Parada (serbisch Parada) ist ein Spielfilm aus dem Jahre 2011. Regie bei dieser serbisch-kroatisch-slowenisch-mazedonisch-montenegrinischen Koproduktion führte der Serbe Srđan Dragojević, der auch das Drehbuch verfasste. Der Film befasst sich mit LGBT-Rechten im ehemaligen Jugoslawien und wurde als Tragikomödie umgesetzt. Deutscher Kinostart war der 13. September 2012. Die Fernseherstausstrahlung im deutschsprachigen Raum erfolgte am 11. Februar 2015 auf dem deutsch-französischen Sender arte, wo er den Titel Die Parade trug.
Handlung Der Tierarzt Radmilo und der Theaterregisseur Mirko, der derzeit als Hochzeitsplaner tätig ist, sind ein junges, in Belgrad ansässiges schwules Paar. Die beiden führen eine ruhige Beziehung, müssen jedoch täglich mit Diskriminierungen durch die homophobe Mehrheit der Bevölkerung fertigwerden. Da sich Mirko mit dieser Situation nicht abfinden kann und will, engagiert er sich als Aktivist für LGBT-Rechte in der Gruppe NGO-Tolerance. Diese plant eine Gay Pride Parade in Belgrad. Radmilo ist zwar nicht grundsätzlich gegen Mirkos Engagement, fürchtet aber die potentiellen Auswirkungen, welche sein öffentliches Wirken hervorrufen kann. Erste Drohungen von Neonazis sind bereits eingegangen. Dies sorgt für Spannungen in der Beziehung.
Micky Limun hingegen ist ein Kriegsveteran und ehemaliger Krimineller, dem nur zwei Dinge im Leben heilig sind – seine Verlobte Pearl (im Original „Biserka“), eine ehemalige Stripperin und seine Englische Bulldogge Sugar (im Original „Šećer“). Nach den Balkankriegen hat er eine Judoschule eröffnet und betreibt nebenbei einen Sicherheitsdienst, der bislang für Politiker und Prominente aus dem Showbusiness tätig war.
Als eines Tages Sugar angeschossen wird, muss Radmilo sie in seiner Tierarztpraxis behandeln, wobei ihm Limun mit dem Tode droht, falls Sugar nicht überlebt. Währenddessen lässt sich Pearl von Mirko, bezüglich der bevorstehenden Hochzeit, mit Limun, beraten. Im Laufe der Beratung treffen auch Limun und Radmilo unabhängig voneinander ein und es kommt zu einer Konfrontation, bei der Mirko verletzt wird. Pearl, die liberal eingestellt ist, reagiert zornig und enttäuscht über das Verhalten ihres Verlobten.
Da Mirko klar ist, dass die Drohungen der Hooligans und Neonazis ernstzunehmen sind, wendet er sich mit seiner Gefolgschaft an die Belgrader Polizei, um dort Unterstützung zu erbitten. Dort weist Polizeiinspektor Kecman seine Bitte zurück. Radmilo weiß sich nicht anders zu helfen und sucht ohne Mirkos Wissen Limun auf, um dessen Sicherheitsdienst zu beauftragen. Der homophobe Limun macht ihm deutlich klar, dass er den Auftrag nicht annimmt. Nachdem jedoch Pearl von der Angelegenheit erfährt, stellt sie Limun ein Ultimatum: entweder er nimmt den Auftrag an, oder die Hochzeit wird abgesagt. Da Limun Pearl nicht verlieren will, sagt er widerwillig zu. Seine Angestellten sind jedoch ebenso höchst homophob und quittieren den Dienst, nachdem sie vom neuen Auftrag erfahren. Nach einigen Überlegungen fällt ihm eine letzte Möglichkeit ein. Er reist nach Kroatien, Bosnien und Herzegowina und in den Kosovo, um alte Kriegsgegner- und -bekannte um Unterstützung zu bitten. In Gedenken an „alte Zeiten“ sagen diese Hilfe zu.
Weil die Niederlassung der NGO-Tolerance zum wiederholten Male mit Molotowcocktails angegriffen wurde, lädt Pearl einige der Aktivisten zu sich nachhause ein. Im Laufe des Geschehens freunden sich Limun und Radmilo, welcher ihn auf seinen Reisen begleitet, an. Limun zeigt Verständnis für die schwierige Lebenslage der LGBT-Bevölkerung in Serbien.
Limun ist bewusst, dass seine kleine Truppe aus Kriegsveteranen und LGBT-Aktivisten den Hooligans und Neonazis hoffnungslos unterlegen ist. Aus diesem Grund sucht er seinen Sohn Vuk, aus erster Ehe, auf, welcher einer Neonaziorganisation angehört und bietet ihm Geld, um ihn und seine Mitstreiter dazu zu bewegen, die Gay Pride Parade nicht zu attackieren. Das Gespräch eskaliert schnell und Limuns Ex-Frau Tamara wirft ihn aus der Wohnung. Auch Polizeiinspektor Kecman, ein alter Bekannter aus den Reihen der Belgrader Polizei, verlacht Limun hämisch, als dieser ihn um Unterstützung bittet. Limun kann sich nicht beherrschen und wird handgreiflich, woraufhin er von brutalen Schlägern krankenhausreif geprügelt wird.
Am Tag der Belgrader Gay Pride Parade sieht sich Limun, mit den LGBT-Aktivisten, Kriegsveteranen und der hinzugestoßenen Pearl, einer Überzahl von Hooligans und Neonazis sowie seinem Sohn Vuk gegenüber. Einige der Aktivisten verlieren den Mut und verlassen die Parade. Mirko ergreift das Wort und hält eine berührende Ansprache, die zahlreiche Aktivisten bewegt zu bleiben. Es kommt dennoch zum erbitterten Kampf, in welchem Vuk überraschend mit seinem Vater auf der Seite der LGBT-Aktivisten kämpft. Unerwartet wird der Tumult von einer heranrückenden Spezialeinheit der Belgrader Polizei, vor der die Hooligans und Neonazis fliehen, beendet. Limuns alter Bekannter, Polizeiinspektor Kecman, kam doch noch. Allerdings zu spät, denn Mirko erliegt noch vor Ort seinen schweren Verletzungen.
Ein Jahr später marschiert die Gay Pride Parade durch Belgrad, bewacht von unzähligen Polizisten. Mit dabei sind Radmilo, Pearl, Limun, die Aktivisten sowie die Kriegsveteranen. Da Mirkos Traum von der Belgrader Parade nun wahr geworden ist, streut Radmilo Mirkos Asche während der Parade in den Wind.
Hintergrund Für Dragojević, der mit Lepa sela, lepo gore (engl. Titel: Pretty Village, Pretty Flame/dt. Titel: Dörfer in Flammen) und Rane (engl. Titel: The Wounds) bereits einige Kultfilme im ex-jugoslawischen Kulturkreis gedreht hat, war Parada der siebte Film.blic.rs
Die Idee zu Parada kam ihm 2001, nachdem er zornig die Berichterstattungen, über die Gewaltausschreitungen auf der ersten serbischen Gay Pride im Fernsehen sah. Erste Entwürfe des Drehbuches schrieb er 2004, um es 2007 zu vervollständigen. Zu diesem Zeitpunkt war er sich noch nicht sicher, in welches Genre er das Drehbuch betten möchte. Er entschloss sich für eine politisch unkorrekte Komödie, wie er sagt und überarbeitete das Drehbuch nochmals 2008.slobodnadalmacija.hr Dragojević gibt an, seinen Film bewusst nicht als Arthouse-Drama inszeniert zu haben, da er sich nicht an liberale Menschen richtet, sondern an den homophoben Durchschnittsbürger, welchen man, seiner Auffassung nach, mit einem hermetischen Kunstfilm nicht erreicht, sondern mit Unterhaltung.
Die Dreharbeiten fanden zwischen September 2010 und März 2011 statt. Gefilmt wurde unter anderem in Belgrad, Pag, Rab, Obrovac und Bitola.vecernji.hr
Die Produktionskosten betrugen 1,3 Millionen Euro, während die Einnahmen allein im ex-jugoslawischen Raum 4,0 Millionen Euro betrugen. Mitfinanziert wurde der Film vom European Council’s Eurimages fund, dem Croatian Audio-Visual Center (HAVC), dem serbischen Kultusministerium, dem slowenischen Kultusministerium, dem mazedonischen Kultusministerium, dem montenegrinischen Kultusministerium, den Botschaften Deutschlands, der Niederlande, Frankreichs (jeweils in Belgrad) und den serbischen Unternehmen Dunav Osiguranje, Prva Srpska Televizija sowie Serbia Broadband (SBB).nadlanu.com Dragojević beklagte, unzählige Unternehmen hätten abgelehnt einen Film mit LGBT-Thematik zu unterstützen.
Die Schlussszene wurde auf der wirklichen Belgrader Gay Pride 2010 gefilmt. Oft kritisiert wurde die Tatsache, dass im gesamten Film kein einziger Kuss zwischen dem schwulen Paar zu sehen ist. Dragojević erklärt dazu, er hätte vermeiden wollen, dass diese Zärtlichkeiten das einzige Gesprächsthema sind, da sein Film eine deutlich wichtigere Botschaft vermitteln soll.
Das Filmplakat, das im ehemaligen Jugoslawien Verwendung fand, zeigt eine abgewandelte Darstellung von Michelangelos Die Erschaffung Adams, bei welcher Gottes Hand die Hand Adams berührt. Auf dem Filmplakat ist dagegen ein Stinkefinger (Phallussymbol) sowie eine Hand, deren Symbolik zweideutig ist, abgebildet. Zum einen ist es ein Scherensymbol, zum anderen kann es aber auch als serbischen Gruß gedeutet werden. Beides stellt für das Phallussymbol eine Bedrohung dar (Kastration und Patriotismus, Nationalismus). Das Plakat wurde in zwei Versionen veröffentlicht. Bei dem im ehemaligen Jugoslawien verwendeten Plakat werden beim Stinkefinger Zeige- und Ringfinger geknickt, während bei dem auf internationalen Festivals verwendeten Plakat die restlichen Finger zur Faust geballt werden.bioskopmojazvezda.files.wordpress.com
Trotz des für südost- und osteuropäische Verhältnisse schwierigen Plots, um Homophobie und Nationalismus, war Parada im gesamten ehemaligen Jugoslawien ein großer Erfolg. Insgesamt sahen den Film fast 600 000 Zuschauer, was angesichts der demografischen Gegebenheiten, der teilweise dünnen Kinodichte, z. B. in Bosnien und Herzegowina sowie Mazedonien, aber auch illegalen Vertrieb durch Raubkopien und Internetdownloads, eine Sensation ist.telegraf.rs Parada ist somit der meistgesehene ex-jugoslawische Film seit dem Auseinanderbrechen des sozialistischen Jugoslawien.mondo.rs Im Film finden auch zwei jugoslawische Evergreens Verwendung. Zum einen Tvoja barka mala, von Ljupka Dimitrovska sowie Ne može nam niko ništa, von Mitar Mirić. Dragojević, welcher sich als Jugoslawe versteht, wertet es als äußerst positiv, dass Parada in allen ex-jugoslawischen Republiken gleichermaßen erfolgreich ist und hebt hervor, in der Kooperation sei der Schlüssel des Erfolges.moj-film.hrb92.net
Dragojević rechnete in Kroatien mit zwischen 30 000 und 40 000 Zuschauern. Nach dem guten Start prognostizierte der Filmverleih 60 000, was mehr ist, als für gewöhnlich alle kroatischen Filme zusammen erreichen. Das Endergebnis waren 163 227 Zuschauer, was Parada zum erfolgreichsten serbischen Film nach dem Krieg macht und zum zweiterfolgreichsten Film in Kroatien überhaupt, nach Kako je počeo rat na mom otoku (engl. Titel: How the War Started on My Island).Nedjeljom u dva, HRT, 11. März 2012
In Serbien wurden vom Bildungsministerium Projektionen für Schulen befürwortet. Lehrkräfte sollten im Rahmen des Gemeinschaftskundeunterrichts mit ihren Klassen Vorstellungen besuchen und anschließend im Unterricht konstruktiv über den Inhalt diskutieren. Diesbezüglich fanden kostenlose Vorabprojektionen für Bildungspersonal statt.novosti.rs Im kroatischen Dubrovnik gehörte das einzige zu dieser Zeit geöffnete Kino, das Visia, der Diözese Dubrovnik, die entschied den Film nicht in das Programm zu nehmen. Dadurch wurde der Film effektiv in Dubrovnik von der Katholischen Kirche verboten.rtrs.tvrts.rs
Parada war in der engeren Auswahl, als serbischer Kandidat, für den Auslands-Oscar. Die Wahl fiel jedoch auf den Film Kad svane dan (engl. Titel: When Day Breaks), von Goran Paskaljević.tanjug.rs
In Deutschland waren die Pressestimmen überwiegend positiv. Als besonders erfreulich sah Dragojević den Umstand, dass sein Film auf der Berlinale drei Preise, von recht unterschiedlichen Lagern erhielt. Sowohl die Kirchenvertreter, als auch die LGBT-Community bedachten sein Werk mit Anerkennung und Preisen.cinemacity.org Der Film wurde bundesweit von insgesamt 45 Kinos ins Programm aufgenommen, wobei es sich vorzugsweise um Arthouse-Kinos handelte.parada-film.de Nach dem ersten Wochenende war Parada auf Platz 4 der Arthouse Charts der AG Kino-Gilde. Damit war Parada der höchste Neueinstieg und ließ Filme wie Wir wollten aufs Meer, oder Das grüne Wunder – Unser Wald hinter sich. Nach dem zweiten Wochenende befand er sich auf dem 6. Platz, nach dem Dritten verschwand er aus den Top Ten der Arthouse Charts in Deutschland. Von den damals gleichzeitig gestarteten Filmen befand sich nur noch Das grüne Wunder – Unser Wald darin.
In Österreich lief der Film am 1. März 2012 an und in der Schweiz am 24. Juli 2012.imdb.com Bis September 2012 wurde Parada in 21 Länder, für die Kinodistribution, verkauft.
Kritiken
Auszeichnungen (Auszug) Berlinale 2012 – Panorama-Publikumspreis