Lob - Gotlib - Alexis Superdupont (Bitte Urheberrechte beachten) Superdupont [] ist eine französische Comic-Serie von Jacques Lob und Marcel Gotlib, die erstmals am 21. September 1972 im Jugend-Magazin Pilote erschien und ab 1975 in Fluide Glacial weitergeführt wurde. Die Serie, die durch die individuellen Zeichenstile verschiedener Cartoonisten geprägt ist, parodiert sowohl den Stil von Superhelden-Comics als auch kulturelle Eigenarten, wissenschaftliche Errungenschaften und typische Erzeugnisse Frankreichs. Diese verteidigt der ultra-patriotische und offen chauvinistische Antiheld Superdupont im unermüdlichen Kampf gegen die subversiven Kräfte der sektiererischen Geheimorganisation Anti-France.

Publikationsgeschichte Jacques Lob entwickelte den Charakter und die Abenteuer von Superdupont und arbeitete dabei mit verschiedenen Cartoonisten zusammen. Erster Zeichner der Serie und gleichzeitig Co-Szenarist war und ist Marcel Gotlib. Diese erste Fortsetzungsgeschichte der Serie erschien am 21. September 1972 in der Ausgabe Nr. 672 des französischen Jugend-Magazins Pilote. Da Gotlib aber mit redaktionellen Arbeiten und Zeichnungen an anderen Serien beschäftigt war, übernahm Alexis die Ausführung der Zeichnungen.

1972 verließ Gotlib die Redaktion von Pilote und gründete zusammen mit Claire Bretécher und Nikita Mandryka das Magazin L’Écho des Savanes, aber erst nachdem er am 1. April 1975 zusammen mit seinem Jugendfreund Jacques Diament ein eigenes Magazin, Fluide Glacial, gegründet hatte, wurde Superdupont ab 1975 dort fortgesetzt. Während der Arbeit zu der Episode La croisade de Superdupont (II)Band 5: La croisade de Superdupont (II) verstarb Alexis (1946–1977)Im Vorwort zu Band 5: Les âmes noires schreibt Gotlib unter dem Titel Lâcheurs... (frei übersetzt Treulose Tomaten...) einen sehr eigenwilligen Nachruf auf Alexis und Lob, der deutlich macht, wie eng die Zusammenarbeit gewesen sein muss. überraschend im Alter von 30 Jahren nach der Ruptur eines Gehirnaneurysmas und Gotlib beendete die Zeichnungen der Episode in seinem eigenen Stil.Die letzten beiden Panels (Bleistiftentwürfe) von Alexis blieben in der Episode als solche erhalten. Jean Solé übernahm anschließend die zeichnerische Ausführung. In den 1980er und 1990er Jahren trugen noch weitere Zeichner wie Daniel Goossens (Autor und Zeichner bei Fluide Glacial), Neal Adams (Spezialist für die Zeichnungen von amerikanischen Superhelden) und Alexandre Coutelis (ehemaliger Kollege bei Pilote und Zeitungskarikaturist) mit ihrem jeweils individuellen Stil zum Erfolg der Serie bei.

Zum Leidwesen von Gotlib nutzten bereits Ende der 1980er Jahre der französische Nationalist Jean-Marie Le Pen und seine Partei Front National die Popularität von Superdupont aus.Le Monde, 2. Mai 2002, S. 16–17Jacques Le Bohec: L'implication des journalistes dans le phénomène Le Pen, Band 1, Editions L'Harmattan (2004), S. 5 Diese Entwicklung und der Tod des Szenaristen Jacques Lob (1932–1990) sind wahrscheinliche Gründe für die Aussetzung der Serie in den 1990er Jahren.

Erst im Oktober 2006 wurde die Serie in Fluide Glacial auf Initiative von Lefred Thouron wieder fortgesetzt; Gotlib und Thouron schrieben neue Szenarien und Solé setzte sie zeichnerisch um.

Ab 1977 wurden komplette Episoden von Superdupont in bisher sechs Comic-Alben von Fluide Glacial und Audie/Fluide Glacial veröffentlichtInterview mit Marcel Gotlib am 8. Oktober, anlässlich des Erscheinens von Band 6 (franz.); 1984 wurden im Volksverlag Band 1 und 2 in Deutsch veröffentlicht.

Der Neustart der Serie wurde über zwei Jahre von Gotlib, François Boucq und Karim Belkrouf konzipiert und zeichnerisch realisiert. 2015 publizierte Dargaud bisher unveröffentlichten Geschichten als Band 1 (Renaissance).

Genre und Präsentation Superdupont ist eine Parodie auf Frankreich als Grande Nation und auf die Sorge, französische Errungenschaften, Werte und Gewohnheiten verlieren zu können und gegen das Ausland (l'étranger, wörtlich 'das Fremde') verteidigen zu müssen. Der Protagonist und Antiheld,Anne Martin-Conrad: Pierre Gripari, L'Age d'Homme (2001), S. 335 der mit dem Pathos amerikanischer Superhelden handelt und in die gängigen Handlungsabläufe dieses Genres verstrickt wird, sieht im kulturellen Einfluss von außen – und in Ausländern allgemein – eine Bedrohung für sein Vaterland (la patrie) und ist damit eine Karikatur von chauvinistischem Nationalstolz einerseits und nationalistischer Paranoia und Fremdenfeindlichkeit andererseits.

Die Serie besteht aus abgeschlossenen, oft mehrteiligen Episoden (meist mit Prolog und/oder Epilog), die mal zeitlich aufeinander folgen, mal in Rückblenden von Superduponts früheren Abenteuern oder seiner Jugend erzählen. Die Vielzahl der Episoden – vor allem jene, in denen es um die Beziehung zwischen Superdupont und Georgette geht, sind als Erwachsenen-Comics zu verstehen, in denen sich auch sehr deutliche erotische Zeichnungen finden. Die ironisch-parodistische Thematik und Erzählweise der Serie ist über 40 Jahre beibehalten worden, doch die grafische Erscheinung von Superdupont ist durch die sehr unterschiedlichen Zeichenstile – von zweidimensionaler Cartoonhaftigkeit bis hin zu detailgetreuem Realismus – geprägt. Die Episoden von 1972 bis in die 1990er Jahre sind in Schwarzweiß getuscht; ab den 2000er Jahren und dem Neustart durch Thouron erscheint Superdupont durch die Arbeit des Coloristen Ngo Ngam in Farbe.

Die Serie hat mehrere Running Gags: Beispielsweise ist das szenarische Eintreffen des Super(anti)helden mit berstenden Türen, zersplitternden Fenstern und herumfliegenden Ziegelsteinen verbunden; viele Episoden enden mit einer erfolgreichen Abwehr eines Anti-France-Angriffes, wobei aber der Protagonist deutlich sichtbare Kollateralschäden hinterlässt; wenn Superdupont mit nach oben gerichtetem Blick von der Schönheit französischen Kulturguts oder den Tugenden der Franzosen schwärmt, rührt ihn dies wortwörtlich zu Tränen.

Akteure und Handlung Superdupont Die Mission Der junge Jean Dupont wird nachts in Paris durch ein mysteriöses Licht zum Arc de Triomphe geführt und findet dort einen Eingang, durch den er in eine tief unter dem Monument gelegene Grabhalle gelangt.Band 4: Naissance d'un surhomme Dort erwartet ihn der im Ersten Weltkrieg bei Verdun gefallene Unbekannte Soldat, der Jean offenbart, dessen Vater zu sein und dass eine besondere Aufgabe auf ihn warte. In den folgenden sieben Tagen und Nächten durchläuft der junge Mann ein magisches Ritual und wird zu Superdupont, dem Super-Franzosen (Super-Français), der nun – so wie vor ihm sein Vater – Frankreich und dessen Kultur verteidigen wird. mini|Das Urmeter – Frankreich hat „das rechte Maß“ (la juste mesure) und Superdupont steht dafür ein. Seit diesem Erlebnis verfügt Superdupont über Superkräfte und -sinne (ähnlich wie Superman) und trägt stolz die Farben der Nationalflagge (wie Captain America). Sich selber charakterisiert er folgendermaßen: „Je ne suis qu'un modeste surhomme, un simple justicier, qui n'aspire qu'à servir sa patrie.“Band 1: Le jour ou la France retarda„Ich bin nur ein bescheidener Übermensch, ein einfacher Verfechter der Gerechtigkeit, der nur danach strebt, seinem Vaterland zu dienen.“

Im dritten Teil der Episode um das gestohlene UrmeterBand 1: Opération Pifomètre (I) wird er während einer Vision von allerhöchster Stelle in seiner Mission bestätigt: Ihm erscheint „Der Große Baumeister“ (Le Grand Architecte)Der Titel Superdupont face au mètre suprème ist ein sprachspezifisches Wortspiel mit den Begriffen mètre ('Meter') und maître ('Herr, Meister'); dies kann frei übersetzt werden mit Superdupont von Angesicht zu Angesicht mit dem Urmeter / Höchsten Herrn. und verkündet, dass es Aufgabe Frankreichs – und damit Superduponts Aufgabe – sei, den anderen Nationen und sogar dem ganzen Universum, den Unwissenden (ignorants) und Ungläubigen (infidèles), „das rechte Maß“ (la juste mesure) und die „metrische Wahrheit“ (la vérité métrique) zu verkünden.Band 1: Superdupont face au mètre suprème (III)

Eine dritte Bestätigung seiner Mission erfährt Superdupont durch Jesus, der die französische Staatsbürgerschaft angenommen hat, ein Barett unter der Dornenkrone trägt und entschieden hat, alle nötigen Utensilien für die heilige Messe durch französische Produkte zu ersetzen.

In Notsituationen erhält Superdupont weibliche Hilfe durch Anflehen des französischen Nationalsymbols Marianne, die praktische Ratschläge für ihn bereithält.Band 5: Les âmes noires (II): Le triomphe de la vérité

Auf diese Weise autorisiert und bestärkt in seiner patriotischen Haltung schafft Superdupont es immer wieder, seine Mission durch die Lösung von absurd-schwierigen Herausforderungen zu erfüllen und Frankreich gegen die Machenschaften von Anti-France zu verteidigen.

Der Mann mini|links|hochkant|Kokarde Frankreichs mini|hochkant|Die Marseillaise – für Superdupont Achillesferse und Waffe zugleich Von der Physiognomie her erfüllt Superdupont das typische Klischee eines Franzosen: Er ist mittleren Alters, hat Bauchansatz und eine hohe Stirnglatze mit sorgfältig darübergekämmten Haaren (die man aber nur in sehr privaten Situationen sieht, da er bei seinen Einsätzen ein militärisches Barett trägt) und wird mal mit Schnauzbart, mal mit Clark-Gable-Bart dargestellt. Seine Sprache ist gestelzt pathetisch und in Überraschungsmomenten bedient er sich altertümlicher, religiös konnotierter Flüche.Einige Beispiele: Sapristi! (Umformung von sacristi (Heiliger Jesus!), um nicht offen blasphemisch zu erscheinen); Diantre! (Umformung von diable (Teufel; etwa Teufel auch!) um den Versucher nicht beim Namen zu nennen); Parbleu! (Umformung von par Dieu (bei Gott!), um nicht offen blasphemisch zu erscheinen); Sapperlotte! (euphemisches Synonym zu sapristi; auch sacrelote und saprelotte); Ciel! (wörtlich Himmel; etwa Himmel hilf!); Malédiction! (wörtlich Fluch; etwa Verflucht nochmal!)

Bekleidet ist er mit einem kurzärmeligen Unterhemd (Typ marcel, Geschichte des marcel auf ARTE, Sendung am 5. September 2010 (franz.)) mit blau/weiß/roter Kokarde auf der Brust und den Initialen SD, einem dunkelblauen Cape, weißen langen Unterhosen, die durch einen Flanellgürtel in den Farben der Tricolore mit einer (nationalen) Sicherheitsnadel gehalten werden, Hausschuhen (CharentaisesCharentaises, ein typisch französisches Produkt, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand, sind gelbbräunliche Hausschuhe aus Filz mit verschiedenen Mustern, die an schottische Tartans erinnern.) und einer Ledermanschette am rechten Handgelenk.