Ein Bodenschaden oder Schädliche Bodenveränderung ist eine für den Menschen erheblich nachteilige oder gefährliche Beeinträchtigung der Bodenfunktionen. „Schädliche Bodenveränderungen“ im Sinne von § 2 Absatz 3 des Bundes-Bodenschutzgesetzes (BBodSchG) sind Beeinträchtigungen der Bodenfunktionen, die geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für den Einzelnen oder die Allgemeinheit herbeizuführen.BBodSchG - nichtamtliches Inhaltsverzeichnis. § 2 Begriffsbestimmungen. (abgerufen am 13. September 2012).
Der Boden wurde 1999 neben Wasser und Luft zum dritten Schutzgut erklärt. Zur Sicherung des Umweltguts „Boden“ greifen neben dem BBodSchG Richtlinien, Leitfäden, Waldbaugrundsätze, Zertifizierungssysteme etc.
Beispiele für mögliche Bodenschädigungen Bodenschäden können vielfältige Gründe und Erscheinungen haben.
Auf der einen Seite stehen natürliche Prozesse der langfristigen Bodenentwicklung, zu denen viele Faktoren der Bodenschädigung gehören. Böden stehen immer mit ihrer Umwelt in Kontakt und entwickeln sich deshalb unablässig weiter. Dieser Vorgang ist aber eine beständige, natürliche Änderung. Bodenschäden im eigentlichen Sinne entstehen erst dann, wenn diese Prozesse durch menschliches Zutun stark zunehmen.
Auf der anderen Seite werden viele Bodenschäden durch künstliche, rein menschlich Vorgänge verursacht, die in der Natur nicht vorkommen.
natürlich vorkommende Prozesse
ProzessBeschreibungBeispiele für menschliche Risikofaktoren, die den Prozess beschleunigen Auslaugung bzw. AuswaschungLösung und Ausschwemmung von Salzen
Nährstoffverlustzu starke Bewässerung
Ackerflächen ohne Bewuchs (mehr Sickerwasser)
Waldrodung (v.A. in den Tropen)Schutzgemeinschaft Deutscher Wald: (abgerufen am 13. September 2012). BodenerosionVerlagerung von Boden durch Wind oder WasserÜbernutzung und Überweidung (Zerstörung der Vegetationsdecke)
Landwirtschaft in Hanglagen
Ackerflächen ohne Bewuchs BodenversalzungAnreicherung von Salz im BodenLandwirtschaft mit Bewässerung in ariden/semiariden Zonen
Nicht angepasstes Bewässerungsmanagement BodenversauerungAbsinken des pH-Werts
(natürlicher Vorgang in humiden Zonen)
Aufbrauch von PuffersystemenVerwendung sauer wirkender Düngemittel
Fehlende Kalkung DesertifikationVerwüstungÜbernutzung/Überweidung
zu hohe Wasserentnahmen aus Flüssen/Seen/Grundwasser
Anbau zu wasserintensiver Kulturen
künstliche Prozesse
ProzessBeschreibungBeispiel(e) Bodenverdichtung Bodenstrukturveränderung zu dichterer Lagerung Befahren mit schweren Maschinen
Planierung von Gelände Aktive Nährstoffentnahme Übermäßiger Abtransport von Nährstoffen
Langfristige Zerstörung des Bodens Plaggengewinnung
Vollständiges Abfahren aller Ernteresten Erdarbeiten Umbrüche/Strukturschäden
Störung des Bodenbiotops Sämtliche größeren Erdbewegungen Kontaminierung Einbringung schädlicher Substanzen
(Schwermetalle, Chemikalien etc.) DüngemitteleinsatzPfeiler, Ute: „Ergebnisse von Untersuchungen zur Bodenbelastung bei der Freilandhaltung von Schweinen“. Dissertation, Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, 1. Juli 1999. 2.1.3.3. Bodenschutz. (abgerufen am 13. September 2012).
Immissionen
Chemieunfälle
wilde Müllkippen/Müllentsorgung
Ausbringung von KlärschlammUmweltbundesamt:
Militärische Altlasten Flächenversiegelung Abdichten der Erdoberfläche
Weitgehende Zerstörung aller natürlicher Bodenfunktionen Bebauung wie Siedlungen, Industrie
Infrastruktur wie Straßen oder Flughäfen Saurer Regen Künstliche Bodenversauerung durch belastetes Regenwasser
Nährstoff- und Pufferverlust Immissionen
Voraussetzungen für Umwelthaftung bei Bodenschäden Zu den Voraussetzungen für Bodenschäden, die für Umwelthaftungen und behördliches Einschreiten gemäß dem Bundes-Bodenschutzgesetz relevant sein können, zählen: Einbringung von Stoffen etc. auf, in oder unter den Boden, dadurch Beeinträchtigung der Bodenfunktionen gem. § 2 Abs. 2 BBodSchG und Verursachung einer Gefahr für die menschliche Gesundheit.Umweltbundesamt:
Um Bodenschäden entgegenzuwirken, ist der Boden in seiner Funktions-, Regenerations- und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit auf Dauer zu erhalten.Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft:
Siehe auch Bodenschutz
Literatur D. Matthies: Erfassung von Bodenschäden. In: AFZ – Der Wald: Allgemeine Forst-Zeitschrift für Waldwirtschaft und Umweltvorsorge. , 49. Jg., Ausg. Nr. 13 (1994), S. 723. D. Matthies, H. Weixler, U. Hess: Befahrungsbedingte Strukturveränderungen von Waldböden. In: AFZ – Der Wald: Allgemeine Forst-Zeitschrift für Waldwirtschaft und Umweltvorsorge. , 50. Jg., Ausg. Nr. 22 (1995), S. 1218–1221. D. Matthies: Forsttechnik unter Druck: Waldböden setzen noch schwereren Maschinen Grenzen – eine Ursachenanalyse. In: LWF aktuell: das Magazin der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft... 16. Jg., Ausg. Nr. 68 (2009), S. 47–49. (PDF) H. Löffler: Bodenschäden bei der Holzernte – Bedeutung und Erfassung. In: Der Forst- und Holzwirt 40. Jg., H. 14/15 (1985), S. 379–383.
Einzelnachweise
Kategorie:Umweltschäden Kategorie:Bodenkunde Kategorie:Land- und Forstwirtschaft