mini|Michael Kunze fotografiert von Oliver Mark, Berlin 2023
Michael Kunze (* 1961 in München) ist ein deutscher Künstler.
Leben und Werk Michael Kunze, Sohn der Archäologin Erika Kunze-Götte und des Musikwissenschaftlers Stefan Kunze, studierte zwischen 1985 und 1991 an der Akademie der Bildenden Künste München. Er lebt in Berlin.Kurzbiografie bei der Galerie Contemporary Fine Arts
Zu seinen ersten Gruppenausstellungen gehören der 2. RischArt Preis „Bilder im Vorbeifahren“ (1. Oktober bis 31. Oktober 1985)2. RischArt_Preis: Bilder im Vorbeifahren., bei dem die beteiligten Künstler Plakatwände im Bahnhof München Marienplatz gestalteten, sowie der 3. RichArt Preis „Kunst im öffentlichen Raum“ (11. Juni bis 24. Juli 1988), ebenfalls in München.3. RischArt_Preis 1988: Kunst im öffentlichen Raum.
In den Einzelausstellungen „Les Messieurs d’Avignon“ (2006, Schuermann, Berlin, in Teilen) sowie vom 3. Februar bis 18. März 2007 im ZKM Karlsruhe im Gesamt von mehr als 60 Bildern zeigte Kunze Kunstschaffende und Philosophen, darunter Ingmar Bergman, Michel Houellebecq, Friedrich Nietzsche und Roman Polański. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf Les Demoiselles d’Avignon (1907) von Pablo Picasso.Michael Kunze. Les Messieurs d'Avignon.
Michael Kunze folgt mit seiner Arbeit einer „Schattenlinie“ der Moderne. Nach seiner Darstellung trennten sich zum Ende des 19. Jhdts. zwei diametral entgegengesetzte Auffassungsweisen voneinander: Die eine begann etwa mit Paul Cézanne, setzte sich im Kubismus und dem hierauf folgenden Avantgardereigen fort und suggeriert bis hin zur Minimal und Concept Art der 1970er Jahre eine scheinbar historisch folgerichtige, linear verständliche und „fortschrittliche“ Moderne. Diese von Kunze so genannte „amtliche“ Moderne wird bis heute nach Schulbuch als die einzig gültige Erzählung gelehrt, die ein Zeitalter voller Spannungen und Umbrüche von sich selbst entworfen hat. Im Gegensatz hierzu begann Kunzes „Schattenlinie“ etwa mit Cezannes antipodischem Zeitgenossen Arnold Böcklin, setzte sich fort mit der Pittura Metafisica eines Giorgio de Chirico, dann mit verschiedenen Spielarten des Surrealismus, und kam dann in der 2. Hälfte des 20. Jhdts. vor allem im europäischen Film der 1960er und 1970er Jahre zu einer nochmaligen Blüte (Bunuel, Antonioni, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman, Werner Herzog, Tarkowski, Fellini etc. – und heute wieder Lars von Trier). Auf dieser untergründig wirkenden und weniger griffigen Seite der Moderne herrscht ein labyrinthischer, geschichtsverwobener, teilweise zum Düsteren, Komplizierten und politisch Unkorrekten neigender Kontext, der keine verlässliche Moral und keine Lösung der Geschichte anbietet, – und der vor allem fern von popkulturellen Harmonisierungsbestrebungen bleibt. Die vielen fast vergessenen Bezüge, die auf dieser nietzscheanisch inspirierten Schattenseite der Moderne wirken, werfen auf die ausgetrampelten Mainstreampfade ein ungewohntes Licht, das manche Selbstverständlichkeiten einer allzu orthodox gewordenen Geschichts- und Gegenwartsinterpretation in Frage stellt. Kunze versucht diesem gezielt anachronistischen Erzählstrang in texthaltigen und doppelbödigen Bildkonstruktionen nachzugehen. Insbesondere seit seiner Ausstellung „Les Messieurs d’Avignon“, ZKM Karlsruhe 2007, arbeitet er an der Genealogie einer vermeintlich antimodernen Moderne, unter Einbeziehung zahlreicher Zitate aus historischem Material. Hier stehen Transformationen fotografischer Porträts von Gabriele D’Annunzio bis Michel Houellebecq neben der malerischen Umdeutung historischer Konstellationen (z. B. das „Spiegel-Interview“ zwischen Martin Heidegger und Rudolf Augstein) und Filmstills aus der genannten Epoche des eurokontinentalen Films.
Die Motivrecherchen Kunzes werden zudem begleitet von einer theoretischen Auseinandersetzung mit idealistischen und kulturkritischen Fragestellungen. Die hierzu entstehenden Texte, die allesamt zu einer komprimierten und hermetischen Ausdrucksweise neigen, erscheinen teilweise eingestreut in seinen Katalogen, sind aber zum Großteil noch nicht veröffentlicht. – Parallel zur Malerei ist Michael Kunze seit Jahren mit einer fotografischen Arbeit beschäftigt, die ausschließlich in Griechenland entsteht und den bestimmten Typus einer ruinenhaften verlassenen Örtlichkeit abbildet. Die meist in schwarz-weiß gehaltenen Fotografien verbinden idealisierende mit archäologisch-dokumentierenden Aspekten, bei gleichzeitiger Distanzierung von Postkarte und wissenschaftlicher Aufnahme. Anfang und Ende Europas schmelzen in einem surreal scharfen, tiefschattigen Licht zu einer absurd konfigurierten Szenerie zusammen, in der die Fülle einer Erzählung oft in die Leere einer unmöglichen Geschichte umschlägt.
Kunze lebt und arbeitet in Berlin.
Ausstellungen Einzelausstellungen 1989: „Nachdem“, Dany Keller, München 1990: „Eine Welt“ (mit Nina Hoffmann), Kunstverein München 1990: „Morgen“, Forum Kunst Rottweil 1991: „Bleibe und Ansatz“, Galerie Dany Keller, München 1991: Galerie Ursula Walbröl, Düsseldorf 1992: „Palinodie/Syntax“, Galerie Seiqueir, Madrid 1993: „Spiegel/Kern“, Galerie Thomas Rehbein, Köln 1994: The Corridor, Reykjavík 1998: Goethe-Institut, Rotterdam 1998: Goethe Institut (mit Nikolaus List), Brüssel 2007: „Les Messieurs d’Avignon“, Museum für Neue Kunst, ZKM Karlsruhe, Karlsruhe 2007: „Was ist Metaphysik“, COMA Center for Opinions in Music and Art, Berlin 2009: „Nach Tsalal“, COMA Center for Opinions in Music and Art, Berlin 2010: „Tick“, Contemporary Fine Arts, Berlin 2011: „Ruperts Worte, Davids Stimme“, Galerie Fons Welters, Amsterdam, NL 2012: „Schwarzorange“, Contemporary Fine Arts, Berlin 2012: „Studien zur Entstehung einer Ungeduld“, Galerie Nicolas Krupp, Basel 2013: Halkyonische Tage, Kunsthalle Düsseldorf
Gruppenausstellungen 1985: „Bilder im Vorbeifahren“, 2. RichArt Preis, München 1987: „Zwischenbericht“, Kunsthalle Nürnberg / BBK München 1988: „Kunst im öffentlichen Raum“, 3. RichArt Preis, München 1993: „PROSPECT '93“, Frankfurter Kunstverein / Kunsthalle Schirn, Frankfurt 2003: K 21, Sammlung Schürmann, Düsseldorf 2005: „Trouble with Fantasy“, Kunsthalle Nürnberg, Nürnberg 2008: „Vertrautes Terrain“, Museum für Neue Kunst, ZKM Karlsruhe, Karlsruhe 2008: „In Silent Conversation with Ingmar Bergman“, Kunstmuseum Thun, Thun, CH 2010: „Neugierig? Kunst des 21. Jahrhunderts aus privaten Sammlungen“, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 2012: „BERLIN TUT GUT“, 16TH LINE, Rostov on Don, RU 2012: „Kalte Rinden – Seltene Erden, Die Landschaft in der Gegenwartkunst“, Stadtgalerie, Kiel; Märkisches Museum, Witten; Städtische Galerie, Bietigheim - Bissingen 2013: "BubeDameKönigAss. Martin Eder, Michael Kunze, Anselm Reyle, Thomas Scheibitz", Neue Nationalgalerie, Berlin
Auszeichnungen 2018: Hans Platschek Preis für Kunst und Schrift der Hans Platschek Stiftung.Hans Platschek Preis für Kunst und Schrift 2018 Michael Kunze, auf hans-platschek-stiftung.de
Weblinks Michael Kunze auf eigener Webseite
Michael Kunze auf kunstaspekte.de Michael Kunze in der Galerie CFA Michael Kunze in der Rehbein Galerie (mit Katalog- und Literaturliste)
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1961 Kategorie:Mann