mini|Die Pfarrkirche St. Jakobus und „Schlosskapelle“ des Schlosses Artstetten St. Jakobus der Ältere ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in der niederösterreichischen Gemeinde Artstetten. Die denkmalgeschützte Kirche () befindet sich an der Ostseite von Schloss Artstetten und gehört zum Dekanat Maria Taferl. Sie ist durch eine Treppe mit dem tiefer liegenden Markt verbunden. Im Bereich der Kirche befindet sich auch die Gruft der Familie Hohenberg.
Geschichte Die ursprünglich frei stehende gotische Bau wurde im 14. Jahrhundert errichtet, 1691–1698 zu einem barocken Saalbau erweitert und im Westen bis zum Schloss verlängert.
1718 wurde Artstetten durch eine Stiftung des Besitzers der Herrschaft, Anton Braun von Rotenhaus, zur Pfarre erhoben, indem er zum Unterhalt des Pfarrers ein Kapital von 6000 Gulden stiftete und den Pfarrhof sowie das Schulhaus errichten ließ. Von 1868 bis 1869 ließ Erzherzog Karl Ludwig die Kirche restaurieren und den Turm mit vier Quanten neu und die großen Kirchenfenster errichten. 1870 erhielt sie vom selben Gönner den Kreuzweg. 1913 erfolgten Umgestaltungen der Kirche im Stil des Historismus.
1909 erteilte Erzherzog Franz Ferdinand, Eigentümer des Schlosses Artstetten, den Auftrag zur Errichtung einer Grablege für sich und seine Familie. Die Gruft wurde unter der Kirche 1909 und 1910 nach den Plänen des Architekten Ludwig Baumann errichtet. Sie wurde 1956 für die Nachkommen des Thronfolgers erweitert und dient bis heute als Gruft der Familie Hohenberg. Genau unterhalb der Kirche befindet sich die Schlossherrengruft, welche von den Nachkommen der Ehe von Anna v. Hohenberg mit Graf Romée de La Poeze d’Harambure renoviert wurde.
Architektur Äußeres Das Langhaus ist etwa gleich hoch wie das Schloss und durch ein zum Chor abgewalmtes Satteldach gedeckt. Der Chor, mit gotischem Kern, ist dreiseitig geschlossen. Seine gotischen Strebepfeiler wurden beim barocken Umbau zu tiefen, rundbogigen Blendnischen mit vorgelegten Pilastern umgestaltet. Chor und Langhaus weisen eine einheitliche, späthistoristische Fassadengliederung mit einfachen und doppelten Pilastern und mit stark profiliertem Gesims auf. Der Bau ist im Süden durch ein barockes Portal mit Volutensturz zugänglich. Der zweigeschoßige Turm im Südosten hat einen barocken Baukern und rundbogige Schallfenster. Seine Fassade und der bekrönende Zwiebelhelm wurden 1913 geschaffen. Die Kirche wurde 1985 durch die Pfarrgemeinde sowie die Patronatsherrschaft renoviert.
Inneres Im Langhaus ruht ein zweijochiges Tonnengewölbe mit Stichkappen auf kräftigen Wandpfeilern mit vorgelegten Pilastern und verkröpftem Kämpfergesims. Darunter erhebt sich eine zweigeschoßige, tonnenunterwölbte Westempore mit dreiteiliger Rundbogenöffnung und einer neobarocken Holzverkleidung von 1911. Hinter dem rundbogigen Triumphbogen liegt leicht erhöht der einjochige Chor, der in der Gliederung dem etwas breiteren Langhaus entspricht. An der Nordwand befindet sich eine bemerkenswert ausdrucksvolle Darstellung Schweißtuch der Veronika aus der Zeit um 1400. Auf einer historistischen Glasmalerei des Jahres 1913 sind die hll. Josef und Karl abgebildet.
Ausstattung Einrichtung mini|Frühbarocker Säulenaltar Unter Erzherzog Franz Ferdinand wurden um 1911 die ursprünglichen Altäre entfernt und die Kirche wurde mit museal zusammengetragenen Kunstgegenständen verschiedener Herkunft neu eingerichtet: Der frühbarocke Säulenaltar wurde 1659 von Benedikt Faistenberger gebaut und stand ursprünglich in der Katharinenkirche von Kitzbühel. Er hat einen Aufbau mit gesprengtem Giebel und reichem, spätmanieristischem Dekor. Am Altarblatt ist die Himmelfahrt Mariens mit den Heiligen Barbara, Leodegar und Kaiserin Helena abgebildet; am Oberbild Golgota, bekrönt von einer Dreifaltigkeitsgruppe. Seitenfiguren auf Konsolen an der Chorwand zeigen die Heiligen Katharina und Barbara. Die neobarocke Marmormensa, das Tabernakel und das Speisegitter entstammen einem Entwurf von Julius Kubik und wurden 1915 geweiht. Die zwei einander entsprechenden, frühbarocken Seitenaltäre sind bayerische Knorpelwerkaltäre mit gedrehten Säulen aus der Zeit um 1670 und wurden 1911 aufgestellt. Das linke Altarblatt zeigt eine spätmanieristische Darstellung der Beweinung und hat ein ovales Oberbild Heilung des Lahmen. Der Altar verfügt über Seitenfiguren der hll. Leopold und Jakobus. Auf der Mensa steht die Kopie einer gotischen Madonnenfigur. Am rechten Altarblatt, bezeichnet mit „Johann Martin Schmidt“, ist die Kreuzigung Petri dargestellt. Das Oberbild stammt aus dem Jahr 1670 und zeigt die Epiphanie. Die neobarocke Kanzel stammt aus 1911/1915. Aus der Zeit um 1700 stammen die frühbarocken Kirchenbänke und aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts das Taufbecken aus Marmor. An der Nordseite des Langhauses ist ein barockes Marmorportal aus Istrien eingemauert. Dieses stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und hat im gesprengten Giebel ein von Putten getragenes Flammenherz. In dem zu einer Vitrine umgestalteten Torbogen befindet sich eine Stola Papst Leos XIII. Diese Stola wird auf Grund von Schutzmaßnahmen im Pfarrhof aufbewahrt. Sie wurde durch eine Statue zur Erinnerung an den Orden der Salesianer ersetzt. Die Kirche verfügt über mehrere Skulpturen aus unterschiedlichen Epochen. Dazu zählen eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes über dem Triumphbogen aus der Zeit um 1770, Darstellungen der hll. Johannes und Sebastian am Chorbogen (1. Viertel 18. Jh.) sowie eine Herz-Jesu-Figur unter neubarockem Baldachin nach einem Entwurf von Franz Kubrik aus der Zeit um 1911. Zu den zahlreichen Leinwandbildern gehören das ehemalige Hochaltarbild Hl. Jakobus in der Maurenschlacht (Johann Martin Schmidt, 1788), ehemalige Seitenaltarbild desselben Künstlers (1772), drei Darstellungen aus dem Leben Jesu aus dem 18. Jahrhundert, zwei flämische Ölbilder (Die Israeliten in der Wüste und Moses und Aaron) aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, zwei spätbarocke Ovalbilder (Antonius von Padua und Aloysius) aus dem 18. Jahrhundert, zwei Heiligenporträts in Kartuschenrahmung (Johannes Nepomuk und Florian) aus dem 18. Jahrhundert, Bilder der Hl. Familie und der hl. Katharina aus dem 18. Jahrhundert sowie zwei einander entsprechende Bruderschaftsbilder über dem Triumphbogen (Bürger und Adelige vor Christus und Kleriker vor Maria) aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Rokokorahmen. Bemerkenswert ist eine barocke Vortragestange der Bäckerzunft. Sie weist eine kunstvolle Schnitzerei der Heiligen Maria und Elisabeth unter ornamentalem Baldachin auf. Zunftzeichen und Bandlwerkornament am Schaft sind vermutlich augsburgisch und stammen aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts. Zwei weitere Vortragestangen zeigen die Heiligen Eligius und Florian. Zur weiteren Ausstattung zählen eine Grabplatte am Chor (Pfarrer Antonius Hofmann, † 1770) und zwei Glocken von Johann Georg Fielgrader aus dem Jahr 1792.
Orgel mini|Bet- und MusikemporeGestaltung seit 1911
Die erste Orgel stammte aus dem Jahr 1789 und war vermutlich von einem bürglichen Orgelbauer aus Krems (Gatto?) geschaffen worden.
Im Jahr 1897 wurde eine neue pneumatische Orgel von Franz Capek aus Krems eingebaut und auf der Betempore aufgestellt, aber 1911 über dieser eine Musikempore eingezogen. Als man im Zuge dessen die Orgel auf die Musikempore hochsetzte kam es zu einem schweren Unfall, bei dem zwei Monteure der Firma Capek abstürzten und schwere Kopfverletzungen davontrugen.
Am 26. November 2000 wurde eine neue Orgel von Josef Diethard Pemmer aus Purk bei Kottes eingeweiht. Das Schleifladen-Instrument hat 13 Register auf zwei Manualwerken und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.Informationen zur Orgel
I Hauptwerk C–g3 Prinzipal 8′ Gedackt 8′ Oktav 4′ Sesquialtera II Superoktav 2′ Mixtur III–IV Trompete 8′ II Nebenwerk C–g3 Bordun 8′ Viola da Gamba 8′ Rohrflöte 4′ Prinzipal 2′ Pedal C–f1 Subbass 16′ Oktavbass 8′ Koppeln: II/I, I/P, II/P
Grüfte Unter der Pfarrkirche befinden sich zwei Grüfte: die Hohenberg’sche Familiengruft und die Schlossherrengruft.
Hohenberg’sche Familiengruft Geschichte 1909 erteilte Erzherzog Franz Ferdinand den Auftrag zur Errichtung der Hohenberg’schen Familiengruft für zwölf Särge unter dem Vorplatz der Pfarrkirche. Zum einen hatte seine Frau Sophie 1908 einen totgeborenen Sohn zur Welt gebracht, dessen Sarg als erster hier bestattet wurde. Zum anderen war abzusehen, dass seine Frau wegen ihrer aus Sicht des Kaisers unstandesgemäßen Herkunft nicht in der Kapuzinergruft bestattet werden konnte. Auf Wunsch Franz Ferdinands wurde daher eine Gruft unter der Schloss- und Pfarrkirche errichtet, wo er und seine Frau 1914 auch bestattet wurden.
1917 ließ der Vormund ihrer Kinder die Gruft umgestalten, wobei die bisher am Boden des Gruftraums stehenden metallenen Särge des Ehepaars in Marmorsarkophage gestellt wurden. Der Kindersarg ihres 1908 tot geborenen Sohnes fand seinen Platz in einer darüber liegenden kleinen Wandnische, die mittels einer halbkreisförmigen Platte mit Relief verschlossen ist.
1955/56 wurde die Gruft nach dem Tod von Ernst Hohenberg unter dem Kirchturm und der Schloss-Südterrasse erweitert. Diese sowie der Vorplatz der Kirche wurden 1985 renoviert. Heute sind neben den beiden Söhnen und ihren Frauen auch mehrere Enkel Erzherzog Franz Ferdinands hier beigesetzt.
Beschreibung mini|Eingangsportal zur Hohenberg-Familiengruft an der Nordseite von Schloss und Pfarrkirche mini|Alte Gruft mit Sarkophagen von Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie sowie ihres in einer kleinen Nische oberhalb bestatteten Sohnes (*/† 1908) Die Hohenberg’sche Familiengruft hat zwei Zugänge: einerseits eine Gruftplatte aus Granit vor den Stufen zum Altarraum der Pfarrkirche, und andererseits durch ein Portal an der Nordseite jener Terrasse, auf der die Pfarrkirche und das Schloss stehen. Durch dieses Portal, das im Renaissancestil gestaltet ist und das Wappen Erzherzog Franz Ferdinands trägt, gelangt man zunächst an eine Eisengittertür, welche den von Norden nach Süden verlaufenden Hauptgang der Gruft abschließt und deren Schlüssel im Schlossmuseum entlehnt werden kann.