Ulrichsberg (Uagschbeag) ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Rohrbach im oberen Mühlviertel mit Einwohnern (Stand ). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Rohrbach.

Geographie Ulrichsberg liegt auf einer Höhe von im Norden des Bezirks Rohrbach im oberen Mühlviertel. Die Gemeinde liegt an der Großen Mühl am Südrand des Böhmerwaldes. Bezogen auf die naturschutzfachliche Raumgliederung erstreckt sich die Raumeinheit Böhmerwald über den Nordosten des Gemeindegebietes, das übrige Gemeindegebiet gehört zur Raumeinheit Südliche Böhmerwaldausläufer. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 10,3 km, von West nach Ost 12,2 km, die Gesamtfläche umfasst 56,95 km².Land Oberösterreich: Naturraumkartierung Oberösterreich. Landschaftserhebung Gemeinde Ulrichsberg. Endbericht. Attnang-Puchheim 2010 (). Ulrichsberg ist damit die größte Gemeinde des Bezirks. 51,8 % der Fläche von Ulrichsberg sind bewaldet, 44,7 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt. Im Vergleich mit dem Bundesland Oberösterreich ist Ulrichsberg damit wesentlich stärker bewaldet als der Landesschnitt (Oberösterreich: 36,9 Prozent) bzw. besteht deutlich weniger landwirtschaftliche Nutzfläche (Oberösterreich: 49,3 Prozent). Der Anteil sonstiger Nutzungen (Bauflächen, Gärten, Gewässer und anderes) liegt mit 4,5 Prozent hinter dem Oberösterreichischen Durchschnitt von 13,8 Prozent. Zu den Bergen im Gemeindegebiet zählen der Bärenstein (), der Sulzberg (), der Rosstauscherberg () und der Sperrbühel () Nachbargemeinden sind Aigen-Schlägl im Osten und Südosten, Schlägl und Peilstein im Mühlviertel im Süden und Julbach im Südwesten. Im Westen grenzt Ulrichsberg an die deutsche Gemeinde Breitenberg (Landkreis Passau), im Norden an Klaffer am Hochficht und im Nordosten an die tschechische Gemeinde Horní Planá (Okres Český Krumlov). In Schöneben befindet sich ein Grenzzollamt nach Tschechien (nur für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen, Grenzübertritt von 6–22 Uhr).

Geologie und Böden mini|links|Wollsackverwitterung am Bären­stein

Die Landschaft des Gemeindegebietes ist ein Teil der Böhmischen Masse die auf ein sehr altes Gebirge zurückgeht, dass durch die Variszische Gebirgsbildung im Paläozoikum (Karbon) entstand. Hierdurch entstanden verschiedene Granite und Gneise. Des Weiteren besteht zwischen dem Böhmerwald und dem Tal der Großen Mühl die sogenannte Pfahlstörung von Nordwest nach Südost aus leicht erodierbaren Myloniten.Fritz Pfaffl, Thomas Hirche: Die Kataklasegrade in der Pfahlzone bei Ulrichsberg im oberen Mühlviertel (Oberösterreich). In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 148a, Linz 2003, S. 253–256 (). Nordwestlich dieser Störung besteht überwiegend Eisgarner Granit und Weinsberger Granit, kleinere Bereiche an der Nordspitze weisen auch Cordoerot-Paragneis auf. Südlich findet sich vor allem Schlierengranit sowie auch Mauthausener Granit und Weinsberger Granit. Im Bereich der Großen Mühl hat sich ein Streifen mit Flussablagerung ausgebildet, wobei typische Verwitterungserscheinungen wie Wollsackverwitterung vorherrscht, die zur Bildung von Blockburgen, Blockstreu und Findlingen führte.

Die Böden im Gemeindegebiet sind von Nährstoffarmut und einem hohen Kaliumanteil geprägt. Sie weisen zudem eine schlechte Phosphor- und Calcium-Versorgung auf. Als Bodenart besteht lehmiger Sand bzw. sandiger Lehm. Die Bodenqualität ist von der Tiefgründigkeit und der Wasserversorgung abhängig, wobei die Körnung des Gesteins über die Wasserzügigkeit oder Trockenheit des Standortes entscheidet. Die Felsbraunerde ist der wichtigste Bodentyp im Gebiet, er findet sich unter Seehöhe als basenarmer bis saurer, flach- bis mittelgründiger Boden, der auf festem oder schuttigem Ausgangsmaterial entstand. Des Weiteren hat sich auf schottrigem oder feinklastischem Ausgangsmaterial Lockersediment-Braunerde ausgebildet. Durch Streunutzung und Fichtenforste sind echte Braunerden ohne Anzeichen podsoliger Dynamik jedoch selten geworden. Über Seehöhe entstanden bei hohem Niederschlag vor allem Podsole und Semipodsole, wobei das Nadelstreu der Nadelwälder zusätzlich versauernd wirkt. Gley besteht vor allem im Bereich von Quellen, Bächen, Gräben, Mulden sowie an Hangfüßen, wobei hier vor allem nasse, saure Wiesen dominieren. Weitere vorkommende Bodenarten sind Pseudogley, Moorböden und Anmoorböden im Bereich von Kaltluftseen in kleinen Senken an Bachläufen oder auf abflusslosen Lagen sowie rankerartige Böden über Blockschuttmaterial.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):

Nachbargemeinden

Geschichte Das Gebiet um Ulrichsberg stand ursprünglich unter der Lehnshoheit der Passauer Bischöfe. Im Jahr 1325 wurde Ulrichsberg erstmals urkundlich erwähnt. Propst Ulrich I., langjähriger Vorstand von Stift Schlägl, das 1321 im Kampf zwischen Friedrich dem Schönen und Ludwig dem Bayern gänzlich niedergebrannt worden war, bemühte sich um den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Absicherung des Klosters und entschloss sich deshalb zur Kolonisierung des Waldgebietes im Tal der Großen Mühl. Dazu erteilte Herzog Otto der Fröhliche am 18. Februar 1325 einen Freiheitsbrief zur Rodung des Mühltals. Das Rodungsdorf wurde nach seinem Gründer und Grundherrn Propst Ulrich benannt.

Im Jahr 1424 kam es zu einem der Hussiteneinfälle ins Mühlviertel, bei dem Ulrichsberg völlig verwüstet wurde. Der Ulrichsberger Schüsselmacher Mika Anzenhinsch hatte in Prachatice erzählt, dass die Grenzübertritte nach Österreich nicht befestigt seien, woraufhin sich die Führer der Hussiten zu Prachatitz namens Mandl, Marzik und Diesitel zu einem Raubzug entschlossen. Ein gewisser Jeschek aus Sonnberg führte die Hussiten gegen Entgelt über Schöneben nach Ulrichsberg. Mit 204 Pferden fielen die Hussiten ins Dorf ein, erschlugen etwa 20 Personen, brannten den Ort mitsamt der Kirche ab und verheerten zudem zwei Nachbardörfer.Wasmayr 1971, S. 73. Im Jahr 1427 verwüsteten die Hussiten nach der Schlacht bei Zwettl das Mühlviertel auf grauenhafte Weise, unter anderem auch Aigen und Ulrichsberg.

Im Dreißigjährigen Krieg drangen die Schweden im Februar 1641 ins südliche Böhmen vor und nahmen binnen kurzer Zeit Sušice, Prachatice und Volary ein. Vom 26. Jänner bis zum 24. März waren einige namentlich bekannte Männer aus Ulrichsberg abwechselnd als Späher jenseits der Grenze unterwegs. Ab 7. Februar wurden die Übergänge bei Schöneben und bei der Schwedenschanze Oberhaag zusammen mit 100 Dragonern aus Wels und anderen Einheiten überwacht. Das Kommando führte damals der Gardeleutnant Michael Zorn, der mit 30 Linzer Bürgern, 30 Knechten und 30 Musketieren auf die Pässe abgeordnet war.Wasmayr 1971, S. 152–153.

Ulrichsberg war während der Napoleonischen Kriege mehrfach u. a. von Bayern besetzt. Seit 1765 gehört der Ort endgültig zu Oberösterreich.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. Nach 1945 begann die Wiederherstellung Oberösterreichs.

Ulrichsberg war ab 1850 Teil des Gerichtsbezirks Aigen. 2003 wurde der Gerichtsbezirk Aigen aufgelöst und die Gemeinde dem Gerichtsbezirk Rohrbach zugewiesen.

Bevölkerung Bevölkerungsstruktur 2013 lebten in der Gemeinde Ulrichsberg 2.900 Menschen, womit die Gemeinde die zweitgrößte der 42 Gemeinden des Bezirks war. Mit 51 Einwohnern pro km² lag Ulrichsberg bezüglich der Besiedelungsdichte im unteren Mittelfeld der Gemeinden im Bezirk. Ende 2001 waren 97,5 Prozent der Bevölkerung österreichische Staatsbürger (Oberösterreich 92,8 Prozent, Bezirk Rohrbach 96,9 ProzentLand Oberösterreich Bevölkerungsstände in Oberösterreich im Vergleich nach Staatsbürgerschaft), bis zum Jahresbeginn 2013 sank der Wert minimal auf 97,3 Prozent (Oberösterreich 91,1 Prozent, Bezirk Rohrbach 96,9 Prozent) an. Insgesamt wurden 2013 in der Gemeinde 79 Ausländer gezählt, die zu 85 Prozent aus EU-Ländern stammten. Insgesamt 162 Gemeindebewohner waren im Ausland geboren worden, wobei auch hier 87 Prozent ein Geburtsland im EU-Ausland hatten. Zur römisch-katholischen Kirche bekannten sich 2001 96,5 Prozent der Einwohner (Oberösterreich: 79,4 ProzentStatistik Austria: Bevölkerung nach dem Religionsbekenntnis und Bundesländern 1951 bis 2001 (abgerufen am 2. Oktober 2013)), 1,7 Prozent waren ohne Bekenntnis und je 0,4 Prozent evangelischen bzw. islamischen Glaubens.Statistik Austria Gemeindedaten von Ulrichsberg

Der Altersdurchschnitt der Gemeindebevölkerung lag 2001 etwa im Landesdurchschnitt. 19,2 Prozent der Einwohner von Ulrichsberg waren jünger als 15 Jahre (Oberösterreich: 18,8 Prozent Wohnbevölkerung in Oberösterreich im Vergleich nach Altersgruppen), 60,1 Prozent zwischen 15 und 59 Jahre alt (Oberösterreich: 61,6 Prozent). Der Anteil der Einwohner über 59 Jahre lag mit 20,7 Prozent leicht über dem Landesdurchschnitt von 20,2 Prozent. Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung von Ulrichsberg veränderte sich in der Folge in allen Segmenten. Der Anteil der unter 15-Jährigen sank per 1. Jänner 2013 auf 13,4 Prozent, während sich der Anteil der Menschen zwischen 15 und 59 Jahren auf 66,7 Prozent deutlich erhöhte. Der Anteil der über 59-Jährigen sank nur leicht auf 19,9 Prozent. Nach dem Familienstand waren 2001 45,9 Prozent der Einwohner von Ulrichsberg ledig, 44,5 Prozent verheiratet, 6,7 Prozent verwitwet und 2,9 Prozent geschieden.

Bevölkerungsentwicklung

Die Einwohnerzahl der Gemeinde Ulrichsberg schwankte zwischen 1869 und 2013 nur wenig. So lag die Einwohnerzahl 2013 nur fünf Prozent höher als im Jahr 1869 und bewegte sich in den Jahren dazwischen in einem engen Korridor von rund 2.599 bis 3.100 Einwohnern. Der niedrigste Bevölkerungsstand wurde in der Gemeinde 1923 mit 2.536 Einwohnern gemessen, der höchste 1991 mit 3.111 Einwohnern. Im Vergleich mit dem Bezirk Rohrbach entwickelte sich die Einwohnerzahl von Ulrichsberg im Durchschnitt bzw. leicht darüber, im Vergleich erlebte jedoch das Bundesland Oberösterreich im selben Zeitraum nahezu eine Verdoppelung der Einwohnerzahl. Ulrichsberg wies in den 1970er bis 1990er Jahren einen starken Geburtenüberschuss bei einer gleichzeitig starken Abwanderung auf, wobei der Geburtenüberschuss die Abwanderung ausgleichen konnte. Nach der Jahrtausendwende kippte die Geburtenbilanz jedoch stark ins Negative, während die Wanderungsbilanz nur schwach positiv war. Dadurch verlor die Gemeinde zwischen 2001 und 2011 vier Prozent ihrer Einwohner, der Rückgang der Bevölkerungszahl setzt sich bis 2021 fort.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Aussichtsturm Alpenblick

Moldaublick: Aussichtsturm mit Ausblick auf den Moldaustausee. Alpenblick: Aussichtsturm mit Ausblick über das Mühlviertel, bei guter Fernsicht bis zu den Alpen. Katholische Pfarrkirche Ulrichsberg hl. Ulrich und Pfarrhof Ulrichsberg Kirche Schöneben: Erbaut von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg nach Plänen von Walter Esch, geweiht 1962 Maria auf der Flucht nach Ägypten. Michaelskapelle: ein Zentralbau – ein rundes Gebäude mit einem kleinen Vorbau 1694 vom berühmten italienischen Architekten Carlo Antonio Carlone entworfen (der auch die Pläne zur Neugestaltung einiger oberösterreichischer Stifte entwarf), 1696 vollendet. Eine der ältesten und schönsten Kapellen des oberen Mühlviertels. Die Kapelle befindet sich im Ortsteil Stollnberg vor dem Haus Nr. 9. Heimat- und Kulturhaus Ulrichsberg: u. a. mit einer Flachsstube (Weberei) und einem Glasmuseum, befindet sich neben der Kirche Jazzatelier Ulrichsberg: 1973 gegründet, verfügt der Verein seit 1986 über ein eigenes Haus in Ulrichsberg. Es werden Jazzkonzerte, das Internationale Musikfestival Ulrichsberger Kaleidophon, Filmvorführungen und Ausstellungen veranstaltet.