mini|hochkant=1.3|Pleasureground, Blick vom Lennéhügel zum Jungfernsee mini|Johannitertor von Südwest

Der Park Klein-Glienicke, umgangssprachlich Glienicker Park genannt, ist ein öffentlich zugänglicher englischer Landschaftsgarten, der im äußersten Südwesten Berlins im Ortsteil Wannsee des Bezirks Steglitz-Zehlendorf liegt. Er ist Teil des UNESCO-Welterbes Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin (Potsdamer Kulturlandschaft). Innerhalb derer gehört er neben Sanssouci, dem Neuen Garten, der Pfaueninsel und dem Park Babelsberg zu den fünf Stammparks.

Die etwa 116 haBerlin Handbuch: Das Lexikon der Bundeshauptstadt, Berlin: FAB, 1993, S. 653. Dies scheint nur den Park nördlich der Chaussee zu betreffen, so dass im 21. Jh. noch Böttcherbergpark und Jagdschlossgarten hinzugezählt werden müssen, vor 1920 Schweizerhauspartie und Restauration (s. u.) addiert werden können. umfassende Anlage wurde als Potsdamer Sommersitz des Prinzen Carl von Preußen im 19. Jahrhundert gestaltet und ergänzte dessen Hauptresidenz, das Palais Prinz Carl am Berliner Wilhelmplatz. Gestalterischer Mittelpunkt ist die Schloss Glienicke genannte prinzliche Villa im Süden des Parks, heute als Museum zugänglich. Schloss, Nebengebäude und Pleasureground gehören zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Der eigentliche Park untersteht dem bezirklichen Grünflächenamt Steglitz-Zehlendorf und der Böttcherbergpark der Berliner Landesforstverwaltung.

Benennung mini|Der Park Klein-Glienicke ist Teil der Berlin-Potsdamer-Schlossparklandschaft. Die Anlage bildet zusammen mit Park Babelsberg, Sacrow und der Pfaueninsel den östlichen Abschluss des Ensembles.

Die offizielle historische Bezeichnung war ab 1824 Park des Prinzen Carl von Preußen, bzw. ab 1885 Park des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen. Erst im 20. Jahrhundert bürgerten sich die geografischen Begriffe ein. Die heute oft als demokratisch missverstandene Benennung Volkspark Glienicke stammt aus diktatorischer Zeit. Nachdem die Stadt Berlin den Park 1934 erworben hatte, sollte der programmatische Name verdeutlichen, dass die nationalsozialistische Politik der Stadt den Park geschenkt hatte. Da es sich beim Schloss Glienicke nicht um eine fürstliche Residenz handelte, ist die Gesamtanlage auch nicht als Schlosspark zu bezeichnen.

Vorgeschichte mini|Karte des Jagdschlosses Glienicke, Norden rechts (Samuel de Suchodolec, 1683)

Das kirch- und kruglose Dorf Klein-Glienicke, 1375Die Baudaten fast sämtlich nach Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 1994. Die weiteren Angaben in Johannes Sievers: Bauten für den Prinzen Karl von Preußen (Karl Friedrich Schinkel Lebenswerk). Deutscher Kunstverlag, Berlin 1942. erstmals urkundlich im Landbuch Kaiser Karls IV. erwähnt, war im Westen des Glienickschen Werders an der Landenge zwischen Griebnitzsee und Glienicker Lake angelegt worden. Infolge des Dreißigjährigen Krieges wurde das Dorf wüst. Nur mühsam gelang in späteren Jahrzehnten eine Neubesiedelung mit Kolonisten.Bei Rudolf Bergau: Inventar der Bau- und Kunst-Denkmäler in der Provinz Brandenburg im Auftrage des Brandenburgischen Provinzial-Landtages. Voss, Berlin 1885, S. 378. ist die Besitzerfolge detailliert geschildert: „Glienicke, Klein- (1375 Glinick, 1478 Glineke, 1624 Glienike), Dorf, 3 km nordöstlich von Potsdam, an der Havel; zum Potsdamer Domänenamt gehörig. Im Jahre 1375 war G. »seit unvordenklichen Zeiten« in Besitz des Mukem – später kam G. an die Familie Schonow; nach deren Aussterben wurde es dem Hans v. Schlaberndorf zu Leh[e]n gegeben; seine Nachkommen zogen sämtliche Besitzungen daselbst an sich, so daß im Jahre 1651 weder ein Bauer noch Kossäth daselbst vorhanden war. Später, nach 1678, erwarb es der Kurfürst Friedrich Wilhelm, welcher daselbst ein Jagdschloß mit Garten anlegte. Unter König Friedrich Wilhelm I. wurde das Schloß zum Militärlazarett, 1758 zu einer Tapetenfabrik eingerichtet und 1827 die von v. Türk gestiftete Waisen-Erziehungsanstalt in demselben untergebracht. Zu dem Terrain des kurfürstlichen Jagdschlosses [S. 379] gehörte auch die nördliche Spitze des Stolper Werders, wo ein Baumgarten und Weinberg bestand, welcher nach dem Tode Königs Friedrich I. verfiel. 1738 wurde ein Teil desselben an einen Fabrikanten verkauft; 1747 kaufte der Lazarettarzt Dr. Mirow den Baumgarten nebst Weinberg und erbaute sich daselbst ein stattliches Wohnhaus. Nach dem siebenjährigen Kriege verkaufte er diese Besitzung an den General v. Möllendorf. Nach diesem besaß dieselbe der Lieutenant Schlott und 1788 der Lieutenant v. Hein. [Ab] 1789 wurde die Berlin-Potsdamer Chaussee durch G. gelegt. 1796 erwarb der Oberstallmeister Graf Lindenau die ehemals Mirowsche Besitzung, und vergrößerte und verschönerte sie beständig. Er baute daselbst ein Billardhaus mit Kegelbahn (das jetzige Kasino), eine Orangerie und die »Neugierde«, auch einen Pferdestall. 1804 kaufte er den Böttcherberg. Während des Krieges zog er auf seine Besitzungen in der Neumark und vermietete Glienicke an den Baron, nachmaligen Staatskanzler Fürsten Hardenberg, welcher jedoch dem folgenden Besitzer, Kaufmann Rosentreter, weichen mußte. Der Aufenthalt in G. hatte Hardenberg so wohl gefallen, daß er 1814 Schloß und Park G. kaufte. Es folgte eine Zeit beständiger Verschönerungen. […]

Neben der unbewohnten Dorfstelle wurde 1682 unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm ein Jagdschloss erbaut. Es bestand aus einem einfachen kubischen Wohnbau und zwei seitlichen Wirtschaftsgebäuden, die einen bescheidenen Ehrenhof bildeten. Ein Garten wurde als Rechteck inmitten sumpfiger Schwemmgebiete der Havel angelegt und mit vier Karpfenteichen versehen.

mini|links|Zweite hölzerne Glienicker Brücke und Jagdschloss Glienicke (Johann Friedrich Nagel, 1788)

Die Dorfstelle wurde umstrukturiert, indem eine vierreihige, vom Schloss auf den Griebnitzsee zielende Landschaftsallee angelegt wurde. Sie wurde nördlich von einem neu ausgehobenen Kanal flankiert, der Griebnitzsee und Glienicker Lake schiffbar miteinander verband und die alte Mündung der Teltower Bäke ersetzte. Zugehörig war damals das Gebiet des heutigen Babelsberger Parks als umfriedeter Wildpark. Im Norden lagen ein Baumgarten, ein alter Weinberg (heute Böttcherbergpark) und ein neuer Weinberg, wie dies die Karte von Samuel de Suchodolec überliefert.Gabriele Schultheiß-Block (Hrsg.): Das gantze Eyland muß ein Paradies werden. Jagdschloss Glienicke, Ausstellungskatalog, Berlin 1987.

Bereits 1660 war eine erste hölzerne Glienicker Brücke errichtet worden, die aber noch keine direkte Verkehrsverbindung nach Berlin bedeutete, sondern nur nach Potsdam führte, bzw. über Stolpe einen Umweg nach Berlin über die erst später zum Königsweg ausgebaute Wegverbindung ermöglichte.

Unter König Friedrich Wilhelm I., dem so genannten Soldatenkönig, wurde das Jagdschloss 1715 zum Potsdamer Militärlazarett für zu separierende kranke Soldaten umgenutzt. Nördlich des Jagdschlossareals legte sich der Lazarett-Oberaufseher und Arzt Dr. Mirow ein Landgut an. Dieses bestand aus dem 1753 erbauten stattlichen Gutshaus, das umgangssprachlich bereits als Schloss bezeichnet wurde, einem kleinen Billardhaus am Jungfernsee, Wirtschaftsgebäuden, landwirtschaftlichen Nutzflächen sowie einer Ziegel- und Kalkbrennerei.

Durch den Bau der Berlin-Potsdamer Chaussee wurden die beiden Anlagen 1792 räumlich voneinander getrennt. Während das Jagdschloss im Folgenden durch Fehlnutzung zunächst zur Fabrik, dann zum Waisenhaus verkam, entwickelte sich die nördlich gelegene Gutsanlage sukzessive zu einer fürstlichen Parkanlage.

Beginn der Parkgestaltung unter Graf Lindenau mini|Karte der Ornamental Farm Lindenaus, Norden rechts (J. G. Hellwig, 1805)

1796 übernahm der preußische Oberstallmeister Graf Carl von Lindenau für 23.000 Taler die Gutsanlage. Er hatte sich zuvor in Machern bei Leipzig einen überregional bekannt gewordenen Park angelegt und übertrug seine dort gewonnenen Erfahrungen auf Glienicke. Aus den bislang rein landwirtschaftlich genutzten Flächen wuchs eine ferme ornée (ornamental farm), bei der die Äcker und Weiden von 16 unterschiedlichen Alleen und ersten Landschaftsgartenpflanzungen eingefasst wurden.Michael Seiler, Die Entwicklungsgeschichte des Landschaftsgartens Klein-Glienicke 1796–1883, Dissertation Hamburg 1986, S. 22ff.

mini|links|Blick über die Weinhänge vom Platz der späteren Römischen Bank über das Gut Glienicke nach Potsdam (Berger nach Lüdtke, 1796) Lindenau ließ in Glienicke verschiedene Kleinarchitekturen bauen, vermutlich durch Ephraim Wolfgang Glasewald, der dem Oberstallmeister in Machern die Bauten geschaffen hatte. Hervorzuheben ist hierunter der „Gartensalon“ an der Stelle des heutigen Stibadiums, der seitlich von Treibhäusern eingefasst war. Der massive Pavillon wies elegante frühklassizistische Stilformen auf, sein Eingangsportal wurde von zwei Sphinxfiguren flankiert. In der Nähe wurde ein „Neugierde“ genannter Teepavillon an der Chaussee errichtet. Er besaß als besonderen Schmuck eine liegende Sphinx-Figur über dem Eingang. Das Billardhaus Dr. Mirows ließ Lindenau erweitern.

Außerdem entstanden Wirtschaftsgebäude, darunter ein Pferdestall, eine Getreidescheune, ein Gewächshaus, eine Laube, die Eisgrube und eine Schießwand. Die wohl wichtigste Einnahmequelle blieb die Ziegelei und Kalkbrennerei, die sich auf einer vergleichsweise kleinen Fläche von etwa 160 × 120 Metern erstreckte und einen neuen großen Ziegelschuppen erhielt. Aus Machern ließ Lindenau etwa 3000 Gehölze nach Glienicke verbringen.

1802 verkaufte Lindenau Machern und widmete sich in den folgenden Jahren intensiv dem Ausbau der Glienicker Anlagen. Mit der Niederlage Preußens unter den napoleonischen Truppen 1806 und der infolge der französischen Besetzung stagnierenden preußischen Wirtschaft geriet auch Lindenau in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1807 erhielt er zudem den Abschied aus dem Staatsdienst und sah sich genötigt, Glienicke zu verkaufen. Doch der Verkauf von Landgütern erwies sich seinerzeit als nahezu unmöglich. Nachdem sich die Idee, Glienicke in einer Lotterie auszuspielen, als nicht umsetzbar erwiesen hatte, verpachtete Lindenau zeitweise das stattliche Anwesen. Gleichzeitig bereitete er seine Übersiedelung auf sein Gut Büssow (heute Buszów) in der Neumark vor.

Ausgestaltung Glienickes unter Fürst Hardenberg mini|Blick auf Schloss und Gartensalon (A. W. F. Schirmer, 1824)

Ab 1810 mietete der gerade vom König zum Staatskanzler berufene Karl August von Hardenberg das Anwesen. Glienicke wurde damit vom mächtigsten Politiker Preußens und seiner dritten Gemahlin Charlotte bewohnt. Zum Kauf aber konnte sich Hardenberg aufgrund seiner beständigen finanziellen Engpässe nicht entschließen. So musste er Glienicke Ende 1812 wieder räumen, nachdem der Kaufmann Rudolf Rosentreter für 20.000 Taler neuer Eigentümer geworden war.Seiler, Dissertation 1986, S. 44.

mini|links|„Blick auf Potsdam“ vom Schloss über die Neugierde (A. W. F. Schirmer, 1824) Dieser investierte in sein neues Anwesen bedeutende Mittel, so ließ er von Karl Friedrich Schinkel vor der Südfassade des Schlosses einen halbrunden Vorbau errichten und einen Gartensaal einrichten. Rosentreter war der erste, der den mittlerweile als Schöpfer von Schaubildern und Gemälden bekannten Schinkel, der aber noch nicht mit herausragenden Architekturen hervorgetreten war, in Glienicke beschäftigte.