Unter Messianische Bewegungen versteht man meist religiös motivierte Gruppierungen, die sich in Erwartung der (baldigen) Ankunft eines von Gott gesandten Führers auf der Erde Erlösung von Leid und Mangel erhoffen. Sie tauchen vor allem im Judentum, Christentum, Islam und Buddhismus auf. Der Begriff „Messias“ leitet sich vom hebräischen Wort „Maschiach“ ab und bedeutet, ebenso wie das griechische Wort Christos, „der Gesalbte“. Die Könige Israels wurden durch die Salbung zum König eingesetzt. Der Titel „Messias“ ist ein Hoheitstitel und damit ein vordergründig politischer. Der ähnliche islamische Titel „Mahdi“ dagegen bedeutet „Rechtgeleiteter“. Der christliche Begriff des Messias bezieht sich auf Jesus Christus in der Bedeutung Heiland und erhoffter Erlöser.Glossar «Messias»"‚Messias’ (im Deutschen) bedeutet Erlöser."
„Messias“ als Begriff Eine ausdrückliche Nennung des Begriffs „Messias“, in der Bedeutung einer eschatologischen Rettergestalt, findet sich nirgendwo in der Tora, den ersten fünf Büchern des Tanach. Vielmehr wird dieser Begriff ausschließlich auf Personen angewandt. Der Begriff „Messias“ bedeutet auch „Der Erlöser“. Genannt werden die Könige in Israel, sechsmal der Hohepriester sowie einmal der persische König Kyros II. () – und zwar stets in „syntaktisch charakteristischer Construktus-Verbindung mit ‚JHWH‘ bzw. mit diesbezüglichem Suffix“.
Vielfalt der Messiaserwartungen und ihrer Deutungen Neben dem fehlenden Begriff des Messias als „terminus technicus“ muss bei der weiteren Betrachtung der alttestamentlich-kanonischen Texte und der damit zusammenhängenden einschlägigen Literatur aus der heutigen Zeit auf gewisse Besonderheiten geachtet werden. Im Wesentlichen wird nicht zwischen einer „messianischen Hoffnung“ und der sogenannten „Heilserwartung“ unterschieden, und es findet auch keine ausreichende Differenzierung zwischen den Begriffen „Messias“ und „messianisch“ statt. Durch die Bezeichnung der Könige Israels als „Gesalbte Jhwhs“ wurden die Könige Israels nicht nur im höchsten Maß hervorgehoben, sondern es wird unter anderem auch eine souveräne und erwählende Bindung zu JHWH und dem Davidischen Königtum forciert. In den Grundzügen wird ersichtlich, dass die Darstellung der „Messiaserwartung“ ein sehr kontroverses Thema darstellt, welches auch für die Forschung nicht uninteressant schien, denn in dieser Thematik finden sich die wichtigsten Grundentscheidungen alttestamentlicher und vor allem dann biblischer Theologie wieder.
Nach landläufigem Verständnis muss die Messiasgestalt im Alten Testament folgende Attribute erfüllen: Sie muss in Form einer „Königsgestalt“ erscheinen, sie muss „Heil“ bringen, und mit ihr muss die „Endzeit“ anbrechen, so dass der Begriff des Messias gleichzusetzen ist mit dem „eschatologischen Heilskönig“. Der oben erwähnten Salbung des Königs in den kanonischen Texten wohnte zwar eine konstitutive und legitimierende Rolle inne, sie ist aber noch lange kein Beweis für die immer wieder hergestellte und ungebrochene Linie zu einer „eschatologischen Erwartung“. Nicht alles, was königliche Momente aufweist, ist zugleich auch „messianisch“, und nicht schon alles in die Zukunft Blickende ist „eschatologisch“ zu nennen. Doch es lässt sich anhand verschiedener Texte exegetisch nachweisen, dass mit jedem erneuten Handeln JHWHs das Vertrauen auf seine universale Herrschaft zunahm und das Volk somit eine Zukunftsperspektive in JHWH zu zeichnen begann, welche aber nicht die Konturen einer Messiasgestalt erfüllte. Insofern bietet das Alte Testament Anstoß und Vorgeschichte einer weit verzweigten Messias-Erwartung, d. h. einer sich entwickelnden Messianologie, die sich im Frühjudentum wie auch im Neuen Testament herauszubilden beginnt. In der jüngsten Aufsatzsammlung zum Thema (Studien zum Messiasbild im AT, 1989) gesteht man zwar ein, wie wenig beweisbar eine durchgehende Linie in Bezug auf die „Messias-Erwartung“ sei, möchte aber dennoch das „Messiasbild“ mindestens „für bestimmte Teile des Alten Testaments retten“, da gerade hier offenbar ein Herzstück biblisch-theologischer Kontinuität gesehen wird.
Im Judentum Um die Zeitenwende Im nachbiblischen Judentum gibt es weder eine zentrale noch eine einheitliche Vorstellung eines Messias. Man könnte am ehesten von einem priesterlichen Messias als dem Mittler des endzeitlichen Heils sprechen. Die ersten ausgeprägten messianischen Erwartungen finden sich erst ab dem 1. Jh. v. Chr. in den Psalmen Salomos und in den Schriftrollen von Qumran. Hier tritt auch zum ersten Mal die Bezeichnung Maschiach, für den König der Heilszeit in Erscheinung. An dieser Stelle ist auch keine einheitliche Linie vorzufinden, jedoch ist die Erwartung eines priesterlichen Messias mehrfach mit der eines Messias Israels verbunden. Doch bleibt auch der Gedanke an das Erscheinen von zwei Messiassen (priesterlich und königlich) präsent, denn offenbar wird in den Psalmen von Qumran der Priester und dann der Fürst gesegnet.
Rabbinische Zeit Im Allgemeinen kann man sagen, dass die rabbinische Zeit dadurch geprägt ist, dass in ihr die Apokalyptik weitergeführt wird. Der messianischen Zeit geht demnach eine Leidenszeit voraus, an anderer Stelle spricht man auch von den „Geburtswehen des Messias“. Diese Tatsache hat gerade in für Juden katastrophalen Zeiten und Situationen den Glauben an einen Messias immer wieder neu entfacht. Als Zeitpunkt der Ankunft der messianischen Zeit gilt: 4.000 Jahre nach der Erschaffung der Welt oder 400 Jahre nach der Zerstörung des Tempels. In anderen Quellen wiederum wird davon ausgegangen, dass Handlungen der Menschen, wie z. B. Buße tun, einen direkten Einfluss auf das Erscheinen des Messias hätten, spätestens tritt der Erlöser jedoch in Erscheinung, wenn das Maß des Leidens Israels voll ist. Der krank auf seine Sendung wartende und somit zum Schluss noch selbst leidende Messias ist den klassischen rabbinischen Texten eher fremd. Zwar gibt es einige Texte, in denen ein schwer leidender Messias erwähnt wird, welcher alle Sünden auf sich nimmt, um das Volk Israel zum Lichte zu führen, doch sind diese nicht datierbar. Vielmehr betonen die Rabbinen die Sinnlosigkeit jeglichen Aktivismus', und sie verachten sogar das vorzeitige Wecken des Erlösers. Es ist allein der Wille Gottes, der den Messias herbeiholen kann, damit mit diesem eine messianische Zeit anbrechen kann, in welcher paradiesische Zustände herrschen werden.
Mittelalter Die Zeit des Mittelalters hat viele messianische Bewegungen hervorgebracht. So musste es auch zu einer entsprechend hohen Anzahl an Messiassen und Pseudomessiassen kommen. Verständlicherweise suchten viele Menschen damals nach gewissen Unterscheidungsmerkmalen, die den wahren Messias erkennen lassen würden. Maimonides stellte in seinem Werk Mischne ToraMaimonides, Mischne Tora, Hilchot Melachim, Kap. 11 eine Liste mit Kriterien für den wahren Messias auf. Die messianische Zeit werde keine Veränderung in der Ordnung der Natur bringen, sondern lediglich Israel von jeder Fremdherrschaft befreien. Er sah darin ein ideales Zeitalter des Gotteswissens verwirklicht, in dem „die Könige aus dem Hause Davids in Jerusalem herrschen, wo auch der Tempel wieder errichtet wird“. In der esoterischen Tradition des Judentums waren messianische Vorstellungen lange Zeit nur eine Randerscheinung, doch seit dem 13. Jh. traten sie vermehrt auf. Die Wiederherstellung der anfänglichen Einheit, durch die Erfüllung der Gebote und miteinander vereinbarte Absichten in mystischen Gebeten, werden zur Aufgabe eines Jeden gemacht.
Neuzeit Die pseudomessianischen Bewegungen hielten bis in die Neuzeit an und gefährdeten die jüdischen Gemeinden zum Teil, bewirkten jedoch auch, dass der Messianismus letztlich zurückgedrängt wurde.
Die verstärkten antisemitischen Verfolgungen und Judenpogrome im 17. und 18. Jahrhundert ebneten den Boden für messianische Erwartungen, die sich in der Person des angeblichen Messias Schabbtai Zvi (1626–1676), der später zum Islam übertrat, verkörperten. Einer der berühmtesten religiösen Schwärmer aus Osteuropa war Jakob Joseph Frank (1726–1791), Stifter des Frankismus, der seinerseits zum Christentum übertrat.
Im 19. Jahrhundert waren akute Messiashoffnungen in geringerem Maße mehr anzutreffen, und der rationale Ansatz von Maimonides wurde immer mehr radikalisiert. Der jüdische Monotheismus sollte zur Erfüllung einer „messianischen Heilszeit“ beitragen, und die Gebete um das Kommen des Messias wurden ganz im Sinne der Rabbiner aus der Liturgie gestrichen.
Die Thematik des modernen jüdischen Staates Israel kann von zwei Extrempositionen beleuchtet werden. Beiden gemeinsam ist, dass die Gründung des Staates Israel als Indiz einer bevorstehenden messianischen Zeit betrachtet wird, nur verweisen gewisse Kreise der Ultraorthodoxie darauf, dass diese Gründung eine Aufgabe des Messias sei und dass jede menschliche Vorwegnahme zu einer Verzögerung führen würde. Zentraler Bestandteil ist aber immer noch die durch „die traditionellen Gebete lebendig gehaltene Hoffnung auf das Kommen eines Messias ohne konkrete zeitliche Festlegung oder Bindung an politische Entwicklungen“ und vor allem die Erwartung der messianischen Zeit, welche aber nur von Gott selbst herbeigeführt werden kann.
Im Christentum Im neutestamentlichen Christentum wurde die „messianische Bewegung“ in eine „eschatologische Befreiungsbewegung“ transformiert. Alle, die behaupteten, Christus zu sein, und alle als falsch eingestuften Propheten ( par.) wurden auf Jesu Anweisung von den Aposteln, allerdings (zum Leidwesen der Apostel) nicht von allen Gemeindegliedern abgelehnt. Es wurden aber messianische Traditionen dazu benutzt, die Einzigartigkeit Jesu hervorzuheben. Inhaltlich werden die Kriterien der biblischen Überlieferungen für eine messianische Gestalt nach Darstellung der Evangelisten in Jesus erfüllt. Joseph Ratzinger betont allerdings, dass sich der neutestamentliche Jesus nie selbst als Messias bezeichnet (2007, S. 36). In der Gestalt Jesu lassen sich die verschiedenen von der Tradition vorgesehenen Ämter des Messias auffinden.
Priesteramt Das Priesteramt lässt sich im Neuen Testament nur im Hebräerbrief nachweisen. Jesus ist nach der Ordnung Melchisedeks der Gottessohn und Hohepriester. Sein Opfer besteht in der freiwilligen Hingabe seines Lebens, die in den alttestamentlichen Opfern vorgebildet ist. Er nimmt als Knecht JHWHs unsere Schmerzen auf sich und wird „wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt, ohne sich zu widersetzen. Er betet für die Übeltäter und wird wieder auferstehen“ (). Jesus bahnt mit dem Opfer seines Blutes den Weg in das himmlische Heiligtum für die Seinen, und dies macht ihn zu einem messianischen Hohepriester.
Prophetenamt Schon in der Vorstellung des Volkes wurde erkennbar, dass man den Anspruch Jesu als einen prophetischen Anspruch verstand, und somit wurde Jesus in die Kategorie der messianischen Propheten eingestuft. Teile des Volkes sahen in Jesus den wiedererstandenen Propheten Elija oder Johannes den Täufer ( par.; 8,28 par.), und die Wiederholung der Wüstenspeisung des untermauerte die Vorstellung eines eschatologischen Propheten. Schon Jesaja sah einen kommenden Lehrer und Tröster des Volkes: „Er wird das geknickte Rohr nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen“ ().
Königsamt