Der Menschen Hörigkeit () ist ein Entwicklungsroman von William Somerset Maugham, der 1915 bei Heinemann in London und im selben Jahr bei George H. Doran in New York City erschien. Die Übertragung ins Deutsche kam 1939 heraus.

Der Protagonist, dessen Schicksale von seinem neunten bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr erzählt werden, trägt den Namen Philip Carey. Der Text weist autobiographische Züge auf.

Der Romantitel greift Spinozas Postulat von der menschlichen Knechtschaft (De servitute humana) auf, wie es im vierten Buch seiner Ethik geschrieben steht: Philip ist der Geliebten Mildred wider besseres Wissen hörig.

William Somerset Morgan, der den Roman als 23-jähriger frisch examinierter Arzt geschrieben hatte, hatte ursprünglich einen anderen Titel geplant: The Artistic Temperament of Stephen Carey. Dann hatte er sich entschieden, das Buch Beauty from the Ashes zu nennen, musste aber feststellen, dass dieser Titel schon in Gebrauch war, und entschied sich dann für die von Spinoza inspirierte Formulierung.

Er bot den Roman, der später als sein Meisterwerk gelten sollte, zunächst dem Verlag Fisher Unwin an, bei dem bereits Liza of Lambeth erschienen war, und bat um einen Vorschuss von hundert Pfund. Darauf ging der Verlag nicht ein, sodass Maugham sich zurückgewiesen fühlte, das Manuskript vorerst beiseitelegte und erst später wieder einem Verlag offerierte.

In einem Ranking der 100 besten englischen Romane, das im Jahr 2014 im Guardian zitiert wurde, belegte Der Menschen Hörigkeit Platz 44. Vielleicht, so meinte der Autor, habe seit Dickens' David Copperfield - Nr. 15 auf jener Rangliste - kein Autor mehr seine eigene Jugend so intensiv ausgebeutet wie Somerset Morgan die seine in diesem Roman. Der Durchschnittsleser mache mit dem Werk als Heranwachsender Bekanntschaft und Teenager konsumierten den Roman des stotternden, „self-hating homosexual“ Maugham wie „Junkies“, war in diesem Artikel zu lesen. Dass der Held nach all seinen inneren Kämpfen und Sehnsüchten so unspektakulär im Hafen der Ehe landet, wird mitunter als „fake idyll“ empfunden.

Inhalt Als 1885 die Mutter Helen Carey stirbt, wird der neunjährige Philip von seinem Onkel William und seiner Tante Louisa in Blackstable, einem Fischerdorf im Osten der Grafschaft Kent, aufgenommen. Vikar William Carey ist der Bruder von Philips Vater, des bereits früher an einer Blutvergiftung verstorbenen Chirurgen Stephen Carey. Das kinderlose Ehepaar ermöglicht später dem Jungen die schulische Ausbildung in der King’s School im nahe gelegenen Tercanbury. Dort wird der Junge, der etwa im Alter von 13 Jahren in das Internat eintritt, wegen seines Klumpfußes gemobbt und entwickelt sich zum verletzlichen Einzelgänger. Sein Selbstbewusstsein bezieht er aus seinen schulischen Leistungen. Verständnis findet er vor allem bei dem neu eingesetzten Schulleiter Perkins, einem ehemaligen Zögling der Anstalt, der wegen seiner sozialen Herkunft einst ebenfalls wenig geschätzt wurde.

Als 18-Jähriger soll Philip nach Oxford gehen. Er soll Geistlicher werden. Daraus wird nichts. Der junge Mann zweifelt an seinem Glauben und begibt sich nach Heidelberg. Dort freundet er sich mit dem 26-jährigen G. Etheridge Haywardan, einem angehenden Advokatenmit literarischen Ambitionen. Diesem ermöglicht das Erbe seines Vaters, eines Landrichters, ein sorgloses Leben auf dem Kontinent. Als 19-Jähriger hört Philip bei Kuno Fischer Vorlesungen über Schopenhauer.

Wieder daheim in Blackstable, beginnt Philip, obwohl er eigentlich nicht in sie verliebt ist, eine Affaire mit der weit über 30-jährigen Miss Emily Wilkinson, die zu Besuch im Hause des Pfarrers weilt. Der junge Mann schläft mit dem Fräulein. Das ist ein Fehler. Miss Wilkinson erweist sich als anhänglich. Schließlich aber muss sie abreisen. Philip beantwortet die Briefflut nachlässig-schleppend.

Er beginnt auf der Suche nach einem Brotberuf eine Lehre bei dem Londoner Buchprüfer Herbert Carter, ist aber in dessen Büro völlig fehl am Platz und sucht lieber die Nationalgalerie auf. Als Mr. Carter dienstlich in Paris zu tun hat, nimmt er seinen Lehrling mit. Philip fühlt sich nun zum Maler berufen und beschließt, ein Studium in Paris zu beginnen. Gegen den Willen des Onkels steigt er in einem schäbigen Hotel im Quartier Latin in der Nähe der Malschule Armitrano ab.

An dieser Malschule nimmt ihn die 26-jährige Fanny Price unter ihre Fittiche, die in England ihren Beruf als Erzieherin aufgegeben hat. Trotz völliger Talentlosigkeit besteht diese junge Frau darauf, Malerin zu werden, auch, als ihr Lehrer Foinet ein vernichtendes Urteil über ihre Gemälde abgibt.Fanny Price hat schließlich keinerlei finanzielle Ressourcen mehr, ist am Verhungern und erhängt sich in ihrem Zimmer.

Zusammen mit dem jungen aufstrebenden Maler Frederik Lawson mietet Philip ein billiges Atelier am Boulevard Raspail. Im Freundeskreis lauscht man abends den Philosophien des Alkoholikers Cronshaw, eines heruntergekommenen Dichters, der sich mit Übersetzungen et cetera mühsam über Wasser hält. Schließlich erkennt Philip sein Mittelmaß als Maler und streicht nach anderthalbjährigem Paris-Aufenthalt die Segel, nachdem ihm Foinet auf Befragen vom Maler-Beruf abgeratenund eingestanden hat, dass er selbst ein verfehltes Leben als mittelmäßig begabter Maler führt. Der Tod Tante Louisasist äußerer Anlass zur neuerlichen Rückkehr Philip Careys nach Blackstable. Er beschließt, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und Medizin zu studieren. Onkel William, merklich gealtert, befürwortet diese Entscheidung.

Der Student geht wie einstmals Stephen Carey ans Londoner Krankenhaus St Luke. Die Patienten dort kommen „aus der Arbeiterklasse: Dockarbeiter, Rollkutscher, Fabrikarbeiter, Kellner...“.Verwendete Ausgabe, S, 451, 16. Z.v.u. Philip Carey bewohnt ein winziges Zimmer. Über ihm wohnt Harry Griffith, ein Medizinstudent im fünften Ausbildungsjahr, dessen Vater als Arzt in Leeds praktiziert. Die beiden Studenten werden Freunde. Von der Bekanntschaft mit dem großsprecherischen Börsianer Macalister erhofft sich Philip die gewinnbringende Anlage seines ererbten Vermögens.

In einer Teestube in der Parliament Street wird Philip auf die junge Kellnerin Mildred Rogers aufmerksam. Obwohl er ihre grünliche Blässe und ihre Magerkeit eher abstoßend findet und ihre soziale Unterlegenheit, ihre mangelnde Intelligenz und ihren schlechten Geschmack deutlich wahrnimmt, kommt er nicht mehr von ihr los. Seine Gefühle, die fast über den ganzen restlichen Roman hinweg eindringlich beschrieben werden, werden nicht erwidert. Philip kann sich nicht gegen seine Leidenschaft wehren, er liebt und hasst Mildred und verabscheut sich gleichzeitig selbst dafür.Verwendete Ausgabe, S. 316, 13. Z.v.o. und zum Beispiel auch S. 335,12. Z.v.u. Nun ahnt er, welche Qualen Emily Wilkinson und Fanny Price ausgestanden haben müssen, als er beide nacheinander links liegen ließ. Mildred, die das Sparen nie erlernt, nutzt Philip schamlos aus. Zögerlich-kalt lässt sie sich mit dem hartnäckigen Liebhaber ein und überrascht ihn sodann mit der Hiobsbotschaft, sie erwarte von dem verheirateten Emil ein Kind. Während jener Vater von drei Kindern Mildred im Stich lässt, hält Philip zu der werdenden Mutter und bezahlt den Unterhalt sowie die gemeinsame Wohnung in der Vauxhall Bridge Road und später in der Kennington Road.

Ein kleines Mädchen wird geboren. Philip ist dem Baby zugetan und spielt gern mit ihm, während Mildred ihrer Tochter wenig Beachtung schenkt. Als Mildred Harry Griffith, Philips smarten, ständig verschuldeten Freund kennenlernt, beginnen die beiden hinter Philips Rücken eine Affaire. Philip ist tief verletzt, stellt den beiden jedoch Geld aus seinen eigenen Ersparnissen zur Verfügung, damit sie miteinander verreisen können. Griffith wird Mildred bald über und verlässt sie, aber zu Philip Carey kehrt diese trotzdem nicht zurück.

Wenig später lernt er durch Lawson die 25-jährige Norah Nasbit kennen. Sie ist geschieden und hält sich und ihr Kind mit dem Verfassen von Groschenromanen über Wasser. Die kluge und optimistische Norah liebt Philip und verwöhnt ihn mit zärtlicher Fürsorge. Mit ihrer Unterstützung schafft er schließlich das medizinische Examen. Das scheinbare Glück dauert allerdings nicht lange, denn durch Zufall trifft er Mildred wieder. Diese hat ihr Kind in Pflege gegeben und verdient ihr Geld inzwischen als Prostituierte. Philip ist von Mitleid und Fürsorge erfüllt; er bietet Mildred an, mit dem Kind in seiner Wohnung unterzukommen, wenn sie als Gegenleistung die Pflichten einer Haushälterin erfüllt. Schlechten Gewissens trennt er sich von Norah.

Das Zusammenleben mit Mildred Rogers gestaltet sich nicht sehr harmonisch. Diese ist keine gute Wirtschafterin. Außerdem kränkt es sie, dass Philip sich zwar um sie kümmert, sie aber inzwischen nicht mehr körperlich begehrt. Nach einigen Wochen eskaliert die Situation, Mildred versucht erfolglos, Philip zu verführen, er weist ihre Annäherungsversuche energisch zurück. Daraufhin demoliert Mildred am folgenden Tag in Philips Abwesenheit die Wohnung, zerschlägt die Einrichtung und zerstört seine Bilder. Als er vom Dienst aus der Klinik zurückkehrt, findet er eine Trümmerfeld vor und Mildred ist verschwunden.

In der Hoffnung, sein stark zusammengeschmolzenes Vermögen zu vergrößern, investiert Philip sein Geld in eine rhodesische Goldmine. Macalister übertölpelt den in Börsenangelegenheiten völlig unbedarften Studenten. Philip verspekuliert sich unglücklich und steht mittellos da, muss das Medizinstudium abbrechen und wird obdachlos. Seinen Freund Lawson sucht er nicht auf, weil er ihm fünf Schilling schuldet. Unterschlupf findet er schließlich bei dem 48-jährigen Journalisten Thorpe Athelny, einem ehemaligen Gelbsucht­patienten. Athelny, Vorstand einer elfköpfigen Familie, schlägt sich als Werbetexter und Presseagent im Weißwarengeschäft Lynn & Sedley durch. Er bringt den Gast dort als Aufseher unter.

In der Textilbranche besinnt sich Philip seiner zeichnerischen Versuche aus Pariser Zeiten und betätigt sich als Modedesigner für Damenoberbekleidung, was ihm einen bescheidenen Aufstieg in der Hierarchie des Warenhauses ermöglicht. Noch einmal trifft er Mildred, die wieder als Prostituierte arbeitet. Sie sucht ihn auf, weil sie Halsschmerzen und einen Ausschlag hat, aber nicht zum Arzt gehen möchte. Philip untersucht sie in ihrem schäbigen Zimmer und erfährt bei der Gelegenheit, dass das kleine Mädchen inzwischen verstorben ist. Mildred hat offenbar Syphilis, Philip versucht, sie von der Prostitution abzuhalten. Sein Bemühen ist vergeblich, Mildred taucht wieder in London unter, diesmal für immer.

Sehnsüchtig wartet Philip Carey auf den Tod seines betagten Onkels William, dessen Erbe ihm die Fortsetzung seines Medizinstudiums ermöglichen soll. Als William Carey endlich stirbt, kündigt der Neffe sofort bei Lynn & Sedley und schließt so schnell wie möglich das Studium ab. Als frisch approbierter Arzt übernimmt er eine Vertretung bei dem etwas raubeinigen Dr. South in Farnley/Dorsetshire. Der alte Arzt bietet dem Berufsneuling die Teilhaberschaft in seiner Praxis an. Carey hat allerdings den Wunsch, erst einmal auf Reisen zu gehen und sich erst später als Arzt niederzulassen.

In den Sommerferien begleitet er die Familie Athelny, die wie jedes Jahr auf dem Land bei der Hopfenernte hilft. Zwischen ihm und der ältesten Tochter Sally kommt es in einer lauen Sommernacht zu Intimitäten; Sally teilt ihm später mit, dass sie möglicherweise schwanger ist. Daraufhin entschließt sich Philip, Dr. Souths großzügige Offerte anzunehmen, Sally zu heiraten und mit ihr nach Farnley zu gehen. Auch als sich herausstellt, dass Sally nicht schwanger ist, bleibt er bei seinem Entschluss.

Verfilmungen 1934 mit Leslie Howard und Bette Davis 1946 mit Paul Henreid und Eleanor Parkereng. Of Human Bondage (1946 film) 1964 mit Laurence Harvey und Kim Novakeng. Of Human Bondage (1964 film)

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