Das Team Stronach für Österreich (Kurzform Team Stronach) war eine populistischeStijnvan Kessel: Populist Parties in Europe. Agents of Discontent? Palgrave Macmillan, Basingstoke (Hampshire)/New York 2015, S. 35, 71. politische Partei, die im September 2012 von dem Industriellen Frank Stronach gegründet wurde und durch Übertritte von Abgeordneten aus anderen Parteien sofort im Nationalrat vertreten war. Nach Wahlen im Frühjahr 2013 zog sie in drei Landtage und drei Landesregierungen in Österreich ein. Bei den Nationalratswahlen 2013 erreichte sie 5,7 % der Stimmen und erhielt damit elf Mandate. Sitz der Partei war Wien.

Am 27. Juni 2017 gab die Partei ihren Verzicht auf eine erneute Teilnahme bei der Nationalratswahl 2017 sowie ihre Selbstauflösung zum Jahresende bekannt.

Programm Ihr erstes ausführliches Parteiprogramm präsentierte die Partei im April 2013.Sieben Monate danach: Stronach hat ein Parteiprogramm, DiePresse.com, 9. April 2013. Abgerufen am 9. April 2013. Zunächst war bei der Gründung ein 30 Seiten starkes „Grundsatzprogramm“ veröffentlicht worden, in dem unter anderem eine Verwaltungsreform gefordert wurde, die den „Abbau von Doppelgleisigkeiten“ sowie eine einfachere Struktur der öffentlichen Verwaltung insgesamt zum Ziel haben soll. So sollten etwa die derzeit 21 österreichischen Sozialversicherungen und Krankenkassen zusammengelegt werden. Im Bereich der Landesverteidigung sollte das jetzige Prinzip der Wehrpflicht durch das eines Berufsheeres mit jeweils zwei Jahre dienenden Zeitsoldaten ersetzt, der Zivildienst als zweijähriger Freiwilligendienst beibehalten werden. Der Euro in seiner heutigen Form sollte demnach durch ein System untereinander frei konvertierbarer „Nationaleuros“ ersetzt werden. In Bezug auf das Steuersystem wurde die Einführung einer Flat Tax („Fair tax“ genannt) gefordert, deren Steuersatz dann binnen fünf Jahren auf 25 % gesenkt werden könnte. Der Staatshaushalt sollte ausgeglichen gestaltet werden, neue Schulden wurden abgelehnt. Im Bereich Justiz wurde die Wiedereinführung der 2008 abgeschafften Untersuchungsrichter gefordert. Auch sollten allgemeine Studiengebühren (wieder) eingeführt werden, deren Höhe sich nach der Nachfrage der Wirtschaft richten sollte.Die Eckpunkte von Stronachs Grundsatzprogramm, DiePresse.com, 27. September 2012. Abgerufen am 28. September 2012.

Geschichte

Im August 2012 gab Stronach nach längeren Spekulationen bekannt, eine Partei gründen zu wollen, die bei der Nationalratswahl 2013 mit ihm als Spitzenkandidaten antreten soll. In den folgenden Wochen schlossen sich ihm die vier Abgeordneten zum Nationalrat Gerhard Köfer (SPÖ), Erich Tadler, Robert Lugar (beide parteilos, ehemals BZÖ) und Elisabeth Kaufmann-Bruckberger (BZÖ) sowie mehrere ehemalige Politiker an. Die Abgeordneten waren zunächst fraktionslos, da sich zur Gründung eines Parlamentsklubs fünf Abgeordnete „derselben wahlwerbenden Gruppe“ zusammenschließen müssen. In zahlreichen Meinungsumfragen wurde der Partei bereits vor ihrer Gründung der Einzug in den Nationalrat im Jahr 2013 prognostiziert.Stronach für fast jeden Dritten wählbar, Kurier Online, 8. September 2012. Abgerufen am 25. September 2012. Am 25. September erlangte Team Stronach durch Hinterlegung der Parteistatuten offiziell Rechtspersönlichkeit. Zwei Tage später wurden ein „Grundsatzprogramm“ (siehe oben), das Team und ein Logo präsentiert.Österreich hat jetzt ganz offiziell eine Stronach-Partei, DiePresse.com, 25. September 2012. Abgerufen am 25. September 2012. Im Oktober 2012 wechselten auch die BZÖ-Abgeordneten Christoph Hagen und Stefan Markowitz zum Team. Mit Markowitz trat der fünfte auf der BZÖ-Liste gewählte Abgeordnete ins Team Stronach über, woraufhin die Partei bekannt gab, den Klubstatus beantragen zu wollen. Dieser wurde ihr in der Nationalratssitzung des 8. November rückwirkend zum 30. Oktober 2012 gewährt.Team Stronach als Klub anerkannt, DiePresse.com, 8. November 2012. Abgerufen am 14. November 2012 Im März 2013 wurde bekannt, dass auch Martina Schenk (BZÖ) zum TS wechselt. Elisabeth Kaufmann-Bruckberger und Gerhard Köfer legten dagegen mit ihrer Berufung in die niederösterreichische bzw. Kärntner Landesregierung ihre Mandate zurück, wodurch die Partei ab April 2013 wieder über genau fünf Mandate im Nationalrat verfügte.

Bei der Nationalratswahl am 29. September 2013 erreichte das Team Stronach 5,7 % der Wählerstimmen und zog mit 11 Mandataren in den Nationalrat ein. Das Ergebnis blieb deutlich unter den eigenen Erwartungen. Medial wurde das vor allem auf die Fernsehauftritte von Frank Stronach zurückgeführt. Unter anderem sorgte das Eintreten für die Wiedereinführung der Todesstrafe für Berufskiller für Aufregung.derStandard.at - Stronach will Todesstrafe für Berufskiller. Artikel vom 4. September 2013, abgerufen am 22. November 2014. Über das Ergebnis enttäuscht, kündigte Stronach im Oktober 2013 seinen Rückzug aus der Politik an. Stronach legte Ende Jänner 2014 sein Nationalratsmandat zurück, es ging auf den Burgenländer Rouven Ertlschweiger über. Stronach hatte lediglich an zwei Sitzungen des Nationalrates teilgenommen.

Ende November 2014 lag das Team Stronach bei bundesweiten Wahlumfragen bei einem Prozent.Faymann und die SPÖ vor Parteitag im Umfrage-Tief auf https://derstandard.at/, 23. November 2014; abgerufen am 25. November 2014

Im Juni 2015 wechselten die zwei Abgeordneten im Nationalrat Marcus Franz und Georg Vetter zur ÖVP. Im August 2015 wechselten zwei weitere Nationalratsabgeordnete, Kathrin Nachbaur und Rouven Ertlschweiger, vom Team Stronach in den ÖVP-Klub. Die Abgeordnete Jessi Lintl verließ ebenfalls im August 2015 das Team Stronach, blieb aber erst als fraktionslose Abgeordnete im Nationalrat um kurze Zeit später zur FPÖ zu wechseln.derstandard.at - FPÖ-Klub nimmt Ex-Stronacherin Lintl auf Artikel vom 23. Dezember 2015, abgerufen am 30. Dezember 2015.

Am 3. Juni 2016 gab Frank Stronach bekannt, aus Altersgründen bei der nächsten Nationalratswahl nicht mehr antreten zu wollen. Auch sein Name würde bei dieser Wahl nicht mehr vorkommen. Als Obmann stände er aber bis zur Wahl weiterhin zur Verfügung. Klubobmann Robert Lugar kündigte an, dass die Partei unter neuen Namen bei den nächsten Nationalratswahlen antreten würde. Ende Juni 2017 gab der Parlamentsklub des Team Stronach jedoch bekannt, bei der Nationalratswahl im Oktober 2017 nicht mehr zu kandidieren.derStandard.at: Team Stronach kandidiert bei Nationalratswahl nicht mehr. Artikel vom 27. Juni 2017, abgerufen am 27. Juni 2017. Die Partei sollte zum Jahresende 2017 aufgelöst werden.Auch keine Umbenennung. ORF, 27. Juni 2017, abgerufen am selben Tage. Anfang August 2017 traten Klubobmann Robert Lugar und die Abgeordnete Martina Schenk aus dem Team Stronach aus, womit die Partei nur noch über vier Abgeordnete verfügte und damit den Klubstatus im Parlament verlor.derStandard.at: Lugar und Schenk treten aus, Team Stronach verliert Klubstatus. Artikel vom 9. August 2017, abgerufen am 13. August 2017. Schenk wechselte unmittelbar zur Freien Liste Österreich (FLÖ), Lugar wurde nur zwei Tage nach seinem Austritt aus dem Team Stronach von Heinz-Christian Strache als Kandidat für die FPÖ-Bundesliste für die Nationalratswahl 2017 präsentiert.derStandard.at: Strache präsentiert FPÖ-Bundesliste mit Lugar auf Platz acht. Artikel vom 11. August 2017, abgerufen am 13. August 2017. Dies erregte einiges Aufsehen, hatte Strache Lugar doch 2012 mit einem "Einmal Verräter, immer Verräter" abgestempelt, nachdem dieser als ehemaliger FPÖ-Funktionär mit seinem Wechsel zum Team Stronach zum wiederholten Male die Partei gewechselt hatte.derStandard.at: Politische Überläufer: Von der Liebe zum Verrat. Artikel vom 13. August 2017, abgerufen am 13. August 2017.

Im September 2021 kaufte das Satireportal Die Tagespresse die nicht mehr verlängerte Domain des Team Stronach für einen Streich.In zwei Stunden Arbeitszeit eine Kampagne gefaked: So inhaltsleer ist die Politik heute, Die Tagespresse, abgerufen am 10. Oktober 2021.

Wahlen Landtagswahlen 2013

Bei den Landtagswahlen in Kärnten und Niederösterreich am 3. März 2013 stand die Partei erstmals zur Wahl. Als Spitzenkandidaten fungierten in Kärnten Gerhard Köfer und in Niederösterreich Frank Stronach selbst. In Kärnten erreichte sie dabei 11,3 % der Stimmen und somit vier Sitze im Kärntner Landtag und einen in der (mittels Proporz gebildeten) Landesregierung, in Niederösterreich 9,8 %, fünf Sitze im Niederösterreichischen Landtag sowie ebenfalls einen in der Landesregierung.Nach Kärnten-Wahl: FPK vor UmbauRot siegt, Blau zerbröselt, kurier.at, 4. März 2013. Abgerufen am 4. März 2013. Bei der Landtagswahl in Tirol am 28. April, bei der Hans-Peter Mayr Spitzenkandidat war, erreichte sie 3,4 % und verpasste damit den Einzug in den Landtag. Bei den Salzburger Landtagswahlen am 5. Mai bekam das Team mit Spitzenkandidat Hans Mayr 8,3 % der Stimmen, was drei Mandaten im Salzburger Landtag entspricht.

Nationalratswahl 2013

Das Team Stronach trat auch bei der Nationalratswahl 2013 an. Während es in den Umfragen zur Nationalratswahl bis zum Sommer 2013 kontinuierlich zwischen 8 und 12 % gelegen war, blieb es bei der Wahl am 29. September 2013 mit 5,7 % und 11 Mandaten deutlich unter den eigenen Erwartungen. Medial wurde das vor allem auf die Fernsehauftritte von Frank Stronach zurückgeführt, der sich dabei zerstreut und auch in wesentlichen Punkten ahnungslos zeigte. Die Vier-Prozent-Hürde wurde aber dennoch übersprungen und die Partei zog somit in den Nationalrat ein.

Die Wahlkampfkosten des Team Stronach betrugen rund 13,5 Mio. Euro, erlaubt waren sieben Millionen Euro. Für die Überschreitung drohte dem Team Stronach eine Strafe von bis zu 1,1 Mio. Euro.derStandard.at - Team Stronach droht Millionenstrafe wegen Wahlkampf 2013. Artikel vom 19. Oktober 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014. Bei 268.679 Wählern entspricht das 50,2 Euro pro Stimme, das Team Stronach gab somit pro Stimme um rund 40 Euro mehr aus als alle anderen wahlwerbenden Parteien, deren Kosten zwischen 5,8 und 10,7 Euro pro Stimme betrugen.derStandard.at - Wahlkampfkosten: Team Stronach gab 50 Euro pro Stimme aus. Artikel vom 28. Oktober 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014. Auch ÖVP und SPÖ überzogen die Wahlkampfkosten, die ÖVP um vier Millionen Euro, die SPÖ um 326.000 Euro.derStandard.at - ÖVP überzog Kosten-Limit um vier Millionen Euro. Artikel vom 27. Oktober 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014.

Wahlen 2014 Bei den Salzburger Gemeinderatswahlen 2014 trat das Team Stronach in fünf Gemeinden an, wobei es auf den Wahlzetteln nach dem Muster Team *Gemeindename* zu finden war. In Seekirchen trat es unter der Bezeichnung Freie Wähler Seekirchen an und schaffte mit 11 Prozent und drei Kandidaten den Einzug in den Gemeinderat.

Im April 2014 kündigte das Team Stronach an, bei der Wahl zum Europäischen Parlament im Mai 2014 sowie bei den Landtagswahlen in Vorarlberg im Herbst 2014 nicht anzutreten.Nachbaur: „Die Neos sind ein moderner Männerklub.“ Der Standard, 8. April 2014, abgerufen am 9. April 2014.Team Stronach tritt bei Landtagswahl nicht an. orf.at, 9. April 2014, abgerufen am 9. April 2014.

Wahlen 2015 Am 17. Dezember 2014 kündigte das Team Stronach an, bei der Gemeinderatswahl in Niederösterreich am 25. Jänner 2015 in keiner der 570 Gemeinden anzutreten.derStandard.at - Niederösterreich: Team Stronach tritt nicht bei Gemeinderatswahl an. Artikel vom 17. Dezember 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014. Bei den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2015 kandidierte das Team Stronach in fünf Gemeinden als eigenständige Liste und in drei weiteren Gemeinden in Kooperation mit Namenslisten.