Die Straßenbahn Częstochowa ist das zweitjüngste Straßenbahnsystem in einer polnischen Stadt. Am 8. März 1959 wurde die erste Straßenbahnlinie in Częstochowa (deutsch: Tschenstochau) eröffnet. In den vergangenen Jahren wurde das System umfassend modernisiert und erweitert, so dass seit September 2012 drei Linien auf einem Streckennetz von 14,7 Kilometern Länge verkehren und 32 Haltestellen bedienen. Die Spurweite beträgt 1435 Millimeter (Normalspur). Das Netz verfügt über fünf Wendeschleifen, so dass im Einrichtungsbetrieb gefahren wird. Betrieben wird die Straßenbahn vom Miejskie Przedsiębiorstwo Komunikacyjne w Częstochowie (MPK Częstochowa) (deutsch: Städtischer Verkehrsbetrieb Częstochowa).
Das Netz besteht aus einer Nord-Süd-Strecke, auf der alle Linien zunächst auf einem gemeinsamen Abschnitt von Północ über Tysiąclecie, die Innenstadt, Trzech Wieszczów nach Ostatni Grosz verlaufen. Dort verzweigt sich die Strecke in den Ast nach Zawodzie-Dąbie über Raków und den Ast nach Raków über Wrzosowiak. Die Linien 1 und 2 verkehren zusammen werktags alle 10 Minuten und in den Abendstunden, in den Ferien und samstags alle 15 Minuten. An Sonn- und Feiertagen wird ein 20-Minuten-Takt angeboten. Für die Linie 3 gilt der gleiche Fahrplantakt. Damit ergibt sich auf dem gemeinsamen Abschnitt an Werktagen ein 5-Minuten-Takt.
Linien und Haltestellen Die Linien 1, 2 und 3 verlaufen auf derselben Trasse von der Wendeschleife Fieldorfa-Nila bis zur Kreuzung Niepodległości-Allee, Pokoju-Allee, Allee des 11. November und Jagielońska-Straße. Linie 1 folgt der Pokoju-Allee bis zum Stahlwerk (Haltestelle Kucelin-szpital), Linie 2 folgt auch der Pokoju-Allee bis zur Łukasińskiego-Straße (Haltestelle Bahnhof Raków PKP) und Linie 3 folgt der Jagielońska-Straße und der Jesienna bis zur Limanowskiego (Haltestelle Stadion Raków). Die Linie 2 verkehrt in der Richtung Raków → Fieldorfa-Nila als Linie 1. Es handelt sich bei der Linie 2 lediglich um verkürzte Fahrten der Linie 1, da für den Endabschnitt bis zum Stahlwerk ein weniger dichter Takt ausreicht.
Linie 1 Linie 2(Rückfahrt als Linie 1) Linie 3 Fieldorfa-Nila Iwaszkiewicza Baczyńskiego Promenada Niemena Polskiego Czerwonego Krzyża Hala Polonia Politechnika Aleja Jana Pawła II Druga Aleja Najświętszej Maryi Panny Hauptbahnhof PKP Busbahnhof PKS Rondo Mickiewicza Ostatni Grosz Równoległa Powstańców Śląskich Estakada Plac Orląt Lwowskich Rejtana Dąbie Kucelin Szpital Fieldorfa-Nila Iwaszkiewicza Baczyńskiego Promenada Niemena Polskiego Czerwonego Krzyża Hala Polonia Politechnika Aleja Jana Pawła II Druga Aleja Najświętszej Maryi Panny Hauptbahnhof PKP Busbahnhof PKS Rondo Mickiewicza Ostatni Grosz Równoległa Powstańców Śląskich Estakada Plac Orląt Lwowskich Bahnhof Raków PKP Fieldorfa-Nila Iwaszkiewicza Baczyńskiego Promenada Niemena Polskiego Czerwonego Krzyża Hala Polonia Politechnika Aleja Jana Pawła II Druga Aleja Najświętszej Maryi Panny Hauptbahnhof PKP Busbahnhof PKS Rondo Mickiewicza Ostatni Grosz Równoległa Powstańców Śląskich Estakada PZU Kasztanowa Bukowa Orkana – szkoła Wrzosowiak Sportowa Jesienna Jesienna – szkoła Bohaterów Katynia Rakowska Żarecka Stadion Raków
Linie Strecke Länge Fahrzeit Halte Fahrzeuge 1 Fieldorfa-Nila ↔ Kucelin Szpital 10,0 km 29 min. 19 ? × 105Na+105Na 2 Fieldorfa-Nila → Bahnhof Raków PKP 8,3 km 26 min. 17 4 × 105Na+105Na 3 Fieldorfa-Nila ↔ Stadion Raków 11,7 km 38 min. 27 6 × PESA Twist, 4 × 105Na+105Na
Geschichte Nicht ausgeführte Planungen der Jahre 1903 bis 1928 Der erste Plan, eine elektrische Straßenbahn in Częstochowa zu bauen, stammt aus dem Januar 1903. Am 17. Februar kündigten die Warschauer Zeitung Kurier Poranny und das Regierungsblatt Moskiewskie Wiadomości eine Ausschreibung zum Bau einer Straßenbahn in Częstochowa an. (PDF; 312 kB; polnisch) Gemäß damaliger Praxis sollte die Strecke auf Kosten des Konzessionsnehmers gebaut und betrieben werden.
mini|Im Jahr 1903 geplantes Straßenbahnnetz vor dem heutigen Stadtplan Die ursprünglichen Pläne für ein Straßenbahnnetz in Częstochowa umfassten drei Linien, die alle ihren Ausgangspunkt am Nowy Rynek (heute: Daszyńskiego-Platz) hatten: Linie 1: Krakowska-Straße zur Firma Motte (heute: Elanex) oder Częstochowianka (heute: Polontex) Linie 2: zum Jasna Góra mit Verzweigungen in Richtung: Bahnhof Teatralna-Straße (heute: Wolności-Allee) św. Rocha-Friedhof Linie 3: Warszawska-Straße nach Kule
An der Ausschreibung beteiligten sich vier Unternehmen. Schließlich wurden alle Angebote abgelehnt, da kein Unternehmen die Bedingungen der Konzession erfüllte. Zwei Jahre später ging noch ein weiteres Angebot zum Bau des Straßenbahnnetzes ein, aber auch dieses kam nicht zum Zuge.
Die nächsten beiden Vorschläge gingen im Jahr 1908 im Zusammenhang mit der Vorbereitung der Ausstellung für Industrie und Landwirtschaft im Jahr 1909 (polnisch: ) ein. Das erste Angebot beinhaltete den Bau einer Pferdestraßenbahn und wurde deshalb als veraltet abgelehnt. Das zweite Angebot sah eine elektrische Straßenbahn auf einem kleineren Streckennetz vor. Es waren drei Linien vorgeschlagen, die am Bahnhof ihren Ausgangspunkt nehmen sollten: nach Jasna Góra über den Nowy Rynek (heute: Daszyńskiego-Platz) zur Firma Motte (heute: Elanex) zum Bahnhof der Herby-Bahn (heute: Boya-Żeleńskiego-Straße)
Die Stadtverwaltung unterzeichnete einen Konzessionsvertrag mit dem Unternehmen. Es kam nicht zum Bau der Straßenbahn, da der russische Gouverneur in Piotrków Trybunalski dies verhinderte. Im Jahr 1913 wurde ein neuer Anlauf zum Bau der Straßenbahn unternommen. Die Verhandlungen wurden durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrochen.
Auch in der Zwischenkriegszeit gab es Versuche, eine Straßenbahn in Częstochowa zu bauen. Im Oktober 1924 beantragte die belgische Société d’Éntreprises Electriques en Pologne SA eine Konzession für ein Straßenbahnnetz aus zwei Linien (Jasna Góra ↔ Alleen ↔ Nowy Rynek ↔ Krakowska ↔ Firma Motte und Trzech Krzyży-Platz ↔ Nowy Rynek ↔ Alleen ↔ Kościuszki ↔ Bahnhof Stradom). Am 14. November setzte der Stadtrat eine Kommission zur Prüfung des Vorschlags ein. Am 19. Januar 1925 legte die Kommission dem Rat ihren Bericht vor. Der Rat billigte den Konzessionsvertrag am 23. Februar und leitete das Ansinnen an die Straßenbahndirektion in Warschau zur Stellungnahme weiter. Schließlich ist das Projekt nicht realisiert worden.
mini|Das 1926 vorgeschlagene Straßenbahnnetz Im Jahr 1926 stellte Jan Kubalski ein neues Projekt vor, das den Bau von fünf schmalspurigen elektrischen Straßenbahnlinien auf einem Streckennetz von 14 Kilometern Länge vorsah.
Folgende Linien waren 1926 geplant: 1: Hauptbahnhof – I Aleja – Nowy Rynek (heute: Daszyńskiego-Platz) – Narutowicza (Krakowska, Bardowskiego, Wojska Polskiego) – Kreuzung mit Okrzei 2: Bahnhof Stradom – Wolności – II Aleja – I Aleja – Warszawska – Friedhof Kule 3: Nowy Rynek (heute: Daszyńskiego-Platz) – I Aleja – II Aleja – III Aleja – 3 Maja – Rynek Wieluński – Rocha – Kreuzung mit Wręczycka 4: Hauptbahnhof – I Aleja – II Aleja – III Aleja – Pułaskiego – 7 Kamienic 5: Zaciszańska – Św. Barbary – 7 Kamienic – III Aleja – II Aleja – I Aleja – Mirowska – Targowisko (heute: Rynek Narutowicza)
Dieses Projekt konnte wegen der Weltwirtschaftskrise nicht realisiert werden.
Bau der ersten Strecke Pläne zum Bau einer Straßenbahn in Częstochowa kamen erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf. Da wegen des Ausbaus des Stahlwerks Huta Częstochowa höhere Fahrgastzahlen zu erwarten waren, wurde der Bau der Straßenbahn 1951 beschlossen. Der Planer der Strecke, Czesław Kotela, hatte zunächst die Absicht, die Bahntrasse in Straßenmitte anzulegen, aber schließlich wurde sie in Seitenlage errichtet. Im Jahr 1955 begannen die Bauarbeiten an der Strecke, für die eine Reihe von Wohnhäusern an der Bór-Straße abgerissen werden mussten. Außerdem mussten eine Brücke an der Pokoju-Allee und ein Viadukt an der Aleja Związku Walki Młodych (heute: Niepodległości) errichtet werden. Die Bauarbeiten zogen sich hin und so verkehrte die erste Straßenbahn auf den Straßen Częstochowas am 8. März 1959. Ursprünglich war die Inbetriebnahme für das Jahr 1956 geplant, aber aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten und wegen geologischer Probleme kam es zu Verzögerungen.Konrad Pruciak, Janusz Karlikowski, Rafał Lamch: (PDF; 312 kB; polnisch) Die gesamten Baukosten betrugen 208 Millionen Złoty, die Arbeiten wurden von den Unternehmen Poznańskie Przedsiębiorstwo Robót Drogowych und Kieleckie Przedsiębiorstwo Robót Mostowych ausgeführt. (PDF; 3,2 MB) Die erste Strecke war 7,1 Kilometer lang und verlief zweigleisig in Seitenlage auf eigenem Gleiskörper von der Worcella-Straße längs der Alleen: Zawadzkiego (heute:Armii Krajowej), Kościuszki, Wolności, ZWM (heute: Niepodległości), Pokoju bis zur Endschleife in Kucelin. Folgende Haltestellen wurden bedient: Zawady (Schleife), Jasnogórska-Straße, Aleje, Pałczyńskiego (Focha), Mickiewicza, Bór, Depot, PPR, Pokoju-Allee Mitte, Viadukt Pokoju-Allee, Sokola-Straße und Mirów (Schleife). Bedient wurde die Linie von sechs Zügen, die alle 10 Minuten verkehrten.
Erweiterung in den Bezirk Raków Der Bau dieses Abzweigs dauerte vom 9. Mai bis zu 16. Juli 1959, und am 21. Juli wurde die Strecke eröffnet. Der 1,5 Kilometer lange Strecke verlief eingleisig mit Ausweichen von der Łukasińskiego-Straße über die Pstrowskiego-Straße (heute: Dąbrowska-Straße) zum Viertel Stary Raków, wo sie in einer Häuserblockumfahrung endete. Diese Strecke wurde von einer städtischen Gesellschaft gebaut.
In den Jahren 1959 und 1960 gab es zahlreiche nicht realisierte Pläne zur Erweiterung des Straßenbahnnetzes:
Straße des 1. Mai und Sabinowska-Straße nach Dźbowa Alleen über die Straßen Nowowiejskiego, Sobieskiego, Pułaskiego, św. Kazimierza zur św. Barbary-Straße über Pułaskiego-Straße, Lenin-Allee (jetzt: Jana Pawła II), św. Rocha nach Lisiniec Krakowska-Straße, PPR (heute: Wojska Polskiego-Allee), Okrzei-Straße zum Stahlwerk Warszawska-Straße und 16. Januar (heute: Kiedrzyńska) Mirowska-Straße zur Złota Targowa-Straße, Strażacka, Olsztyńska zur Pokoju-Straße
Erweiterung in die Bezirke Tysiąclecie und Północ Im Jahr 1967 wurde erwogen, die Straßenbahn 20 Jahre nach dem Bau stillzulegen, da die Investitionskosten dann abgeschrieben wären. Alternativ wurde überlegt, die Strecke vier Kilometer in Richtung Norden und drei Kilometer auf dem Gelände des Stahlwerks zu verlängern. Letztlich wurde eine Verlängerung entlang der Zawadzkiego-Allee (heute: Armii Krajowej-Allee) beschlossen, da der Stadtteil Tysiąclecie schnell wuchs. Die 1971 eröffnete 1,5 Kilometer lange Streckenverlängerung beginnt an der ehemaligen Schleife an der Worcella-Straße und endet an einer neuen Schleife an der Straße des 16. Januar (heute: Kiedrzyńska-Straße). Trotz der Erweiterung wurden Straßenbahnen für veraltet gehalten, es unterblieb die Erneuerung der Strecke und es wurde beabsichtigt, die Straßenbahn nach Abnutzung der Gleise stillzulegen.
Im Gegenzug für den Neubau der zweigleisigen Strecke nach Tysiąclecie wurde der Streckenast in die Altstadt von Raków stillgelegt, da wegen einer Bodensenkung eine Grundinstandsetzung nötig gewesen wäre. Die Linie 2 beendete ihren Verkehr zur Endstelle Raków am 31. August 1971 und wurde zunächst zu einer Schleife am Bahnhof Rákow zurückgezogen. Der Baubeginn dieser neuen Endschleife ist nicht bekannt. Bereits am 1. November 1971 bekamen alle Fahrten der bisherigen Linie 2 die Liniennummer 1, so dass damit nur noch eine Linie existierte.
Im Jahr 1974 wurde auf einer Konferenz anlässlich des 15-jährigen Jubiläums der Straßenbahn unter anderem erörtert, wie die Sicherheit des Straßenbahnverkehrs verbessert werden könnte. Unter den Plänen war eine Beseitigung des Fußgängerübergangs auf der Pokoju-Allee und der Bau eines Straßenbahntunnels in der Innenstadt (Stadtbahn). Dieses Projekt wurde schließlich aufgrund der hohen Kosten nicht umgesetzt.