Grunow ist ein Ortsteil der Gemeinde Oberbarnim im Brandenburger Landkreis Märkisch-Oderland. Das Dorf liegt auf dem südöstlichen Barnim im Naturpark Märkische Schweiz und hatte 2010 rund 350 Einwohner. Verwaltet wird Grunow vom Amt Märkische Schweiz.

Der 1315 erstmals urkundlich erwähnte Ort war über Jahrhunderte im Besitz verschiedener märkischer Adelsfamilien. Von den rund einhundert Bewohnern zu Beginn des 17. Jahrhunderts traf der inspizierende Landreiter nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) nur noch drei an. Nach dem Wiederaufbau verfügte Grunow im 18. Jahrhundert über drei Mühlen. 1833 ließen die Gutsherren westlich des Ortes das Vorwerk Ernsthof anlegen, das seit 1931 aufgesiedelt wurde und heute einen Wohnplatz Grunows bildet. Die wirtschaftliche Grundlage des Ortes ist seit seiner Gründung die Landwirtschaft. In der DDR-Zeit wurden die Betriebe in einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) vom Typ III zusammengefasst, aus der nach der Deutschen Wiedervereinigung eine Agrar- & Marketing GmbH hervorging, die zu den größten Arbeitgebern des Amtes Märkische Schweiz gehört. Mit diesem Betrieb, einem Schäfer und mehreren Wiedereinrichtern erweist sich die Landwirtschaft auch heute noch als Haupterwerbszweig der Grunower und Ernsthofer Einwohner.

Seit dem 31. Dezember 2001 gehört Grunow/Ernsthof zur neugebildeten Gemeinde Oberbarnim, deren Verwaltungsgeschäfte vom Amt Märkische Schweiz mit Sitz in Buckow erledigt werden. Die Interessen Grunows in der Gemeinde vertritt ein Ortsvorsteher.

Aufgrund seiner Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert und weiterer Feldsteinbauten ist Grunow Teil der Oberbarnimer Feldsteinroute, einer 41,5 Kilometer langen kultur- und bauhistorischen Wander- und Fahrrad-Route auf den Spuren des Baumaterials Feldstein. mini|hochkant=1.3|Zentrum des Dorfes im Jahr 2012 mini|hochkant=1.3|Die Lage Grunows im südöstlichen Sander-/Stauchungsbereich des Barnim

Geographie und Wohnlagen Naturraum Grunow liegt auf dem Barnim, einer eiszeitlichen Hochfläche und historischen Landschaft. Der Dorfkern befindet sich am Rand und die Gemarkung fast vollständig auf einer Sanderfläche, die eine Stauchungszone überlagert (siehe Karte oben). Die Zone entstand während der saalezeitlichen Eisvorstöße durch eine zum Teil kräftige Stauchung (Störung) der älteren Sedimente im Untergrund des Barnim zwischen den auch heute noch besonders hoch gelegenen Freienwalder Höhen (auch als Wriezener Höhe bezeichnet) und dem Buckower Kessel. Neben älteren eiszeitlichen Ablagerungen wurde großflächig Material aus dem Tertiär in die Stauchmoränen eingepresst.Werner Stackebrandt, Volker Manhenke (Hrsg.): Atlas zur Geologie von Brandenburg. 2. Auflage. Landesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe Brandenburg, Kleinmachnow 2002, ISBN 3-9808157-0-6.

mini|Sandbruch mit Trockenvegetation südöstlich des Dorfes mini|Waldhaussiedlung mini|Kreisstraße 6414 Richtung Ihlow Den Boden Grunows beschrieb Eduard Zache 1890 als sandigen oberen Geschiebelehm mit zahlreicher Steinbestreuung.Eduard Zache: Über den Verlauf und die Herausbildung der diluvialen Moräne in den Ländern Teltow und Barnim-Lebus. In: Zeitschrift für Naturwissenschaften. Band 63, Fünfte Folge, Erster Band. Halle/Saale 1890, S. 29. An einer rund drei Meter hohen Bruchkante südöstlich des Dorfkerns treten die mächtigen Sandmassen offen zutage (siehe Bild rechts). In diesem Gebiet dominiert eine ausgeprägte Trockenvegetation mit Trockenrasen, Ginster und Kleingehölzen. Nach Norden, Westen und Süden prägt flachwelliges Offenland mit Feldern und Hecken die Gemarkung Grunows, nach Osten folgen kleinere Waldgebiete.Brandenburg-Viewer, Digitale Topographische Karten 1:10.000 (Menu anklicken; zur Gemarkungsgrenze „Automatisierte Liegenschaftskarte“ und „Gemarkungen“ schalten.)

Den Ostrand des Dorfes passiert das Sophienfließ, das die Region um Grunow und Prötzel über den Schermützelsee in den Stobber entwässert. Da die intensive agrarische Nutzung der Landschaft einen starken Nutzungsdruck auf das Gewässer ausübt, führte der Wasser- und Bodenverband Stöbber-Erpe im Bereich Grunows zwischen 2003 und 2007 verschiedene Renaturierungsmaßnahmen durch. Dazu zählten die Minderung der Abflüsse und die Förderung der Feucht- und Nasswiesen sowie Röhrichte.Renaturierung Sophienfließ. In: Umweltdaten Brandenburg. (PDF; 1,0 MB) Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (MUGV) 2005, S. 159. Zur Reduzierung der Nährstoffeinträge legte der Verband 2008 zudem ein Sedimentationsbecken an, in dem sich die Nährstoffe der Drainagewässer absetzen können, bevor das nährstoffreduzierte Wasser mittels eines Überlaufs dem Sophienfließ zugeführt wird. Die Nährstoffbindung erfolgt durch Schilf.Nährstoffentzug am Sophienfließ. Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg, Potsdam, September 2009, S. 23. () Gelegen in der nordwestlichen Ecke des Naturparks Märkische Schweiz, bleibt der Ort vom Naturparktourismus weitgehend unberührt – die landschaftlichen und touristischen Hauptanziehungspunkte und die markante Flora und Fauna der Märkischen Schweiz beginnen rund 3,5 Kilometer südwestlich Grunows.

Dörfliche Gliederung Die dörfliche Gliederung Grunows ist insofern ungewöhnlich, als die Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert außerhalb des heutigen Dorfkerns liegt. Dies lässt sich laut Matthias Friske nur dadurch erklären, dass Grunow vorübergehend wüst fiel und später leicht nach Westen versetzt wiederaufgebaut wurde.Matthias Friske: Die mittelalterlichen Kirchen auf dem Barnim. 2001, S. 163, 165. Rudolf Schmidt gab 1926 die Erklärung, dass die Häuserstellen östlich der Kirche in Richtung Ihlow nach dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr aufgebaut wurden.Rudolf Schmidt: Die Herrschaft Eckardstein. 1926, S. 84.

Zu Grunow gehört die westlich vom Dorf gelegene Wohnlage Ernsthof, 1833 als landwirtschaftliches Vorwerk gegründet. Obwohl Ernsthof ein Teil Grunows ist, zieht das Amtliche Topographisch-Kartographische Informationssystem (ATKIS) der Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (LGB) für Grunow und Ernsthof getrennte Gemarkungsgrenzen. Danach ist die Fläche Ernsthofs deutlich größer als die Fläche Grunows. Für das Jahr 1900 wurde die Fläche der Landgemeinde Grunow mit 367 Hektar, die Fläche des Vorwerks Ernsthof (auch Gutsbezirk Ernsthof) hingegen mit 844 Hektar angegeben.Rudolf Schmidt: Die Herrschaft Eckardstein. 1926, S. 91.

Eine weitere Wohnlage außerhalb des historischen Dorfkerns hat sich in der Schlucht zwischen dem Kleinen (88 m ü. NN) und dem Großen Weesenberg (91 m ü. NN; auch: Wesenberg) gebildet. Die Siedlung aus Datschen und Bungalows um das Waldhaus Grunow liegt südlich des Dorfes und zieht sich bis kurz vor die Landesstraße 34, die Bollersdorf mit Altfriedland verbindet.

Lage und Verkehrsanbindung Die Gemarkung Grunows besteht aus einem langgestreckten, schmalen Streifen, der von Nordwesten nach Südosten verläuft. Die Westgrenze führt dicht am Dorfkern vorbei. Im Westen grenzt die Gemarkung an die des Wohnplatzes Ernsthof. Im Norden schließt sich der Prötzeler Ortsteil Prädikow an. Im Osten folgt Ihlow, im Süden folgen Pritzhagen und Bollersdorf; alle sind Ortsteile von Oberbarnim. Grunow liegt rund 600 Meter östlich der Bundesstraße 168, die nach Norden über Tiefensee nach Eberswalde und nach Süden über Fürstenwalde nach Cottbus führt. Die Kreisstraße 6414 (Strausberg-Ihlow-Reichenberg) verbindet Grunow mit der Bundesstraße. Größere Orte in der Nähe sind Strausberg im Südwesten und Buckow im Südosten.

Die Busverkehr Märkisch-Oderland (BMO) bindet Grunow mit der Linie 937 Strausberg↔Neuhardenberg an den Öffentlichen Personennahverkehr an. Zudem ist Grunow an Wochenenden und Feiertagen mit der Ausflugslinie Märkische Schweiz A930 von den Bahnhöfen Strausberg oder Seelow aus zu erreichen. (PDF; 6,7 MB)

Geschichte Entwicklung der Hufen und Einwohnerzahlen (Übersicht) 1375 gibt das Landbuch Karls IV. für das Dorf 62 Hufen an, von denen vier dem Unterhalt der Pfarrstelle dienten. 1450, nach den Hussitenkriegen (in Brandenburg 1431/32), waren von 72 nur noch 25 Hufen besetzt. 1624 umfasste das Dorf 55 Hufen ohne Kirch- und Pfarrhufen. Im Dreißigjährigen Krieg sind im Kriegsschädenprotokoll von 1634 28 der 55 Dorfhufen als wüst verzeichnet und nach dem Krieg traf der Landreiter 1652 nur noch drei Personen an. 1736 wurden 41 Hufen bewirtschaftet.Rudolf Schmidt: Die Herrschaft Eckardstein. 1926, S. 81–86. Einen Überblick über die anschließende Entwicklung der Einwohnerzahlen gibt folgende Tabelle; dabei sind die Zahlen für Grunow (Dorf, Landgemeinde) und das 1833 gebildete Vorwerk Ernsthof (Gutsbezirk Ernsthof) – soweit in der Literatur gesondert ausgewiesen – zusammengefasst:

Jahr 1624 1734 1801 1840 1860 1900 1925 1933 1939 1946 1973 1993 2000 2010 EinwohnerzahlErnst Fidicin: Geschichte des Kreises Ober-Barnim. 1974, S. 91.Rudolf Schmidt: Die Herrschaft Eckardstein. 1926, S. 91f.Lieselott Enders, Margot Beck: Historisches Ortslexikon […]. 1980, S. 202. 116 127 123 216 322 302 358 325 380 392 327 315 375 349

Ersterwähnungen und Etymologie Grunow wurde, soweit bekannt, erstmals 1315 in einer Strausberger Urkunde im Namen des Ratsherrn Conradus de Grunow erwähnt. Der Urkunde gab Adolph Friedrich Riedel im Codex diplomaticus Brandenburgensis die Überschrift: Die Räthe der Städte Straußberg und Wernäuchen thuen ihren Zoll gemeinschaftlich aus, am 15. Juni 1315. Unter dem 10. Juni 1333 befindet sich im Codex der Text: Markgraf Ludwig verleiht dem Johann Trebus, Bürger in Strausberg, das Dorf Grunow und das Dorf Eggersdorf mit Hebungen in Probsthagen, Wilkendorf und in der Stadt Straußberg.Codex diplomaticus Brandenburgensis. Erster Hauptteil, Band XII, Berlin 1857, S. 68f, 71. (books.google.de) Eine weitere Erwähnung erfolgte 1375 im Landbuch Karls IV. Der Name aus grun/grün und dem Suffix -ow (hier für Aue) = (Dorf an einer) grünen Aue, war laut Brandenburgischem Namenbuch ein Modename der Deutschen Ostsiedlung im 12./13. Jahrhundert.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen […]. 2005, S. 70, 204.

Spätmittelalter Die Gründung Grunows fällt wahrscheinlich in die Zeit der Deutschen Ostsiedlung. Der Kirchbau wird in die Zeit datiert, als der Barnim im 13. Jahrhundert infolge des Teltow-Kriegs und Magdeburger Kriegs fest in askanischer Hand war.Matthias Friske: Die mittelalterlichen Kirchen auf dem Barnim. 2001, S. 165, 391, 492.

Ausstattung Grunows und erste Besitzer mini|Sophienfließ, an dem um 1250 eine Wassermühle stand

Die Übereignungsurkunde von 1333 an Johannes Trebus weist aus, dass Johannes oder einer seiner Vorfahren schon zuvor Einkünfte aus Grunow bezog, die teilweise für den Erasmusaltar in der Strausberger Pfarrkirche St. Marien, eine um 1250 errichtete frühgotische Pfeilerbasilika, verwendet wurden. Zu dieser Zeit bestand eine Wassermühle am Sophienfließ; Trebus erhielt