Muromskoje (, , ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad im Rajon Selenogradsk. Der Ort gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Selenogradsk.
Geographische Lage Das Kirchdorf liegt im historischen Ostpreußen, etwa 23 Kilometer nördlich von Kaliningrad (Ostpreußen) und etwa zehn Kilometer südlich des Ostsee-Badeorts Selenogradsk (Kranz).
Ortsname Die einstige Ortsbezeichnung Laptau deutet hin auf ein „Wohnhaus in einem Flusstal“ (gemeint ist das früher Bledow oder auch Bledauer Beek genannte Flüsschen, das bei Cranzbeek (heute nicht mehr existent) in das Kurische Haff mündet). Andere Ableitungen denken an „labs“ = gut bzw. „lape“ = Fuchs innerhalb einer hier wildreichen Waldgegend.
Geschichte mini|300px|Laptau, nördlich von Königsberg und südwestlich des Kurischen Haffs, auf einer Landkarte von 1910 Das bis 1946 LaptauOrtsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Laptau genannte alte Kirch- und Gutsdorf wurde in der Ordenszeit als Kammeramt durch Abtrennung vom Amt Powunden (heute russisch: Chrabrowo) begründetGeschichte von Laptau und der dortigen Burg bei ostpreussen.net. Bereits 1327 erfuhr man, dass sich drei Brüder aus Laptau gegen eine jährliche Zahlung von 80 Mark von Lehnspflichten freikauften und das Geld einer bischöflichen Stiftung am Königsberger Dom zugutekam. Ab dem 16. Jahrhundert musste das Amt Laptau Leistungen zur Unterhaltung der Universität Königsberg erbringen, außerdem zur Gründung und späteren Unterstützung des Königsberger Waisenhauses. 1528 erhielt das Dorf seine Handfeste.
Am 13. April 1874 wurde Laptau Zentrum und namensgebender Ort eines neu errichteten AmtsbezirksRolf Jehke, Amtsbezirk Laptau, der bis 1939 zum Landkreis Fischhausen, danach bis 1945 zum Landkreis Samland im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Die Ortschaften Blaublum (heute nicht mehr existent) und ab 1893 auch Gidauten (russisch: Priosjornoje, jetzt: Oserowo) waren in die Landgemeinde Laptau eingegliedert, die im Jahre 1910 264 Einwohner zählte. Am 1. Januar 1929 schloss sich die Landgemeinde Laptau mit der Landgemeinde Kiauten (heute russisch: Luschki) sowie dem Gutsbezirk Laptau und dem Vorwerk Nuskern (Besymjanka) des Gutsbezirks Wosegau (Wischnjowoje) im gleichnamigen Amtsbezirk gelegen, zur neuen Landgemeinde Laptau zusammen. Die Zahl der Einwohner kletterte bis 1933 auf 531 und betrug 1939 bereits 612.
Im Jahr 1945 gehörte die Landgemeinde Laptau zum Kreis Samland im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Bald nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Laptau zusammen mit der nördlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion besatzungsrechtlich unter eigene Verwaltung genommen. Das Dorf erhielt 1947 den Namen „Muromskoje“.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR vom 17. November 1947: Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad) Gleichzeitig wurde der Ort in den Dorfsowjet Cholmski selski Sowet im Rajon Primorsk eingeordnet. Seit 1959 war Muromskoje selbst Sitz eines Dorfsowjets bzw. Dorfbezirks. Von 2005 bis 2015 gehörte der Ort zur Landgemeinde Kowrowskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Selenogradsk.
Amtsbezirk Laptau (1874–1945) Zwischen 1874 und 1945 war Laptau Amtsdorf eines Amtsbezirks, der sich anfangs aus zehn kommunalen Einheiten, 1945 nur noch aus drei Gemeinden zusammensetzte: Deutscher Name Russischer Name Bemerkungen Landgemeinden: Kiauten Luschki 1929 in die Landgemeinde Laptau eingegliedert Laptau Muromskoje Mülsen Cholmy Tranßau Oserowo Gutsbezirke: Gidauten Priosjornoje,später: Oserowo 1893 in den Gutsbezirk Laptau eingegliedert Jaxen Melnikowo 1904 in die Landgemeinde Rudau im Amtsbezirk Rudau eingegliedert Korben Krasnoflotskoje 1929 in die Landgemeinde Trentitten eingegliedert Laptau Muromskoje 1929 in die Landgemeinde Laptau eingegliedert Mollehnen Kaschtanowka 1929 in die Landgemeinde Trentitten eingegliedert Samuelshof 1884 in die Landgemeinde Kiauten eingegliedert Am 1. Januar 1945 bildeten nur noch die Gemeinden Laptau, Mülsen und Tranßau den Amtsbezirk Laptau.
Muromski selski Sowet/okrug 1959–2005 Der Dorfsowjet Muromski selski Sowet (Муромский сельский Совет) wurde im Jahr 1959 im Rajon Primorsk eingerichtet.Information auf http://www.klgd.ru Er war in erster Linie der Nachfolger des aufgelösten Melnikowski selski Sowet, es wurde aber auch ein Teil des aufgelösten Cholmski selski Sowet angeschlossen, darunter der Verwaltungssitz Muromskoje, sowie (spätestens 1965) auch ein Teil des aufgelösten Nowoselski selski Sowet aus dem Rajon Gurjewsk. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Muromski selski okrug (ru. Муромский сельский округ). Im Jahr 2005 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Kowrowskoje selskoje posselenije eingegliedert.
Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen Besymjanka (Безымянка) Nuskern Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Cholmski eingeordnet. Datschnoje (Дачное) Birkenberg Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoselski im Rajon Gurjewsk eingeordnet. Fjodorowo (Фёдорово) Maldaiten Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Gussewo (Гусево) Dorben Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoselski im Rajon Gurjewsk eingeordnet. Er wurde vor 1975 an den Ort Karjernoje angeschlossen, später aber wieder eigenständig. Im Jahr 1997 wurde er aus dem Ortsverzeichnis gestrichen. Irkutskoje (Иркутское) Plöstwehnen Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoselski im Rajon Gurjewsk eingeordnet. Iskrowo (Искрово) Ringels Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Karassino (Карасино) Wittehnen Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen. Karjernoje (Карьерное) Pomehnen Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoselski im Rajon Gurjewsk eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen. Kaschtanowka (Каштановка) Mollehnen Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Kijewskoje (Киевское) Schmiedehnen Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski im Rajon Gurjewsk eingeordnet. Kortschagino (Корчагино) Tiedtken Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Krasnoflotskoje (Краснофлотское) Korben Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Kudrinka (Кудринка) Backeln Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Lugowskoje (Луговское) Lobitten Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoselski im Rajon Gurjewsk eingeordnet. Luschki (Лужки) Kiauten Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoselski im Rajon Gurjewsk eingeordnet. Melnikowo (Мельниково) Rudau Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Melnikowski. Muromskoje (Муромское) Laptau Verwaltungssitz Motewelowo (Мотевелово) Mogahnen Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen. Nadeschdino I (Надеждино) Twergaiten Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoselski im Rajon Gurjewsk eingeordnet. Nadeschdino II (Надеждино) Gersthenen Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen. Nowoje (Новое) Steinitten Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Cholmski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen. Nowoselskoje (Новосельское) Willkeim Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Nowoselski im Rajon Gurjewsk. Oserowo (Озерово) Tranßau Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Cholmski eingeordnet. Priosjornoje (Приозёрное) Gidauten Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Er wurde vermutlich vor 1988 entweder an den Ort Muromskoje oder an den Ort Oserowo angeschlossen. Priwolnoje (Привольное) Gunthenen Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoselski im Rajon Gurjewsk eingeordnet. Rybnoje (Рыбное) Stombeck Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoselski im Rajon Gurjewsk eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen. Saschtschitnoje (Защитное) Georgshöhe Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Er gelangte später in den Dorfsowjet Chrabrowski im Rajon Gurjewsk und verlor dort seine Eigenständigkeit. Schirokopolje (Широкополье) Roppen Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowoselski im Rajon Gurjewsk eingeordnet. Serjoschkino (Серёжкино) Sergitten Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen. Sirenewo (Сиренево) Eisselbitten Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Sosnowka (Сосновка) Bledau Der Ort wurde vor 1975 umbenannt. Er wurde 2002 in die Stadt Selenogradsk eingemeindet. Swjaginzewo (Звягинцево) Waschke Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Werbnoje (Вербное) Darienen Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Cholmski eingeordnet. Werschinino (Вершинино) Pluttwinnen Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Wetrowo (Ветрово) Ekritten Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Melnikowski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen. Wolnoje (Вольное) Schulstein Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Cholmski eingeordnet.
Burg Laptau Bereits im 13. Jahrhundert existierte in Laptau eine Burg des Bischofs von Samland, die wohl an der Stelle einer ehemaligen prußischen Wallanlage errichtet worden war. Im Jahre 1351 wurde sie ausgebaut und zwischen 1560 und 1607 grundlegend erneuert. Um Baumaterial zu gewinnen, ließ man hierfür die Burg Powunden (heute russisch: Chrabrowo) abbrechen.
Die Burg verfiel nach 1700 und war um 1760 bereits wüst. 1851 riss man die restlichen Ringmauern ab, um Steine für den Bau der Cranzer Chaussee (heute russische Fernstraße A 191) zu gewinnen. Auf dem Burggelände entstand eine Gastwirtschaft.
Kirche mini|Kirchengebäude (2022)
Kirchengebäude Bei der Laptauer Kirche handelt es sich um einen verputzten Feldsteinbau mit Ziegelecken aus dem 14. Jahrhundert. Die oberen Stockwerke des Turmes waren aus Backsteinen. Im Jahre 1818 wurde ihm ein spitzes Dach mit welscher Haube aufgesetzt.
Seit 1818 war das Kircheninnere mit einer Flachdecke überzogen,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreussens. Göttingen 1968, Band II, S. 56 der Chor hatte ein Sterngewölbe. Der zweigeschossige geschnitzte Altar vom Anfang des 17. Jahrhunderts zeigt in seiner Mitte die Kreuzigung Christi. Auch die wenige Jahrzehnte später entstandene Kanzel verfügte über wertvolles Schnitzwerk.
Bei den Kriegshandlungen wurden sowohl das Turmdach als auch die Eindeckung des Kirchenschiffs stark beschädigt. Das Dach wurde mit flachen Asbest-Platten repariert. Der Turm wurde in den 1980er Jahren bis auf halbe Höhe abgerissen und die Seitenwände wurden erhöht. Im Chorraum baute man Waschräume und Toiletten ein.
Kirchengemeinde