Die Stadtwerke Stuttgart GmbH ist ein 2011 gegründeter kommunaler Strom- und Gasversorger, der zu 100 Prozent der Landeshauptstadt Stuttgart gehört.

Geschichte Hintergrund Bis Ende 1996 gab es mit der Technische Werke der Stadt Stuttgart (TWS) ein kommunales Versorgungsunternehmen in Stuttgart. Es war zuständig für Strom, Gas, Wasser und Fernwärme. Die TWS wurden 1997 mit der Neckarwerke Elektrizitätsversorgungs-AG (NW) in Esslingen am Neckar zusammengeschlossen. Nach dieser Fusion zur Neckarwerke Stuttgart (NWS) ging das Unternehmen im Oktober 2003 in der EnBW Energie Baden-Württemberg (EnBW) auf. Im Jahr 2002 verkaufte die Landeshauptstadt Stuttgart ihre Anteile an den Neckarwerken Stuttgart – und damit ihre Versorgungsnetze für Strom, Gas, Wasser und Fernwärme – an die EnBW. Der Gemeinderat fasste den Beschluss über das größte Geschäft in der Geschichte der Landeshauptstadt einstimmig. Der Verkaufserlös in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro wurde angelegt. Nach dieser Fusion zur Neckarwerke Stuttgart (NWS) ging das Unternehmen im Oktober 2003 in der EnBW Energie Baden-Württemberg (EnBW) auf. Die Konzessionsverträge liefen bis zum 31. Dezember 2013.

Gründung der Stadtwerke Der Gemeinderat der Landeshauptstadt Stuttgart beschloss am 26. Mai 2011 die neuerliche Gründung eines eigenen städtischen Energieunternehmens. Dessen Geschäftsfelder sollten unter anderem bestehen aus den Netzen der allgemeinen Versorgung für Strom und Gas, dem Vertrieb von Ökostrom und Erdgas, der Ökoenergieerzeugung und weiteren Energiedienstleistungen.Landeshauptstadt Stuttgart (Hrsg.): Neuordnung der Energie- und Wasserversorgung: Gründung der Stadtwerke Stuttgart. Gemeinderatsdrucksache 118/2011 Ergänzung. 25. Mai 2011.

Die Stadtwerke sollten Ökostrom und Erdgas liefern, eventuell in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern; daneben war für die Wasserversorgung ein kommunaler Eigenbetrieb vorgesehen. Bereits ab 2012 waren städtische Investitionen in die Erzeugung von Ökostrom vorgesehen. Der Gesellschaftsvertrag der Stadtwerke Stuttgart GmbH wurde am 8. August 2011 geschlossen, die Eintragung ins Handelsregister erfolgte am 6. September 2011. Seit der Liberalisierung des Energiemarkts 1998 war die Gründung der Stadtwerke Stuttgart die zweite Gründung eines Stadtwerks in einer deutschen Großstadt.

Die Landeshauptstadt Stuttgart ist mittelbar hundertprozentiger Eigentümer des Unternehmens. Das Stammkapital beträgt fünf Millionen Euro und wird vollständig von der Stuttgarter Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH gestellt. Die Stuttgarter Stadtwerke sind über einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit dem Unternehmen verbunden. Dem Aufsichtsrat gehören neben dem Aufsichtsratsvorsitzenden Bürgermeister Thomas Fuhrmann, die Bürgermeister Peter Pätzold und Dirk Thürnau sowie elf Stadträte, ein Vertreter der Stadtverwaltung und drei nicht stimmberechtigte Gäste an.

Seit Februar 2013 bieten die Stadtwerke Stuttgart Ökostrom und Gas für Privat- und Geschäftskunden an. Im Februar 2012 wurden die Elektrizitätswerke Schönau als Partner für die Versorgung mit Ökostrom und Gas gewonnen und die Gründung einer gemeinsamen Tochtergesellschaft – der Stadtwerke Stuttgart Vertriebsgesellschaft mbH – beschlossen. Die EWS Schönau war bis August 2022 mit 40 Prozent an der SWSV beteiligt. Inzwischen ist die Stadtwerke Stuttgart GmbH alleinige Eigentümerin der Vertriebsgesellschaft. Die strengen Kriterien an dem Stadtwerke-Ökostrom gelten weiterhin: Der Strom wird ausschließlich aus erneuerbaren Quellen in maximal sechs Jahre alten Anlagen produziert. Damit wird die Energiewende gefördert und Anreize für den Bau neuer Kraftwerke gesetzt, die Strom ausschließlich aus erneuerbaren Quellen liefern. Bei der Erzeugung des Ökostroms entstehen keine klimaschädlichen CO2-Emissionen. Darüber hinaus arbeiten die Stadtwerke Stuttgart ausschließlich mit Energieerzeugern zusammen, die keinerlei wirtschaftliche Beziehungen zu Atomkraftwerksbetreibern unterhalten. Die Qualität des angebotenen Ökostroms wird vom TÜV Nord regelmäßig überprüft und zertifiziert. 2019 hat Focus Money die Stadtwerke Stuttgart mit dem Siegel „Bester Stromanbieter für Stuttgart“ ausgezeichnet. Die Stadtwerke Stuttgart Vertriebsgesellschaft mbH wird von Martin Rau geführt. Die Stadtwerke Stuttgart und die EWS Schönau kooperieren weiterhin eng auf unterschiedlichen Ebenen.

Vergabe des Strom- und Gasnetzes Im Juli 2012 beschloss der Stuttgarter Gemeinderat, das über 5.000 km lange Stromnetz und mehr als 1.700 lange Gasnetz zu rekommunalisieren. Bis Ende 2013 hielt die EnBW die Nutzungsrechte und zahlte dafür eine jährliche Gebühr von 50 Millionen Euro an die Stadt.

Beim darauf folgenden Vergabeverfahren gingen für die Konzession des Gas- und Stromnetzes vier Gebote ein. Am 13. März 2014 empfahl der Stuttgarter Gemeinderat – rückwirkend zum 1. Januar 2014 – eine über 20 Jahre laufende Konzession für den Betrieb des Strom- und Gasnetzes an eine Kooperation der Stadtwerke Stuttgart und der EnBW-Tochter Netze BW. Das Kooperationsmodell hatte den Angaben zufolge sowohl für das Strom- als auch für das Gasnetz die höchste Punktzahl erhalten. An zweiter und dritter Stelle standen die Stadtwerke Stuttgart und die Netze BW als Alleinbewerber. Mitte April 2014 beantragten die Elektrizitätswerke Schönau als unterlegener Mitbewerber ein Missbrauchsverfahren beim Bundeskartellamt. Das Vergabeverfahren sei aus einer Reihe von Gründen „grundsätzlich fehlerhaft“ gewesen. Die Behörde wies am 1. Juli 2014 die Beschwerde als unbegründet zurück und machte damit den Weg für die Gründung des Konsortiums frei.

Am 16. Oktober 2014 stimmte der Stuttgarter Gemeinderat mehrheitlich für die Kooperation. Die entsprechenden Verträge wurden am 24. Oktober 2014 vom damaligen Oberbürgermeister Fritz Kuhn, dem damaligen Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Maxelon und Harald Hauser, Leiter des Regionalzentrums der Netze BW GmbH, unterschrieben. Das Konsortium wurde im Herbst 2014 mit Rückwirkung zum 1. Januar 2014 ins Handelsregister eingetragen.

Das Kooperationsmodell sah für eine Zeit des Übergangs die Gründung von zwei gemeinsamen Netzgesellschaften vor: An der neu gegründeten Netzeigentumsgesellschaft hielten die Stadtwerke 74,9 Prozent der Anteile, die übrigen 25,1 Prozent die Netze BW. An der Netzbetriebsgesellschaft waren die Eigentumsverhältnisse zunächst genau umgekehrt. Nach der fünfjährigen Übergangszeit wurden beide Unternehmen am 26. September 2019 zum integrierten Unternehmen Stuttgart Netze GmbH zusammengeführt. An dieser Gesellschaft halten die Stadtwerke Stuttgart die Mehrheit von 74,9 Prozent.

Vertrieb Ökostrom und Erdgas mini|Im Erdgeschoss des Tagblatt-Turms (Abbildung) betreiben die Stadtwerke seit 2013 ein Kundenzentrum. Am 2. Februar 2013 begannen die Stadtwerke Stuttgart den Vertrieb von Ökostrom und Gas. Am gleichen Tag wurde ein Kundenzentrum im Tagblatt-Turm eröffnet. Bei der Eröffnung sagte der damalige Oberbürgermeister Fritz Kuhn, mit den Stadtwerken werde „das Zeitalter einer erneuerbaren und bürgernahen Energieversorgung“ eingeläutet. Für die Sparte Strom wurden die Stadtwerke Stuttgart 2014 und 2015 vom Energieverbraucherportal als Top-Lokalversorger ausgezeichnet.Stadtwerke Stuttgart (Hrsg.): Stadtwerke Stuttgart als Top-Lokalversorger ausgezeichnet. Presseinformation vom 30. Januar 2014. Im Frühjahr 2018 verlieh Focus Money auf Grundlage einer Verbraucherumfrage den Stadtwerken Stuttgart das Siegel „Bester Stromversorger in Stuttgart“.

Im Juli 2024 zählten die Stadtwerke Stuttgart mehr als 38.000 Kunden. Auch die meisten großen Liegenschaften der Landeshauptstadt Stuttgart werden seit 2018 mit Stadtwerke-Ökostrom beliefert.

Energieerzeugung

Die Stadtwerke Stuttgart erzeugten 2022 Ökostrom aus 31 Windkraftanlagen (Nennleistung 80 Megawatt) sowie aus Photovoltaikanlagen. Sie beteiligen sich an Elektromobilitätsprojekten durch Bereitstellung von Ladeinfrastruktur und den Betrieb des Elektroroller-Mietservices stella-sharing. Mit seinen Windkraft- und Photovoltaikanlagen können die Stadtwerke Stuttgart rechnerisch mehr als 72.000 Haushalte mit Ökostrom versorgen.

Windenergie Die Stadtwerke haben in Onshore-Windkraftanlagen an sechs Standorten in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen investiert. Dort betreiben sie acht Windparks mit insgesamt 31 Windenergieanlagen.Stadtwerke Stuttgart (Hrsg.): Stadtwerke Stuttgart erwerben Windpark Bad Hersfeld – Sechs Windenergieanlagen sollen Ende 2014 in Betrieb gehen. Presseinformation vom 24. Juli 2014.

Bislang wurden folgende Projekte realisiert: 2013 kauften die Stadtwerke acht Windkraftanlagen in Everswinkel (Nordrhein-Westfalen). Deren Nennleistung beträgt 16 Megawatt und soll die Versorgung von etwa 10.000 durchschnittlichen Haushalten ermöglichen. 2013 ging in Alpirsbach die erste Windkraftanlage der Stadtwerke Stuttgart in Baden-Württemberg ans Netz. An der 2,3-Megawatt-Anlage erwarben die Stadtwerke einen Anteil von 40 Prozent. Das Besondere an diesem Repowering-Projekt ist, dass die neue Anlage zehn Mal so viel Ökostrom produzieren kann wie die alte. 2014 nahmen die Stadtwerke fünf Windräder in Schwanfeld in Bayern mit einer Nennleistung von je 2,4 Megawatt in Betrieb.

Seit 2014 besitzen die Stadtwerke zudem einen Windpark im hessischen Bad Hersfeld mit einer Gesamtleistung von 15 Megawatt. Im bayrischen Dinkelsbühl stehen seit 2015 vier Windenergieanlagen der Stadtwerke Stuttgart. Mit einer Nennleistung von 3,3 Megawatt pro Anlage können sie mehr als 12.000 Haushalte mit Ökostrom versorgen.Stadtwerke Stuttgart (Hrsg.): Arbeiten am Windpark Dinkelsbühl-Wilburgstetten laufen nach Plan. Presseinformation vom 19. September 2015. 2015 erwarben die Stadtwerke Stuttgart darüber hinaus die beiden Windparks Lieskau I und II in Brandenburg. Die beiden Windparks im Landkreis Spree-Neiße können über 20.000 Haushalte mit Ökostrom versorgen und damit 41.000 Tonnen klimaschädliches CO2 pro Jahr einsparen.Stadtwerke Stuttgart (Hrsg.): Stadtwerke Stuttgart erwerben Windparks Lieskau I und II Ökostrom für mehr als 20 000 Haushalte. Presseinformation vom 11. November 2015.

mini|Windrad der Stadtwerke Stuttgart in der Gemeinde Schwanfeld.Darüber hinaus entwickeln die Stadtwerke weitere Windprojekte in Eigenregie aber auch in Zusammenarbeit mit Partnern: Gemeinsam mit den Stadtwerken Heidenheim und der Windenergie Baden-Württemberg GmbH entwickeln die Stadtwerke Stuttgart seit 2013 einen Windpark im Staatsforst Welzheimer Wald im Rems-Murr-Kreis. Im November 2017 übernahm die EnBW das Projekt.