei aus der Koalition.

Die drei Parteien einigten sich im Paasakkoord („Osterabkommen“) jedoch auf weitere Reformschritte, und ein Sonderparteitag von D66 am 2. April 2005 in Den Haag, der von etwa 2.700 Mitgliedern besucht wurde, sprach sich mit deutlicher Mehrheit für eine Fortsetzung der Koalition aus. Das schlechte Abschneiden der Democraten bei der Kommunalwahl im März 2006, wo sie 2,6 Prozent der Stimmen erhielten und fast die Hälfte ihrer Mandate einbüßten, löste eine erneute Diskussion über den Verbleib in der Regierungskoalition aus. Auf dem Parteitag am 13. Mai 2006 in Zutphen erhielt der Antrag, die Koalition aufzukündigen, wiederum keine Mehrheit. Die Auflösung der Partei, über die im Vorfeld ebenfalls diskutiert wurde, stand nicht auf der Tagesordnung; allerdings gründete eine kleine Gruppe enttäuschter Mitglieder eine neue Organisation mit dem Namen DeZES. Im Juni 2006 wählten die Mitglieder der Partei Alexander Pechtold, der als Nachfolger von Thom de Graaf seit Ende März 2005 Mitglied der Regierung war, zum Spitzenkandidaten für die kommende Parlamentswahl. Er setzte sich dabei knapp gegen die Mitbewerberin Lousewies van der Laan durch, die zu der Zeit als D66-Fraktionsvorsitzende in der Zweiten Kammer fungierte.

Kurz darauf sorgte D66 dafür, dass eher als erwartet ein neues Parlament gewählt werden musste – weil sie nun doch die Regierungskoalition verließ. Sie stimmte mit der linken Opposition für einen Misstrauensantrag gegen Integrationsministerin Rita Verdonk (VVD), die im Zusammenhang mit der umstrittenen Ausbürgerung von Ayaan Hirsi Ali kritisiert wurde. Dieser Antrag wurde jedoch durch eine parlamentarische Mehrheit aus CDA, VVD und kleineren Rechtsparteien abgelehnt. Da Regierungschef Balkenende daraufhin an Verdonk festhielt, erklärten die Minister von D66 ihrerseits ihren Rücktritt und lösten eine Regierungskrise aus, die zu vorgezogenen Wahlen am 22. November führte.

Auf ihrem Herbstkongress am 7. Oktober feierte D66 ihr 40-jähriges Bestehen – dies allerdings vor dem Hintergrund ausgesprochen schlechter Umfrageergebnisse. Bei der Wahl am 22. November 2006 verloren sie abermals Wähler; mit lediglich zwei Prozent der Stimmen fielen sie auf den achten Platz zurück. Den Vorsitz der nur noch dreiköpfigen Fraktion übernahm Alexander Pechthold.