C. F. Roser war eine 1834 in Feuerbach gegründete deutsche Lederfabrik. Bis 1994 war das Unternehmen nach der Robert Bosch GmbH der größte Arbeitgeber in Stuttgart-Feuerbach.

Europaweit bekannt wurde das Unternehmen als einer der führenden Hersteller für der Automobil- und Möbelindustrie zugeführten Qualitätsleder. Im Rahmen der notwendigen Unternehmenserweiterung wurden Filialbetriebe geschaffen, die bis 1995 in Ichenhausen und im oberfränkischen Rehau bestanden.

Weil solide Zukunftsaussichten im angestammten Marktfeld nicht mehr bestanden, stellte die C. F. Roser AG und drei Tochtergesellschaften am 1. Dezember 1994 Insolvenzanträge.C. F. Roser GmbH, Allgemeines

Firmengeschichte

Gründung mini|Carl Friedrich Roser, Gründer von C. F. Roser

Gerberfamilie Roser in Stuttgart Die C. F. Roser AG geht auf Casper Roser (1659–1733) zurück. 1698 ließ er sich aus Straßburg kommend in Stuttgart nieder. Aus religiösen Gründen, seine Familie waren Hugenotten, hat er Straßburg verlassen. Er war von Beruf Rotgerber und wurde ein wohlhabender und in seinem Fach ausnehmend tüchtiger Mann. Er brachte es in Stuttgart zum Zunftobermeister, eine Würde, die er über 5 Generationen hindurch in der Familie vererbte.

Das in Stuttgart gegründete Gerbereigeschäft wurde über 4 Generationen weitergeführt durch Johann Jakob Roser (I) (1695–1785), Johann Jakob Roser (II) (1720–1790), Christoph Heinrich Roser, Neffe von Johann Jakob (II) (1756–1847) und Jakob Heinrich Roser (1781–1849).

Gründung der Lederfabrik Der älteste Sohn von Jakob Heinrich war der 1808 geborene Carl Friedrich Roser, der bei seinem Vater das Gerberhandwerk lernte. Mit 19 Jahren ging er auf die Wanderschaft, ließ sich in Heilbronn nieder und heiratete dort die Tochter des Rotgerbermeisters Henninger. Anschließend arbeitete er einige Zeit in der Gerberei seines Schwiegervaters.

Im Jahre 1834 gründete Carl Friedrich Roser das Unternehmen C. F. Roser und ließ sich in Heilbronn in der Nähe des Götzenturmes am Neckar nieder. Er gerbte Rindhäute und Kalbfelle und machte vor allem Sohlleder und Geschirrleder. Er beschäftigte 9 Gesellen.Festschrift 100 Jahre Lederfabrik C. F. Roser, 1834–1934

Umzug nach Stuttgart mini|272x272px|Dampfgerberei von Carl Friedrich Roser in Feuerbach 1872/1874 1848 verlegte er die Gerberei von Heilbronn zunächst nach Stuttgart in die Hauptstätter Straße. Später kaufte er das Haus des Rotgerbers Christian Kiesler in der Tübinger Straße 27 (heute Paulinenstraße) am Nesenbach, in unmittelbarer Nähe zur väterlichen Gerberei. Wieder fing er mit 2 Gesellen an und weitete das Geschäft kontinuierlich aus. Sein Sohn, Max Karl Friedrich Roser (1844–1913), arbeitete im väterlichen Betrieb mit und brachte durch eine Vielzahl von Reisen nicht nur Erfahrungen im Gerben von Leder, sondern vielfältige Kundenbeziehungen nach Stuttgart mit.

Max Karl Friedrich initiierte die Verlegung des Betriebes nach Feuerbach, weil dort genügend Raum für den industriellen Ausbau des Unternehmens vorhanden war. 1872 erwarb er in der Stuttgarter Straße ein 72 Ar großes Grundstück für 13.700 Mark. In den Jahren 1873 und 1874 wurden das Fabrikgebäude, Maschinenhaus und Kesselhaus erstellt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden weitere Grundstücke zugekauft. Das Unternehmen firmierte seinerzeit als „C. F. Roser, Gerberei Feuerbach“.Das Roser Areal - die Geschichte der Roser Familie (seniorenresidenz-am-feuerbach.de)

Die neue Fabrik hatte eine Dampfmaschine mit 12 Pferdestärken, die zum Antrieb einer Lohmühle diente. Diese wurde von der Berger Firma G. Kuhn geliefert und installiert. Hinzu kamen zwei Walkfässer, Ventilatoren für die Trockenräume und die Pumpen für die Wasser- und Grubenwerkstatt. Maschinen für die Lederbearbeitung wurden damals kaum verwendet. Erst 1882 wurde die erste Spaltmaschine angeschafft.

1894 wurden bereits 75 Arbeiter beschäftigt, die 9.178 Rindhäute im Jahr verarbeiteten.

Aufstieg mini|285x285px|Wasserwerkstatt der Lederfabrik C. F. Roser um 1900

Die 8. Generation 1908 trat der Sohn Fritz Roser (1882–1968) als Teilhaber in den väterlichen Betrieb ein. Als weitgereister – er war ein Jahr in den USA und studierter Gerbereichemiker – nahm er die technische und kaufmännische Reorganisation des väterlichen Betriebes vor. Er führte die rationelleren Methoden des Äscherns, Zurichtens und Färbens, der Einrichtung eines Laboratoriums, Akkordarbeit und rationellere Fertigungsabläufe ein. Damit konnte die Produktion wesentlich gesteigert werden. 1909 wurde eine neue Dampfmaschine mit 200 Pferdestärken aufgestellt. Es wurden zahlreiche Lederbearbeitungsmaschinen angeschafft.

Fritz Roser hatte noch drei Brüder. Max Roser (geb. 1883) trat 1907 in das Geschäft ein. Er wurde 1914 zum Militär eingezogen und fiel 1915 in Frankreich. Zwei weitere Brüder, Willi (geb. 1886) und Hans (geb. 1894), waren ebenfalls Kriegsteilnehmer des 1. Weltkrieges, wurden verwundet und erhielten hohe militärische Auszeichnungen. Willi studierte Rechtswissenschaften und trat 1919 in den väterlichen Betrieb ein. Hans studierte Chemie in Stuttgart und Berlin und promovierte 1921 zum Dr. Ing. mit einem Thema aus der Gerbereichemie. Er trat 1921 in das Unternehmen ein und übernahm die technische Leitung.

1914 wurden 206 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Während des 1. Weltkrieges wurde die Fabrik wegen großer Lieferungen an das Militär ausgeweitet. Es wurde Militärblankleder für Mannschafts- und Pferdeausrüstung hergestellt. Das Leder diente vor allem für die Herstellung von Leibriemen, Patronentaschen, Säbeltaschen, Trag- und Mantelriemen, Gewehrriemen und Spatentaschen, Sättel und Geschirre.

Nach dem Krieg wurde mit der Produktion vor allem von Treibriemen-Leder begonnen. Aufgenommen wurden jedoch auch Autopolsterleder, Leder für Sitzmöbel, Koffer und Reiseutensilien. Die Nachkriegswirtschaft, insbesondere die Inflation, ließ das Unternehmen ums Überleben kämpfen. 1924 wurden 351 Angestellte und Arbeiter beschäftigt.

Umwandlung zur Aktiengesellschaft Seit mindestens 1858 firmierte das Unternehmen mit C. F. Roser, Lederfabrik und Lederhandlung oder auch C. F. Roser Gerberei, teils als offene Handelsgesellschaft, teils eine Einzelfirma. 1920 wurde die Firma vorübergehend in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Um den Jahreswechsel 1927/28 wandelte Roser das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates wurde Generaldirektor Dr. Karl Raiser, Stuttgart. Die Rechtsform der Aktiengesellschaft wurde gewählt, um das Fortbestehen des Werkes auch für den Todesfall und Erbgang der seitherigen Inhaber sicherzustellen.

Aufgrund eines Gesetzes der königlichen Regierung durfte Roser als Fabrik bezeichnet werden, womit die Eigenschaft als bloßer Handwerksbetrieb hinfällig wurde. Voraussetzung dafür war, dass das Unternehmen Dampfmaschinen betrieb.

Schon 1926 wurde mit der Herstellung von imprägniertem Chromsolleder und 1928 mit grubengegerbtem Vachettenleder begonnen. Seit 1930 gewann Autopolsterleder an Bedeutung, aber auch Blankleder für das Militär war wieder wichtig geworden. Der Betrieb vergrößerte sich ständig. Im Juli 1934 wurden 684 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Der Tariflohn betrug damals 0,71 RM je Stunde für einen Facharbeiter, der durchschnittliche Akkordlohn 0,93 RM je Stunde. Der Umsatz betrug rund 10,2 Mio. RM, die Einarbeitung durchschnittlich 570 Häute pro Tag.

Roser wird wieder GmbH Im Dezember 1938 wurde die C. F. Roser AG in eine GmbH umgewandelt. Gesellschafter und zugleich Geschäftsführer waren Fritz Roser (50 %), Willy Roser (25 %) und Dr. Hans Roser (25 %). Das Stammkapital betrug 3,5 Mio. RM.

Im selben Jahr wurden die Autos der Könige Faruk I. von Ägypten und König Zogu I. von Albanien sowie die Sitze im Völkerbundsaal in Genf mit Roser-Leder gepolstert.

Dr. Hans Roser entwickelte 1938 ein besonderes Verfahren zur besseren Ausnutzung heimischer Gerbstoffe. Es gelang ihm auch, auf dem Gebiet des Gasschutzes ein Schutzmittel zu entwickeln und zu produzieren, das vom Staat abgenommen wurde.

Der 2. Weltkrieg Kurz vor und während des 2. Weltkrieges waren Häute eine Mangelware. Roser suchte nach neuen Werkstoffen als Ersatz für Leder und erwarb eine Kunstlederfabrik, die Westo GmbH. Die Umsätze mit solchen Materialien erreichten im Jahr 1943 bereits 9,2 Mio. RM, die Hälfte des Gesamtumsatzes von 18 Mio. RM. Roser wurde zum größten Hersteller des auf PVC-Basis gründenden Kunststoffes „P-Sohle“, einem Vorläufer der Folienproduktion.

In den Jahren 1944 und 1945 verursachten 8 Luftangriffe erhebliche Schäden auf dem Betriebsanwesen in Feuerbach. Am 7. April 1945 lag Feuerbach unter Artilleriebeschuss und wurde 14 Tage später von französischen Truppen besetzt. Die schwersten Zerstörungen und Beschädigungen fallen in das Jahr 1944: Wasserwerkstatt und Hautlager des Hauptwerkes wurden völlig zerstört. Der Gesamtkriegsschaden bei Roser wird mit 3.907.000 RM angegeben. Trotz der Kriegsereignisse wurde 1944 noch ein Umsatz von 11,2 Mio. RM erzielt, 1945 waren es nur noch 2,3 Mio. RM und 1946 wieder 4,4 Mio. RM. 1946 wurden 351 Personen beschäftigt.

Rückerstattung jüdischen Besitzes Die Beteiligungen von Roser an der Lederfabrik Zuffenhausen Sihler & Co. und an der Kunstlederfabrik Julius Vottelers Nachf. GmbH, Reutlingen, fielen nach Kriegsende unter die Rückerstattungsbestimmungen. Sie befanden sich vor dem 2. Weltkrieg in jüdischem Besitz und mussten deshalb zurückgegeben werden. In beiden Fällen wurden Vergleiche geschlossen.

Die Vorgänge um die Firma Votteler belasteten die Firma Roser bis ins Jahr 1967. Die ehemaligen Anteilseigner der 1937/1941 von Roser erworbenen und 1949 zurückerstatteten Firma führten einen Schadensersatzprozess gegen das Land Baden-Württemberg. Roser musste Regressansprüche befürchten, wodurch der finanzielle Handlungsspielraum des Unternehmens in hohem Maße eingeschränkt war.

Das Land Württemberg hatte unmittelbar nach dem Krieg für den ehemals jüdischen Betrieb Votteler einen Treuhänder eingesetzt. Dem Treuhänder wurde vorgeworfen, mit der Firma Roser konspiriert und insbesondere wertvolle Maschinen auf Roser übertragen zu haben. Roser sei damit in die Lage versetzt worden, die Produktion von Kunstleder, so wie es von der Firma Votteler hergestellt wurde, aufzunehmen. Das Verfahren der ehemaligen jüdischen Eigentümer, Familie Harburger, gegen das Land wurde durch das Oberlandesgericht Stuttgart zugunsten der ehemaligen Eigentümer entschieden. Ein Gutachter stellte einen Bruttoschaden von 112 Mio. DM fest.

Das Land erhob 6. April 1959 Klage gegen die Roser GmbH und deren Tochtergesellschaft Westo GmbH wegen Schadloshaltung aus gesamtschuldnerischer Haftung für unerlaubte Handlungen. In Anbetracht dieser Sachlage verglich sich Roser nach langen, schwierigen Verhandlungen am 8. März 1967 vor dem Oberlandesgericht mit dem Land Baden-Württemberg. Roser verpflichtete sich zur Zahlung von 680.000 DM.Volker Grub: Bericht des Konkursverwalters für die erste Gläubigerversammlung am 3. Februar 1995 in den Anschlußkonkursverfahren der C. F. Roser AG, Lederfabrik C. F. Roser GmbH, Lederfabrik Ichenhausen GmbH und LGR Lederveredlungs GmbH, Wirtschaftsarchiv Hohenheim, Y 517

Nachkriegszeit und Expansion

Hans Roser wird Geschäftsführer Zum Jahresende 1954 schied Fritz Roser aus der Geschäftsführung aus. Er blieb jedoch zunächst als Berater und dann als Vorsitzender des Aufsichtsrates mit der Firma eng verbunden. Am 1. September 1955 starb sein Bruder Dr. Hans Roser. Er hatte sich als Chemiker neben seinem Engagement im technischen Bereich Leder vor allem für die Kunststoffinteressen eingesetzt.

1957 wurde Hansjörg Roser (1919–1995) – Sohn von Fritz Roser – zum Geschäftsführer. Die Beschäftigungszahl betrug zu dieser Zeit 1.041 Personen bei einem Jahresumsatz von rund 42 Mio. DM. Davon entfielen 34 Mio. DM auf Leder und 8 Mio. DM auf Folien.

Neuer Standort für Kunststoff-Folien in Graben-Neudorf