mini|Die katholische Pfarrkirche St. Johannes und Paulus in Beckingen
Die Kirche St. Johannes und Paulus ist eine katholische Pfarrkirche in Beckingen, Landkreis Merzig-Wadern, Saarland. Die Kirche trägt das seltene Patrozinium der beiden kaiserlichen Palastbeamten, frühchristlichen Märtyrer und WetterheiligenVera Schauber und Hanns Michael Schindler: Artikel "Johannes und Paulus von Rom", in: Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf, Augsburg 1998, S. 316–317. Johannes und Paulus von Rom und ist in der Denkmalliste des Saarlandes als Einzeldenkmal aufgeführt. Die Kirche ist dem Bistum Trier und dem Dekanat Merzig zugeordnet. Das Patrozinium der Kirche wird am 26. Juni gefeiert.
Geschichte mini|Franz Xaver Leidinger (1810–1890), Bauherr der neogotischen Beckinger Kirche: Bild Nr. 35, „Eine Konferenz von sechs Pastören“, v. l. n. r. Pastor Goebel von Serrig; Pastor Deutsch, ehemaliger königlich-preußischer Schulinspektor und Direktor der Ackerbauschule in Merchingen, Rentner in Menzlich bei Konz; Pastor Philipp Schmitt von Dillingen, später Trier St. Paulin; Pastor Franz Xaver Leidinger von Beckingen; Pastor Herber von Kastel bei Saarburg, später Leiwen an der Mosel; Postor Heinesch von Bietzen; hinter Franz Xaver Leidinger sieht man auf einer Staffelei ein Gemälde, das die alte Beckinger Kirche zeigt (1843, 84 cm × 63 cm, Pfarrhaus Beckingen) Mittelalter Die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche in Beckingen datiert aus dem Jahr 1254. Die im Jahr 1388 gegossene Marienglocke der heutigen Kirche, die somit die älteste erhaltene Glocke des Saarlandes darstellt, hing ursprünglich wohl in dieser Kirche.Informationen zur Pfarrkirche St. Johannes und Paulus Beckingen Auf: www.kunstlexikonsaar.de, abgerufen am 25. März 2014.
Spätgotischer Kirchenbau und Patronat mini|Beckingen, spätgotische Pfarrkirche, Zeichnung mini|links|Beckingen, spätgotische Pfarrkirche, Innenraum (Gemälde im Pfarrarchiv Beckingen) mini|Beckingen, spätgotische Pfarrkirche, Foto von 1873/74 Im Jahr 1580 ließen die Jesuiten aus Trier auf dem Bolzenberg eine neue Kirche errichten, die damit das zweite Gotteshaus an diesem Ort war. Die Marienglocke läutete auch in dieser Kirche, die Mitte des 19. Jahrhunderts teilweise baufällig geworden war. Dieser Vorgängerbau der heutigen Kirche befand sich auf der untersten Terrasse des heutigen Beckinger Friedhofes. Die jesuitische Bauinitiative ist dadurch zu erklären, da im Jahr 1565 das Patronatsrecht über die Pfarrei Beckingen auf die Trierer Jesuitenniederlassung übergegangen war. Vorher hatte das Patronat über dreihundert Jahre beim Trierer Dominikanerinnenkloster St. Barbara gelegen. Hintergrund war, dass um die Mitte des 13. Jahrhunderts die Angehörige eines reichen Trierer Rittergeschlechtes, Ponzetta de Lapide, Ehefrau Eberhards III. von Oberstein, das Patronatsrecht der Beckinger Kirche im Jahr 1254 dem Dominikanerinnenkloster St. Barbara in Trier übereignet hatte. Darüber hinaus hatte Ponzetta dem Kloster umfangreiche Besitzungen innerhalb der Beckinger Gemarkung übergeben. Diese Schenkung wurde durch den Trierer Bischof Arnold II. von Isenburg bestätigt und die Beckinger Pfarrkirche dem Trierer St.-Barbara-Kloster inkorporiert.Roman Fixemer: Zur Geschichte der neuen gotischen Kirche in Beckingen, Eine Aufarbeitung der handschriftlichen Aufzeichnungen der Pfarrer Franz Xaver Leidinger und Matthias Flesch über die Baugeschichte der katholischen Pfarrkirche Beckingen St. Johannes und Paulus von 1855 bis 1924, kommentiert, ergänzt und fortgeführt bis zum Jahre 2007, hrsg. von der Katholischen Kirchengemeinde Beckingen St. Johannes und Paulus, Merzig 2008, S. 284.
Das Trierer Kloster hatte Zeit seines Bestehens ständig mit finanziellen Engpässen zu kämpfen und wurde im Jahr 1556 schließlich aufgelöst. Der Besitz des Klosters, auch der Beckinger St.-Barbara-Hof, fiel daraufhin mit allen seinen Einkünften an das Hochstift Trier. Dennoch zog der Herzog von Lothringen, Karl III., vertreten durch seinen Amtmann auf der lothringischen Landesburg Siersberg auf der Beckingen gegenüberliegenden Saarseite, den ehemaligen Klosterhof ein und der Trierer Erzbischof ging leer aus. Da Beckingen Teil des Herzogtums Lothringen war, sah sich Karl III. im Recht, dem Hochstift Trier, den Beckinger Besitz entziehen zu können. Erst unter Zuhilfenahme der Mutter des Herzogs Karl, Christina von Dänemark, Nichte Kaiser Karls V., gelang es dem Trierer Erzbischof, dass der lothringische Herzog den Beckinger Hofbesitz sowie die Patronatsrechte an Beckingen und Fickingen im Jahr 1565 der neugegründeten Jesuitenniederlassung in Trier überließ. Die herzogliche Oberhoheit über den Beckinger Besitz und die Patronatsrechte der Beckinger Kirche behielt das Herzogtum Lothringen jedoch weiter. Die Trierer Jesuiten verpachteten den Beckinger St.-Barbara-Hof ebenso wie die Dominikanerinnen. Der Hofbesitz umfasste 53 Morgen Ackerland, viereinhalb Morgen Wingerte, zwei Morgen Gärten und eine Heumahd von 47 Wagenladungen. Der Hof, der bereits im 1558 niedergebrannt war, wurde im Dreißigjährigen Krieg völlig zerstört und musste daraufhin wiederaufgebaut werden.
Der St.-Barbara-Hof ging nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 durch Papst Clemens XIV. an das Trierer Priesterseminar über, das den Besitz bis zur Französischen Revolution innehatte.
Für die Beckinger Deutschordenskommende war der St.-Barbara-Hof sowie das Kirchenpatronat wie ein Pfahl im Fleisch seines Herrschaftsbereiches. Einerseits war er wirtschaftlich attraktiv, andererseits störte er als Herrschaftsexklave die Deutschordensritter. Ansatzpunkt der Streitigkeiten zwischen den Hofbesitzern und dem Deutschen Orden waren die zwischen den Trierer Dominikanerinnen und Gerhard von Beckingen im Jahr 1288 vertraglich vereinbarten Weiderechtvorbehalte auf dem Beckinger Bann. Da die Rechte Gerhards von Beckingen auf den Deutschorden übergegangen waren, versuchten die Ordensritter dem St.-Barbara-Hof die Weiderechte zu verweigern, um so den Hof insgesamt ökonomisch zu schwächen. So kam es in der Folgezeit zu ständigen Streitigkeiten.
Im Jahr 1556 versuchte der Deutsche Orden im Gefolge der Auflösung des Trierer Dominikanerinnenklosters St. Barbara in seiner Funktion als weltliche Obrigkeit Beckingens sogar die Rechte und Besitzungen der Nonnen in Beckingen einzuziehen. Doch traf dies auf den Unmut des Trierer Kurfürsten und Erzbischofs Johann VI. von der Leyen sowie des Herzogs von Lothringen Karl III. Auch der Hochmeister des Deutschen Ordens Wolfgang Schutzbar unterstützte das Ansinnen der Beckinger Kommende nicht. Schließlich konnte im Jahr 1607 ein endgültiger Kompromiss gefunden werden. Damals hatten schon die Trierer Jesuiten den St.-Barbara-Hof übernommen. Die Jesuiten bekamen den Zehnten von den Einkünften der verpachteten Schäfereien der Deutschordenskommende und der Pächter des St.-Barbara-Hofes musste den Deutschordensrittern Frondienste leisten.
Eine neue Gelegenheit für die Beckinger Kommende, doch noch in den Besitz des St.-Barbara-Hofes und des Beckinger Kirchenpatronates zu kommen, bot die Auflösung des Jesuitenordens in Frankreich im Jahr 1764. Beckingen war mit dem Tode des letzten Herzogs von Lothringen, Stanislaus I. Leszczyński, im Jahr 1766 an die französische Krone König Ludwigs XV. gefallen. Die Beckinger Kommende machte den Trierer Jesuiten das Angebot, durch den Verkauf ihrer Besitzungen an den Deutschen Orden einer möglichen Beschlagnahmung durch König Ludwig XV. zuvorzukommen. Zwar hegte der Jesuitenorden Sympathien für diesen Coup, doch kam es zu keiner Vertragsunterzeichnung. Damit war in der Geschichte der Beckinger Deutschordenskommende der letzte Versuch der Ritter gescheitert, ganz Beckingen in ihre Macht zu bekommen. Martin Uhrhan: Die Geschichte der Deutschordenskommende Beckingen, in: Christiane Henrich, Monika Silvanus, Martin Uhrhan, Volkmar Schommer: Beckingen im Wandel der Zeit, Eine Darstellung der Geschichte und Gegenwart der Gemeinde Beckingen und ihrer Gemeindebezirke, hrsg. von der Gemeinde Beckingen, Beckingen 1991, S. 106–110.
Architektur der spätgotischen Kirche mini|Steinberg, Pfarrkirche St. Liborius mit dem alten barocken Beckinger Hochaltar mini|links|Wendalinus-Kapelle, Saarfels; Der ursprüngliche Bau stammt aus dem 15. Jahrhundert und war Jagdkapelle des Deutschherrenordens in Beckingen. Von seiner Kubatur weist er einige Ähnlichkeiten mit der alten spätgotischen Beckinger Pfarrkirche auf. Die Beckinger Kirche wurde im Jahr 1757 nochmals renoviert. Das spätgotische Gebäude bestand weitgehend aus verputztem Bruchsteinmauerwerk, während die Strebepfeiler, die Gewände, die Gewölbe und die Turmecken in Haustein ausgeführt worden waren. Der Beckinger Friedhof lag um die Kirche herum. Vor der Kirche in Richtung der Dorfstraße war ein lindenumstandener Dorfplatz mit Dorfbrunnen angelegt. Die dreiachsige Kirche war zweischiffig angelegt und wies eine Ostung auf. Das spätgotische Gewölbe ruhte auf zwei Mittelpfeilern. Die Innenmaße betrugen etwa 11 m auf 8 m. Die zweiachsige Apsis schloss dreiseitig. Ihre Maße betrugen etwa 8 m Tiefe auf 7 m Breite. Das Innere verfügte über eine Empore, einen barocken Hauptaltar sowie zwei Nebenaltäre (Muttergottes-Altar, links, und Antonius-von-Padua-Altar, rechts) im gleichen Stil. Der Hochaltar steht heute in der St. Liborius-Kirche im Waderner Ortsteil Steinberg. Die Kanzel befand sich an der Nordwand des Schiffes. Der dreigeschossige Turm mit Glockenstube und Turmuhr war der Westseite des Sakralbaues seitlich vorgelagert. Durch das hölzerne Turmtreppenhaus war die Empore betretbar. Das verschieferte Kirchturmdach war als achteckiger Knickhelm gestaltet. Die Glockenstube öffnete sich in durch Säulchen gekuppelten, romanisierenden Schallfenstern. Aufgrund von Platzmangel hatte man im Jahr 1821 vor dem Turm und der ersten Fensterachse eine zweiteilige Eingangshalle mit Pultdach errichtet, die Gottesdienstbesuchern provisorisch Platz bot. Um das Jahr 1840 zählte die Pfarrei etwa 840 Seelen. Die Sakristei war an die Apsis angebaut und war durch ein Pultdach abgedeckt. Die Kirchenfenster waren spitzbogig und wiesen kein Maßwerk auf. Das Kirchendach war verschiefert, der Fußboden des Inneren mit Sandsteinplatten belegt. Die Innenwände waren weiß gekalkt.
Abriss der spätgotischen Kirche Nach dem Neubau der neogotischen Beckinger Kirche beschloss der Kirchenvorstand im September 1877 die alte spätgotische Beckinger Kirche, die seit 1863 leerstand, abzureißen. Durch den Verkauf des Steinmaterials sollten die Schulden des Neubaues mitfinanziert werden. Die Vertreter der Zivilgemeinde Beckingen befürworteten den Abriss, da man an der Stelle der alten Kirche den Kirchhof erweitern wollte. Emerich Knebel (1839–1898, Amtszeit in Merzig: 1875–1891), der Landrat des Landkreises Merzig sowie damaliger Besitzer der ehemaligen Beckinger Deutschherrenkommende, wollte die Kirche aufgrund ihrer historischen und kunstgeschichtlichen Bedeutung allerdings erhalten und lehnte den Abriss deshalb ab. Da allerdings die königlich-preußische Regierungsbehörde in Trier einen finanziellen Zuschuss zur Erhaltung des Bauwerkes abgelehnt hatte, wurde die alte Beckinger Kirche zum Abriss freigegeben. Die Demolierung erfolgte in den Jahren 1880 bis 1881.Roman Fixemer: Zur Geschichte der neuen gotischen Kirche in Beckingen, Eine Aufarbeitung der handschriftlichen Aufzeichnungen der Pfarrer Franz Xaver Leidinger und Matthias Flesch über die Baugeschichte der katholischen Pfarrkirche Beckingen St. Johannes und Paulus von 1855 bis 1924, kommentiert, ergänzt und fortgeführt bis zum Jahre 2007, hrsg. von der Katholischen Kirchengemeinde Beckingen St. Johannes und Paulus, Merzig 2008, S. 284–289.
Neubau im 19. Jahrhundert mini|150px|Carl Friedrich Müller (* 14. Juni 1833 in Hersfeld; † 1. August 1889 ebd.), Kreisbaumeister des Landkreises Saarlouis, ausführender Architekt der Kirche St. Johannes und Paulus in Beckingen nach den Plänen von R. Vogdt, Aufnahme aus dem Jahr 1870