Eitensheim ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Eichstätt und der Sitz der gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft.
Geografie Die Gemeinde liegt auf der Hochfläche der Südlichen Frankenalb zwischen Eichstätt und Ingolstadt im Naturpark Altmühltal. Es gibt nur den Gemeindeteil Eitensheim.
Nachbarorte und -gemeinden
Ortsnamensdeutung Die älteste Ortsbezeichnung „Itensheim“ bedeutet wohl „Heim der Itis“, der hehren, ehrwürdigen Frau.Hirsch, S. 7
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Im Eitensheimer Baugebiet „Breitenstückl“ wurde 1998 das Grab eines vor 7000 Jahren im Mittelneolithikum gestorbenen Mannes, wohl eines Bauern, freigelegt. Relikte aus der Bandkeramik, die in diesem Gebiet gefunden wurden, sind noch 1000 Jahre älter.Eichstätter Kurier vom 21./22. Mai 1998; Hirsch, S. 231 Auch aus der Bronze-, Hallstatt- und Latènezeit wurden in der Eitensheimer Flur Funde gemacht. In der Flur „Raitschaft“ befinden sich Hügelgräber, und römische Besiedelung ließ sich bei der Sebastianskapelle und südöstlich von Eitensheim nachweisen. Südlich zum Hessenhof hin stand eine ausgedehnte Villa rustica.Eichstätter Raum, S. 188
Eitensheim, an der römischen Handelsstraße Manching–Pfünz gelegen, gehörte zur Grundausstattung des im 8. Jahrhundert gegründeten und von dem Adeligen Suidger mit dem Meierhöfen von Eitensheim, Möckenlohe, Buxheim und Adelschlag als Eigenmark ausgestatteten Eichstätter Bistums.Hirschmann, S. 19 f., 62 908 als „Itensheim“ in einer Urkunde König Ludwigs IV. für den Eichstätter Bischof Erchanbald erstmals erwähnt, war der Ort jahrhundertelang eng mit dem Eichstätter Domkapitel verbunden: 1179 wurden dem Domkapitel durch Papst Alexander III. und erneut 1186 durch Papst Urban III. zwei Drittel des Neubruchzehents in „Itensheim“ bestätigt. 1122 ist mit „Hezel et Regenhere de Itenesheim“ ein Ortsadeliger als eichstättischer Ministeriale genannt.Hirsch, S. 74 f. Auf dem „Mayrhoff“ saßen siegelfähige, also niederadelige Personen, von denen aus dem 14./15. Jahrhundert einige namentlich bekannt sind.Sammelblatt Historischer Verein Eichstätt 92/93 (1999/2000), S. 290 1305 wurde der Ort in der Auseinandersetzung um das Hirschberger Erbe dem Hochstift Eichstätt zugesprochen.Hirsch, S. 78 1433 gehörten 28 ganze und 18 halbe Hufen sowie 2 wohl durch Rodung entstandene „Feuerhöfe“ dem Domkapitel. 1460 wurde Eitensheim durch Ludwig den Reichen in seinem Krieg gegen den Markgrafen von Ansbach und den Bischof von Eichstätt geplündert.Eichstätter Raum, S. 187 Der Ort war ambulatorischer Gerichtssitz des Amtes der Eichstätter Landvogtei mit eigener Ehehaftsordnung ab dem 14. Jahrhundert.Hirschmann, S. 50; Hirsch, S. 90, 106 ff.
Am Ende des Alten Reiches bestand der Ort aus 101 zumeist bäuerlichen Anwesen. Nach Einführung der Stallfütterung im 18. Jahrhundert war der Viehbestand im Fürstentum Eichstätt stark angestiegen; in den 1790er Jahren gab es allein in Eitensheim 350 bis 400 Stück Hornvieh.Hirschman, S. 61 An das Hofkastenamt Eichstätt zinsten bis 1801 21 Höfe, 2 Halbhöfe, 16 Köblergüter und 31 Seldengüter; außerdem gehörten dem Hofkastenamt 20 Leerhäuser. Dem Domkapitel Eichstätt hatten 1 Hof und 4 Seldengüter Abgaben zu leisten; 1 Haus stand leer. Dem Eichstätter Heilig-Geist-Spital unterstanden 2 Höfe. Außerdem gab es in Eitensheim die Kirche, den Pfarrhof, das Frühmeßhaus, das Schulhaus, das Amtsknechtshaus, die Gemeinschmiede, das Badhaus und das Hirtenhaus.Hirschmann, S. 101
Mit dem Hochstift Eichstätt kam Eitensheim 1802 an den Großherzog Ferdinand von Toskana.Hirsch, S. 158; Freilinger, S. 323 Im neuen Königreich Bayern (1806) wohnten im Pfarrdorf Eitensheim, das 1808/10 einen eigenen Steuerdistrikt bildeteFreilinger, S. 311 f. und dem Landgericht Eichstätt zugeordnet war, 546 Personen. Seit 1817 im Landgericht und Rentamt Ingolstadt,Freilinger, S. 310 wurde 1818 aus dem Steuerdistrikt eine selbständige Ruralgemeinde, die 124 Familien zählte.Hirschmann, S. 172, 201; Hirsch, S. 160
19. und 20. Jahrhundert Seit 1889 hat Eitensheim, an der Bahnstrecke Ingolstadt-Treuchtlingen gelegen, eine Bahnhaltestelle.Hirsch, S. 201
Bereits 1913 und 1923/24 wurde eine 1297 Hektar umfassende Flurbereinigung durchgeführt – die erste in Oberbayern; an sie erinnert ein wohl 1924 errichtetes steinernes Denkmal mit einer Knabenfigur mit Getreidegarben.Eichstätter Kurier vom 7. August 2003 1954 wurde eine zentrale Wasserversorgung installiert; 1971 erfolgte die Kanalisation des Ortes. 1969 wurde eine neue Schule mit Turnhalle errichtet, die ab 1973 als Grund- und Teilhauptschule I geführt wurde.Eichstätter Raum, S. 187, Hirsch, S. 227 ff.
Kreiszugehörigkeit Eitensheim gehörte bis zur Gebietsreform im Jahr 1972 zum Landkreis Ingolstadt. Damals wurde der Landkreis Ingolstadt aufgelöst und die Gemeinden wurden auf die Landkreise Eichstätt oder Pfaffenhofen an der Ilm verteilt oder zum Stadtteil von Ingolstadt erklärt. Somit gehört Eitensheim seit 1972 zum Landkreis Eichstätt.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 1822 auf 3028 um 1206 Einwohner bzw. um 66,2 % – der höchste prozentuale Zuwachs im Landkreis im genannten Zeitraum. Jahr Einwohner 1671 445 1706 600 1741 596 1796 529 1835 639 1848 689 Jahr Einwohner 1855 832 1861 723 1867 680 1882 826 1889 834 1897 795 Jahr Einwohner 1900 850 1902 873 1912 858 1925 924 1937 950 1939 1004 Jahr Einwohner 1950 1530 1962 1430 1973 1616 1983 1721 1990 1801 1999 2359 Jahr Einwohner 2002 2455 2004 2502 2006 2674 2008 2748 2010 2757 2015 2966 Jahr Einwohner 2017 3111 2019 3125 2024 3152 * 2004: 30. Juni, sonst 31. Dezember
Politik Der Gemeinderat hat 16 Mitglieder.
Gemeinderat 2020
Bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 ergab sich bei einer Wahlbeteiligung von 67,46 % folgende Besetzung:Mitteilungsblatt der Gemeinde Eitensheim Juni 2020, auf www.eitensheim.de, abgerufen am 13. Januar 2025
Partei Anzahl Sitze CSU 8 SPD 4 Freie Wähler Bayern 4
Gemeinderat 2026
Die Sitze verteilen sich wie folgt:
(Stand: Kommunalwahl 2026)
Bürgermeister Die Bürgermeister seit 1876:
Amtszeit Name 1876–1895Willibald Dier 1895–1905Sebastian Trini 1905–1924Anton Wagner 1924–1933Josef Knörr 1933–1946Andreas Bauer 1946–1948Ludwig Bernecker 1948–1966Andreas Meyer1966–1978 Franz Bernecker 1978–1990 Günter Lachnit 1990–2002 Josef Funk (SPD) 2002–2020 Michael Stampfer (CSU) seit 2020 Manfred Diepold (CSU)
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche St. Andreas mini|hochkant|Barockbild der „Vierzehn Nothelfer“ in St. Andreas mini|Flurdenkmal „Drei Kreuze“ an der Flurgrenze Eitensheim-Tauberfeld Kirchen Katholische Pfarrkirche St. Andreas: Zwischen 1182 und 1196 wurde in „Itensheim“ durch den Eichstätter Bischof Otto in Eitensheim eine Kirche geweiht. 1499 wurde wohl eine größere bauliche Veränderung vorgenommen, da eine Ablasserteilung erfolgte. 1742 stuckierte Franz Xaver Horneis die Decke. Diese Kirche wurde 1859 abgebrochen und 1859/60 durch einen neugotischen Bau ersetzt, der 1867 geweiht wurde. Durch eine Erweiterung im Westen und einer völligen Neugestaltung des Langhauses entstand in den Jahren von 1959 und 1961 der heutige Sakralbau nach Plänen des Ingolstädter Architekten Ludwig Geith. Er weist ältere Ausstattungsstücke auf. Der nach einem Scheunenbrand im benachbarten Meierhof am 8. Dezember 1959 in Mitleidenschaft gezogene Kirchturm wurde neu errichtet und wird wegen seiner schlanken Ausführung mit einem spitzen Helm auch „Bleistift Gottes“ genannt.Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt vom 20. März 2011; Eichstätter Kurier vom 18. Juni 1998 und vom 15. Dezember 2009 Katholische St. Salvator-Kapelle: Die 1589/90 wieder aufgebaute heutige Friedhofskapelle ist ein Steildachbau mit 1708 aufgesetztem Zwiebelturmdachreiter. Die frühere Wallfahrtskapelle birgt ein Mirakelgemälde, das auf eine Wallfahrt in Zusammenhang mit einem Hostienfrevel verweist.Hirsch, S. 103 f. Die ursprüngliche Decken- und Wandbemalung ist übertüncht.Eichstätter Kurier vom 13. Mai 1997 Katholische St. Sebastianskapelle: Die Feldkapelle östlich von Eitensheim und südlich der Straße nach Gaimersheim ist ein Steildachbau mit Zwiebelturmdachreiter. Die Kapelle wurde 1713 erbaut und birgt eine Holzplastik der Marienkrönung aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts.Eichstätter Raum, S. 187; Hirsch, S. 137 f. Durch ein schweres Unwetter am 7. Juli 2015 wurde die Kapelle durch einen umgestürzten Weidenbaum schwer beschädigt und musste saniert werden. Feldkapelle St. Magdalena, 1865 errichtet.Eichstätter Raum, S. 187 Bei dem 1602 erwähnten und 1722 in einem Plan verzeichneten und in der Nähe der Bundesstraße 13 stehenden, sagenumwobenen Flurdenkmal Drei Kreuze sind noch Spuren einer Pankratius-Wallfahrtskapelle vorhanden.Informationstafel des Heimat-, Krieger- und Soldatenvereins Tauberfeld bei den „Drei Kreuzen“; Hirsch, S. 189–193 Dort befindet sich auch der obeliskartige Grenzstein Nr. 184 von 1818 zwischen Bayern und dem Fürstentum Eichstätt (und bis 1972 zwischen den Landkreisen Eichstätt und Ingolstadt).
Museen Heimatmuseum Eitensheim
Musik Männergesangsverein Kirchenchor
Sport SV Eitensheim (7 Abteilungen: Fußball, Tennis, Tischtennis, Volleyball, Gymnastik, Ju-Jutsu, Kegeln) Schützomania Eitensheim (Faschingsgarde) Schützengesellschaft „Orient“ Eitensheim e.V.
Regelmäßige Veranstaltungen März: Starkbierfest Juli: Johannisfeuer (Pfarrjugend Eitensheim), Dorffest (Junge Union Eitensheim) August: Delacherfest November: Hoagarten, Weihnachtsmarkt Dezember: Adventssingen
Verkehr mini|Der Haltepunkt Eitensheim B 13 drei Ausfahrten: Eitensheim-Nord Eitensheim-Mitte Eitensheim-Süd BAB 9 (von Ausfahrt Nr. 60 Lenting erreichbar) Bahnstrecke München–Treuchtlingen mit dem Haltepunkt Eitensheim
Persönlichkeiten Karl Obermeier (* 1949), Fußballspieler Reinhard Brandl (* 1977), Bundestagsabgeordneter
Literatur
Der Eichstätter Raum in Geschichte und Gegenwart. 2., erweiterte Auflage, Eichstätt 1984. Hubert Freilinger: Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern. Ingolstadt. München 1977. Andreas Hirsch: Eitensheim. Hrsg. von der Gemeinde Eitensheim. Eitensheim 2000.
Weblinks
Gemeindeverwaltung
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Eichstätt Kategorie:Ersterwähnung 908 Kategorie:Gemeindegründung 1818
Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)