mini|Ansicht von Stein Stein-Neukirch ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Rennerod an.
Geographische Lage Die Gemeinde Stein-Neukirch liegt im Westerwald zwischen Siegen im Norden und Limburg im Süden. Sie liegt , womit sie die höchstgelegene Gemeinde des Westerwalds ist. Stegskopf und Salzburger Kopf sind mit 654 m und 653 m Höhe die Hausberge von Stein-Neukirch. Im Ortsgebiet entspringt die Schwarze Nister. Zu Stein-Neukirch gehört der Gemeindeteil Neukirch.
Nachbarorte sind im Uhrzeigersinn von Nord nach West:
Emmerzhausen (Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf, RLP) Lippe (Gemeinde Burbach, NRW) Liebenscheid (Verbandsgemeinde Rennerod, RLP) Bretthausen (Verbandsgemeinde Rennerod, RLP) Salzburg (Verbandsgemeinde Rennerod, RLP) Hof (Verbandsgemeinde Bad Marienberg, RLP)
Geschichte
Der Ort bildete sich vermutlich an der Kreuzung zweier bedeutender Altstraßen, einer Nord-Süd-Route Route zwischen Siegen und Frankfurt, die in etwa dem heutigen Verlauf der Bundesstraße 54 entspricht, und einer Ost-West-Route zwischen Leipzig und Köln. Der Ortsname Stein und das Toponym Salzburger Kopf (von ahd. sal = Haus) deuten auf frühkarolingische Befestigungen hin.
Die Kirche im Ortsteil Neukirch ist 1231 erstmals nachweisbar und wird 1287 erstmals ausdrücklich erwähnt. Die „Neue Kirche“ fungierte ursprünglich als Trutz- und Wehrkirche. Es dürfte sich um eine Tochterkirche der Kirche in Herborn, dem Hauptort der Herborner Mark, gehandelt haben, was auf eine Errichtung im 11. oder 12. Jahrhundert hindeutet. Der Name legt nahe, dass der Ortsteil Stein zum Zeitpunkt der Kirchengründung bereits bestand. Später war die Kirche der Mittelpunkt eines der drei Kirchspiele der Herrschaft zum Westerwald. Zum Kirchspiel Neukirch gehörten im 16. und 17. Jahrhundert Bretthausen, Löhnfeld, Weißenberg und Liebenscheid, Stein und Neukirch sowie Willingen. Liebenscheid und Weißenberg wurden 1755 eine eigenständige Pfarrei. Kurz vor 1545 wurde die Reformation eingeführt und bis 1579 durchgesetzt. Die Kirchspielschule befand sich in Liebenscheid, war aber wohl häufig nicht besetzt. 1733 wird erstmals eine Winterschule in Neukirch erwähnt. Die Gemeinde Stein stellte 1769 ein eigenes Schulhaus fertig.
Zwischen 1258 und 1435 wurde Neukirch Gerichtsort für die Niedere Gerichtsbarkeit und damit neben Marienberg und Emmerichenhain, eine der Untergliederungen der Herrschaft zum Westerwald. Die Blutgerichtsbarkeit für die gesamte Herrschaft war spätestens 1645 nahe Stein angesiedelt. Von 1788 an kann der Salzburger Kopf mit Sicherheit als Blutgerichtsstätte angesprochen werden.
Wegen der Lage an den wichtigen Handelsrouten wird bereits 1543 erstmals ein Wirtshaus in Neukirch erwähnt. Von der Zollerhebung im Ort ist erstmals 1561 die Rede.
Die Kirche erhielt im 14. Jahrhundert einen Chor im gotischen Baustil. 1748 erfolgte eine umfassende Erneuerung des gesamten Bauwerks. 1813 brannte die Kirche nach einem Blitzschlag ab und wurde 1816 neu errichtet. Dabei wurde das Beinhaus abgerissen. Die Knochen aus diesem Gebäude traten 1962 bei Bauarbeiten an der Ostwand der Kirche wieder zu Tage.
Am 3. Juli 1799 vernichtete eine Feuersbrunst in Stein 21 Gebäude.
Der Zusammenschluss von Stein und Neukirch zu einer Gemeinde muss kurz vor 1818 stattgefunden haben.
Für Neukirch werden 1534 sechs Vogtleute und fünf Eigenleute als Einwohner genannt. 1563 ist von sechs Häusern die Rede, 1607 von vier Feuerstätten. Von 1641 bis 1650 war der Ort verlassen, wohl als Folge des Dreißigjährigen Kriegs. 1650 werden wieder zwei Einwohner genannt, 1684 zwei Häuser, 1738 fünf Feuerstätten, 1750 34 Einwohner und 1807 60 Einwohner. Für Stein werden 1534 17 Vogtleute und drei Eigenleute genannt. 1566 befanden sich im Ort 17 Häuser, 1607 elf Feuerstätten. 1641 war Stein nur noch von drei Familien bewohnt. 1684 werden acht Häuser genannt, 1738 35 Feuerstätten. Eine Gesamtzahl von Einwohnern in Stein wird erstmals 1782 mit 277 überliefert. Im Jahr 1818 werden Stein und Neunkirch erstmals zusammen mit 346 Einwohnern aufgeführt.
Im heutigen Gemarkungsgebiet befanden sich mehrere inzwischen wüst gefallene Orte: Königshofen lag rund 300 Meter südöstlich von Neukirch. Der Ort wird erstmals im Jahr 1300 erwähnt. 1566 sollen sich dort drei Häuser befunden haben. 1615 wird der Ort als unbewohnt bezeichnet. Bonenvelt, ebenfalls im Jahr 1300 ersterwähnt, lag an der Gemarkungsgrenze zu Willingen und war wohl 1589 bereits wüst. Altenhof befand sich an einem unbekannten Ort nahe Stein und wird 1440 erstmals genannt, war bei der Zweiterwähnung 1511 möglicherweise aber bereits wüst. Im Jahr 1440 verwüsteten die Grafen von Sayn in einer Auseinandersetzung mit Nassau-Beilstein mehrere Orte rund um Stein und Neukirch, von denen viele danach aufgegeben wurden. Für viele dieser Orte ist diese Fehde zugleich die erste heute bekannte Erwähnung. Das betraf das wohl an der Grenze zum Nachbarort Hof gelegene Winkelseß. Später kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Hof und Stein um den Verbleib der einstigen Winkelseßer Gemarkung. 1681 wurde dieser Streit zu Gunsten von Stein entschieden. Von der Verwüstung 1440 war auch Neuendorf betroffen, das sich nordwestlich von Stein in der Nähe der Quelle der Schwarzen Nister befand, sowie Kühfeld, das 1300 erstmals erwähnt wurde und rund 1,7 Kilometer nördlich von Stein lag. Die Kühfelder Gemarkung wurde zwischen Stein und Neukirch aufgeteilt, wobei es über die genaue Verteilung mehrfach Auseinandersetzungen gab. Das Dorf Siegel wird um 1300 herum erstmals erwähnt. Sein genauer Ort und der Zeitpunkt des Wüstfalls lassen sich heute nicht mehr klären.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Stein-Neukirch besteht aus acht Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
+ Frühere Bürgermeister von Stein-Neukirch Name von bis Emil Schorn 1949 1965 Albrecht Zimmermann 1965 1969 Paul Haas 1969 1984 Edgar Schmidt 1984 1999 Burkhard Künz 1999 2001 Gerhard Haas 2001 2009 Harry Menk 2009 2019
Bürgermeister Daniel Haas wurde am 2. Juli 2019 Ortsbürgermeister von Stein-Neukirch. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 war er mit einem Stimmenanteil von 91,63 % für fünf Jahre gewählt worden. Bei der Direktwahl am 10. Juni 2024 wurde er mit einem Stimmenanteil von 68,60 % für weitere fünf Jahre wiedergewählt. Er setzte sich dabei gegen zwei Mitbewerber durch.
Wappen
Wahlen Der Ort war bis 1990 durch die Stimmenmehrheit der SPD geprägt, wobei sich die CDU einige Male auch als stärkste Partei durchsetzen konnte. Seit 1990 gewann die CDU zunehmend die meisten Stimmen, was der SPD nach der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder 2005 nur noch bei Landtagswahlen gelang. Auffallend ist der Stärke rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien. Die NPD wurde zum Beispiel bei der Landtagswahl 1967 mit mehr als 30 Prozent zweitstärkste Kraft.
Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse vergangener Wahlen.
Ergebnisse im Detail (seit 1990) Landtagswahl 2026 24,1 % 32,2 % 2,0 % 1,2 % 24,9 % 4,1 % 6,1 % 5,3 % Bundestagswahl 2025 20,7 % 28,8 % 3,8 % 1,1 % 27,7 % 6,5 % 3,8 % 7,6 % (BSW: 6,5 %) Europawahl 2024 17,7 % 33,5 % 5,7 % 4,4 % 22,8 % 1,3 % 3,2 % 11,4 % Kreistagswahl 2024 26,0 % 40,2 % 4,1 % 2,0 % 19,1 % 2,0 % 2,8 % 3,7 % Bundestagswahl 2021 22,3 % 26,4 % 5,0 % 13,2 % 18,2 % 4,1 % 5,0 % 5,8 % Landtagswahl 2021 36,4 % 35,4 % 1,5 % 5,1 % 10,6 % 1,0 % 3,0 % 7,0 % Kreistagswahl 2019 31,9 % 37,6 % 6,6 % 4,2 % 11,3 % 4,2 % — 4,2 % Europawahl 2019 26,7 % 32,9 % 6,8 % 3,4 % 14,4 % 3,4 % 2,7 % 9,7 % Bundestagswahl 2017 25,6 % 33,7 % 3,5 % 8,5 % 13,6 % 10,1 % 1,5 % 3,5 % Landtagswahl 2016 37,7 % 33,0 % 1,4 % 3,8 % 17,9 % 1,4 % 0,5 % 4,3 % Europawahl 2014 30,6 % 42,2 % 2,3 % 2,3 % 5,2 % 8,1 % 0,9 % 8,4 % Kreistagswahl 2014 34,3 % 44,1 % 5,9 % 2,0 % — 7,4 % — 6,4 % Bundestagswahl 2013 26,1 % 46,0 % 3,4 % 1,1 % 6,8 % 10,8 % 1,1 % 4,7 % Landtagswahl 2011 35,7 % 37,1 % 12,9 % 3,5 % — 5,3 % 1,2 % 4,1 % Bundestagswahl 2009 27,6 % 31,8 % 6,0 % 15,2 % — 10,1 % — 9,3 % Europawahl 2009 22,8 % 35,8 % 6,2 % 11,7 % — 4,9 % — 18,6 % Kreistagswahl 2009 31,5 % 41,4 % 5,0 % 8,3 % — 4,4 % — 9,4 % Landtagswahl 2006 42,1 % 35,2 % 2,5 % 5,7 % — 2,5 % — 14,5 % (NPD: 5,7 %) Bundestagswahl 2005 33,3 % 30,6 % 4,1 % 15,8 % — 5,9 % — 10,3 % Europawahl 2004 30,8 % 44,5 % 7,5 % 3,4 % — 0,7 % — 13,0 % Kreistagswahl 2004 38,8 % 42,7 % 5,1 % 5,6 % — — — 7,9 % Bundestagswahl 2002 40,2 % 41,8 % 4,8 % 6,0 % — 5,3 % — 1,9 % Landtagswahl 2001 42,1 % 32,2 % 2,9 % 9,4 % — — — 13,4 % Europawahl 1999 38,9 % 46,6 % 3,6 % 2,1 % — 1,0 % — 7,8 % Bundestagswahl 1998 46,0 % 33,2 % 5,8 % 4,0 % — 0,0 % — 11,0 % Landtagswahl 1996 37,5 % 39,0 % 3,0 % 6,0 % — — — 14,5 % (REP: 10,5 %) Bundestagswahl 1994 41,5 % 42,8 % 4,4 % 5,2 % — 0,4 % — 5,7 % Europawahl 1994 42,1 % 33,9 % 5,4 % 1,4 % — 0,0 % — 17,2 % (REP: 12,7 %) Landtagswahl 1991 48,8 % 38,4 % 3,0 % 7,4 % — — — 2,5 % Bundestagswahl 1990 37,5 % 45,4 % 3,2 % 8,8 % — — — 5,1 % Die Tabelle zeigt Parteien, die bei Bundestagswahlen oder Landtagswahlen seit 1990 Sitze errungen haben. Andere Parteien werden unter Sonstige benannt, wenn sie bei der jeweiligen Wahl mindestens fünf Prozent der Stimmen errangen. Ergebnisse im Detail (1945–1989) Europawahl 1989 44,3 % 32,3 % 1,5 % 5,0 % – – 16,9 % (DVU: 8,0 %; REP: 6,5 %) Kreistagswahl 1989 50,5 % 38,5 % 2,0 % 3,5 % – – 5,5 % Bundestagswahl 1987 44,6 % 40,4 % 7,5 % 3,3 % 4,2 % – 0,0 % Landtagswahl 1987 48,7 % 36,9 % 6,7 % 2,1 % 5,1 % – 0,5 % Europawahl 1984 42,4 % 40,2 % 4,3 % 5,4 % 4,3 % – 3,3 % Kreistagswahl 1984 53,2 % 41,6 % 1,6 % – – – 3,6 % Bundestagswahl 1983 42,2 % 47,0 % 3,2 % 6,0 % 1,6 % – 0,0 % Landtagswahl 1983 48,4 % 48,0 % 0,0 % 3,2 % – – 0,4 % Bundestagswahl 1980 49,8 % 40,9 % 7,0 % 2,3 % 0,0 % – 0,0 % Europawahl 1979 50,2 % 41,9 % 3,0 % 4,4 % – – 0,5 % Kreistagswahl 1979 52,3 % 38,3 % 2,8 % – – – 5,6 % Landtagswahl 1979 56,1 % 38,0 % 5,4 % – 0,5 % – 0,0 % Bundestagswahl 1976 54,2 % 41,7 % 3,2 % – 0,9 % – 0,0 % Landtagswahl 1975 55,1 % 38,4 % 2,7 % – 3,8 % – 0,0 % Kreistagswahl 1974 49,8 % 41,5 % 8,7 % – – – – Bundestagswahl 1972 53,7 % 36,8 % 7,4 % – 2,1 % – 0,0 % Landtagswahl 1971 45,8 % 39,9 % 8,3 % – 5,4 % – 0,6 % Bundestagswahl 1969 48,7 % 30,8 % 4,5 % – 16,0 % – 0,0 % Kreistagswahl 1969 67,5 % 22,3 % 10,2 % – – – – Landtagswahl 1967 37,6 % 21,6 % 7,2 % – 30,4 % – 3,2 % Bundestagswahl 1965 29,9 % 37,7 % 9,6 % – 19,2 % – 3,6 % Kreistagswahl 1964 52,7 % 39,0 % 8,2 % – – – – Laut Angaben des Landeswahlleiters Rheinland-Pfalz liegen Wahlergebnisse im hauseigenen Archiv erst ab Mitte der 1960er-Jahre vor. Die Tabelle zeigt Parteien, die bei Bundestagswahlen oder Landtagswahlen zwischen 1945 und 1989 Sitze errungen haben und in Oberroßbach zur Wahl standen. Andere Parteien werden unter Sonstige benannt, wenn sie bei der jeweiligen Wahl mindestens fünf Prozent der Stimmen errangen. Bei Wahlen mit Erst- und Zweitstimmen sind jeweils die Zweitstimmen vermerkt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Sehenswürdigkeiten mini|Evangelische Kirche Neukirch Evangelische Kirche Neukirch
Regelmäßige Veranstaltungen Bis 2015 fand traditionell am ersten Augustwochenende die Stein-Neukircher Kirmes statt. Der Neukircher Markt am Montag bildete regelmäßig den Abschluss der Kirmes und galt als besonderer Höhepunkt. Aufgrund der rückläufigen Besucherzahlen wurden Markt und Kirmes im Jahr 2015 zum letzten Mal ausgerichtet.
Kulturdenkmäler Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Stein-Neukirch
Verkehr/Anbindung Etwa 4,5 km nordöstlich der Gemeinde liegt der Flughafen Siegerland (IATA-Code: SGE), durch den gerade die umliegenden Unternehmen wirtschaftliche Vorteile genießen können. Der besondere Standort im Dreiländereck (Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen) verleiht dem Flughafen zusätzlich eine besondere Attraktivität.