Grebenhain ist nach Einwohnerzahl der zweitgrößte Ortsbezirk (umgangssprachlich: "Ortsteil") der gleichnamigen Großgemeinde Grebenhain im mittelhessischen Vogelsbergkreis und Sitz der Gemeindeverwaltung. Der Ortsteil Grebenhain war bis 1972 eine eigenständige Gemeinde aus dem historischen Dorf Grebenhain mit der westlich gelegenen Siedlung Ahlmühle (mit Wochenendgebiet Ahlmüllersweide) und der direkt darüber liegenden Siedlung Oberwald. Die Wohnbebauung von Grebenhain erstreckt sich dadurch über 3,8 km von Ost nach West im oberen Tal der Schwarza.

Geografie Grebenhain () liegt im Hohen Vogelsberg, dem größten zusammenhängenden Basaltmassiv Mitteleuropas. Das Dorf liegt vier km östlich der Herchenhainer Höhe (733 m ü. NHN) und dem Grebenhainer Berg (729 m ü. NHN) und südlich des Klöshorst (550 m ü. NHN) als höchsten Punkt eines Höhenzugs in östlicher Richtung. Der tiefste Punkt liegt mit 425 m ü. NHN in der Waagbachaue, ein natürliches Überschwemmungsgebiet, lokal genannt die Waag (Waag ist eine mittelalterliche Bezeichnung für Überflutungen). Die Gemarkung von Grebenhain hat eine Fläche von 1477 ha. Sie liegt an einem Osthang des Vogelsbergmassivs dessen Tallage sich nach Fulda hin öffnet. Deswegen hat man eine gute Sicht auf die Rhön, jedoch nicht auf den Taunus.

Geografisch gehört Grebenhain zum Wassereinzugsgebiet der Weser.Ökologisches Gutachten zum Flurbereinigungsverfahren Grebenhain, Breunig & Buttler, Offenbach, 1994, S. 12. Die Wasserscheide Rhein-Weser befindet sich zwischen Grebenhain und Hartmannshain. Ein wirtschaftlich wichtiges Fließgewässer der Grebenhainer Tallage ist der aus dem südwestlich gelegenen Oberwald kommende sogenannte Mühlgraben, der schon früh zu einem Mühlgrabensystem beginnend in der Ahlmühle mit mehreren Wasserspeichern wasserbaulich umgebaut und entlang der Höhenlinie um den Hügel Am Katzenangel herum geleitet wurde. Bis vor einigen Jahrzehnten bekamen bis zu fünf Mühlen in der Ahlmühle und in Grebenhain dadurch ihre Wasserenergie. Dieser Graben wird vom Hessischen Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation bis in die Dorfmitte als Mühlgraben bezeichnet, dann ab dem Zusammenfluss mit einem ebenfalls aus dem Oberwald kommenden natürlichen Bach als Schwarza (in manchen historischen Karten) bzw. im Bereich der Waagbachaue als Waaggraben.Geoportal Hessen Abgerufen am 9. März 2018. Ein großer Wasserspeicher mit Staumauer des Mühlgrabens bildet das befestigte Alte Schwimmbad, das noch bis in die 1960er Jahre als solches mit Sprungbrett genutzt wurde. Nach der Gewässergütekarte von Hessen wird der Waagbach (lokal Waaggraben genannt) nach dem Zusammenfluss mit dem nördlichen Maulsbach hinter Vaitshain als Schwarza bezeichnet, die in der Gemarkung Schlechtenwegen unweit Blankenau in die Lüder mündet. Abweichend davon wird in einem ökologischen Gutachten von 1986 der Waagbach direkt ab Grebenhain als Schwarza bezeichnet. Ein in den 1970er Jahren auf etwa 1,7 ha Wasserfläche erweiterter Angelteich, der sogenannte Katzenteich, liegt westlich zwischen dem Dorf Grebenhain und der neuen Siedlung Ahlmüllersweide.

Ortsgeschichte Mittelalter Entstanden ist Grebenhain, wie die meisten seiner Nachbardörfer, im Zuge der zunehmenden Rodung und des Landesausbaus im Vogelsberg während des hohen Mittelalters. Es gehörte zum Besitz des Klosters Fulda in der Wetterau, der im Hochmittelalter von den Grafen von Nidda als dessen Vögten verwaltet wurde. Nach dem Erlöschen des Niddaer Grafenhauses 1206 kam diese Vogtei an die Grafen von Ziegenhain und noch vor deren Aussterben 1434 an die Landgrafen von Hessen. Gemeinsam mit Bermuthshain, Crainfeld und Ilbeshausen gehörte Grebenhain in althessischer Zeit stets zum Amt Nidda und zum Gericht Crainfeld. Nach den verschiedenen hessischen Landesteilungen im 16. Jahrhundert gehörte es ab 1604 zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Eine Kurmainzer Urkunde von 1067, in welcher der neugegründeten Pfarrei Breungeshain unter anderem Zehntrechte in einem Ort namens Giesenhachon zugewiesen wurden, wurde lange Zeit als erste Erwähnung von Grebenhain interpretiert, da der Ort auch als Grefenhachon bezeichnet wurde und war Grundlage der 925-Jahr-Feier im Jahr 1992. Diese Deutung ist nach heutigem Wissensstand jedoch nicht gesichert. Die ältesten eindeutigen Erwähnung des Ortes findet sich in zwei riedeselischen Verpfändungsurkunden vom 23. November und 15. Dezember 1338 als GrebenheynEduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Regest, Nr. 111, S. 30. bzw. GreffenheynEduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Regest, Nr. 112, S. 32..

Ein gewisser Bingels von Herolz bestätigte am 29. Oktober 1384, dass er von Friedrich von Romrod, Abt von Fulda, mit Gütern zu Grebnhayn, Radmolen, Mase, Fryensteyn und Salcza belehnt wurde.StAM, Urk. 76, 1922.

In der Namensforschung wird der Ortsname abgeleitet von dem mhd. Appellativum „grave“, was man mit dem Inhaber einer richterlichen Gewalt oder mit Graf, Schultheiß etc. übersetzen kann.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage Berlin 1967. bearbeitet von Walther Mitzka. S. 296 f. Daraus wird gefolgert, dass die Siedlung nach den Grafen von Ziegenhain oder den Vögten von Fulda benannt wurde.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 144 f. Diese Deutung trifft auch für Grebenau zu.

Durch Aufstauung der Schwarza entstand im Mittelalter an der Westseite des Dorfes ein großer Fischteich, der im Jahr 1429 als sehe zu Grebenhayn (See von Grebenhain) erstmals urkundlich erwähnt wird. Von seiner Größe her entsprach er in etwa dem heutigen Nieder-Mooser Teich. Die Fischgerechtigkeit stand bis 1559 jeweils zur Hälfte den Landgrafen von Hessen und den Riedeseln zu. Nach einem mehrjährigen Rechtsstreit verzichteten die Riedesel schließlich 1569 auf ihre wirtschaftlichen Rechte an der Befischung und erhielten dafür von Hessen das Quellgebiet des Moosbachs zur Anlage der heutigen Mooser Teiche zugesprochen. Der Teich wurde schließlich im Jahr 1789 trockengelegt und das Teich-Amtsgebäude im Dorf landwirtschaftlichen Zwecken zugeführt. Teile des Damms sind noch sichtbar erhalten, vor allem vor dem örtlichen Kindergarten und vor dem Sportgelände. Das Teich-Amtsgebäude mit einem Eichenfachwerk wurde jedoch 1974 abgerissen. mini|Teich-Amtsgebäude als landw. Hofstätte ca. 1950 Noch bis ins Spätmittelalter wurde in Grebenhain auch Eisenerz abgebaut und verhüttet, woran noch heute der Flurname Am Eisenberg, die örtliche Bezeichnung Eisenkaut und der Eisenbergsweg erinnern. Die Holzkohle zur Verhüttung in sogenannte Rennöfen entlang zweier Bäche, kam aus der Umgebung und wurde mit Pferdewagen nach Grebenhain gebracht. Im 15. Jahrhundert wurden beim Einsturz des Bergwerks dreizehn Männer aus Grebenhain unter Tage getötet. Noch vor 1500 wurde der inzwischen nicht mehr lohnende Bergbau eingestellt.

Während der spätmittelalterlichen Agrarkrise wurde außerdem das rund zweieinhalb Kilometer westlich von Grebenhain am Rand des Oberwaldes gelegene Dorf Schershain, erstmals 1399 erwähnt: „... zu dem D(or)ffe Schershagen“,StAD, Urkunden Oberhessen, Schershain. von seinen Bewohnern verlassen und zur Wüstung, einige Dorfbewohner siedelten sich in der Waaggasse an. Die unterhalb von Schershain gelegenen Ahlmühlen (Getreidemühlen mit Wasserrädern) blieben bestehen.

Beginn der Neuzeit Um 1580 bis 1590 wurde erstmals eine Schule im benachbarten Crainfeld eingerichtet, die zunächst auch die Kinder aus Grebenhain besuchten. Nachdem zunächst in den anderen Filialorten der Pfarrei Crainfeld Schulen eingerichtet wurden, erhielt dann die Gemeinde Grebenhain auf ihr Ersuchen beim Crainfelder Pfarrer Keyser hin im Jahr 1679 ebenfalls eine eigene Schule im Ort.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Grebenhain durch die Anlage von Wassergräben und Erdwällen befestigt, um der Bevölkerung der umliegenden Ortschaften Schutz bieten zu können. Gespeist wurden die Wassergräben aus dem benachbarten Teich. Trotz dieser Befestigungen wurde der Ort im Jahr 1646 durch schwedische Soldaten erstürmt, geplündert und in Brand gesteckt. 42 von 45 Hofreiten und die Kirche wurden ein Raub der Flammen. An die Befestigungen erinnern heute noch örtliche Hausnamen wie Wendeschanze und Schanzehennerjes.

Ebenfalls von einem Großbrand heimgesucht, diesmal durch den Leichtsinn mehrerer junger Burschen verursacht, wurde Grebenhain im Jahr 1748. Betroffen waren 15 Wohnhäuser nebst Scheunen. Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) lagerten abwechselnd französische und alliierte Truppen im Gericht Crainfeld und erzwangen umfangreiche „Fouragierungen“. Im Sommer 1762 fand bei Crainfeld und Grebenhain ein größeres Gefecht statt, bei dem die Franzosen vernichtend geschlagen wurden.

19. Jahrhundert mini|Parzellhandriss von 1832 Nach dem Inkrafttreten der neuen Gemeindeordnung im Großherzogtum Hessen 1821 wurde die aus dem Mittelalter überkommene Gerichtsorganisation abgeschafft und das bisherige Gericht Crainfeld aufgelöst. An die Stelle des bisherigen Schultheißen trat ein gewählter Bürgermeister. Grebenhain gehörte zunächst zum Landratsbezirk Schotten, bevor es 1832 in den Kreis Nidda eingegliedert wurde. 1848 wurde das Dorf Teil des kurzlebigen Regierungsbezirks Nidda und kam nach dessen Auflösung 1852 zum Landkreis Lauterbach.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Grebenhain:

Einen nachhaltigen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Gemeinde Grebenhain hatte die Entscheidung der großherzoglichen Regierung, die zwischen 1831 und 1857 gebaute Chaussee von Lauterbach nach Gedern nicht über den bisherigen Straßenknotenpunkt Crainfeld, sondern über Grebenhain zu führen. Bereits 1857 wurde in Grebenhain eine Postexpedition errichtet, verbunden mit der Einrichtung einer regelmäßigen Postkutschenverbindung nach Steinau an der Straße und eines Netzes von Landbriefträgern. In der Folgezeit begann Grebenhain allmählich das benachbarte Crainfeld in seiner Funktion als lokaler Mittelpunkt von Verkehr, Handel und Gewerbe zu verdrängen.

20. Jahrhundert bis heute Diese Entwicklung beschleunigte sich mit dem Bau der Vogelsbergbahn zwischen Lauterbach und Gedern. Bereits 1901 erhielt Grebenhain einen gemeinsamen Bahnhof mit Crainfeld, der zunächst Endpunkt der Strecke von Lauterbach aus war, bevor diese dann 1906 bis Gedern vollendet wurde. Die Straße zwischen dem Ort und dem Bahnhof wurde zur Bahnhofstraße, entlang der in den folgenden Jahren und Jahrzehnten neben zwei Wohnhäusern für Bahnbeamte, später auch private Anwesen von Landwirten, Handwerkern und Gewerbetreibenden entstanden. Grebenhain erhielt auf diese Weise den Charakter eines Straßendorfes, obwohl es historisch gesehen ein Haufendorf darstellt.

Am östlichen Ende der Hauptstraße entstanden ein Postamt und ein Gemeinde-Doktorhaus im Anschluss an das Schulgebäude. Durch den stetigen Einwohnerzuwachs bedingt, ließ 1905 die Gemeinde Grebenhain das 1895 erbaute Schulhaus in der Hauptstraße 12 um ein Stockwerk vergrößern; das Haus ist heute in Privatbesitz (Geschäftshaus Alte Schule). Später erfolgte in der Bahnhofsstraße 1 der Bau eines weiteren Gemeinde- und Schulgebäudes (mit Wohnungen), später ebenfalls in Privatbesitz und 2017 von der Gemeinde abgerissen.

1907 erhielt Grebenhain eine Wasserleitung und 1921 wurde es an das elektrische Stromnetz des Überlandwerks Oberhessen angeschlossen. Zwischen 1928 und 1934 fand in der Gemarkung Grebenhain die erste Flurbereinigung statt.mini|Alte Postkarte von Grebenhain (ca. 1930)Durch die Initiative des seit 1927 in Grebenhain praktizierenden Tierarztes Otto Lang, mit nationalsozialistischer Gesinnung, wurde am 1. März 1929 in Grebenhain die erste NSDAP-Ortsgruppe im damaligen Kreis Lauterbach gegründet. In 1934 wurde er jedoch aus der Partei ausgeschlossen.