Bad Leonfelden ist eine oberösterreichische Stadtgemeinde im Oberen Mühlviertel im Bezirk Urfahr-Umgebung. Mit einer Fläche von  km² und Einwohnern (Stand ) ist Bad Leonfelden flächenmäßig die viertgrößte und bezogen auf die Einwohneranzahl die neuntgrößte Gemeinde des Bezirks.

Bad Leonfelden wurde im frühen 13. Jahrhundert als Lobenwelt erstmals urkundlich erwähnt und erhielt vor 1356 Marktrechte. Leonfelden war mit der nach den Hussitenkriegen errichteten Befestigungsanlage eine von vier Grenzbefestigungen gegen die Böhmen im heutigen Mühlviertel. Die Lage an zwei von der Donau nach Böhmen führenden Handelsstraßen brachte den Bürgern Wohlstand, obwohl die Handelstätigkeit von den Freistädtern sowohl militärisch als auch gerichtlich bekämpft wurde. Der Markt wurde 1850 Sitz eines Bezirksgerichts, Zentrum des Gerichtsbezirks Leonfelden und 1903 dem neu gegründeten Bezirk Urfahr angegliedert.

Vorläufer des Kurbetriebs in Bad Leonfelden war das zwischen 1881 und 1914 betriebene Moorbad im Badhaus Bründlwagner. In den 1960er Jahren wurde das Kurhaus Bad Leonfelden eröffnet, und der Kurort darf sich seither Bad Leonfelden bezeichnen. Seit den 1970er Jahren wurde Leonfelden zum Schulort des mittleren Mühlviertels ausgebaut und 2001 von der Oberösterreichischen Landesregierung zur Stadt erhoben.

Geografie Lage Das Ortszentrum von Bad Leonfelden liegt 28 km nördlich der Landeshauptstadt Linz und 6 km südlich der Staatsgrenze zu Tschechien im Oberen Mühlviertel. Zur 13 km nördlich in Tschechien gelegenen Stadt Vyšší Brod (Hohenfurth) führt der Grenzübergang Weigetschlag/Studánky.

Das Gemeindegebiet bedeckt eine Fläche von  km², die größte Ausdehnung beträgt in Ost-West-Richtung 6,6 km und in Nord-Süd-Richtung 10,7 km.DORIS: , abgerufen am 18. Mai 2009.

Die höchste Erhebung befindet sich am Osthang des Sternsteins auf rund in der Nähe der Ortschaft Oberstern und der tiefste Punkt auf rund nächst der Grenze zur Ortschaft Schönau in der Gemeinde Zwettl an der Rodl. Das Zentrum Bad Leonfeldens liegt auf

Geologie und Gewässer Bad Leonfelden gehört zum Granit- und Gneisplateau, dem österreichischen Anteil der Böhmischen Masse. Aus geologischer und geomorphologischer Sicht sowie unter Aspekten der Raumnutzung gehört der größte Teil des Gemeindegebietes östlich und südöstlich des Zentrums zur oberösterreichischen Raumeinheit Leonfeldner Hochland, während sich die höheren Lagen des Sternsteins in der Raumeinheit Böhmerwald und die niedrigeren in den Südlichen Böhmerwaldausläufern befinden. Das westlich gelegene Gemeindegebiet um den Ortsteil Haid hat Anteil an der Raumeinheit Zentralmühlviertler Hochland.

Der Untergrund besteht im Ortsteil Leonfelden aus Quetschschiefer, am Südhang des Sternsteins bilden hingegen Schiefergneise den Hauptanteil. Im Gemeindegebiet finden sich auch Inseln mit Mauthausener und Weinsberger Granit sowie im südlichen Gebiet Perlgneise. Im Bereich der Rodlstörung treten verschiedene Gneisgesteine und Myloniten auf.Ch. Vinzenz Janik: Geomorphologische und bodenkundliche Beschreibung der Marktgemeinde Leonfelden. In: Oberösterreichische Heimatblätter. Jahrgang 10, Linz 1956, S. 1–21 ().

Bei den vorhandenen kleineren Stillgewässern handelt es sich um kleine Fisch- oder Löschwasserteiche. Das bedeutendste Fließgewässer ist die Große Rodl, die am Osthang des Sternsteins entspringt und östlich des Ortsteils Leonfelden in Richtung Donau fließt. Bis 1779 bildete der Fluss die Grenze zwischen dem Mühl- und Machlandviertel, heute zwischen dem oberen und unteren Mühlviertel.

Weitere Fließgewässer sind der Steinbach, der von mehreren Bächen gespeist wird und im Ortsteil Unterstiftung in die Große Rodl mündet, sowie der Granitzbach im Ortsteil Rading, der nordwärts zur Moldau fließt. Die Europäische Hauptwasserscheide verläuft vom Gipfel des Sternsteins südlich des Ortsteils Weigetschlag in Ost-West-Richtung durch das Gemeindegebiet.Josef Matznetter: Geomorphologische Beobachtungen im südlichsten Abschnitt der Donau-Elbe-Wasserscheide. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereines. Band 93, Linz 1948, S. 255–273 ().

Da sich die Wasserscheide im Laufe der Jahrtausende nordwärts verschoben hat, wird angenommen, dass die Rodl früher ebenfalls in die Moldau entwässerte.

Gemeindegliederung mini|Stadtgliederung und Nachbargemeinden Die Stadtgemeinde Bad Leonfelden besteht seit den Eingemeindungen am 1. November 1938 aus den Gebieten der fünf ehemals selbstständigen Ortsgemeinden Dietrichschlag, Laimbach, Leonfelden, Stiftung bei Leonfelden und Weigetschlag. Die vorhandene Gliederung in Katastralgemeinden blieb dabei erhalten.

Leonfelden gliedert sich in folgende 23 Ortsteile (in Klammer die Einwohnerzahl Stand ):

Die landwirtschaftlichen Nutzflächen machen mehr als 60 % der Gemeindefläche aus, rund 35 % sind bewaldet:

Nachbargemeinden

Bad Leonfelden ist von den Gemeinden Schenkenfelden, Reichenau im Mühlkreis, Zwettl an der Rodl, Oberneukirchen und Vorderweißenbach umgeben, die alle zum Bezirk Urfahr-Umgebung gehören. Im Norden grenzt die Stadtgemeinde an die tschechische Gemeinde Vyšší Brod. Im Westen bilden Böhmerwald samt Sternstein und Brunnwald und im Osten der Miesenwald natürliche Grenzen zu den Nachbargemeinden.

Bad Leonfelden ist Mitglied im Verein für regionale Entwicklung SternGartl, dem zahlreiche weitere Gemeinden im mittleren Mühlviertel angehören. Als einzige Stadt des Vereins gilt Bad Leonfelden als das inoffizielle Zentrum der betreffenden Region. Die Gründung eines Interkommunalen Betriebsansiedlungsgebiets gemeinsam mit einigen Nachbargemeinden ist geplant.

Klima Die nächstgelegenen staatlichen Klimastationen befinden sich in Reichenau () und Freistadt (). Das Gemeindegebiet von Bad Leonfelden kann in drei klimatische Bereiche unterteilt werden, die alle in der ozeanischen Klimazone liegen. Das Sternsteingebiet, welches auf bis zu 1125 Metern Seehöhe liegt, gilt als der raueste Bereich der Gemeinde. Der Großteil des Gemeindegebiets befindet sich auf einem windanfälligen Hochplateau. Der Ortsteil Schönau liegt am niedrigsten und ist daher klimatisch begünstigt. Die nach Nordosten offene Hochebene ist allgemein stark windexponiert und lässt kalte Nordwinde einströmen, sodass die 6-°C-Jahresisotherme weit nach Süden reicht.

Im acht Kilometer entfernten Großtraberg (Gemeinde Oberneukirchen) auf 854 Metern Seehöhe herrscht eine Jahresdurchschnittstemperatur von 6,5 °C, wobei sich jene von Bad Leonfelden ebenfalls in dieser Größenordnung bewegt. Die höchsten Lagen der Gemeinde am Sternstein weisen eine Jahresdurchschnittstemperatur von 5,3 °C auf. Jänner und Februar sind die kältesten Monate, Juli und August die wärmsten. In Bad Leonfelden werden jährlich 110 bis 140 Frosttage gezählt. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge liegt bei rund 950 mm und steigt mit zunehmender Höhenlage. Im Gemeindegebiet gibt es kaum Nebel, da keine Inversionswetterlagen auftreten können.

Geschichte Anfänge des Marktes Im 11. Jahrhundert gehörte das Gebiet der heutigen Gemeinde zum Einflussbereich der Herren von Wilhering, die sich nach der Gründung der Burg Waxenberg Herren von Waxenberg nannten. Leonfelden wurde planmäßig an der Stelle angelegt, wo zwei uralte Handelswege, die von der Donau nach Böhmen führten, aufeinander trafen. Im Jahr 1236 wurde das Angerdorf erstmals schriftlich als Lobenvelt erwähnt (spätere Schreibweisen auch Lonveld, Lanveld, Lanfeld, Lannfeldt) und entwickelte sich zum regionalen Mittelpunkt. Der Name Leonfelden geht auf das Adelsgeschlecht der Lobensteiner (Burgruine Lobenstein) zurück. Mit der zunehmende Rodung der Region stieg die Bevölkerungszahl, weshalb 1292 die Pfarre Leonfelden von der Mutterpfarre Gramastetten abgetrennt wurde. Das Amt Leonfelden war Teil der Herrschaft Waxenberg und im Wallseer Teilungsvertrag von 1356 wurde Leonfelden als bestehender Markt mit niederer Gerichtsbarkeit (Taiding) genannt. Der Markt hatte das Recht auf einen Wochenmarkt und zwei Jahrmärkte. Eine weitere Einnahmequelle war das Niederlagsrecht.Grundlage des Abschnitts Geschichte ist: Benno Hofer: Aus der Geschichte des Marktes Leonfelden. In: Mühlviertler Heimatblätter. Linz 1962, Band 5/6 ().

Mittelalter bis Mitte des 19. Jahrhunderts mini|Zentrum – die Anlage der Straßen um den Stadtplatz zeigt den Verlauf der ehemaligen Befestigungsanlage und Graben (Ringstraße) Bei den Hussiteneinfällen ins Mühlviertel wurde Leonfelden im Jahr 1427 (und möglicherweise auch schon zuvor 1422 und 1426) von den aus Böhmen kommenden Hussiten überfallen und niedergebrannt. In den darauf folgenden Grenzfehden böhmischer Adeliger gegen Kaiser Friedrich III. erfolgten mehrere Raubzüge und Plünderungen auch im Gebiet von Leonfelden. Um 1470 wurde der Markt mit einer 891 Meter langen Mauer mit anfänglich zwei Toren befestigt und zählte somit zu den vier Grenzbefestigungen gegen die Böhmen im heutigen Mühlviertel. Vor der Mauer wurde ein neun bis zwölf Meter breiter Graben errichtet. Zusätzlich zum Böhmertor und Linzertor entstand später das Fleisch- und das Färbertürl. Der Kirchturm der Pfarrkirche war Teil der Befestigungsanlage.

1435 wurden im Marktbuch fünf Mühlen und zwei Schmieden genannt, im Markt selbst bestanden drei Fleischbänke, eine Badestube und ein Brauhaus. Ein Bürgerspital (Armenhaus) wurde am 10. Dezember 1505 gestiftet und um die Spitalskirche nach einem Stiftungsbrief vom 29. Juni 1514 um 1517/20 ergänzt.Martina Birngruber: Das Bürgerspital und die Spitalskirche in Bad Leonfelden – Zeugnis christlicher Nächstenliebe und spätgotischer Baukunst. In: Oberösterreichische Heimatblätter. Linz 2013, S. 4–21 (). Am 2. Jänner 1506 erhielt der Markt vom römisch-deutschen König Maximilian I. das Recht zur Führung eines Wappens. 1579 wurde ein Rathaus errichtet.

Leonfelden war ein landesfürstlicher Markt mit einem Marktrichter an der Spitze der Verwaltung, der jährlich gewählt wurde. Ihm zur Seite stand ein zwölfköpfiger Rat und ein Ausschuss der Bürgerschaft. Der Sitz des Richters war das Rathaus, in der auch die Bürger- und Gerichtslade aufbewahrt wurden. Im späten 16. Jahrhundert wurden im Rathaus protestantische Gottesdienste abgehalten, bis 1627 alle Protestanten den Markt verlassen mussten. 1514 wurde erstmals ein an das Rathaus angebautes Schulhaus erwähnt. Der Schulmeister war zusätzlich Mesner und Organist der Pfarrkirche und wurde vom Abt des Klosters Wilhering eingesetzt. Um 1620 besuchten im Sommer rund 40 Kinder die Schule, im Winter nur 8, da die Eltern für das Brennholz aufkommen mussten.

Leonfelden lag an der kürzesten Verbindung des Linzer Steigs von Linz nach Böhmen und bot den Leonfeldner Bürger Möglichkeiten zum Fernhandel als wichtige Einkommensquelle. Freistadt hatte allerdings auf Grund des Straßenzwangs seit dem Jahr 1364 das Monopol auf den lukrativen Salzhandel und später auch auf den Handel mit Eisen. Die Leonfeldner bemühten sich im 14. und 15. Jahrhundert vergeblich, die Straße nach Böhmen für den Fernhandel zu öffnen. Erst 1492 wurde dem Markt erlaubt, Lebensmittel für den Eigenbedarf und ab 1496 auch für Handelszwecke aus Böhmen zu importieren. Ab 1520 entbrannte der Kampf erneut. 1530 überfielen rund 80 Freistädter einen großen für Bad Leonfelden bestimmten Wagenzug und leiteten ihn über Freistadt. Zwischen 1535 und 1555 wurde ein juristischer Prozess um die Wegerechte geführt, der dazu führte, dass Freistadt das Monopol für den Eisenhandel nach Böhmen erhielt, während Leonfelden das Recht zum Salzhandel bekam. Entgegen dem Straßenzwang von 1570 zu Gunsten von Freistadt fuhren weiterhin Kaufleute über Leonfelden, bis Kaiser Rudolf II. am Anfang des 17. Jahrhunderts den Leonfeldnern den Salzhandel verbot. Die verbliebenen Handelsrechte waren nur noch geringfügig und verhinderten in der Folgezeit ein weiteres Aufstreben des Marktes.