Die Hallesche Kaliwerke Aktiengesellschaft ist ein ehemaliges Kalibergwerk zwischen den Teutschenthaler Ortsteilen Angersdorf und Zscherben, am Stadtrand von Halle. Die Schachtanlage ist untertägig mit dem Grubenfeld des nördlich angrenzenden einstigen Kaliwerkes Gewerkschaft Saale verbunden. In letzterem wurden lediglich Strecken aufgefahren, ohne dass Kali- oder Steinsalz abgebaut wurde. Die Gewerkschaft Saale war im Besitz der Halleschen Kaliwerke Aktiengesellschaft, bergrechtlich jedoch wegen der sogenannten Quotierung selbständig.

Für beide Bergwerke ist auch die ortsübliche, aber inoffizielle Bezeichnung „Schachtanlage bzw. Grubenfeld Angersdorf“ geläufig; heutige sind beide Betriebsabteilungen der GTS Grube Teutschenthal Sicherungs GmbH & Co. KG, die ein Tochterunternehmen der Geiger Unternehmensgruppe ist. Wegen der geringfügigen bergmännischen Auffahrungen im Grubenfeld Saale soll diese Bergwerksanlage im Weiteren zusammen mit der der Halleschen Kaliwerk Aktiengesellschaft abgehandelt werden.

Die Schächte der beiden Bergwerke, Schacht Saale und Schacht Halle, liegen nur 730 m Luftlinie voneinander entfernt.

Geologie mini|links|Lage der Alt-Kalischächte Saale und Halle mini|links|Ansicht der Schachtanlage Saale um 1950

Das Kaliflöz Staßfurt wurde auf eine streichende Entfernung von etwa 1,6 km vollständig aufgeschlossen und erwies sich in allen Teilen als überaus regelmäßig abgelagert bei einer Mächtigkeit bis zu 40 m. Die bauwürdige Lagermächtigkeit des Steinsalzes beträgt ca. 50 m.

Geologisch gesehen befindet sich das Grubenfeld Angersdorf an der Nordostflanke des Teutschenthaler Sattels bzw. am Südflügel der Bennstedt-Nietlebener-Spezialmulde. Auf den sehr nahe beieinander gelegenen Grubenfeldern Teutschenthal und Angersdorf liegen annähernd die gleichen geologischen Verhältnisse vor. Im Grubenfeld Angersdorf bestehen unter Einbeziehung der Kupferschiefer-Erkundungsbohrungen (UT-Bohrungen Teutschenthal 1 und 2) Aufschlüsse vom mittleren bis oberen Perm (Eislebener Schichten bis Schneesalz). Speziell das Schneesalz ist in einem in Richtung NNW gefahrenen Querschlag angefahren worden, dessen Endpunkt nur rd. 12 m unter dem Unteren Buntsandstein liegt.

Geschichte des Unternehmens Die Hallesche Kaliwerke Aktiengesellschaft wurde 1905 gegründet, firmierte ab 1929 als Hallesche Salzwerke AG, übernahm im Jahre 1937 die 1910 gegründete Gewerkschaft Saale sowie die Chemische Fabrik Kalbe GmbH und verlegte ihren Firmensitz nach Calbe. Fortan hieß diese Aktiengesellschaft Hallesche Salzwerke und Chemische Fabrik Kalbe. Noch 1945 wurde der Sitz erneut nach Halle verlegt. 1947 wurde die Aktiengesellschaft ohne Zustimmung der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) enteignet. Es folgte die Überführung des Gesellschaftsvermögens und somit auch der bei Angersdorf gelegenen Schachtanlagen in Volkseigentum. Am 1. Januar 1952 wurden die Halleschen Salzwerke als VEB Hallesche Salzwerke Angersdorf dem Kaliwerk Teutschenthal angegliedert.

Seit dem 12. Mai 1992 gehören die Schachtanlage Angersdorf sowie die benachbarten und untertägig miteinander verbundenen Schachtanlagen Salzmünde und Teutschenthal der Gesellschaft GTS Grube Teutschenthal Sanierungs-GmbH.

Die Such- und Erkundungsarbeiten Im Höffigkeitsgebiet wurden von der „Internationalen Bohrgesellschaft in Erkelenz“ eine größere Anzahl von Tiefbohrungen niedergebracht, von denen die Bohrungen Zscherben I, II, IV und V, Bennstedt II und Holleben II, IV und VI salzfündig wurden. Die Bohrung Zscherben II, welche bei 579,06 m Teufe das Steinsalz erbohrt hatte, wurde weitergeführt und erschloss ein von 712,0 m bis 752,5 m reichendes Carnallitlager; Zscherben I erbohrte Carnallit von 909,5 m bis 957,0 m, Holleben IV erbohrte Hartsalz von 539,0 m bis 544,6 m und Carnallit von 593,17 m bis 594,67 m, Holleben VI erbohrte Carnallit von 593,17 m bis 594,67 m. Die übrigen Bohrungen wurden nur zwecks Feldesverleihung bis zum Steinsalz geführt. Das aufgeschlossene Hartsalzlager ergab einen Durchschnittsgehalt von 19,66 % KCl.

Die geologischen und hydrogeologischen Lagerstättenbedingungen mini|Kalilagerstättenprofil des Grubenfeldes Halle

Die geologischen und hydrogeologischen Lagerstättenbedingungen sind im Wesentlichen die gleichen wie bereits ausführlich im Artikel über das Kaliwerk Teutschenthal beschrieben.

Nach Götze (in Pelzel et al., 1978) liegt die Schachtanlage Angersdorf am SSE-Flügel der Bennstedt-Nietlebener Spezialmulde, an die sich im SE die NE-Flanke des Teutschenthaler Sattels anschließt. Das Einfallen der Lagerstätte schwankt zwischen 7 und 9 Grad. Der Salzspiegel befindet sich rd. 1000 m südlich von Schacht Halle im Bereich der Bohrungen Holleben 1, 2 und 3. Dieser geht in Richtung Osten in einen östlich fallenden Salzhang über, an dem eine tief herabgreifende Salzauslaugung stattfand (die 0T-Bohrung Wörmlitz traf nur noch das Werra-Steinsalz an). Die Ursache dieser Auslaugungserscheinungen ist einmal darin zu sehen, dass die hangenden Glieder des Mesozoikums sich nach Osten heraushoben, unter tertiärer Bedeckung in breiten Streifen ausstreichen und so den Tageswässern eine breite Einzugsmöglichkeit geben.

Zum anderen steht die große Auslaugungstiefe im Zusammenhang mit der faziellen Ausbildung des Zechsteins; während in westlicher Richtung Grauer Salzton und Hauptanhydrit in normaler Ausbildung vorliegt, tritt in östlicher Richtung eine Zunahme der Karbonatfazies (unregelmäßige Schichtenfolge von mergeligen Karbonaten und Anhydriten) auf. Die Gesteine der Karbonatfazies waren stark geklüftet und verursachten eine starke Wasserzirkulation. Nach der Ablaugung der mächtigen Salzlager des oberen Zechsteins entstanden Einsturzbildungen, die durch die überlagernden Schichten wieder so zu Brekzien zusammengepresst wurden, dass sie trockene Gesteine bildeten. Nur in einzelnen Fällen sind diese Gesteine heute Träger von Solen (z. B. OT-Bohrung Wörmlitz, OT-Bohrung Pfännerschaft). Auch für die hydrogeologischen Verhältnisse des Deckgebirges treffen die für die Grube Teutschenthal gemachten Ausführungen zu.

Beim Abteufen des Schachtes Halle waren von Beginn an starke Wasserzuflüsse zu verzeichnen. Die Zuflüsse stammten aus dem Mittleren und Unteren Buntsandstein. Am stärksten waren die Zuflüsse im Teufenabschnitt 130–140 m mit 20 m3/h. Über die Wasserzuflüsse beim Schachtabteufen des Schachtes Saale liegen nur spärliche Aufzeichnungen vor. Für die Teufe von 20 m wird ein Zufluss von 20 l/min angegeben, der mit zunehmender Teufe auf 170 l/min anstieg. Den Aufzeichnungen der 1950er Jahre zufolge schwankten die Zuflüsse infolge undichten Schachtausbaus zwischen 16 und bis zu 30 l/min. Infolge Auswaschungen des im Carnallitit stehenden Füllortes setzte sich dessen Ausmauerung in den Jahren 1949 und 1955. Um weitere Schäden zu vermeiden, leitete man die zusitzenden Wässer in die nördlich vom Schacht befindlichen, tiefergelegenen Strecken. Dabei entstanden hier 5–10 m tiefe, canyonartige Ausspülungen und Spalten sowie größere Unterschrämungen von Strecken.

Die tektonischen Verhältnisse der Lagerstätte werden von ihrer Lage im SE-Teil der Bennstedt-Nietlebener Spezialmulde bestimmt. Größere tektonische Störungen wurden im Bereich des Grubengebäudes und in der näheren Umgebung nicht festgestellt. Lediglich die das Kalilager durchsetzenden Steinsalz- und Kieseritlagen bzw. die die Steinsalzlager durchziehenden Anhydrit- und Tonlagen weisen durch Verfaltungen auf kleintektonische Bewegungen hin.

Die Unternehmensentwicklung beider Werke seit ihrer Gründung bis zum Jahr 1992 Hallesche Kaliwerke Aktiengesellschaft mini|Aktie „Hallesche Salzwerke und Chemische Fabrik Kalbe“ (vom August 1938) Gründung

Die „Hallesche Kaliwerke Aktiengesellschaft“ wurde am 14. November 1905 in Köln gegründet. Gründer waren die Internationale Bohrgesellschaft in Erkelenz, Generaldirektor Anton Raky in Erkelenz, Johann Ohligschläger in Aachen, die Rheinische Bank in Essen-Ruhr, Fa. Wulkow und Cornelsen in Hamburg, Gebrüder Röchling in Saarbrücken, Jean Balthazar in Bonn sowie die Sächsisch-Thüringische Aktiengesellschaft für Braunkohlenverwertung in Halle/Saale.

Die handelsgerichtliche Eintragung der Gesellschaft erfolgte am 14. Februar 1906 und nach Verlegung des Sitzes von Köln nach Schlettau am 18. Juli 1907.

Gerechtsame

Acht vom Oberbergamt Halle verliehene Preußische Normalfelder mit den fündigen Bohrungen Zscherben I und Holleben und der später fündig gewordenen Bohrung Zscherben II in den Gemeinden Schlettau, Beuchlitz, Zscherben, Graunau, Bennstedt und Holleben bei Halle/Saale.

Beteiligungen

Die Gesellschaft besaß die gesamten 1000 Kuxe der Gewerkschaft Saale sowie 975 Gesellschaftsanteile der Chemischen Fabrik Kalbe G.m.b.H.

Grundkapital

Es betrug ursprünglich fünf Millionen Mark. Hiervon wurden zwei Millionen Mark (= 2000 Aktien) den Gründern der Gesellschaft für das Einbringen der Kali-Gerechtsame der Gesellschaft erstattet, und zwar: der Internationalen Bohrgesellschaft 1194 Stück, Johann Ohligschläger 412 Stück, der Rheinischen Bank 218 Stück sowie der Sächsisch-Thüringischen Aktiengesellschaft für Braunkohlenverwertung 176 Stück.

Kapitalerhöhungen

Mit Beschluss der Generalversammlung vom 14. Oktober 1918 durch Ausgabe von nom. 1,4 Millionen Mark neuer Stammaktien, die zum Umtausch gegen Kuxe der Tochtergesellschaft „Gewerkschaft Saale“ verwandt wurden. Weitere Erhöhungen sind aus den Jahren 1920, 1921 und 1922 belegt.

Änderungen der Firmennamen und Eigentumsverhältnisse

1929 firmierte die Gesellschaft um und nannte sich fortan Hallesche Salzwerke Aktiengesellschaft. Sie übernahm 1937 neben der Gewerkschaft „Saale“ auch die Chemische Fabrik Kalbe GmbH und verlegte ihren Firmensitz von Schlettau nach Calbe. Fortan hieß sie Hallesche Salzwerke und Chemische Fabrik Kalbe. Noch vor Ende des Zweiten Weltkrieges, Anfang 1945, verlegte man den Firmensitz nach Halle/Saale. Es folgten 1947 die Enteignung und Überführung in Volkseigentum. Am 1. Januar 1952 wurden die Halleschen Salzwerke als VEB Hallesche Salzwerke Angersdorf dem Kaliwerk Teutschenthal angegliedert.

Seit dem 12. Mai 1992 gehören die Schachtanlage Angersdorf sowie die benachbarten und untertägig miteinander verbundenen Schachtanlagen Salzmünde und Teutschenthal der Gesellschaft GTS Grube Teutschenthal Sanierungs-GmbH.

Gewerkschaft „Saale“ Gründung

Am 24. Juni 1910 durch Übernahme der Gerechtsame der im Jahre 1909 mit einem Kapital von 100.000 M begründete „Saale“ Bergwerksgesellschaft m.b.H. in Schlettau bei Halle a.S. Erster Repräsentant war O. Scheiding, Bergwerksdirektor, Halle/Saale.

Gerechtsame

Das durch Konsolidation entstandene Bergwerk „Saale“ hatte eine Fläche von 14.488.703 m², belegen in den Gemarkungen Schlettau, Passendorf, Zscherben, Lieskau, Forstrevier Dölauer Heide, Granau, Nietleben und Bennstedt. Im Lageplan der Gerechtsame (siehe Abbildung rechts oben) liegt mitten auf der Gerechtsame der Gewerkschaft Saale eine Gerechtsame namens „Louisenhall“. Das ist die Gerechtsame der Consolidirten Halleschen Pfännerschaft betreffend die Braunkohlengrube Alt-Zscherben, welche die Hallesche Pfännerschaft am 29. April 1868 zusammen mit der ehemals Königl. preußischen Braunkohlengrube zu Langenbogen sowie der Königlichen Saline Halle vom Fiskus übernommen hatte.

Zweischachtfrage*

Durchschlägig mit dem Schacht der Halleschen Kaliwerke, welcher 730 m vom Schacht Saale entfernt liegt.