mini|Laurent Lamothe (2012)
Laurent Salvador Lamothe (* 14. August 1972 in Port-au-Prince) ist ein haitianischer Geschäftsmann und Politiker.
Leben Lamothe kam als zweiter Sohn von Louis G. Lamothe, der in 1957 in Port-au-Prince die Sprachschule Institut Lope de Vega gründete, und der Künstlerin Ghislaine Fortuney Lamothe zur Welt.
Er studierte in den 1990er Jahren Politik- und Wirtschaftswissenschaft an den katholischen Hochschulen Barry University sowie St. Thomas University in Florida/Vereinigte Staaten und schloss mit dem Grad MBA ab.
Er zeichnete sich als Tennisspieler aus und spielte 1994 und 1995 für Haiti in mindestens zwanzig Begegnungen im Davis Cup.
Unternehmerische Aktivitäten Lamothe gründete 1998 das Telekommunikationsunternehmen Global Voice Group (GVG).
Das Unternehmen ist überwiegend auf dem afrikanischen Kontinent tätig und bietet als Vertragspartner jeweiliger Regierungen Lösungen für Regulierungsbehörden des Informations- und Kommunikationswesens zur Sicherung ihrer Einnahmen.
Lamothe trat als Redner und Diskutant auf internationalen Kongressen auf, um die Möglichkeiten des freien Unternehmertums und die daraus resultierenden Entwicklungsperspektiven für Länder des globalen Südens mit Schwerpunkt in Afrika darzustellen.
Die Geschäftstätigkeit des Unternehmens wurde in verschiedenen Ländern Gegenstand von Rechtstreitigkeiten. Von Lesotho im südlichen Afrika bis hin zu Ghana, Liberia und Guinea in Westafrika sah sich GVG Vorwürfen wegen Bestechung, Korruption, Kostensteigerungen und in einigen Fällen auch wegen Nichterfüllung von Lieferungen ausgesetzt.
Lamothe gründete auch die LSL World Initiative (LSLWI), ein weltweit agierende Unternehmen, das Schwellenländern Lösungen anbietet, die ihre Regierungen bei der Stärkung eigener Finanzierungsmechanismen unterstützen sollen.
Lamothe erklärte bei seiner Nominierung als Außenminister Haitis seinen Rückzug aus seinen Unternehmen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Aus den Pandora Papers ging jedoch hervor, dass er über eine Holding auf den Britischen Jungferninseln wirtschaftlich profitierender Inhaber blieb.
Politische Ämter
Wirtschaftsberater und Außenminister Lamothe begann seine politische Laufbahn als Sonderberaters des haitianischen Präsidenten Michel Martelly. Im September 2011 leiteten Lamothe und der ehemalige US-Präsident Bill Clinton gemeinsam den Beirat des Präsidenten für wirtschaftliche Entwicklung und Investitionen in Haiti. Später im selben Jahr wurde Lamothe zum Außenminister ernannt. Am 26. Oktober 2011 hielt er seine Antrittsrede während einer Amtseinführungszeremonie, die in Port-au-Prince, stattfand.
Premierminister Am 1. März 2012, nach dem Rücktritt von Premierminister Garry Conille, berief Martelly Lamothe zu dessen Nachfolger. Er trat das Amt im Mai 2012 an. Während Lamothes Amtszeit stiegen die ausländischen Direktinvestitionen in Haiti auf den höchsten Stand seit dem Sturz der Duvalier-Diktatur Mitte der 1980er Jahre. Unter seiner Führung verfolgte die Regierung Wirtschaftsreformen, die unter anderem die Einführung einer 15-jährigen Steuerbefreiung für Unternehmen, die im Land investierten, beinhalteten. Während seiner Amtszeit sank laut einer Studie der Weltbank die Zahl der Menschen in extremer Armut in Haiti von 31 auf 24 Prozent der Bevölkerung.
Am 6. August 2012 übernahm Lamothe auch die Aufgaben des Planungsministers (Ministre de la Planification).
Am 14. Dezember 2014 trat Lamothe mit seinem Kabinett als Premierminister zurück und folgte damit der Empfehlung einer unabhängigen beratenden Kommission des Präsidenten, deren Zweck es war, eine innenpolitische Krise im Vorfeld anstehender Wahlen zu überwinden. Er kommentierte seinen Schritt mit den Worten: „Ich habe das ultimative Opfer gebracht, damit das Land voranschreitet.“
Ende des politischen Engagements Im Jahr 2015 wurde Lamothes Kandidatur für die bevorstehende Präsidentschaftswahl vom Wahlrat (Conseil électoral provisoire; CEP) abgelehnt, da er nicht „entlastet“ werden konnte. Die haitianische Verfassung schreibt vor, dass Angehörige und Beamte der Regierung, die für die Verwendung öffentlicher Gelder verantwortlich sind, Rechenschaft über den ordnungsmäßigen Umgang mit den Mitteln ablegen müssen. Eine ohne Beanstandungen erteilte Entlastung ist eine Voraussetzung für ehemalige Amtsträger, ein neues öffentliches Amt anzustreben. Lamothe wurde drei Prüfungen durch den Cour Supérieure des Comptes et du Contentieux Administratif (Oberster Rechnungs- und Verwaltungsgerichtshof) unterzogen. Das Ergebnis führte zu einer politischen Kontroverse. Es wurde behauptet, Martelly selbst habe dafür gesorgt, dass Lamothe nicht in das Feld von 70 Kandidaten gelangte. Martelly und Lamothe lagen seit der Verhaftung des wegen Drogenhandels und Entführung angeklagten Woodly Ethéart, der enge Verbindungen zu Martellys Familie hatte, im Streit. Der führende haitianische Menschenrechtsaktivist und Leiter des RNDDH, Pierre Espérance kommentierte den Vorgang mit der Feststellung: „Es gibt andere Kandidaten, die angenommen wurden, obwohl sie ebenfalls keine Entlastung hatten. Sie befinden sich in genau derselben Lage wie Lamothe.“
Konsequenzen des unternehmerischen und politischen Wirkens
Gemeinnütziges Engagement Im Dezember 2015 gründete Lamothe die Dr. Louis G. Lamothe Foundation im Gedenken an seine Eltern. Die Stiftung soll einen Beitrag zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung in Haiti leisten.
Internationale Strafmaßnahmen Am 20. November 2022 wurde Lamothe von der Regierung Kanadas wegen seiner Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen und der Unterstützung krimineller Banden sanktioniert. Lamothe hat Vorwürfe der Geldwäsche zur Finanzierung von Banden zurückgewiesen und erklärt, Ottawa habe keine Beweise vorgelegt. In einer Pressemitteilung des Büros des kanadischen Premierministers Justin Trudeau hieß es, Lamothe verdächtigt wird, die illegalen Aktivitäten bewaffneter krimineller Banden in Haiti zu schützen und zu ermöglichen.
Am 2. Juni 2023 gaben die Vereinigten Staaten bekannt, dass Lamothe aufgrund der Veruntreuung von Petrocaribe-Geldern nicht in die USA zurückkehren dürfe.
Auszeichnungen und Ehrungen 2015 erhielt Lamothe für seine Arbeit den Golden Honors Award der in den Vereinigten Staaten ansässigen National Alliance for the Advancement of Haitian Professionals (NAAHP).
Ebenfalls im Jahr 2015 wurde er von der Association haitienne des médias en ligne als „Social Media Person des Jahres“ ausgezeichnet. Im März 2016 wurde Lamothe für seine Leistungen im Tennis in die Sunshine State Conference Hall of Fame aufgenommen.
Lamothe hat auf dem Weltwirtschaftsforum 2018 in Davos und auf dem Berlin Economic Forum über Blockchain gesprochen.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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