Jakob Ragaz (* 29. September 1846 in Tamins; † 27. Mai 1922 in Tamins) war ein Schweizer Architekt.
Leben
miniatur|Hotel Pontresina, Pontresina. Rechts der Bau von 1881, links die Erweiterung von 1895 miniatur|Entwurf der Fassade des Hotels Kronenhof und Bellavista
Jakob Ragaz stammte aus einer Handwerkerfamilie aus Tamins. Er besuchte die Kantonsschule in Chur und studierte anschliessend an den Polytechnischen Schulen in Stuttgart und München. Der frischgebackene Architekt erhielt 1866 seinen ersten Auftrag im Engadin, wo sein Vater Linhard Ragaz in den 1840er Jahren als Zimmermann gearbeitet hatte. In Samedan übernahm er die Bauleitung für das Hotel Bernina, das der Zürcher Architekt Johann Jakob Breitinger entworfen hatte.
Die gute Baukonjunktur im Engadin – der aufkommende Tourismus versprach viele Bauaufträge – veranlasste ihn, sich in Samedan niederzulassen. Gemeinsam mit seinem Bruder Georg Ragaz (* 16. Oktober 1857 in Tamins; † 12. Januar 1909 in Chur) gründete er dort das Baugeschäftes Gebrüder Ragaz. In der Firma übernahm Georg als Zimmermann wohl eher die praktischen Arbeiten wie die Bauführung, während der Architekt Jakob die gestalterischen Aufgaben abdeckte.
Mit ihren spätklassizistischen Hotel- und Villenbauten wie den Hotels Saratz, Pontresina (heute Sporthotel Pontresina), Languard und Enderlin sowie den Villen Ludwig und Gredig prägten sie die Veränderung des Ortsbildes von Pontresina vom Dorf zum Fremdenkurort zwischen 1870 und 1890 wesentlich. Ab den 1890er Jahren erweiterten sie die meisten dieser Hotels – es galt, mit der Konkurrenz im nahegelegenen St. Moritz gleichzuziehen und die gestiegenen Ansprüche der Gäste zu befriedigen – in Formen des Neobarock und der Neurenaissance. Besonders bedeutend ist die Erweiterung des Hotels Kronenhof und Bellavista 1896 bis 1898 zur heutigen Dreiflügelanlage.
Nach dem Tod von Georg 1909 übernahm 1912 die Firma Koch, Vonesch & Co. in Samedan das Baugeschäft. Jakob Ragaz kehrte nach Tamins zurück, wo er 1922 starb.
Seinen Nachlass verwahrt das Staatsarchiv des Kantons Graubünden in Chur.
Werke 1873 Haus Frizzoni, Samedan 1873–75 Hotel Saratz, Pontresina 1876 Erweiterung des Hotels Roseg, Pontresina, um die Dependance Belmunt; 1887 Anbau eines neuen Speisesaals; 1896/97 Aufstockung 1875/76 Hotel Languard, Pontresina; Erweiterung 1895; abgebrochen 1998 1878 Villa Jenny, Bever 1880 Villa Ludwig, Pontresina 1885 Villa Gredig, Pontresina 1881 Hotel Pontresina (heute Sporthotel), Pontresina; Erweiterung 1895 1884 Hotel Enderlin (heute Schlosshotel), Pontresina 1887 Versetzung des Kirchturms der Pfarrkirche San Niculò, Pontresina 1896–1898 Erweiterung Hotel Kronenhof und Bellavista, Pontresina 1900 Erweiterung Hotel Weisses Kreuz um Dependance Parkhaus, Pontresina 1903/1904 Aufstockung Hotel Bernina, Samedan
Literatur
Isabelle Rucki [et al.]: Architektenlexikon der Schweiz : 19./20. Jahrhundert. Verlag Birkhäuser, Basel 1998, ISBN 3-7643-5261-2, Seite 432.
Isabelle Rucki: Das Hotel in den Alpen. Die Geschichte der Oberengadiner Hotelarchitektur von 1860 bis 1914. Institut für Geschichte und Theorie der Architektur gta, Zürich 1989, ISBN 3-250-50108-5, S. 151/152 (Zugleich Dissertation an der Universität Zürich 1988).
Weblinks
Plannachlass im Staatsarchiv des Kantons Graubünden in Chur (PDF; 618 kB)
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