mini|hochkant=0.85|Yuval Harari (2024)rahmenlos|klasse=notpageimage skin-invert-image|200px Yuval Noah Harari (* 24. Februar 1976 in Kirjat Ata) ist ein israelischer Historiker und Hochschullehrer. Er lehrt seit 2005 an der Hebräischen Universität Jerusalem. Er trat zunächst mit Forschungen zur Militärgeschichte und universalhistorischen Thesen hervor. Seine populärwissenschaftliche Monographie Eine kurze Geschichte der Menschheit wurde zu einem internationalen Bestseller. Auch die auf die Zukunft zielende Nachfolgepublikation Homo Deus – Eine Geschichte von Morgen sowie die auf Orientierung in der Gegenwart gerichteten 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert erreichten in zahlreichen Übersetzungen eine breite Leserschaft.
Leben und Werk Harari studierte von 1993 bis 1998 an der Hebräischen Universität Jerusalem Geschichtswissenschaft. Er spezialisierte sich auf die Geschichte des Militärs im Mittelalter.Zum Ausbildungsgang siehe das Curriculum Vitae auf seiner Website. Er wurde am Jesus College der University of Oxford unter der Betreuung von Steven J. Gunn promoviert (Ph.D.),Zu seiner Person die Vorstellung auf der Website der Universität Oxford. dies mit der Arbeit History and I: War and the Relations between History and Personal Identity in Renaissance Military Memoirs, c. 1450–1600 (auf Deutsch: „Geschichte und Ich. Krieg und die Beziehungen zwischen Geschichte und persönlicher Identität in Memoiren von Militärs der Renaissance“). Seitdem veröffentlichte er mehrere militärhistorische Studien zu verschiedenen Epochen. 2003 wurde Harari als Post-Doktorand (Yad-Hanadiv-Fellow) an der Hebräischen Universität Jerusalem eingestellt, wo er seit 2005 lehrt.
Seit einiger Zeit beschäftigt er sich mit Weltgeschichte und makrohistorischen Prozessen. So gibt sein Buch Eine kurze Geschichte der Menschheit einen Überblick über die Entwicklung der Menschheit von prähistorischen Anfängen bis zur Jetztzeit.A Brief History of Humankind, Zusammenfassung in Vorlesungsform bei Coursera (englisch). Die hebräischsprachige Originalausgabe wurde in Israel ein Bestseller und machte Harari zuerst dort bekannt. Seine Vorlesungen zur Weltgeschichte wurden zehntausendfach bei YouTube abgerufen. Er ist Autor einer vierzehntäglichen Kolumne in der israelischen Tageszeitung Haaretz.Siehe etwa folgende Kolumne: There is One Thing More Lucrative than War: Peace. In: Haaretz, 20. Juli 2012. Seitdem wurde das Buch zuerst in englisch- und deutschsprachigen Ausgaben erfolgreich übersetzt, danach in fast 50 Sprachen.Über Yuval Noah Harari. In: YNHarari.com. Im November 2012 wurde Harari in die neugegründete Junge Akademie Israels (The Israel Young Academy) gewählt, die junge Forscher aus Israel fördern soll;10 Hebrew University Faculty Members Inducted to New Young Israel Academy of Sciences and Humanities. Pressemitteilung der Hebräischen Universität Jerusalem (englisch) vom 22. November 2012. nach Überschreiten des Höchstalters von 45 Jahren ist er Alumnus dieser Akademie.
Harari lebt mit seinem Ehemann Itzik Yahav im Moschaw Mesilat Zion bei Bet Schemesch westlich von Jerusalem.So der Vorspann zum Gespräch bei Haaretz. Er lebt weitgehend vegan und hat mehrfach in Büchern und Artikeln das Elend domestizierter Tiere kommentiert. In einem 2015 im Guardian erschienenen Artikel nannte er die industrialisierte Massentierhaltung eines der schwersten Verbrechen der Menschheitsgeschichte und das Schicksal industriell aufgezogener Tiere eine der dringendsten ethischen Fragen unserer Zeit. Fleisch aus Zellkulturen (In-vitro-Fleisch) hält er für akzeptabel, sobald geeignete Methoden dafür entwickelt sind.
Mit seinem Ehemann betreibt Harari in Tel Aviv eine Firma mit zwölf Angestellten, die Yahav-Harari Group Ltd., zur medialen Aufbereitung und Diversifizierung von Hararis Publikationen. Eine weitere Firmengründung Yahavs und Hararis unter dem Namen Sapienship soll als soziales Unternehmen dazu beitragen, „die Probleme dieser Welt zu lösen“. Sein erfolgreiches Buch Eine kurze Geschichte der Menschheit erscheint in Zusammenarbeit mit David Vandermeulen und Daniel Casanave als vierteilige Comicadaption. Die beiden ersten Teile (Sapiens. Der Aufstieg; Sapiens. Die Falle) liegen bereits vor. Im Jahr 2020 hielt er beim Weltwirtschaftsforum den Vortrag „Wie können wir das 21. Jahrhundert überleben“ über drei existenzielle Bedrohungen: Atomkriege, ein Zusammenbruch des Ökosystems und technologische Umwälzungen.
Yuval Harari berichtete, dass seine Meditations-Praxis von täglich zwei Stunden sein Leben verändert und seine Arbeit beeinflusst habe.
Kommentare zum Zeitgeschehen Auswirkungen technologischer Entwicklungen auf die menschliche Existenz Im Zuge der digitalen Revolution und der biotechnologischen Entwicklung erwartet Harari einschneidende Veränderungen menschlicher Existenzweisen. Das Smartphone etwa werde binnen 20 bis 30 Jahren für Menschen zu einer Art zweitem Gehirn werden, das wissen werde, was wir fühlen, wollen und denken, und das über unsere Alltags- und Lebensentscheidungen bestimmen werde. Aus Menschen würden, so zitiert Der Spiegel Harari, „hackable animals“ – Tiere, die man mit Computercode bearbeiten kann.Der Spiegel Nr. 13, 21. März 2020, S. 111 f.
Gemeinsam mit mehr als 1000 Unterzeichnern warnte Harari in einem offenen Brief Ende März 2023 unter Verweis auf die rasante Entwicklung und Weiterentwicklung von ChatGPT davor, dass die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) aus dem Ruder laufe. Die Verfasser forderten, dass alle KI-Entwickler, die an der nächsten Generation arbeiten, ihre Arbeit zunächst für sechs Monate einstellen sollten, andernfalls „die Staaten ein Moratorium verhängen“ müssten. Die Pause solle genutzt werden, um Sicherheitsprotokolle für hochentwickelte KI zu erarbeiten.„Außer Kontrolle“. Tech-Elite fordert Entwicklungspause bei Künstlicher Intelligenz. In: Der Tagesspiegel (Maria Fiedler) 30. März 2023, S. 1.
Corona-Pandemie In der Corona-Krise plädierte Harari angesichts des sich ständig verlagernden Zentrums der Epidemie für verstärkte internationale Kooperation. „Solange sich das Virus in anderen Gegenden ausbreitet, sind auch wir in Gefahr – es kann und wird zu uns zurückkehren. Wenn wir anderen Ländern helfen, tun wir es nicht aus Mitleid. Sondern aus Eigeninteresse.“ Den Umgang mit der Pandemie im Alltag sieht Harari auch als „riesiges soziales Experiment“ mit dauerhaftem Veränderungspotenzial. Seit Jahren lediglich geplante Onlinekurse an Universitäten seien unter Corona-Bedingungen binnen Wochen eingerichtet worden; man werde nach der Krise nicht einfach zum Ausgangszustand zurückkehren. Warnend wendet sich Harari gegen Überwachungsmaßnahmen zur Corona-Eindämmung: „Sobald die Bevölkerung sich daran gewöhnt hat, dass es gewisse Überwachungsmaßnahmen gibt, hat die Regierung keinen Grund mehr, sie nicht mehr einzusetzen. Dann wird das Kriseninstrument zum Normalzustand.“Yuval Noah Harari im Interview mit Maria Sterkl: Wir müssen aus Eigeninteresse helfen. In: Zeit Online, 7. April 2020; abgerufen am 19. April 2020.
Putins Ukraine-Angriffskrieg Bereits in seinem Buch 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert kritisierte Harari Russlands Annexion der Krim 2014, indem er Wladimir Putins Behauptung, es habe keine Beteiligung russischer Truppen gegeben, als Beispiel für das postfaktische Zeitalter anführt. In der russischen Ausgabe des Buches wurde diese Passage durch ein Beispiel mit Donald Trump ersetzt. Ein weitergehendes militärisches Ausgreifen Russlands unter Putin sah Harari 2018 nicht kommen, obwohl Russland weltweit Desinformation und Subversion betreibe, um EU und NATO zu spalten. Es erschien ihm seinerzeit „wenig wahrscheinlich, dass die ehemalige Supermacht sich auf irgendeinen physischen Eroberungsfeldzug begibt. Wir können mit einiger Berechtigung hoffen, dass die Annexion der Krim und die russischen Einmischungen in Georgien und der Ostukraine Einzelfälle bleiben und nicht Vorboten einer neuen Epoche des Krieges sind.“Yuval Noah Harari: 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert. C. H. Beck, München 2018, S. 237.
Als spezielles Merkmal des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine 2022 gegenüber vielen früheren Konflikten bezeichnete es Harari in einem am 21. April 2022 in der Zeit erschienenen Interview, er sei im Wesentlichen als Krieg einer einzelnen Person begonnen worden. Bislang sei es „Putins Krieg und keiner zwischen Nationen, Kulturen oder Ideologien“. Putin habe vorgehabt, die Unabhängigkeit der Ukraine vollständig zu zerstören, da er die Existenz einer eigenständigen ukrainischen Nation verneine. Mittlerweile hätten die ukrainischen Reaktionen gezeigt, dass dieses ursprüngliche Kriegsziel für Putin unerreichbar sei. Europa und die NATO dürften zwar einerseits eine vollständige Vertreibung bzw. Auslöschung der ukrainischen Bevölkerung durch Putin gegebenenfalls nicht hinnehmen, sollten aber den Konflikt nicht eskalieren lassen, indem sie einen Regimewechsel in Russland als Ziel ausgeben.
Putins Kriegsabsichten hält Harari für rückschrittlich, sie seien aus der Zeit gefallen. Seit dem Zweiten Weltkrieg und der anschließenden atomaren Konfrontation seien die großen Erfolgsgeschichten friedliche gewesen, wie sich am Aufstieg der Kriegsverlierer Japan, Deutschland und Italien gezeigt habe. Auch China sei ohne Kriege zur Supermacht geworden, Russland hingegen zur zweitrangigen Macht mit scheiternder Wirtschaft. Imperiale Kriege, so Harari, lohnen sich nicht mehr. In einer wissensbasierten Ökonomie sei es damit vorbei, durch territoriale Expansion wirtschaftlich und an Einfluss hinzuzugewinnen. „Russland ist im Grunde nichts anderes als eine Tankstelle mit Atomwaffen.“ Doch falls Putin gewinne, sei die Friedensära der Nachkriegsjahre vorbei, weil damit Eroberungskriege für Autokraten wieder eine Option würden. „Wenn Putin gewinnt, werden die Militärausgaben weltweit in die Höhe schnellen. Unser Geld wird für Panzer und Raketen ausgegeben werden statt für Schulen und Krankenhäuser. Die ganze Welt wird ein wenig wie Russland aussehen.“
Im Falle eines Sieges der Ukraine komme es für Europa nach dem Krieg darauf an, sich mit allen Mitteln für den Wiederaufbau der Ukraine zu engagieren und das Land an Europa anzubinden. Diese Perspektive bereits jetzt zu eröffnen, hält Harari für ein wichtiges Mittel, die Entschlossenheit der Ukrainer zu stärken, was sich als der beste Schutz Europas gegen ein diktatorisches Russland erweisen werde.„Imperiale Kriege lohnen sich nicht mehr“. Ein Gespräch mit dem israelischen Intellektuellen Yuval Noah Harari über die verlorene Kunst, Kriege zu gewinnen, die Notwendigkeit, über einen zukünftigen Frieden nachzudenken, und die Frage, was der Westen von der Ukraine lernen kann. In: Die Zeit (Christian Staas), 21. April 2022, S. 19.
Interventionen zur israelischen Politik Harari kritisiert den politischen Trend nach rechts in Israel.Yuval Noah Harari: Israelis Support ‘Three-classes Solution’ to Palestinian Conflict. In: Haaretz, 24. November 2022. Im November 2022 sagte er in einem Interview mit Christiane Amanpour auf CNN: »Ein großer Teil der israelischen Öffentlichkeit ist allmählich vom Glauben an eine Zweistaatenlösung zu einem zumindest impliziten Glauben an eine ›Drei-Klassen-Lösung‹ übergegangen, d. h. dass es nur ein Land zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer gibt, in dem drei Klassen von Menschen leben: Juden, die alle Rechte haben; einige Araber, die einige Rechte haben; und andere Araber, die nur wenige oder gar keine Rechte haben. … Und das ist auch zunehmend die Position oder das Bestreben der Verantwortlichen in der Regierung.«