mini|Vogelschaublick von Norden auf die Festung Hüningen – Radierung nach einer Zeichnung von Emanuel Büchel (1705–1775)

Die Festung Hüningen war eine 1679–91 nach Plänen des französischen Festungsbaumeisters Sébastien Le Prestre de Vauban erbaute und bis 1815 bestehende Festung im elsässischen Hüningen vor den Toren der Stadt Basel.

Beschreibung der Festungsanlage Den Kern der Festungsanlage bildete ein Pentagon mit fünf Bastionen. Den fünf Kurtinen vorgelagert war jeweils eine Tenaille (Grabenschere), die wiederum durch eine Lünette geschützt wurde.Stocker, S. 22/23 Dieser Wall war von einem breiten Graben umgeben, der sein Wasser vom Rhein erhielt. Außerhalb des Grabens gab es im Norden und Süden je ein Hornwerk. Die Festung war mit 140 Kanonen bestückt und hatte Kasernen für 5000 Mann. Gegen Basel gab es zudem zwei vorgelagerte Werke, einen Maschikuliturm und eine Sternschanze.nach 1796 auch Abatucci-Redoute genannt

In der Festung war Platz für 1200 Einwohner, die Kirche, ein Spital, das Zeughaus und militärische Verwaltungsgebäude.

Geschichte Bau der Festung Die Zugehörigkeit von Hüningen war lange Zeit zwischen der Stadt Basel und den Habsburgern umstritten und wechselte mehrfach. Im Westfälischen Frieden ging das Elsass an das Königreich Frankreich über, das es im Holländischen Krieg bis 1679 gegen ein mehrfaches Eindringen kaiserlicher Armeen behauptete. Alsbald beunruhigten Basel Gerüchte über den geplanten Bau einer Festung in Hüningen zum Schutz der französischen Besitzungen im Elsass. Der französische Kriegsminister Louvois dementierte noch am 4. Juni 1679 gegenüber einer Basler Delegation, dass der Bau einer Festung geplant sei, während die Beschaffung der Steine schon begonnen hatte. Basel schaltete die eidgenössische Tagsatzung ein, die sich über den Sommer diplomatisch bemühte Frankreich von seiner Absicht abzubringen. Das gegenüber Frankreich exponierte Basel hielt sich dabei etwas zurück.

Am 2. August 1679 besichtigte Vauban den vorgesehenen Bauplatz, und bereits am 11. Oktober wurde mit den Erdarbeiten begonnen. Die Bauarbeiten leitete als Oberingenieur Jacques Tarade. Erster Gouverneur der Festung wurde Roger Brulart de Puysieux. Der Grundstein für die Festung wurde am 19. März 1680 gelegt. Ungeachtet weiterer diplomatischer Bemühungen der Schweiz und Österreichs trieben Louvois und Vauban den Bau der Festung mit hoher Priorität voran. Am 15. Oktober 1681 besuchte König Ludwig XIV. die neue Festung. Die Hauptwerke der Festungen wurden 1683 fertiggestellt, die gesamte Anlage erst 1691.

Das Fischerdorf Groß-Hüningen musste der Festung weichen und die Bewohner wurden in das 1684 durch königliches Dekret wenige Kilometer rheinabwärts auf der Rheininsel Aoust gegründete Bourg Neuf d’Aoust (seit 1704 Village-Neufspäter unter deutscher herrschaft Neudorf) umgesiedelt.Stocker, S. 21 1687 wurde das alte Dorf vollständig abgebrochen.

1694 wurde die Festung durch ein Vorwerk auf der SchusterinselRheininsel bei Hüningen; vorher auch Frauenwörth oder Kälber-Insel genannt ergänzt. Da ein kleiner Teil der Insel zu Basel gehörte, grenzte die Festung damit direkt an Basler Gebiet. Entgegen französischer Zusagen wurde das Vorwerk auch durch eine feste Rheinbrücke mit der Festung verbunden. Schon lange schwelende und durch die Festung verschärfte Konflikte um Gebiets- und Nutzungsrechte auf Rhein und Schusterinsel kulminierten im baslerisch-französischen Lachsfangstreit von 1736/37.

Für die nächsten 120 Jahre bildete die Festung für die französischen Armeen ein wichtiges Einfallstor in das Deutsche Reich, worunter insbesondere die Bewohner des Markgräflerlandes zu leiden hatten.

Frieden von Rijswijk

Am 30. Oktober 1697 wurde in Rijswijk im Rahmen des gesamten Friedensvertrages der Vertrag zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich unterzeichnet. In Artikel 57 wird auch die Schweiz in den Frieden eingeschlossen. Die Schweizer Diplomaten hatten sich auch für eine Schleifung der Festung Hüningen eingesetzt – am Ende konnte jedoch nur die Schleifung des rechtsrheinischen Brückenkopfes und der Werke auf der Schusterinsel sowie der festen Rheinbrücke durchgesetzt werden.

In Artikel 23 des Friedensvertrages wurde festgelegt:

Die Schleifung der Befestigungen auf der Insel erfolgte jedoch nur mangelhaft. Im spanischen Erbfolgekrieg errichtete Frankreich die Befestigungen auf der Schusterinsel erneut.

Spanischer Erbfolgekrieg (1702)

Nachdem im Sommer des Jahres 1702 die französische Festung Landau durch eine Reichsarmee unter dem Markgrafen Ludwig Wilhelm belagert wurde und der französische Marschall Catinat mit seinen Entsatztruppen nicht vorankam, entschied Ludwig XIV., am Oberrhein eine weitere Front zur Entlastung von Landau zu eröffnen. General Villars wurde mit der Order entsandt, den Rhein bei Hüningen zu überschreiten, um so einerseits Reichstruppen von Landau abzuziehen und andererseits eine Vereinigung mit den bayerischen Alliierten herbeizuführen. Villars und seine Armee erreichten Hüningen jedoch erst am 28.–30. September 1702, als Landau bereits gefallen war. Bereits einige Wochen zuvor hatte Frankreich begonnen, die Befestigungen auf der Schusterinsel wieder aufzubauen. Villars legte sofort 2000 Mann in die Ruinen und ließ eine Schiffsbrücke über den Rhein bis zur Schusterinsel legen, wo er auch Artillerie stationierte. Bereits in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober erfolgte ein erster Versuch, unter dem Schutz dieser Kanonen und jener der Festung am französischen Ufer eine weitere Schiffsbrücke von der Insel an das deutsche Ufer (20 Meter) zu erstellen. Während dieser erste Versuch noch durch die Reichstruppen unter Graf Egon von Fürstenberg abgewehrt werden konnte, erfolgte der Brückenschlag noch während des 2. Oktober, da die Reichstruppen ihre Stellungen wegen des starken französischen Geschützfeuers nicht halten konnten – Villars konnte auch am deutschen Ufer einen Brückenkopf befestigen. Graf Fürstenberg war mit seinen Truppen am 30. September bei Friedlingen angekommen, Markgraf Ludwig Wilhelm folgte am 4. Oktober – zu spät um den Brückenschlag zu verhindern.die Datumsangaben folgen der Darstellung von Wieland, andere Quellen ergeben einen Tag Abweichung Bis zum 12. Oktober lieferten sich nun die nahe beieinander liegenden Armeen fruchtlose Artillerieduelle.aus dem Artikel Schlacht bei Friedlingen übernommen

Nachdem die französische Infanterie am 14. Oktober 1702 in der Schlacht bei Friedlingen geschlagen war, zog sie sich unter dem Schutz ihrer siegreichen Kavallerie über die Brücken in die Festung Hüningen zurück.

Österreichischer Erbfolgekrieg

1741 ließ der französische König Ludwig XV. eine Schiffsbrücke errichten, die 1746 dann durch eine feste Brücke über den Rhein ersetzt wurde. Im Frieden von Aachen wurde 1748 dann vereinbart, dass die Brücke wieder abzutragen sei.

Erster Koalitionskrieg

Am 17. September 1793 hinderten österreichische Truppen im Gefecht bei Hüningen die französische Revolutionsarmee daran den Rhein zu überqueren.

An Weihnachten 1795 verweilte Marie Thérèse Charlotte de Bourbon, die Tochter des hingerichteten französischen Königs Ludwig XVI., zwei Nächte im Gasthaus Zum Raben in Hüningen, das sich innerhalb der Festungsmauern befand. Man übergab sie am 26. Dezember 1795 bei Basel im Austausch für Armand Gaston Camus, Pierre Riel de Beurnonville, Jean-Baptiste Drouet, Hugues-Bernard Maret, Nicolas Marie Quinette, Charles Louis Huguet und 16 anderen französischen Kriegsgefangenen. Sie wurde nun nach Wien gebracht, an den Geburtsort ihrer Mutter. Am 9. Januar 1796 traf sie am Wiener Hof ein.zur Austauschaktion siehe auch Karl Tschamber: Geschichte der Stadt und ehemaligen Festung Hüningen. St. Ludwig (Saint Louis) 1894, S. 126–130 im Internet Archive

Ende 1796 kam es dann zur ersten Belagerung der Festung.

Belagerungen Einnahme des Hüninger Brückenkopfes 1796/97 mini|Brückenkopf Hüningen 1796/97 100px|links|General Abatucci

Sogleich nach der Schlacht bei Schliengen erhielt Karl Aloys zu Fürstenberg den Befehl, den französischen Brückenkopf bei Hüningen einzunehmen, um so den für das kommende Jahr wieder erwarteten Rheinübertritt der französischen Armee zu erschweren. Nach umfangreichen Vorarbeiten an Belagerungswerken und langen Artillerieduellen versuchten Fürstenbergs Truppen am 30. November 1796 einen ersten Sturm auf den Brückenkopf, der letztlich jedoch blutig zurückgeschlagen wurde. Der französische Kommandant der Festung Hüningen, General Abbatucci wurde bei den Kämpfen tödlich verwundet.J. Hirtenfeld: Österreichisches Militär-Konversations-Lexikon. Wien 1852, S. 278/279 Im Laufe der Kämpfe verletzten österreichische Truppen die schweizerische Neutralität. Nach der Einnahme des französischen Brückenkopfs bei Kehl am 10. Januar 1797 verlegten die österreichischen Truppen ihre schweren Belagerungskanonen vor Hüningen. Nach weiteren schweren Kämpfen kapitulierte der französische General Francois Marie Dufourzu Dufour siehe auch François Marie Dufour in der französischsprachigen Wikipedia am 1. Februar 1797 und übergab den Brückenkopf am 5. Februarsiehe Text der Kapitulation in Freiburger Zeitung vom 8. Februar 1797, der dann geschleift wurde.Tschamber, S. 151–163 Obgleich zuverlässige Angaben fehlen, deuten die Schilderungen darauf hin, dass die Kämpfe um den Brückenkopf für beide Seiten verlustreicher waren als die Schlacht bei Schliengen.

Einnahme der Festung Hüningen 1814 Am 22. Dezember 1813 wurde die Festung durch Truppen unter dem bayrischen General Carl Philipp von Wrede eingeschlossen, nachdem die verbündeten Truppen den Rhein in Basel überschritten hatten. Erst im Oktober 1813 – kurz vor der Völkerschlacht bei Leipzig – hatte sich Bayern der Allianz gegen Napoleon angeschlossen,siehe auch Vertrag von Ried wobei Wrede diese politische Wendung mit forciert hatte.

In der Festung befanden sich 3600 Soldaten und ca. 800 Zivilisten; Kommandant der Festung war Oberst Jean Chancel. General Wrede zog Mitte Januar mit dem Hauptteil seines Korps samt Artillerie über die Vogesen und ließ eine Belagerungstruppe von 2500 Mann unter Karl Freiherr von Zoller zurück.

Am 5. April 1814 wurde das Vorwerk mit dem Maschikuliturm und der ihn umgebenden Schanze durch heftiges Geschützfeuer in Trümmer gelegt. Anschließend wurde das südliche Hornwerk beschossen und erstürmt. Die danach vom 6.–10. April andauernden Artilleriegefechte wurden am 10. April durch einen Waffenstillstand unterbrochen. Am 11. und 12. April wurde die Festung wieder mit 106 Geschützen beschossen und schwer beschädigt.

Am 12. April 1814 dankte Napoleon bedingungslos ab.s. Napoleon Bonaparte#Sturz und Verbannung Napoleons

Am 16. April zogen die Truppen der Allianz in die Festung ein, die entsprechend einem Waffenstillstandsabkommen vom 15. April 1814 nun zusammen mit den Franzosen besetzt wurde. Die russischen Großfürsten Nikolaus und Michael waren dabei anwesend. Am 8. Juni 1814 verließen die bayrischen Truppen die Festung wieder und überließen diese den Franzosen unter deren Festungskommandanten Oberst Jean Chancel.

Einnahme der Festung Hüningen 1815 mini|100px|links|Joseph Barbanègre

Gleich zu Beginn der Herrschaft der Hundert Tage die mit Napoleons Rückkehr von Elba am 1. März 1815 begann, erklärte sich auch die Garnison Hüningen für Napoleon. Am 25. März schlossen Großbritannien, Österreich, Russland und Preußen erneut einen Koalitionsvertrag gegen Napoleon, worauf die Besatzung in Hüningen verstärkt und der Ausbau der Befestigungen begonnen wurde. Am 20. Mai 1815 schloss sich die Schweiz den Alliierten an. Am 15. Mai 1815 übernahm Joseph Barbanègre das Oberkommando in Hüningen – wobei Jean Hugues Chancel Festungskommandant blieb – und am 11. Juni wurde Soldaten und Bürgern von Hüningen sämtlicher Verkehr mit Basel – dem natürlichen Zentrum der Region – untersagt.